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Es crschicil ihm dort nicht geheuer. — Schemenhaft huschte id an der buschigen Lisieve hin. Er griff nach dein Feldstecher lind suchte den Wald!rand ab. —
, „Aha — also doch!" — Er zählte: „zwei — drei! — Nein — der dritte ist cüt Stamm, — also zwei!"
Allem Anschein nach eine feindliche Patrouille. Die roten Pumphosen erkannte er deutlich durch das Glas, die Franzmänner dagegen schienen ihn und seine Leute noch nicht bemerkt zu haben. Die Regeln der Jnstruktionsstunde über Patrouillendienst fielen ihnt ein: Biel sehen und nicht sehen lassen!
, Demnach noch ein Stück hinan, oder nein, besser, er schickte gleich Meldung zurück: denn: eine ausführliche Meldung, die zu spät kommt, hat weniger Wert, wie eine kurze zur rechten Zeit.
„Flinzcr!"
„Herr Unteroffizier?" Der Gefreite kroch heran.
„Sie kriechen zurück und melden: Meldung von GesechtK- patwuille Guttermann. — Am Ostrande des vorliegenden Waldes feindliche Patrouille, zwei Mann stark. — Rote Hosen, — blauen Wasfenrock, Tschako. — Ich beobachte weiter. — 4,15 nachmittags."
Der Gefreite wiederholte die Meldung, dann kroch er rückwärts, langsani und mit Bedacht.
Kaum daß sich ein Grasbüschel regte.
Otto Guttermann lauschte. — Die heiße Luft lag dick über der Heide. — Eine schillernde Libelle gaukelte vorbei.
Otto Guttermann barg sich tief im Grase, das Gewehr auf dem Unterarm. Schlafähnliche Ermattung überkam ihn. Die Augen mechanisch nach dem Waldrande gerichtet, sah er doch ganz andere Bilder: Heimatsbilder.
Jut Waldwinkel lag er int Grase, die Vogelflinte in der Hand.
Mar das nicht Stampfen und Summen von Vaters Mühle, ganz fern?
Nein, — das war der Krieg und sein Lärm, der nur vernommen und abgetönt herüberklang.
Otto Guttermann träumte mit wachen Augen. Die hohen Föhren drüben sind der Habschtswald mit den unzähligen Ktähen- neflern; — die Straße ganz in der Ferne, die wie ein weißer Faden sich hinzieht, ist die Bergstraße.
Dieser Frieden hier — dieser Frieden! Das Gras wiegt friedlich sein Haupt vorm warmen Sonnenschein, die große, struppige Hummel dort auf dem Weidenröschen brummt so friedlich! — Die Bergstraße herein muß doch jeden Augenblick Merlin kommen mrt dem KvrbWägelchen. — Er hats so weg, mit der Peitsche zu knallen.
Richtig, da ist er, der scharfe Peitschenknall — und dahinter hep em langgezogener hohler Pfiff und ein Aufschrei.
„Herr Unteroffizier!"
„Merlin?"
„Herr Unteroffizier!" — —
Jäh strömt die Gegenwart ihm nach dem Herzen. Er greift nach dem Kopf. — Da fitzt ein Helm und nicht die blaue Gymna- siastemnütze, er blickte nach dem Arm, da liegt schwer das Gewehr und nicht die Vogelflinte, — und der ihn da hinten ries, war nicht Merlin, — das war der Soldat Heinze.
„Herr Unteroffizier,--der Gefreite Flinzer ist erschossen!"
„Verdammt! Haben Sie die Meldung gehört von vorhin?" „Jawohl, Herr Unteroffizier!"
«So kriechen Sie zurück und melden dasselbe. — Nehmen Sie Flmzern die Patronen ab, wenn Sie vorbei krieche»!"
„Alle?"
„Fünf behält er, falls er noch lebt!" Soldat Heinze kwch zurück.
Verflogen der Traum, zerstört der Friede!
. Gehölz saß einer mit ehernen Krallen und heißem Blick, einer, der weiß, was er will: und findet, was er sucht. — Das ist der Tod.
Uiid iM Grase liegt einer, nein zwei, — eigentlich bm, doch der dritte hat nichts mehr zu sagen, denn er gehört schon dem drüben mit den ehernen Krallen. — Aber die zweie,, die fürchten ihn nicht, die sind aus deutschem Holze, die wollen ihn fangen, den knöchernen Gesellen. Leise, leise rutschen sie vorwärts, immer auf dem Bauche, Zoll um Zoll, den Gewehrriemen zwischen den Bahnen — Und das ist gut; man könnte sonst das Wutknirschen der Zahne hören, und der int Gehölz mit den ehernen Krallen und dem heißen Blick, — der soll gar nichts hören. -
... ‘)et Peitschenknall und wieder das langgezogene,
d.inne Pfeilen, und drüben am Waldrande macht einer einen Luftsprung. Mit ausgebreiteten Armen fällt er dumpf klatschend nach vorn über. Das Bajonett spießt in den weichen Wäld- boden und der Kvlben gabelt als Totenmäl in die Luft. „Der hats weg!" murmelt der Schütze neben Guttermann. — Otto
schaut ihn von der Seite an und sieht, wie sein Antlitz kalk, bleich wird und er sein Haupt auf den Arm legt.
„Was ist Ihnen?"
„Ich kann das nicht mehr ansehen--! Den hab ich er
schossen — — nnd ich dacht gerade an seine Braut — — und ich hab auch eine zu Hause!"
Guttermann machte „hm — —!" — — Ihm war so trocken in der Ktzhle. Es konnte sein, daß dies vom Pulverdampse kam, der in dünnen Schaden ruckweise sich über die Heide hinzog.
(Fortsetzung folgt.)
Will's Gott.
Erzählung von B. Herwi- (Nachdruck verboten.)
Ich mache nicht gern Zukunftspläne. Wenil ich mich aber doch dazu verleiten lasse, dann pflege ich immer, wie es so viele meiner lieben Mitmenschen auch tun, das be°i dinguugsweise „Will's Gott" entweder laut hinzuzufetzen oder es ganz leise im stillen, dicht hinter dem Plan odep der Hoffnung einzuschieben. Es ist dieses „Will's Gott" bet manchen nicht von der Religiosität diktiert, sondern wohl so eine Art .Versicherung, die man mit dem Geschicke ab- schließt; durch Bescheidenheit und Demut glaubt man es' um so eher für sich zu gewinnen, als man sich bedingungslos seinem Walten, das ja durch göttlichen Willen regiert wird, überläßt.
Man kommt dabei zwar um ein gut Teil der Vorfreude, die sich ein lveniger vorsichtiges Gemüt nicht entgehen läßt, aber man wird auch wiederum durch ein Fehlschlagen dep Hoffnungen nie so zur Verzweiflung gebracht, wie diejenigen,^ die sich nicht das Hintertürchen beim lieben Gott offen gelassen haben.
Wenn nun etwas besonders Gutes in Aussicht steht, danu wird man um so eher verlockt, seine Gedanken um die bevorstehende Freude zu ranken, Vorbereitungen zu treffen, Entwürfe zu veranstalten, und so ertappte ich mich denn manchmal im stillen, wenn ich an der Näharbeit säst oder spazieren ging im Wald rind Feld, daß ich an den schönen Tag dachte, an dem vor fünfundzwanzig Jahren unsere innige Liebe ihre Weihe erhielt.
„Wann ist denn nun eigentlich Ihre Silberhochzeit?" hatten die Freunde gefragt.
„Will's Gott, im November."
„Ach, wirklich so nahe, und Sie werden sie sestlich begehen?"
„Gewiß," sagte ich laut und verschluckte meinen kleinen Bedingungssatz.
„Da wird wohl Ihr lieber Sohu nach Hause kommen?, Der ist doch schon mehrere Jahre von der Heimat entfernt^ nicht wahr?"
„Vier Jahre haben wir unseren Rudolf nicht gesehen^ unfern Einzigen."
Meine Gedanken lenken sich vom Gespräch ab, sie eilen weit fort, über das Weltmeer, wohin ihn fein Hang, fremde Menschen und Länder kennen zu lernen, geführt.
„Er kann nicht kommen," sagte ich leise und resigniert^ „es ist zu weit, und jetzt ist in Rio große Geschäftszeit, ei? ift des Chefs rechte Hand, der kann ihn nicht entbehren."
„Sehen Sie nur, wie stolz meine Tuna das sagt," neckte mich mein Mann, der gerade ins Zimmer getreten war, „ja, meine Frau hat etwas heldenhaft Ernstes in ihrem Charakter, eine Entsagungskraft, um die eine römische Mutter sie hätte beneiden können."
Nun kamen mir wirklich die Tränen.
„Rudolf," sagte ich bittend, aber der böse Mann liest nicht ab. -
„Wißt ihr was?" verklagte er mich bei den Freunden, „sie forscht jetzt überall umher, wie man am schnellsten aus Südamerika kommen könnte, und sieht die Schiffs», listen nach, ivie lange die Dampfer gehen. Verteidige dich nicht, Tünchen, du bist erkannt, am liebsten führe sie selbst hinüber zu ihrem Herzblatt und ließe sich von ihm diü Silbermyrte aufs Haupt drücken."
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