Ausgabe 
6.2.1908
 
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VMNsrMg den 6. Februar

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Kelmuih von LoVlen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Tie Dvrfleute, die ihnen begegneten, grüßten alle, viele ttvochten ihn wiedererkennen, die meisten schauten dem jungen Paar in all seiner Pracht und Jugendfrische schmunzelnd nach, und ein Mütterchen raunte dem Nachbarn zu:Tas wär' so ein Mann für unser Froilen!"

Im Hof angekommen, hielten sie am Stall, und sie glitt blitzschnell aus dem Sattel und lief, iljr Kleid mit der Hand zu- sammenraffend, nach dem Wohnhause, sic wollte erst sehen, wie es Wilhelm ging. Er saß wartend im Sattel und sah sie gleich darauf wiederkommen. Etwas bekümmert sah sie aus.

Er schläft," sagte sie,und da darf ich ihn doch nicht Wecken, er war so erschöpft. Nun kann ich Sie auch gar nicht auffordern, hrä Haus zu kommen, aber ich habe bestellt, daß ein Trunk hierher gebracht wird. Bitte, steigen Sie ab."

Ich danke tausendmal, aber ich möchte mich nun doch enlpfehlen. Ich fürchte sonst. Sie bekommen zuviel von mir zu sehen. Sie hatten die Gnade, mich für morgen einzuladen. Darf ich kommen und wann darf ich Kimmen?"

Wenn Sie mit uns in die Kirche gehen wollen, dürfen Sie schon um sieben Uhr morgens kommen," sagte sie lachend.

Ist das Ihr Ernst? Natürlich will ich mit Ihnen in die Kirche gehen!"

Das würde Wilhelm sehr erfreuen ich bezweifle aber doch, daß Sie es tun. Sie müßten dazu spätestens um sechs Uhr aus­reiten . . ." sie unterbrach sich.

Ihr scharfer Mick hatte im Hintergrund des Hofes einen Wagen benierkt, vor welchen zwei Ochsen gespannt wurden. Sie sprang zwei Schritte vor und hielt die Hand über die Augen, in denen cs anfblitzte.

Steubel!" rief die metallene Stimme über den Hof.

Ter mit Anschirren beschäftigte Knecht sah sich um.

Hat der Inspektor befohlen, den lahmen Schecken einzn- spannen?"

Ter drüben kratzte sich das struppige Haupt.

Na no ich hab' gedacht"

So scheint mir's. Denken ist dir durchaus ungesund, Steubel. Schirr ab und ui mm den alten Rotkops dazu!"

Ohne ein Wort der Widerrede machte sich der Ochsenknecht barmt, den Befehl auSzu führen.

Der Diener kam jetzt mit einem Brettchen vom Hause her. Er präsentierte Kognak und Cnrayao zur Auswahl iinb. der Reiter nahm dankend an. Er war denr Alten cntgegengeritten und dadurch gerade vor eine neben dein Kuhstall befindlich«, offene Türe gekommen, welche in die große, gewölbte Milchkammer führte. Die Mamsell hantierte darinnen und fuhr mit dem flachen, runden Blechlöffel geschickt unter der dicken, gelben Sahne hin, die sich bei die,er Prozedur ringelte und runzelte. Zwei weiße KchMl saßen auf der Türschwelle und blinzelten im Sonnenschein. In­dem Patschte es von der andern Seite heran. Ein barfüßiger Junge

in notdürftig geflickter Hose kam, einen braunen Henkeltopf ist der Hand schwenkend, daher und wollte sich in die Türe drängen, als ihn die Mamsell, den Löffel schwingend, anfuhr:

Fort, fort, hier herein kommst btt mir nicht, und Milch habe ich keine übrig für solches Bettelvolk!"

Ter Junge begann zu heulen, wobei er sich mit dem Hand­rücken im schmutzigen Gesicht hernmwischte die junge Herrin trat herzu.

Der Weöerchristel! Was ivift er, Mamsell?"

Milch will er, ganz einfach, recht viel Milch," schalt die Ge­strenge, zwischen ihren Milchschüsseln herumfahrend,schon zum zweitenmal kommt er. Na, heute früh gab ich ihm welche, und wie ich sage: Wo ist der Fünfer r Ta geht schon das Geplärre los. Ich denke also, er hat das Geld verloren. Bewahre, da ist er schon wieder und bettelt!"

Das Schloßsräulein ließ sich durch die Gegenwart des Reiters nicht beirren. Sie bückte sich zu dem Jungen herab.

Hör' mal auf mit Heulen. Mir Iven willst du die Milch?"

Für's Kindla."

Aber ihr Habt doch eine Ziege,"

Tie is g'sturba."

Gestorben? Weshalb denn?"

Sie hoit nischt zu fressa g'habt."

Versteh' ich nicht. Im Winter schenkte ich euch Heu und jetzt habt ihr doch die Gräben und Raine der Pfarräcker als Weide."

Die hoit uns der Herr Pastor wieder furtnumma."

Und weshalb?" ,

Weil wir'm int Herbst Aeppla g'stohlla hoin. In."

Sieh mal an, du Schlingel. Tn und der Paul?"

Ju. Se war'n so rot."

Also richtig die Erdbeercipfel an der Pfarrgartenmaner! Seid ihr übergestiegen?"

Na. M'r hoin Mit Steinla g'schmissa, und da sin se 'runter- kommen, aber der Herr Kandedate auch."

Was? Vom Baum?"

Na, vom Pfarrhause."

Hoffentlich hat er euch was ausgewischt!"

M'r soin furtg'rannt."

Also ohne Aepfel?"

Sechse kunnt'n m'r noch.mit fnrtbringa" ans dieser ohne alle Gewissensbisse gegebenen Versicherung klang schon wieder stolze Befriedigungdie soin gut, die roten." ,

Ja," sagte das Fräulein sachverständig,es sind die besten, die er hat. Nun weiter. Was hat euch der Herr Pastor dann,über die Feldraine gesagt?"

Ter hoit nix g'soit, aber der Herr Kandedate ist zu uns kumma und hoit g'schimpft jn, g'schimpft hoit er und g'soit, daß der Rentschel nu die Weide kriegt, und wie ich 's erschtemal 's Ziegla hintreiben tu, kümmt der Rentschel und haut mich und schreit, der Groin sei jetzt sein Recht und nicht unsers. Ju."

Gut, mein Sohn, das ist eine schlimme Geschichte, wenn sie wahr ist. Ihr seid so schrecklich verlogenes Volk" dies kummervollich komme noch heute zur Mutter und frage nach.