Verwandte, die Sandotter, ist wieder ausgestellt. Im Jnsekten- haus sind schon manche prachtvollen, exotischen Schmetterlinge den Puppen entschlüpft. Direktor Stiehl schenkte dem Garten rin Albino-Frettchen und Direktor Weller einen jungen Rehbock.
* Von, russischen Studentenproletariat tveiß die „Petersbnrglaja Gazeta" traurige Sachen zu erzählen. In der Tomsker Universität hängt eine Anzeige aus, laut welcher ein Student seine Dienste als Schneider anbietet; ein anderer preist sich als Coiffeur an. In der ersten Annonce heißt cs: „Ich nähe nicht schlechter als eine beliebige Schneiderin, jedenfalls aber sorgfältiger"; die andere Annonce lautet: „Ich schneide das Haar und rasiere um die Hälfte billiger als die Coiffeure. Für die Gute der Arbeit bürge ich; ich bitte daher die Kommilitonen, meine Dienste in Anspruch nehmen gu wollen . .." Am schwarzen Brett der Moskauer Universität fand sich im Winter folgender Anschlag: „Der Aufmerksamkeit der Hausbesitzer empfohlen! Ein Student der Medizin füllt gegen mäßige Bezahlung die Eiskeller mit Schnee. Ich bitte die Kameraden, mir solche Beschäftigung nachzuweisen." Das russische Studentenproletariat schwillt von Jahr zu Jahr mehr an, obwohl, wie das oben erwähnte Blatt meint, die „Gesellschaft" alles tut, um den armen Studenten ihre Lage zu erleichtern: die Reichskontrolle nimmt für gewisse Arbeiten die Dienste von Studenten in Anspruch; dasselbe tun die Stadtverwaltungen, die Versicherungsgesellschaften, die Eisenbahnen usw. Viele Studenten finden in den Zeitungs- redaktioncn Beschäftigung, und viele andere verdienen sich ein paar Pfennige als Statisten in den Prionttheatcrn.
* Eine Million für einen Augenarzt. Der deutschamerikanische Kohlengrubenbesitzer John Markle, der beim Empfang des Prinzen Heinrich in Amerika einer der Vorsitzenden des Festausschusses war, ist von einem schweren Augenleiden befallen worden. Die amerikanischen Augeilarzte konnten ihm bisher nicht helfen, und er fürchtet sein Ailgenlicht für immer zll verlieren. Er hat sich daher entschlossen, eine Reise nach Europa anzlltreten, um die berühmtesten Augenärzte der alten Welt in Verkitt, Paris und Wieil um Rat zu fragell. Er will demjenigen Augenarzt, der ihn, völlige Heilling verschafft, 250,000' Dollars = 1,000,000 Mark zahlen.
* Fünfzehntausend Pfund Zuckerwerk — Bonbon und Pralines — hat das Vereinigte Staaten- Provialltschiff „Culgoa" der amerikanischen Schlachtschiff- und Kreuzerflotte des Admirals Evans ilach Magdalena- Bai gebracht, um in dell Mannschaftsmessen beit Bestand an Süßigkeiten wieder aufzufüllen, der während der Um= seglung von Mittel- uild Südanlerika stark in Anspruch genommen war. Süßigkeiten gelten bei den militärärztlichen Autoritäten in der Union als bestes Vorbcugungsmittel gegen die Trunksucht, die beim Heere und in der Flotte der Vereinigten Staaten noch stark grassiert. Besonders für die Tropen wird der Genuß von Schokolade und Zucker sehr empfohlen. Vor zwei Jahren, als die Besatzung an regulären weißen Truppen auf den Philippinen noch größer war, kam seitens des Washingtoner Armee- komnlissariats einmal eine Sendung von süilfzigtallsend Pfuild „Candy" zur Verschiffung nach Manila.
* „Das ideale Weib". Allerlei Winke und guige- meinte Ratschläge mögen heiratslustige Herren schöpfen aus einer Enquete, die amerikanifche Blätter veranstaltet haben und deren Zweck ist, gewissermaßen durch Stimmenmehrheit festzu- stellen, wodurch man leicht und sicher die ideale Gattin und Lebensgefährtin erkennen kann. Eine große Anzahl von zufriedenen und von schwergeprüften Ehemännern haben ihre Erfahrungen und Beobachtungen in den Dienst der Oeffentlich- keit gestellt, und ihre Aeußerungen verraten, daß nicht Geld oder Liebe allein, sondern auch vor allein die Farbe der Augen und des Haares sür das Glück entscheidend sein. Ein glücklicher Familienvater rät allen Junggesellen, ihr Lebens
schicksal mit dem einer blondhaarigen Frau zu verknüpfen, denn die blondhaarigen seien die besten, treuesten und liebevollsten Lebensgefährtinnen. Aber andere wenden sich mit aller Energie gegen diese Auffassung und beschuldigen die Blonden „unverbesserlicher Koketterie^; sie seien die „schlimmsten Herzensbrecherinnen". Andererseits scheinen auch die Schwa», haarigen auf starkes Mißtrauen zu stoßen, denn einige Gatten verraten: „sie sind zu temperamentvoll, man kann nicht gemütlich nut ihnen leben". Die Mischung zwischen beiden aber so versichert em „Erfahrener", sei das „ideale Weib": die Blonde mit dunklen Augen, oder die Schwarze mit blauen Augen. Er selbst aber nennt diesen Typus einen Ausnahmsfall, und daraus vielleicht auch erklärt es sich, daß das „ideale Wckb" so selten gefunden wird und daß trotz aller Warnungen die leichtsinnige äugend mit nur Blonden oder Brünetten ihr Glück aufs Spiel setzt.
c am en der Sternbilder. Die popnlär- naturwtssenschaftltchc Monatsschrift „Kosmos" schreibt: Wann und von wem zum ersten Male Gruppen von Sternen zu Sternbildern zusammengefaßt wurden, ist unbekannt. Soviel steht fest, daß zuerst hervorragende, in bie Augen fallende Sterne mit Namen belegt wurden W,<V 3- B- Srrius und Cauopus beweisen, deren Namen wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs sind. Viel später erst ging mau daran, augenfällige Sterngruppen zu be- t*c”nen'kennen wir z. B. Homer den großen Baren, die Plejaden und Bootes. Die phönizischen Seefahrer rlchteteil sich auf ihren Reisen schon nach dem kleiiten Bären. Die Benennung der Steritbilder des nördlichen Hinnnels erfolgte großenteils durch die Griechen die in willkürlichster Weise mythologische Gestalten am Himmel verewigten, so Orion, Zwillinge, Fuhrmann, Andromeda, Perseus ?c. re. Auch die modernen Astronomen leisteten bei der Namengebung am südlichen Himinel unter dem Einfluß menschlicher Schwächen und Eitelkeit Erkleckliches, z. B. Friedrichs Ehre re. re. Jdeler und andere versiichten die Namen einiger Sternbilder, freilich mit ivenig Erfolg, zu erklären. Be'i nichts ging der Mensch ivahl- und regelloser vor als bei der Benennung der Sternbilder.
Literarisches.
„ ~ G o et h es Sprü ch e in Prosa. Herausgegeben von H. Kruger-Westend. Leipzig, Insel-Verlag. Preis gebunden 2 — Mark. — Nicht viel aus aller Literatur läßt sich an Gehalt und Güte diesem Welt- und Lebensbuch, dessen Inhalt im Laufe eines langen und überreichen Lebens geworden ist, vergleichen. Es ist em Reichtum darin, der unerschöpflich scheint.
Goldene Worte.
Jahre gemeinsamer imbedentender Erlebnisse verkm'ipseu nicht so fest wie ein einziges tieserschntterndeS Ereignis, wo die menschliche Seele, in dem erhöhten Gestihl der Nichtigkeit alles Aenßer- lichen und Zufälligen, nur ihres Gleichen sieht, nur in der Liebe die Wahrheit erkennt. Ans dem klaren Strom der Freude rinnen die Seelen der Menschen ineinander, noch inniger aber aus dem düsteren des Schmerzes. Jean Paul.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung der Charade in voriger Nummer: Gassenhauer.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen«


