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ander Mal wollte mau ihn auf Glatteis führen und legte ihm einen Brief Ludwigs XIV. vor. Zum Entsetzen all seiner Anhänger erklärte er, daß es die Schrift eines alten Geizhalses und Wucherers wäre. Als man jedoch nach- forschte, stellte sich heraus, daß das Billet von dem Kabinettssekretär Rose geschrieben worden war, der die Schrift des Monarchen so gut nachzuahmen verstand, daß dieser viele Briefe, die für eigenhändig gelten sollten, von ihm schreiben ließ. Visconti hatte das von seinem Gönner Vendome erfahren. Wie die Abenteurer jener Zeit, ist auch Visconti nach einer Periode kurzen Glanzes in der Bastille geendet. Nach sechs Monaten gelang es ihm, zu entkommen und er tauchte wieder in das Dunkel zurück, aus d§m ihn eine launische Welle des Schicksals und die Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen emporgehoben hatten.
Ein Uaiser als Märtyrer.
Ein merkwürdiges Geheimdokument, in dem der jüngstverstorbene chinesische Kaiser seine Schmerzen und Leiden aufzählt und das ourch eigenartige Umstünde in die Hände eines Mitglieds der französischen Gesandtschaft in Peking kam, wird im Matin veröffentlicht. Es war int Jahre 1898, als der damalige französische Gesandte in China Stephen Pichon angesichts der pessimistischen Gerüchte von dem Gesundheitszustand des Kaisers Kivang-sü in Peking die Erlaubnis erwirkte, dem Kaiser die Behandlung des französischen Botschaftsarztes, des Dr. Dethöve angedeihen zu lassen. Die Kaiserin-Witwe erteilte ihre Genehmigung und in Begleitung des Konsuls Vissiere wurde der Arzt in Gegenwart Tsu-Hsis von dem krauZon Kaiser empfangen. Der Kaiser machte einen sehr deprimierten Eindruck, seine dunklen Augen starrten teilnahmslos ins Weite, und der schwächliche kleine Körper ließ kaum glauben, daß man einem erwachsenen Manne von 28 I chren gegenüberstand. Mit Erlaubnis der Kaiserin-Witwe hnrfte der Arzt zur Auskultation schreiten, und dann richtete man eine Reihe Fragen an den Kaiser, die sich auf sein körperliches Besuchen bezogen. Mitten im Gespräch, ohlte seine Tante anzusehen, zog er plötzlich heimlich aus seinem Seidentuch eine Keine Papierrolle, die er unbemerkt dem Dr. Dethöve in die Hand drückte. Es ist das Schriftstück, das heute veröffentlicht wird, ein einzigartiges Leidensbekenntnis eines gekrönten Fürsten. Ter Kaiser erzählt darin, wie er immer beim Klange des Gongs von Schwächegefühlen übermannt werde und tote in der Nacht im Traume derselbe Klang in ihm forthalle, ihm Schwindelgefühle errege, allerlei anfangs angenehme Vorstellungen wachrufe, die dann fast immer in einem schmerzlichen Gefühle körperlicher Leere ansklangen. „Seit dem Frühling dieses Jahres ist es mir, als seien die Finger meiner beiden Hände innerlich geschwollen und starr wie Holz; meine Hüften und Schenkel schmerzen mich, als wären sie hohl und leer. Wenn ich spreche, huste oder niese, so ist es, als zöge sich mein Körper innen zusammen - der Atem überstürzt sich, wie wenn man keucht, und ich muß seufzen. Zudem kann ich toeber die Kälte ertragen, noch die Wärme und auch keinerlei Ermüdung. Stehe ich eine Zeitlang aufrecht, fb wächst der Schmerz in den Hüsten und Schenkeln, die Brust scheint sich aufzuweiten und der Atem haftet. Ich fühle keinen Boden unter meinen Füßen. Wenn ich längere Zeit sitze, schwellen mir die Augen auf und Arme und Beine geraten in schmerzvolle Erstarrung, die Brust scheint sich zu verstopfen und der Atem wird gepreßt. Wenn ich in der Nacht schlafe, erkalten meine Schenkel und Shue. Nach dem Erwachen ist mein ganzer Körper starr, und es fällt mir schwer, mich zu rühren oder mich umzudrehen. Gewöhnlich habe ich ein fortwährendes Summen und Surren an den Ohren und eine leichte Taubheit, und an den Händen habe ich stets ein Kältegefühl. Aber diese meine Leiden können nicht beseitigt werden. Wenn ich die Arzneien gebrauche, die mich wärmen sollen, so bilden sich an meinem Kopfe intb an meinem Körper kleine Blattern und auf meinem Halse und an den Zähnen entstehen Keine Blasen. Dann schmerzen mich die Zähne. . . Obgleich ich täglich viel esse, wickelt der Vcr- dauungsprozeß sich nur schwer ab . . . Am Tage verspüre ich eine Müdigkeit und einen Widerwillen gegen jede Bewegung,
ich habe den Wunsch, mich zu legen. Mein wenn ich längere Zeit liege, erweitert sich die Brust, und ich kann es kaum aushallen. Auch den Wind muß ich sehr fürchten. Wenn ein kühler Windhauch mich berührt, verspüre ich einen Schmerz oberhalb der rechten Schläfe. Andererseits, im Herbst und im Winter, wenn ich etwas dichtere Kleidung trage und wärmere Decken benutze, dann entstehen leicht dis Blasen auf meinem Körper und auch auf der Zunge.' Das tritt auch ein, wenn mein tägliches Getränk Teile enthält, die Wärmegefühle auslösen." Mit einem melancholischen Seufzer schließt dies seltsame Dokument: „In Wahrheit^ es ist schwer, ein Mittel zu findeit, um dies Uebel zu be-- kämpsen und die Gesundheit aufrecht zu erhalten."
©ermSWtec.
* Origineller Schwindel. Die französische Polizei hat vor einigen Tagen einen Schwindler verhaftet, der in den Zeitungen folgendes Inserat aufgab: „Schicken Sie mir zwei Franken und Sie erhalten ein kostbares Juwel. Lösen Sie dieses Rätsel (folgt eine Rätsel) und Sie gewinnen eine Prämie von 100 Franken." Eilt Tag genügte, um dem erfinderischen Schwindler nicht weniger als 8000 Zweinfrankstücke einzubringen, aber er vergaß es, die versprochenen kostbaren Jutvelen abznschicken, und sitzt heute ine Gefängnis. Diese Keine Episode erinnert an ähnliche amüsante kleine Schwindelmanöver. In London wurden vor einiger Zeit Keine Automatenapparate aufgestellt, die di« Inschrift trugen: „Wer zwei Pence in die Oeffnung wirst» und am Handgriff zieht, erhält eine Ueberraschung." Man steckte d,as Geld hinein, man zog am Handgriff und heraus kam — nichts. Das war eben die Ueberraschung. Als Volls-- erziehung war die Erfindung Wohl zwei Pence wert, allein der kluge Erfinder wurde schließlich verurteilt. Ein andere« Schlaukopf erbot sich in den Zeitungen, gegen ein Entgektz von 50 Pfa. ein sicheres Mittel zu verraten, durch das man gegen alle Verluste bei Rennen, an der Börse und bei Hazard» spielen geschützt sei. Er versprach, seine Methode, die vertraulich behandelt toerbeit müsse, int geschlossenen Kuvert mitzuteilen. Unzählige Gläubige schickten ihre 50 Pfennig- Stücke. Und sie alle erhielten auch ein Kuvert, in dem ein Zettel lag mit dem unschätzbaren Rate: ^Spielen Sie nicht.* Aber auch dieser Philosoph fand keine Gnade vor den Behörden und bezahlte seine wohlgemeinten Ratschläge mii einer Gefängnisstrafe.
* Wahres Geschichtchen. Etwa zwanzig Reisende kameik von einer Seitenstrecke mit ziemlicher Verspätung am Bahnhofs der kleinen Stadt an, so daß der Anschlußzug nach den: Norden bereits abgefahren war. Da dies der letzte Zug an jenem Tag« war, so begehrten die Fahrgäste fürchterlich auf, bis ihnen der diensttuende Beamte zornig erklärte: „Ich kann den Zug nicht so lange warten lassen, für 130 Mark können Sie sich ja einem Extrazug fahren lassen." . Tatsächlich sammelten die Herren unter sich 130 Mark: vier gingen bann hoffnungsvoll zu dem Beamter« mit der Bitte, den Extrazug vorfahren zu lassen. Aber siehe da, der Beamte erklärte: „Ja, was glauben S' denn, der Extrazug muß 24 Stunden voraus bestellt werden." „Jugend".
* Kleines Mißverständnis. „Was lvst't deuu'S Photographier'»?" — ..Drei Mark das Dutzend !" — „Ja . . s wir san aba nur elfer
Silbenrätsel.
aa, ar, as, be, e, fe, gel, ha, ja, 11, mir, ne, ni, nu, o, er, np, pW, po, re, str, vel.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart iniierenmiibei' gesetzt werden, daß die Aiüangs- buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von utueit nach oben gelesen den Namen eines Astronomen ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes r
1. Einen Monatsnamen.
2. Teil eines Musikinstruments.
3. Deruschen Fluß.
4. Dänischen Dichter.
5. Frauenname aus der griechischen Sage.
6. Schutzpatron eines österreichischen Landes,
7. Biblischen Namen.
Auflösung in nächster Nummer r
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born;
Nur des Meiscls sclrwerem Schlag erweichet
Sich des Marmors sprödes Korn. Schiller
Redaktion! E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'scher Untocifuäta - Buch' und Stemdruckere«, 81 Lange. Gießen


