Samstag den 5. September
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Der Dorfkönig.
Roman Von Karl Böttcher -Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Am selben Abend saß Baunteister Hennig in seiner Lattenlaube, mißmutig und finsteren Angesichtes. — Irene kam hinzu Und setzte sich neben Hennig. — Sie hatte rotgeweinte Augen und bemühte sich, die drängenden Tränen zu unterdrücken.
Als ihr Nachbar noch immer schwieg, sagte sie ärgerlich:
„Sv sagen Sie doch ein Wort!--Sie haben doch keinen
Grund, schlechte Laune zu haben!" —
Das erzürnte ihn. ,
„Ich keinen Grund?! — Glauben Sie, mir paßt das, hier, tn diesem Winkel zu sitzen und Quadersteine aufzubauen, während Deutschlands Jugend ins Feld zieht zu Kampf und Ehren?!"
Irene Guttermann blickte Hennig von der Seite an, beschämt und bittend.
Ihr erschien jetzt der Krieg und ihres Bruders Auszug in ganz anderem Lichte.1 Im Herrenhause drüben, bei dem schimpfenden Alten und der jaiümernden Mutter war ihr nur das' Traurige des Feldzuges bewußt geworden, nun sah sie auch das Ideale leuchten.
Sie fragte ihn: „Sie grünten sich, daß Sie nicht Soldat sind?" — Er nickte.
Darauf quoll heftig in ihr ein Gefühl empor; sie preßte dje Worte heraus: „Ich bin so froh---so froh!"
„Worüber sind Sie froh?"
„Das sag ich--das kann ich nicht sagen!"
„Ich bitte Sie darum!"
Irene stand verlegen auf und ging rückwärts in kleinen Schritten nach der Gartentür. Eine Glutwelle überflutete ihr Gesicht.--„Weil Sie dableiben —■; Sie!!"
Und dazu nickte sie, und ihre Augen glänzten.--Einen
Augenblick später war sie iw Wirtschaftshof verschwunden.--
In Sachsens Hauptstadt herrschte unbeschreibliche Begeisterung. Die Bahnhöfe waren überfüllt von jungen Kriegern, und immer neue Massen brachten die Eisenbahnzüge.
Hugo Guttermann, der neunzehnjährige Jüngling, hatte ohne weiteres die Landwirtschaft liegen lassen, dem Bauer Jllgen aber in das Gesicht gelacht, als der ihm verbieten wollte, nach Dresden zU gehen.
„Ein deutscher Mann — und in diesen Tagen Rüben bauen, das gibt es ja gar nicht!"
Mit Mazda wanderte er durch Dresdens Straßen. Oft wurden sie eingekeilt int Menschenstrom, sie warteten geduldig.
Die Begeisterung, die als Funke in Hugos Herzen glimmte, ward mit jeder Stunde mehr angefacht bis zur lodernden Flamme, und zuletzt hatte er nur iwch einen Wunsch: Du mußt mit in den Krieg!
Aber über das „Wie" wußte er keinen Rat. —
Sie standen an den alten Kasernen, die gegenüber der Brühl- Wen Terrasse lagen und betrachteten das geschäftiae Treiben in
। den Höfen, bewunderten die ungeheure Menge Kriegsmaterial, | die in langen Zügen aus den Depots geschleppt wurde — und dieser Anblick schürte nur noch Hugos Kriegslust.
Da trat ein junger Leutnant aus einer der Baracken und schritt an ihnen vorüber. Kainn vorbei, hemmte er seinen Schritt rind blickte Hugo an.
„Guttermann — bist du es ?"
„Borgers — — du??"
Die beiden schüttelten'sich die Hände, ehrliche Freude des Wiedersehens auf den jungen Gesichtern.
Zu Mazda gewandt, sagte Hugo: „Mein Freund Borgers, vom Pennal her!" — und zu dem jungen Offizier: „Wie ich dich beneide!"
„Mach doch mit, — solche, wie dir — — sind immer willkommen !"
Mazda zuckte zusammen.
Hugo jedoch klammerte sich an die Worte Borgers.
„Kannst du mir dazu helfen?"
„Wenn auch nicht das direkt; denn was ist ein Leutnant mit einem' Bie'vwvchensiatent int großen Kriegsapparat?! — Aber raten kann sich dir: Gehe über den Hof — dort in das Regimdntsbureau und m'elde dich als Freiwilliger! — Und nun Gott befohlen! Vielleicht sehen wir uns in heißer Schlacht wieder!"---
Einen Augenblick noch stand Hugo überlegend da, dann reckte er sich auf, drückte Magdas Hand, und mit großen schnellen Schritten ging er über den Kasernenhof.
Mazda rief, — bat, —n lief ihm nach, — doch Hugo achtete' nicht darauf und verschwand drüben im Hause. Um Magdas Mund zuckte es bedenklich; ein elendes Gefühl des Verlassenseins überkam sie. — Sie wandte sich zum Gehen und warf noch einen letzten Blick hinüber nach deut Kasernentor.
Öö man Hugo gleich dort behalten wurde. —
Bei diesem Gedanken stiegen wieder die Tränen hoch, r—t Aber inan behielt Hugo nicht gleich dort; denn als sie einen allere letzten Blick noch nach bent Regimeutsbuveau schickte, trat er eben aus der Tür.
Das war aber nicht derselbe Hugo wie vorhin. Der ging jetzt geduckt und langsam.
„Sie hätten genug und könnten mich nicht gebrauchen!"
Das meinte Mazda auch, und diese Mitteilung erfüllte sie voll und ganz, so daß sie von Hugos weiteren Erzählungen nicht mehr viel hörte.
Jetzt erst war sie so recht begeistert für das Vaterland.
7. Kapitel.
Bei Weißenburg tobte der Kampf.
Weitab vom eigentlichen Schlachtfelds schlichen durch das Gestrüpp vier deutsche Krieger.
ES war eine Gefechtspätrouille der Königsgrenadiere des Generals von Kirchbach,
Den anderen voraus bewegte sich, kriechend und huschend, der Führer der Patrouille.
Das Gewehr am Riemen um den Hals gehängt, den Körper auf beide Hände gestützt, so. spähte er hinter einem Ginsterbusch in das nahe Gehölz,


