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^Klaubauf" itt Deutsch-Tirol und bettRmnpmtz" in Böhmen. Doch nicht selten überninrmt auch Niklas selbst die Rolle des Lindersänecks, die sonst seine Diener in gräßlicher Teuselsmaske, in Bvcksgestatt, mit klirrenden Ketten und ellenlangen Ruten fetteten. In der Umgegend von Fulda überwiegt in seinem Aus- tehcn noch daS Gw teste, das Grausig«; er hat einen langen Weißen Talar an, einen riesigen altmodischen Hut, einen langen jcluoarzen Bart und eine Kuhglocke, die er unaufhörlich ertönen küßt. Im Böhm-ertvald jedoch hat er sich ein Kopfkissen als riesige Mühe aufs Haupt gedrückt, das Gesicht dick mit Mehl beschmiert, ein Leichentuch als Geistergewand und eine riesige Nute. Noch schlimmer ist der Nuhtias oder Polterklas, der in rauhe Felle eingehüllt ist und gar wild tut, der Buhe graul itnb Pelze« märte mit seiner entsetzlich hohen Mütze und dem ungeheuren Sack, in den er die Kinder steckt. Die Sitte des Beschenkens der Kinder am St. Nitelaus-Äbend ist uralt. So heißt es schon im Solbergschen Rats-Jahrbuche vom Jahre 1515:Der Gräfin Kn Händen am St. Nikolaus-Abend sieben Paar Messer, Taschen und Pfesserkuchen, 15 Gr. 4 Pf.; für Bilder, Reuter und anderes Rarrenwerk 5 Gr. 4 Pf." Anschaulich schildert Abraham a Santa Clara das strenge Verhör, das St. Klatts mit den Kindern anstellt, bevor er seine süßen Gaben, die Aepfel, Nüsse und Hutzeln, daö schöne Backwerk in mancherlei bestimmten Formen, dasNiko- lausgebäck", die Schiffchen aus Marzipan u. die Spielsachen verteilt, fragt der Nicola:Wie sich die Kinder das Jahr hindurch erhalten ha­ben? Ob sie gern beten? Den Eltern u. Präceptarubus gehorsam sein? Ob zum Exempel der Hänserl uni> der Paul nicht zu faul? Ob der Fränzerl nu-d Jgnazerl kein schlimmes Frazerl? Ob der Michel und Six vielleicht gelernt nix? Ob die Eatherl gern bei dem Rädert? Ob die Sabindl ^ern bei der Spindl? Ob die Liserl und Thereserl nicht etiva zwei junge Eserln? Dist alles fragt der Rieola." Die lärmenden UmMgc deS Niklas, das Geschrei und das Freudenjanchtzen, das sein Erscheinen itt den Kinderstuben begleitete, der sanze ausgelassene Spuk, der sich dabei entfaltete, boten der Kirche und Regierung bald ein Arrgernis, und man schritt mit Verordnungen gegen die Feier des NtklastageS ein, in item so viel altheidnische Vergangenheit tvieder auflebte. Ein Dekret des Herzogs Gustav Adolf von Mecklenburg von 1682 verbot, daßdem gemeinen Brauch nach allerlei vermummte Personen unter dem Namen des Thristkindleins, Nicolai auf den Gassen u mb Harlan sscn, in die Häuser entweder mittig eingrrusfen Werden, oder sich such in dieselben hincindringen, weil solches ,,in Kockfinsterem HeDentum den Urftmrng feit". Der Laubanrr Pre­diger Äartinus Bofemus eiferte gegen di« Beschenkung der Kinder ernt Niklas tage; eS sei ein böser Brauch, daß die Eltern den Kindern etrotufc aufs 93«tt legen und sagen, «S hab« dies der heil. Nikolaus beschert,weil dadurch die Kinder xum Heiligen geiviesen werden, da wir doch wissen, daß nicht St. Nikolaus, sondern das heilige Christkindlein uns alles Gutes an Leib und der Seelen bescheeret, welches wir auch allein darumb anrufen sollen." Besonder« wandte Man sich dann in der Zeit der Aufklärung gegen diesesBelügen" feer Kinder, gegen dieseelenden Geschichten vom Helden Clauß, die der Aberglaube in dem verdorbenen Gehirn der Ammen und Wärterinnen gezeuget unb die Vernunft und Mühe wieder in Nichts <j«wandelt"; man warnte vor den schädlichen Folgen des Erschreckens der Kinder und 1791 schrieb H. L. Fischer:Man würde staunen, wenn man die Menge der Kinder wissen sollte, die vor SchrM über einen solchen Anblick gestorben." Doch all jslche Warnungen ferben St. NiÜas nicht verbannen können.

Ern Wimdmnünn.

Die Graphologie, die man heute so gern zu einer Wissenschaft ausbilden möchte, hat bereits am Hofe Lud- »vigs XIV. ihre Anhänger gehabt und großes Aufsehen ierregt, wenngleich sie damals in einer recht großen Form betrieben wurde und nur den Schwindeleien eines Aben- tenrers diente. Der interessante Mann, dem man den Namen desVaters der Graphologen" gegeben hat, war ein Italiener, der sich Jean Baptiste Primi Fslicicn Bis- eonti Fassola de Rassa, Graf von Saint-Mavol nannte, ieinet jener kühnen Hochstapler und Glücksjäger, die zu dem so vielgestaltigen Bilde der Barockkultur gehören und auch am Hofe Ludwigs XIV. nicht fehlen durften. Seine Erinnerungen, deren Manuskript nach seiner Verhaftung in die Bibliothek von Aix-en-Provence kam, sind jetzt von Jean Lemeine herausgegeben worden. Der Italiener, der sich dem höchsten Adel seines Vaterlandes zurechnete, war wahrscheinlich der Sohn eines Tuchkaufmanns aus dem Bezirk Rassa im mailändischen Gebiet. 1673 taucht er aus dem Dunkel seines bisherigen Lebens auf; er befindet sich auf einer Reise nach Paris, von dem Glanz des Sonnenkönigs und feines Hofes angezogen, tvie so viele, «m sein Glück zu machen. In Lyon setzte er sich mit leinem Reisebekannten namens Borgion zu Tisch und er­

zählt diesem in einem gebrochenen halb italienisch und fran« zösisch, daß der Kellner, der sie bediene, unglücklich ver­liebt sei und seine Stelle verlassen wolle. Es stellt sich heraus, daß die Sache sich wirklich so verhält; die ganze Reisegesellschaft ist höchlichst erstaunt und Visconti zeigt sich selbst ganz verwundert darüber, daß er richtig geraten habe. Dieses zufällige Vorkommnis wird ihm zu. einer Richtschnur, durch die er den Weg aus Unsicherheit und Ungewißheit zu immer festerem Glauben an fich selbst und zu immer glänzeren Erfolgen findet. Seine Reise­gefährten sind bereits so von seiner geheimnisvollen Gabe der Vorahnung überzeugt, daß er mit einer neuen Prophe­zeiung auf allseitiges Vertrauen stößt. Er verkündet einem Reisenden, der mit einem ekelhaften Geschwür behaftet war und dadurch recht lästig fiel, er werde unterwegs ermordet werden, und der Reisende verläßt voller Angst den Post­wagen. In Paris bestrickt Visconti durch seine Liebens­würdigkeit den fremdartigen Reiz seiner Erscheinung den Abb6 de la Baume, von dem er nun alle Einzelheiten über die Personen des Hofes, ihre Verhältnisse, ihre Be­ziehungen, ihre Liebe und ihren Haß erfährt. Die Knude von dem mysteriösen Propheten hatte sich unterdessen schon in den Salons verbreitet. In einer Gesellschaft der Präsi­dentin d'Ozenbray erklärte er, die Gabe zu besitzen, aus jeder Schrift den Charakter der Person zu lesen.Die Präsidentin", schreibt er,gab mir einen Brief. Ich er­klärte ihn für geschrieben von einer Person, die im Waffen­handwerk geübt, ehrgeizig; und unruhig wäre; diese Person unterhalte Beziehungen zu einer Witwe und habe eine Wunde am Kopf. Die Präsidentin fand, daß ich alles richtig geraten hatte, nur mit der Kopf­wunde stimme es nicht. Aber da brachte ihr ein junges Mädchen einen Brief, in dem der betreffende- Herr ihr mitteilte, daß er bei Befanyon mit einem Mus-- ketenstoß am Kopf verletzt worden sei. Da schrie sie auf: Mein Herr, Sie sind ein Zauberer!" Durch solch« Proben seiner Kunst wuchs sein Stuf außerordentlich. Ganz Paris brannte danach, ihn zu sehen", die Damen drängten sich- um ihn; den Chevalier de .BendSme, der Großprior von Frankreich räumte ihm eine Wohnung in seinem Palais ein. Wer erst ein neues Wenteur sollte ihn auf die Höhe seines Ruhmes bringen. Eines Nachts wurde er plötzlich zu der Marquise von Rannes gebeten und fand bei ihr eine ganz erregte Dame, die er sogleich als die Cousine des Königs Sine, de Montpensier erkannte, die Geliebte des Herzogs von Lauznn, der um ihretwillen gefangen saß. Der Italiener verriet mit keiner Miene, daß er die Dams kannte; er erzählte ihr die ganze Geschichte, wie wenn er noch nie etwas von dem berühmten Liebeshandel gehört hätte, hüllte fich in geheimnisvolle Andeutungen und brachte sie durch seine Mitteilungen bald zum Weinen und bald zum Lachen. Die ganze Nacht sprach sie mit Visconti; dann enthüllte sie ihm ihren Namen, worüber der Italiener das grenzenloseste Erstaunen bezeigte. Am andern Tage führte sie ihn nach Versailles zum König.Das also ist Erter Wnndermann," sagte Ludwig XIV., zog den Zauberer ein wenig beiseite und fragte ihn im Vertrauen, ob er wirklich etwas davon verstünde. Visconti tat das Klügste, waS er tun konnte; er antwortete ganz frei heraus, daß er gar» nichts verstünde und das nur zu seinem Vergnügen täte. Darauf lachte der Sonnenkönig und arbeitete ihm in die Hände, indem er erklärte, dieser Italiener sei wirklich ein gelehrter und galanter Mann. Nun lvar fein Glück ge­macht. Die Prinzen und hohen Herren rissen sich um ihn; vom Morgen bis zum Abend war sein Haus von Karosse» und eleganten Leuten belagert; Pagen, Lakaien und Zofen liefen aus und ein. Mit großer Geschicklichkeit wußte er sich immer durchzuhelfen, und manchmal machten es ihm die Fragenden auch leicht. So zeigte ihm die Königin einen Brief des Königs von Spanien, ohne das Siegel zu ver­decken und kaum gar nicht aus dem Erstaunen heraus, als der Zauberer nun ihr in sibyllinischen Andeutungen über die Persönlichkeit des hohen Schreibenden orakelte. Ein.