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Mittwoch -en 5. August
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John Darrows Tod.
Wman von Melvin L. Severy.
(Nachdruck verboten,) (Fortsetzung.)
3. Kstpitel.
Am Morgen nach den eben berichteten Ereignissen traute ichsvreinen Augen kaum, als mir beim ersten Blick auf die Zeitung Rn unseren Prozeß betreffender Artikel auffiel. Es dauerte einige Augenblicke, bis ich meine Kräfte so weit sammelte, um Florence, Alice und Jeanette, die meine Erregung benierkt hatten und mich mit Ungeduld anschauten, die Nachricht laut vorlesen zu können. Die Mitteilung lautete:
Heute morgen um i/25 Uhr fand man Godin tot in seiner Zelle Nr. 26 im Gefängnis an der Charlesstraße. Die Art seines Todes wäre vielleicht noch ein Geheimnis, hätte er nicht ciu schriftliches Geständnis seines Verbrechens und seines' Selbstmords hinterlassen. Dieses verfaßte er gestern nachmittag und labend, da man, ihm auf sein Borgeben, er müsse wichtige Erklärungen für die Gerichtssitzung am nächsten Tage aufsetzen, Licht Lewährt hatte. , Das Geständnis lautet wörtlich-:
Ich bin bei einer Jagd zur Strecke gebracht worden, bei der ich selbst die Hunde auf meine Fährte setzte. Ich war nie dafür, leinen vollwertigen Gegner herauszufordern. Hätte ich nur mit gewöhnlichen Detektivs zu tun gehabt, so behaupte ich kühn, ich wäre als Gewinner und Sieger hervvrgegangen. Ich muß meine Niederlage eher den außergewöhnlichen zu meiner Entlarvung verwendeten Hilfsmitteln, als eignen Schnitzern zuschreiben. Das ist zwar ein schwacher Trost, aber es ist immerhin ein Trost, denn war immer mein Stolz, ein Künstler in meiner Art zu sein. Da ich , es vorziehe, einem weiteren Kreuzverhör zu entgehen, so Nehme ich, diese Gelegenheit wahr, das, was ich bekannt zu geben für gut finde, der Mitwelt mitzuteilen. Ist das getan, so werde ich essigsaures Bleioxyd zu mir nehmen und dem erwartungsvollen Publikum Lebewohl sagen.
Um manchen Leuten die Verwunderung darüber zu ersparen, wie ich zu diesem Gifte kam, und um zu verhüten, daß die Gefängniswärter in Verdacht kommen, diene zur Erklärung, daß sich in der westlichen Ecke meiner Zelle ein kleines Stück bleiernes Wasserleitungsrohr befindet. Da heute Sonntag war, erhielt ich zum Frühstück Bohnen und Schwarzbrot. Ich bat um etwas Essig zu meinen Bohnen. Man brachte mir ein kleines Fläschchen, und ich konnte ohne Schwierigkeit eine erhebliche Menge Essig zurück- behalteu, die ich, sobald sich Gelegenheit bot, auf das Bleirohr änwandte, so daß ich nun über genügend efsigsaurcs Bleioxyd verfüge, um ein Dutzend Menschen umzuoringen. Diese Todesart ist freilich keine sonderlich angenehme, ich ziehe sie aber der einzigen anderen, die mir sonst, winken würde, vor. So viel hiervon. —
Ich bin in Marseilles geboren, und mein rechter Name ist Jean Fauchet. Mein Vater bestimmte mich zur Priestsrlausbahn und ließ mir eine gute Ausbildung in einem Pariser Kvlleg zuteil werden. Seine Hoffnung sollte ihn jedoch täuschen. Im
Kolleg fand ich Geschmack am Spiel, und ein Jahr, uachdeui ich die Reifeprüfung bestanden hatte, befand ich mich in Monte Carlo. Hier geriet ich mit einem Spielgenossen in Streit und erschlug ihn. Dies machte meinen ferneren Aufenthalt in Frankreich gefährlich, und ich nahm die erste Gelegenheit wahr, mich nach Amerika einzuschiffen. '
Mein vertrauter Umgang mit Verbrechern lehrte mich natürlich, auch ihre Wege und Mittel kennen, und so wurde ich Detektiv. Dieser Beruf und gewerbsmäßiges Spiel erwarben mir hinfort die Mittel zum Lebensunterhalt. Ich schlug mich so mehrere Jahre in Newhork, Boston und Philadelphia durch und wurde auch inzwischen ■ naturalisierter Bürger der Vereinigten Staaten. ,
Als der Aufstand auf Kuba ausbrach, konnte ich meine Neigung zu einem abenteuerlichen Leben nicht länger zügeln und beteiligte mich an einem von Newhork ausgehenden Freibeuterzuge. Das tat ich nicht etwa aus Liebe zur kubanischen Sache, sondern einzig wegen der damit verbundenen Aufregung. Ms ich, beim, ersten Zusammentreffen mit dem Feinde ein schweres Geschoß in Händen hielt, ließ ich es aus Ungeschick auf meinen linken Fuß fallen, der dadurch zerschmettert wurde und in der- Folge verunstaltet blieb. Das' machte cs mir fortan fast unmöglich, meine Identität zu verbergen. Drei Monate später nähmest mich die, Spanier gefangen und führten mich als politischen Verbrecher in ihr, Vaterland. Eine Scheinuntersuchung wurde mir zugestanden, nicht etwa um meine Schuld oder Unschuld festzu-, stellen, sondern nur nm zwischen Kerker und Schafott zu wählen. Es wäre für mich weit besser gewesen, sie hätten sich für das letztere, als für den ersteren entschieden.
Als politischen Missetäter verurteilte man mich zur Eiit-- kerkerung in Ceuta, einem Hafenort in Marokko, Gibraltar gegenüber und am Abhang des alten Berges Äbyla, der mit dem Felsen von Gibraltar die beiden „Säulen des Herkules" bildet. Es ist fast uneinnehmbar und wird von Spanien benutzt, wie Sibirien von Rußland: nur ist es weit, weit schrecklicher. Die Stadt wurde im Jahre 945 erbaut, und nirgends auf Erden finden sich Wohl jetzt noch so viel Einrichtungen, die zur Peinigung der Gefangenen dienen sollen. Weh dem, der nach Ceuta verschickt wird! Die Stadt ist klein: zur Sicherung gegen einen Ueberfall haben sie die Mauern mit einer Kette von Befestigungswerkest vepseheu, und die schwarzen Verließe unter diesen Forts bilden die Kerker. Sie liegen reihenweise und sind bis fünfzig oder sechzig Fuß tief in den Granit gehauen. Durch enge Oeffnungen in dem Steinboden der Forts gelangt man hinein, und eilt geradezu unerträglich übler und fauliger Geruch entsteigt diesen Löchern. Manche "diese Verließe fassen dreißig oder vierzig Mann- Mich sperrte man in eine Einzelzelle. Niemals hatte ich mein Leben übermäßig hoch geschätzt ober mich gescheut, es in die Schanze zu schlagen, aber jetzt erstarrte mir das Herz, als ich das Entsetzliche meiner Lage erkannte. Ein' Steinkasten von etwa acht Fuß im Geviert — Wenn ich auf dem Boden lag, konnte ich mit ansgestreckten Händen und Füß-u sämtliche Wände berühren — hatte auf einer Seite eine Oeffnung, durch die ich mich eben mit meinem Körper zwängen konnte, und durch diesen Spalt


