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hatte man mich in das völlig finstere Steinloch gestoßen; ein Schmied kam hinterdrein und schweißte meine Fesseln zusammen. Eine Kette, an der ein schweres Gewicht hing, wurde um meinen Knöchel befestigt und ein eisernes Band um meinen Leib. Dieses Band hing durch eine Kette mit einem tief in den Fesseln gelassenen Ring zusammen. Als diese schauerlichen Vorbereitungen beendet waren, verließ mich der Schmied, und ein Maurer schloß den Spalt, durch den ich hiueingekommen war, bis auf einen handbreiten Schlitz, itnt die Luft und die dürftigen Nahrungsmittel, die man mir reichen durfte, durchzulassen. Worte vermögen die Gefühle, die ein Mensch in solcher Lage empfindet, nicht wiederzugeben. Sein einziger Rettungsgedanke ist Erkrankung infolge der Finsternis, des Dunstes, der Entbehrung, des gräßlichen Schmutzes. Er sagt sich: „Wie lange, Gott, wie lange?" Stundenlang lag ich regungslos da — wie lauge weiß ich nicht; Tag und Nacht sind in den Kerkern von Ceuta eins. Tann sing ich an zu denken. Konnte ich entrinnen? Ich fühlte, sehr bald würde ich allen Scharfsinns, ja aller Denkkraft bar sein, und ich sagte mir: „Soll überhaupt etwas getan werden, so muß cs sofort gescheheu."
ES dauerte eine geraume Zeit, bis ich ein Mittel fand, wie ich vielleicht anders als durch ein Wunder entkommen könnte. Ich versuchte, ruhig alles denkbare zu erwägen, kam aber immer wieder zu demselben entsetzlichen Schlüsse: Ich muß hier verfaulen, wenn mir sticht Hilfe von außen kommt. Dies schien unmöglich, und alles Gräßliche eines elenden Verkommens starrte mir ins Auge. Alle zwei oder drei Tage kam ein Wärter zu deut Schlitz itnb reichte ein Gefäß mit Wasser und ein paar Brotkrusten hindurch. Einmal versuchte ich mit ihm zu reden, aber er lachte mir ins Gesicht nnd wandte sich ab. Endlich verfiel ich aus einen Plan, der allein Rettung zu bieten schien. In meiner Studienzeit war ich mit Charcot bekannt gewesen und hatte sogar bei seinen ersten hypnotischen Versuchen mitwirken dürfen. Die Sache interessierte mich, und ich verfolgte sie angelegentlich, bis ich selbst einer von den Wissenden wurde. Es gelang mir damals, fast alle meine Bekannten zu hypnotisieren, konnte ich sie lange genug behandeln. Ich beschloß, einen Versuch zu machen, ob ich dieser Kunst noch mächtig sei, und womöglich meinen Wärter meinem hypnotischen Einfluß und Willen zu unterwerfen. Aber wie sollte ich ihn lange genug in Hör- und Sehweite festhalten, um ihn bearbeiten zu können? Auf sein Erbarmen zu bauen, war offenbar verfehlt; seine Habsucht mußte ich erregen, das schien das einzige Mittel, an ihn zu kommen. Wie aber sollte ich dies ohne einen Heller in der Tasche anfangeu? Ich versuchte es auf folgende Weise: Wenn ich seinen Schritt hörte, kroch ich zu dem Schlitz und murmelte in zusammenhanglosen Worten etwas von einem vergrabenen Schatz. Bei dem Worte „Schatz" sah ich ihn beim schwachen Schimmer des Lichtes, das er bei sich trug, halt machen und horchen, ich tat aber, als bemerkte ich seine Anwesenheit nicht, und murmelte weiter vor mich hin von Schiffe kapern uni) große Beute vergraben. Mein Plan gelang vortrefflich. Der Wärter kam zu der engen Oeff- nung und rief mich zu sich. . Als ich herangetreten war, sragte er mich, welches Verbrechen mich hergebracht hätte, und ich machte, ihm weis, ich sei Schmuggler und Seeräuber gewesen. Nun fragte er, wo der Schatz, von dem ich gesprochen hätte, vergraben sei. Meine Antwort — ich besinne mich genau auf meine Worte — lieferte ihn völlig in meine Hände. Ich sagte: „Wir haben ihn bei Fez vergraben, — Schatz? Von'm Schatz weiß ich Nichts."
Aus die vielen Fragen, die er weiter stellte, erwiderte ich nur mit abgebrochenen Worten, unterließ aber nicht, bei seinem nächsten. Besuch wieder von großen Reichtümern zu faseln. So fesselte ich ihn lange genug, um auf ihn einzuwirken, und in weniger als einem Monat war er meinem Willen völlig unterworfen. Ich versuchte verschiedentlich meine Macht über ihn; jede Delikatesse, die ich wünschte, mußte er mir bringen. So gewann ich meine verlorene Körperkraft zum Teil tvieder. Als ich dachte, nun sei die Zeit zu meiner Entweichung gekommen, veranlaßte ich ihn, um Mitternacht das Mauerwerk von meinem Kerkereingang wegzubrechen, während ich mit seiner Hilfe die Fesseln durchfeilte und die Kleidung anlegte, die er mir gebracht hatte. Als ich heil aus meinem Steingrab heraus war, mauerten wir es tvieder zu, dann machten wir uns auf, beit vorgeblichen Schatz zu holen. Wir gelangten mühelos nach Algier, denn mein Begleiter hatte Geld, und von dort fuhren wir über Gibraltar nach England. Aus der Fahrt ist mein Genosse über Bord gefallen und ertrunken, — wie das zusammenhing, toill ich hier nicht nieberschreiben. Jedenfalls war ich nun wieder völlig frei.
Aon England segelte ich nach Newyork, kam aber hier ohne Drittel nvd in schlechtem Gesundheitszustand an. Da es in New-
hork nicht vorwärts ging, begab ich mich nach Boston, tvo ich wieder als Detektiv und daneben als gewerbsmäßiger Spieler mein Leben fristete. Damals las ich John Darrows merkwürdige Ankündigung, ivonach er int Falle feines Mordes dem Entdecker des Täters eine hohe Belohnung znsicherte.
(Fortsetzung folgt.)
Neisebrrese.
Bon Dr. A. Z. (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl.").
III. Gporto.
Die Bai von Biscaha ist nns gnädig gewesen. Auch am berüchtigten Kap Finisterre sind wir ohne Sturm und Nebel vorbei gekommen, und etwa bei 42 Gr. n. Br. genießen wir .zum erstenmal wieder sommerliche Wärme. Ein strahlender Sommermorgcn begrüßt uns auch, als wir uns am 8. April beim Erwachen in LeixveS, dem Hafen von Oporto, finden.
Im Grund einer kleinen, romantischen Bai, durch hoch aufgeworfene Dämme gegen die mächtige Brandung geschützt, präsentiert sich Leixves als eine Art Miniaturhasen; die vier anwesenden großen Dampfer füllen ihn fast vollkommen aus. Im Hintergrund erhebt sich terrassenförmig ein malerischer Strand, und mit stillem Entzücken gewahrt das Auge hier wieder die erste südliche Vegetation.
Bald drängt sich am Fallrepp Boot an Boot.' Braune, verwegen aussehende Gestalten bieten mit viel Geschrei ihre Dienste an, und nachdem man nach langem Handeln einig geworden, geht es ans Land. — •—
Wie köstlich wohl tut einem nach dem langen kalten Winter die brennende Sonne, wie weidet sich das Auge an dieser Fülle gleißenden Lichts! Ich sühle zunächst nichts als echten sommerlichen Sonnenbrand, ich sehe nichts als satte Farben, und am liebsten legte ich mich unter die zerlumpten Kavaliere, die mit köstlicher Grandezza ihren Tag im Sand des Strandes verträumen, und feierte eine stille Orgie in Licht und Wärme.
Allmählich verdichtet sich der Eindruck und ich sehe, daß das tiefe Grün echten, großen, saftigen Palmen gehört, daß luftig rot und weiß in ihrem Schatten ruht das luftig leicht gebaute Häuschen der warmen Zone, und hier die zerfallene Mauer, dort die mit tausend Flicken besetzte Wäsche singen einem nach langen Jahren wieder einmal das lustige Lied von der sorglosen Schlamperei der Kinder des Südens.
Da sind sie auch schon in Person: dunkeläugig und zerlumpt, srech und prachtvoll schmutzig stürzt sich die Straßenjugend auf Touristen. Ein hingeworfenes Kupferstück und man ist sest- gekeilt in eine wilde, schreiende und sich balgende Masse, und nur eilt gewaltsamer Sprung rettet einem aus diesem geräuschvollen Idyll wieder zurück in die Kultur — auf die elektrische Bahn.
Sie führt in halbstündiger Fahrt zunächst die platanen- bestandene Strandpromenade entlang, dann einbiegend in das romantische Tal des Duoro. Wir passieren einen mit üppigen Anlagen geschmückten Platz, die Straße wird belebter: Am Fluß stehen grvße Warenschuppen, am Bergeshang die elektrische Zentrale und eine Reihe industrieller Anlagen, und bald sind wir mitten brin im bergigen Opporto, der durch ihren feurigen Wein berühmten, zweitgrößten Stadt Portugals.
Am rechten Duoro-User streckt sie sich weit, im wahren Sinne des Wortes an die Berghänge geklebt, und ihre steilen, winkligen Straßen erhalten durch eine seltsame Mischung von großstädtischem Trubel und ländlichem Idyll ein außerordentlich charakteristisches- pittoreskes Gepräge. Die steilen, gepslasterten Hänge bieten beut stolzen Pferd und dem modernen Äuto kein dankbares Feld, und so hat sich das ehrwürdig brave Rindvieh hier eine durchaus dominierende Stellung im Lastfuhrwerk gewahrt. So wie über den Hauptverkehrsadern Berlins ein dichter Benzindunst liegt, so riecht hier die ganze Stadt nach ländlichem Kuhmist. Behäbig- breit tretend ziehen die schön gehörnten Stiere, in ein oft kunstvoll geschnitztes, aber tierquälerisches Joch gespannt, die primitiven zweirädrigen Karren. Zwei-, vier- und sechsspännig bringen sie die zu Schisf angelangteit Waren hinauf in die Stadt, führen sie den im oberen Duorotal gewachsenen Wein dem Hafen zu. In Hemdärmeln, bunter Weste und Zipfelmütze träumt der Führer daneben her. Sein ruhiger, selbstverständlicher Stolz scheint zu sagen: Ich gehöre hierher, so gut wie meine Ahnen, die vor hundert Jahren hier ihre Ochsen trieben. Hier ist mein Feld und ich werde es behaupten trotz elektrischer Bahn, trotz Taxameter und Automobil.
Es ist in der Tat von eigenartigem Reiz dieses Straßenbildbas Külturtypen von Jahrhundertsbisferenz im bichtesten Gewirr vereint, und meiner alten Gewohnheit folgend klebe ich lange träumend an ihm fest. Rur ungern raffe ich mich auf, um die Stadt weiter im Detail zu studieren'. Der schlanke Turm der „igrega dos clerigos" gibt einen weiten Ueberblick über die Hügel der Stadt und das untere Duoro-Tal; weit im Westen winkt uns in bläulichen Dunst gehüllt die liebe See einen vertrauten Gruß. Die Börse, mit einem bemerkenswerten maurischen Prunksaal, der noch im Bau begriffene Bahnhof mit großartiger Tunnelanlage, eine andere eingerichtete, geräumige Markt-


