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tetr drüben über der Grenze, so stand der Offizier von der Bahre nuf und verliest uns mit seinen Kameraden. Die Bahre zerschlugen wir in kleine Stiickc und warfen diese in den Abgrund. Dann wanbcrtcn ivir nach Piemont hinein. Wir das will sagen: der junge Maurice d'Escorval, Marianne und ich.

Ein menschenfreundlicher Arzt vermittelte dem jungen Paar, daß es durch einen Dorfpriester getraut wurde, und dann ver­bargen wir uns in Turin. Es folgtest ejn paar schlimme Monate; wir hatten nur wenig Geld und mußten sehr auf der Hut sein, denn die sardinische Regierung würde uns sofort all die be­freundete französische ansgeliefert haben, wenn wir entdeckt wor­den wären. Dazu die Ungewißheit, für Maurice um seinen Vater, für Marianne um ihren Bruder. Und Marianne fühlte sich Mutter! Das entschied endlich Maurice, seine junge Frau auf Schleichwegen wieder über die Grenze zu bringen. Man konnte ihr auf keinen Fall etwas anhaben, und sie war jedenfalls in der Heimat besser aufgehoben, zumal, da sie von einem Ver­wandten, der im Aufstand mit gefangen genommen und später erschossen worden war, ein ansehnliches Bauerngut, die Bor- derie, ererbt hatte.

Wir kamen glücklich bei dem Hause an, wo der Baron lag, aber Abba Midon, der ihn immer noch pflegte, wollte nicht ge­statten, dast sein Sohn ihn sähe. Der Zustand war immer noch sehr gefährlich. Er verlangte, dast wir sofort wieder über dis Grenze gingen, nur Marianne sollte da bleiben und ihre Erb­schaft in Besitz nehmen.

Wir .mußten also wieder flüchten; aber ehe ivir gingen, kam Jean Lacheneur, der von seiner Wunde wieder genesen war, Aum jungen d'Escorval und sagte:

Was? So ohne weiteres gehen Sie wieder aus deut Lande? Ohne sich an dem Schurken zu rachen, der Ihren Vater ermordet hat? Wissen Sie denn nicht, das; der Marquis Martial de Sairmeuse den Strick durchgeschnitten hatte? Denn wer soll es sonst getan haben? Wäre ich an Ihrer Stelle, der Stutzer müßte mit vor die Klinge. Und gerade heute wäre eine so schöne Gelegenheit, Ihre Hcvausfordcrimg anzubringen: um diese Stunde must der junge Herr Martial mit Fräulein de Courtomienx getraut sein, und heute abend werden hunderte von Gästen zur H-ochzeitsfeier anwesend feilt. Wie wäicks, wenn ich mit einem Bries von Ihnen unter die Festversammlung träte und denn jungen Eheinann sagte: Da lies, wenn du den Mut hast, und gib Rechenschaft, meint du ein Mann bist!

Maurice folgte der Rede des Wütenden; ein Brief, der den Marquis in den stärksten Ausdrücken zum Zweikampf forderte, wurde Jean Lacheneur mitgegeben, und am Abend machten wir uns nach Schloß Sairmeuse auf den Weg. Ich wollte nämlich Jean nicht allein lassen.

Marquis Martial kam sofort zu uns heraus, als Jean ihn rufen liest; er las den Brief, wurde totenbleich und packte Jean am Arm, indem er rief: Kommen Sie mit und sehen und hören Sie selbst. Nicht ich bin der Schuldige, aber ich weist jetzt nur

Ku gut, wer den Bubenstreich verübt hat. Ich war ihm in später

Nachtstunde in der Zitadelle von Montaignac begegnet; ich cv- kanntc ihn, aber ich wußte nicht, was er vorhatte. Erst jetzt

erfahre ich, was vorgefallen ist. Kommen Sie!

Damit packte er Jean am Arm und zog ihn mit nach dem Ballsaal. Niemals werde ich die Szene vergessen. Die Hunderte von festlich geschmückten Menschen, die vielen Kerzen, die rauschende Musik.

Der Marquis hatte den ganzen Saal durchschritten und blieb endlich vor seinem Schwiegervater, dein Herrn de Courtomienx, stehen, auf ein Zeichen von ihm schwieg plötzlich die Musik; int« suftiö und neugierig drängten die Festgäste sich um ihn herum. Da begann er mit lautschallender Stimme:

Meine Damen uwd Herren,.ich bin es der Ehre meines Namens schuldig. Ihnen von einem soeben empfangenen Brief Kenntnis Kn geben!

. Und er las die Beschuldignug und die Herausforderung des ttmgcn d'Escorval vor.

Als er geendigt hatte, ballte er den Brief zusammen und warf ihn. den; Marquis de Courtomicux in das erdfahl gewordene Gesicht, indem er rief:

Das für dich. Beträtet, der es gewagt hatte, den alten Namen L-airmeuse durch die Verbindung mit dem deinigen zu besudeln!

Und zu Jean Lacheneur sich wendend, setzte er hinzu:

. sagen Sie Herrn d'Escorval, dast ich morgen zur rechten Zeit an dem . von ihm bestimmten Ort mich einfinden werde.

Damit verliest er, ohne sich um einen Menschen zu bekümmern, den Saal. Alle Anwesenden waren wie betäubt; cs herrschte Me Totenstille. Zuerst faßte sich die Neuvermählte. Mit einein

Lächeln, dasihr eine übermenschliche Willensanstceugnng gekostet haben mußte, wandte sie sich zu bett Nächststehenden und sagte:

E-s muß cm plötzliches Unwohlsein, eine augenblickliche Blut- watlung sein. Aber wir wollen uns dadurch nicht stören lassen. Die Musik soll weiter spielen!

Wirklich begannen die Musikanten auf ihren Wink einem Walzer, aber kaum waren die ersten Töne erklungen, so eilten! und drängten all die Hunderte von Gästen dem Ausgang zu. Es war, als flöhen sie aus einem von der Pest befallenen Hause.

Am nächsten Morgen fand Marquis Martial sich wirtlich auf dem bestimmtet! Platz ein; aber kaum hatten Maurice d'Es- covval und er die Klingen gekreuzt, btt brachen aus den nahen! Gebüschen ei» Dutzend Soldaten hervor. Wir mußten fliehen, ja, wir wären ergriffen tvorden, wenn nicht der Marquis den Unter­offizier, der die Abteilung führte, zwei Minuten lang hätte auf- zuhalten gewußt. Mir glaubten damals freilich, dies sei nur Verstellung von ihm gewesen, er habe, um das Duell zu ver­hindern, selbst die Soldaten, die zu der von seinem Vater be- fehligten Garnison von Montaignac gehörten, in den Hinterhalt gelegt. Nachher haben wir erfahren, dast auch dieser Srhurken- streich vom Marquis de Courtomienx ausgegangen toar.

Jean Lacheneur schlug sich in die Milder, die er mit seiner Büchse durchstreifte; er hatte dem Verräter Chupi», der seinen Vater aufs Schafott geliefert, dem Marquis de Courtomicux und dem Herzog de Sairmeuse blutige Rache geschworen. Maurice d'Escorval und ich aber gingen wieder nach Piemont hinüber. Nur ganz selten erhielten wir eine Nachricht aus der Heimat. Doch erfuhren >vir, das; Marianne sich in ihrer neuen Besitzung, der Borderie, niedergelassen batte. Es war ihr gelungen, ihren! Zustand vor den Augen der Neugierigen zu verbergen, und als dann ihre schwere Stunde nahte, war der menschenfreundliche piemontesische Arzt, der ihre Trauung vermittelt hatte, zu ihn gekommen und hatte ihr Beistand geleistet. Vierzehn Tage daraus verliest er die Borderie und i.ahm ihr Kind mit sich.

Und dieses Kind lebt noch? fragte Leeoq.

Das kann ich nicht sagen, versetzte der Korporal nachdenklich. Herr Maurice d'Escorval hat cs viele Jahre lang suchen lassen. Der Arzt war ganz kurz daraus gcstorbeu, und ivir konnten niemals! erfahren, wem er den Knaben anvertraut hatte.

Und dieser Knabe hiest Gustave, nicht wahr? rief Leeoq schnell.

- Nein, ganz gewiß nicht, er war auf den Namen Maurice getauft worden, Ivie sein Vater. Und d<ts war auch das einzige, was dieser je über sein . Kind erfuhr. Doch wieder zu unserem Flüchtlingsleben. Endlich erhielten >vir bessere Nachricht aus der Heimat.Der Marquis Martial Sairmeuse hatte sich Marianne wieder genähert; er sprach nicht mehr von Liebe, aber er hatte den Wunsch, zu beweise», daß auf ihm fein Makel ruhte, dast er an deut Betrat gegen den alten Baron d'Escorval keinen Anteil gehabt hatte. Er erbot sich, durchzusetzen, dast ein neues Verfahren vor einem ordentlichen Gericht gegen den Baron eröffnet werden sollte, wobei dieser freies Geleit erhielte. Uebrigens war an einer Freisprechung nicht zu zweifeln. Der gegen bett Abbo Midon erlassene Steckbrief wurde zurückgenommen und ich wegen! meiner Desertion begnadigt.

(Fortsetzung folgt.)

Wshm steuert Indien?

Das Ziel, das Herr Msisionsm.pektor Frohnmeher mit feinem Vertrag über dieses Thema - bergt, die Notiz irr Nr. 277, 2. Bl. verfolgte, war das, einzuführerr in das Verständnis der modernen indischen Bewegung.

Bis vor ungefähr 20 I ihren herrschte im gesamte» indischen Volksleben völlige Stagnation. Am bejten sind die damaligen Vsrhältnisie gekennzeichnet in den Schlag­wortenUndurchdringliche Reserve der indischer! Welt", ,.Macht der Gewohnheit",Apathie des Hindu",Unfähig­keit zur Tat". Dre Ursache zu alle dem ist in dem indischen KastenwesenKastemmwesen" zu suchen. Das K aste u- lv e f e tt verhinderte das Zustandekommen jeglichen Nativ nal- aefühls, des Bewußtseins der Einheit intb Zusammenge­hörigkeit des gesamten Volkes. Es verhinderte die Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse des indischen Volkes. Aller. .Handel und Verkehr, und jedes Gewerbe war lokal begrenzt, auf eine Karte beschränkt. Es verhinderte endlich das Auf­kommen eines neuen sittlichen Ideals. Sittlich feilt, das hieß: den Ordnungen der Karte nachleben, nitb diese For­derung hatte im Gefolge all das Frauen- und Witweu- elend, die Kinderheiraten, die Mißachtung der den unteren Kasten Angehörigen oder bei- außerhalb der Kasten Stehenden.