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der Erde. So trägt das junge Menschenherz eitlen Himmel schöner Hoffnung, goldener Zuversicht und reicher Liebe, der sich im leuchtenden Blicke des Auges verrät.

O Jugendzeit, o du rosige Zeit, Das Leben im Tal und auf Höh'n! Wo die Welt so offen, das Herz so weit O Jugend/ wie bist du so schön!"

Sang und Klang erfüllen die Lüfte. Vom Summen der Bienen und Küfer bis zum Schlage der Amseln und Drosseln, dem Lerchentriller, dem Finkenrufe, dem neckischen Kuckucksschrei, dem Pirolrufe und dem Flöten der Nach­tigall. So tönen die mannigfaltigen Stimmen in der jungen Menschenbrust. Bald keck und wohlgemut, neckend, herausfordernd, aufjubelnd und jauchzend und hinschmel­zend in seligem Liebessehnen.

Da singet und jauchzet

Das Herz zum Himmelszelt: Wie bist du doch so schön, O du iveite, weite Welt!"

Das Blütenmeer der Natur zur Pfiugstenzeit ist eben­falls ein Abbild der an Hoffnungsblüten überreichen, jungen Menschenbrust. Wohin das Auge schaut in Wald und Feld, Wiese, Garten und Park, überall die jungen, lachenden Kinder Floras. Maiglöckchen duften wohl noch int Waldes­grunde; der Wiesenteppich ist von der Hand der Natur aufs bunteste bestickt worden. Da heben aus dem saftigen Grün goldgelbe Dotterblumen und Löwenzahnblüten, lichtblaue Vergißmeinnicht, zartrosa Fleischnelken ihre Köpfchen empor. Der Flieder duftet noch in schweren blauen und weißen Dolden, der Goldregen schüttelt seine vollen Blütentrauben von den Zweigen, wie manches junge Menschenhaupt die üppigen Goldlocken schüttelt. Daneben hebt die weißrötliche, frühe Rose,Mädchenerröten" genannt, schüchtern ihr anmutiges Köpfchen. In den Gartenbeeten prahlt duftlos die mächtige, prächtige Pöonie, einem jungen, auf äußere, materielle Vorzüge protzenden Menschenkinde zu vergleichen. Rot- und Weißdorn tragen ihr Festgewand, der Faulbaum er­füllt die Luft mit dem süßen Duft seiner weißen Trauben. Die Roßkastanie aber streckt zwischen ihrem reichen jungen Laube die Blütenrispen hervor, so daß sie einem reich ge­schmückten Lichterbaum gleicht. Auch die Dornensträucher der Landstraße sind lieblich mit Heckenrosen geziert. Der Dichter singt:

Was zagst du, Herz, in diesen Tagen, Wo selbst die Dornen Rosen tragen?"

Aber das junge Menschenherz zagt nicht in diesen Tagen. Die Rosen der Jugend blühen auch auf den Wangen und in den Herzen derer, die das Leben hinaus auf die Land­straße des rauhen Daseinskampfes wirft, und lassen die verborgenen Dornen übersehen, wenn die wilden Rosen so lieblich an den Seiten des staubigen Weges locken. Die Jugend kennt nur äußere, zufällige Armut, im Innern fühlt sie sich reich. Sie ist auch reich in jedem Gewände/das sie trägt. Gehört ihr doch die Zukunft!

Die Zeit der berauschenden Blütenfülle gleicht der Zeit der Kraftfülle und dem Ueberschwang an Gefühlen im jugendlichen Menschenherzen. Der erfahrene Gärtner iveiß, daß die Bäume zugrunde gehen müßten, wenn alle Früh­jahrsblüten zn Früchten würden. So verlöschen auch in der jungen Menschenbrust unzählige Hoffnungssterne, ohne sich zu erfüllen. Es kann nicht anders sein; der Mensch kann nur ein bestimmtes Maß ertragen. Aber so iuettig wir der Natur zürnen, daß sie uns reiche Blütenfülle beschert, so wenig wird der Weise die Fülle der Triebe, die seine jugendliche Seele reich macht, beklagen, wenn sich auch nur ein kleiner Teil von ihnen zur Frucht entwickeln konnte. Das Volkslied sagt:

Jed's Jahr kommt der Frühling, Ist der Winter vorbei;

Der Mensch aber hat nur Einen einzigen Mai."

Das Menschenherz kann nur eine Jugend tragen. Doch die Wiederkehr des holden Pfingstfestes bringt auch den Reiferen und Aelteren ein Stückchen Jugend mit, läßt sie wenigstens tageweise in ihrem Zauberreiche verweilen. Die Erinnerung wird neu belebt, die Mitfreude int Hinblick auf Kinder und Enkel gleicht fast der eigenen, einst gefühlten Begeisterung. Die höchste Gabe des Pfingstfestes ist an kein Lebensalter des Menschen gebunden. Sie hat ihren Ur- {

sprung nicht in der vergänglichen Natur, der bei aller Pracht und Herrlichkeit doch nur Symbol des Ewigen ist Die Ausgießung des heiligen Geistes erstreckt sich über alle Menschen, die ihm die Herzen öffnen. Er ist der Tröster, der sie in alle Wahrheit leiten ivird.

Zwei pfingst-prekrütsel.

. Auch zum Pfingstfeste bieten wir Räiiclsreundeit Unterhaltungen Mir legen ihnen diesmal zivei Aufgaben vor, die beide zn losen sind, wenn em Preis beansprucht wirb. Als spätesten Termin für Einsendung der £ojimgen bestimmen wir mit Rücksicht ernt die Doppelarbeit den 4. Juli. Unter den Bücherpreisen befindet sich dicsnm, kein Kinderbuch, dagegen ein großes und schönes Werk

enw Fülle von Tondichtiiiigen für Klavier und Gesang ent­halt. Wer Interessent dasür ist, möge daS bei der au die Re- damon der Gießener Familic-nblätterzu adressierenden Lösung bemerken, ' J

1 Preisrätsel.

Aus jedem der nachstehenden neun Zitate ist ein Wort zu ent­nehmen. Tie neun Worte (in derselben Reihenfolge) ergeben int Zusammenhänge eine zweizeilige gereimte Bauernregel Siir Pfingsten:

1. Der Mann, der daS Wenn nnb daS Aber erdacht, Hat sicher aus Häckerling Gold schoii gemacht.

sG. A. Bürger, Der Kaiser und der Abt.s

2. Das Recht ist ein gemeines Gut, Es liegt in jedem Erdensohne, Es quillt in uns wie Herzensblut.

m m [ß. Uhland, Nachrnf.j

3. Mem Vater, mein Vater, ,et;t saßt er mich an l Erlkönig hat mir ein Leids getan 1

, 13. W. v. Goethe, Erlkönig.!

4. Laß nur zu deines Herzens Toren

Der Pfingsten vollen Segen ein Getrost, und bu wirst neugeboren Aus Geist und Feuerflammen sein!

IE. (Seibel, Frohe Botschaft.!

5. Ihr seht, der Regen regnet ewig fort.

IA. v. Chamisso, Der Szekler Landtag.!

6. Tas Neiie wirb, das Alte muß veralten.

sA. v. Chamisso, Mahnung.I

7. Wird euch auch das Auge trüber, Keine Träne bringt euch Spott.

ITH. Körner, Bnndeslied vor der Schlacht.!

8. Die Bliime verblüht. Die Frucht muß treiben.

IFr. v. Schiller, Tas Lied von der Glocke.j

9. Sei, Licht, mir gesegnet!

IFr. v. Schiller, Ter Flüchtling.!

2. Preis-Rösselsprung.

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Auflösung des Versteck-Rätsels in voriger Nummer:

l. Kleist; 2. Schlegel; 3. Herder; 4. Wieland; 5. Henau? 6. Schiller; 7. Grün; 8. Kinkel; 9. Ptaten; 10. Ebers; 11. Gerok; 12. Herne; 13. Rückert; 14, Uhland; 15. Klopstock; 16. Kerner: 17. Lessing.

^daktion: P.Wittko. - Rotationsdruck und Verlag der B h l'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.