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Heimen nahm er sich bor, auf den jungen Burschen ein wachsames Auge zu haben, denn durch einen Erfolg konnte ihm in diesem ein Nebenbuhler erwachsen. Er sagte nichts weiter. Die länderen Herren waren herangekommcn, und er trat zur Seite, Inn den Polizeikommissar vorbeizulassen'.
Dieser Kommissar war kein Neuling. Er war in den schönen Tagen der Epi-Sis und der Quatre-Billards im Faubourg du Tumple Friedensrichter gewesen; trotzdem konnte er eine Bc- jvegung des Grauens nicht bemeistern, als er das Erdgeschoß der >,Pfefferbüchse" betrat. Der Feldwebel vom 53., der hinter ihm ging, ein alter Kriegsinann mit Medaillen und Ehrenzeichen, wurde von der Szene noch mehr angegriffen. Er wurde so bleich wie die vor ihm liegenden Leichen und mußte sich gegen die Wand lehnen. Nur die beiden Acrzte bewahrten stoische Gleichgültigkeit.
Lccoq war aufgestanden, seinen Rapport in der Hand; er hatte seine Verbeugung gemacht rind wartete in ehrerbietiger Hal- tur:g, bis mmt ihn befragen würde.
Sie haben jedenfalls eine scheußliche Nacht verbracht, sagte der Kommissar freundlich, und zwar ohne Zweck für die Ge- xechtigkeit, denn alle Nachforschungen waren überflüssig.
Ich glaube doch, antwortete der junge Beamte mit Aufgebot aller Diplomatie, ich glaube doch, meine Zeit nicht verloren zu haben. Ich hielt darauf, den Instruktionen meines Vorgesetzten nachTukommen; ich habe also gesucht und recht Vieles gefunden. Ich habe zum Beispiel die Gewißheit gewonnen, daß der Mörder einen Freund, wenn nicht einen Komplizen hatte, von dem ich beinahe eine Personalbeschreibung liefern könnte: Er muß von Mittlerem Alter sein, als Kopfbedeckung, wenn ich nicht irre, ^eine weiche Mühe tragen, sein Ueberzieher muß aus dunkelbraunem, flockigem Wollstoff bestehen; seine Stiefel. . .
Donnerwetter! rief Gsvrol aus; und ich. . .
Er schwieg plötzlich still, wie ein Mann, dem das Temperament .mit dein Verstände durchgegangen ist, und der gerne seine Worte wieder znrücknehmen möchte.
Und Sie? fragte ihn der Kommissar. Was wollen Sie lagen?
Er wap wütend, aber zu Weit gegangen', um noch zurück- Ktikönn.en. Der Inspektor entschloß sich daher zum Erzählen:
Tie Sache verhalt sich folgendermaßen. Heute früh, vor einer Stunde, während ich auf Sie, Herr Kvnrmissar, wartete, stand ich Vor der Polizeiwache, an der Barriere d'Jtalie, wohin der Mörder gebracht ist. Da sehe ich in der Ferne einen Menschen herankommen, dessen Aeußeres nicht ganz ohne Uebereinstimmung Wit der von Lecog gegebenen Beschreibung ist. Dieser Menschs schien mir fürchterlich betrunken zu sein; er schwankte, strauchelte, schob sich an den Häuserwänden entlang. Trotzdem versuchte fer, den Fahrdamm zu überschreiten, aber in der Mitte desselben fiel er hin pstd lag so da, daß er unfehlbar überfahren werden Wußte.
Lecog drehte den Kbps zur Seite; man sollte nicht in seinen Augen lesen, daß er den Zusammenhang begriff.
Als ich das sah, fuhr Gsvrol fort, rief ich zwei Schutzleute heran und bat fie, mir zu Helsen, um den Unglücklichen aufzuhebcn. Wir gehen auf ihn zu, er scheint schon eingeschlafen zu sein; Wir rütteln ihn'. Er setzt sich aufrecht, wir sagen ihm, er könne Nicht da liegen bleiben — aber da packt ihn auf einmal anscheinend eine fürchterliche Wut, er schimpft und droht, er versucht uns zu schlagen. Und, meiner Seel! wir bringen ihn auf die Wgche, damit er wenigstens in Sicherheit seinen Rausch ausschlafe.
Und Sie haben ihn mit dem Mördep zusammengesperrt? fragte Lecog.
Natürlich. Du weißt doch, daß auf der WNche an der Barriere d'Jtalie nur zwei Arrestantenzellen sind, eine für die Männer, eine für die Weiber. Folglich . .
Ter Kommissar dachte nach.
Ei, das ist ärgerlich, murmelte er. Und nichts dagegen zu wachen!
, Oh bitte, doch! widersprach Gsvrol. Ich kann einen von meinen Leuten nach der Wache schicken und Befehl geben, den falschen Trunkenbold festzuhalten.
Der junge Polizist tvagte ihn mit einet- Handbcwegüng zu .unterbrechen.
Verlorene Mühe! sagte er kalt. Wenn dieser Mensch der -Komplize ist, so können Sie unbesorgt sein: er ist nüchtern geworden und jetzt schon weit!
. Also — was tun? fragte der Inspektor mit möglichst ironischer Miene. Könnte man vielleicht die Meinung des. . . Herrn Zecoq kennen lernen?
Ich.. denke, der. Zufall bot uns eine prachtvolle Gelegen
heit; wir haben sie nicht zu ergreifen gewußt, und das Einfachste ist, nicht lange darüber zu trauern, sondern abziiwarten, ob sich eine andere bietet.
Trotzdem bestand Gsvrol darauf, einen seiner Leute heim- zuschicken; sobald dieser fort war, mußte Lecog mit der Vorlesung seines Berichtes beginnen.
Er las ihn mit großer Schnelligkeit herunter, er wollte die wichtigen Umstände absichtlich nicht hervorheben, sondern seine geheimen Gedanken für das Protokoll des Untersuchungsrichters auffparen. Aber die Logik seiner Ausführungen war so stark, daß er jeden Augenblick durch beistimmende Aeußerungen des Polizeikommissars und durch ein „Sehr gut!" der Aerzte unterbrochen wurde.
Nur Gsvrol, der die Opposition vertrat, zuckte die Achseln, daß man hätte denken können, er würde sie sich ansrenken; dabei wurde er ganz grün vor Eifersucht.
Als der Bericht verlesen war, sagte der Kvmmissar zu Lccog r
Ich glaube, junger Mann, Sie allein haben richtig gesehen. Ich habe mich geirrt. Aber nach Jhreir Ausführungen sehe ich die Haltung des Mörders, während ich ihn vor einem kurzen Augenblick verhören wollte, mit ganz anderen Augen an. Er weigerte sich nämlich, mir zu antworten — oh! und mit welcher Hartnäckigkeit! Er war nicht einmal dazu zu bringen, mir seinen, Namen zu sagen.
Er schwieg einen Augenblick, als ob er sich in seinem Gedächtnis noch einmal alle Umstände vergegenwärtigte. Dann fügte er nachdenklichen Tones hinzu:
Ich möchte darauf schwören, wir stehen hier vor einem jener geheimnisvollen Verbrechen, deren Beweggründe von menschlichem Scharfsinn nicht zu durchdringen sind, vor einem jener dunklen Fälle, die die Gerechtigkeit niemals aufklären wird.
Lecog verbarg ein schlaues Lächeln. Er dachte bei sich selbst: Oh, wir tverben ja sehen!
9. Kapitel.
Ich möchte Sie bitten, meine Herren, sagte der Kvmmissar zu den Merzten, Ihre Untersuchung bei jenem Ermordeten zu' beginnen, der die militärische Uniform trägt. Ich möchte den Feldwebel hier, den ich nur zugezogen habe, um nröglicherweis« die Identität festtzustellen, gerne so bald tote tunlich in seine Kaserne zurückkehren lassen.
Tie beiden Aerzte nickten zum Zeichen des Einverständnisses, hoben mit Hilfe des alten Absinth und eines anderen Schutzmanns den Leichnam auf und legten ihn auf zwei aneinander geschoben« Tische. Tie Lage des Körpers brauchten sie nicht zu untersuchen; da diese keine Aufklärung geben konnte, denn der Unglückliche, der bei Ankunft der Patrouille noch geröchelt hatte, war vor deut Verscheiden an einen anderen Platz gebracht worden.
Treten Sie näher, Feldwebel! befahl der Polizeikommissar, und sehen Sie sich den Mann ganz genau an.
Ter alte Soldat gehorchte mit sichtlichem Widerwillen.
Was ist das für eine Uniform, die er trägt? fuhr der Kommissar fort.
Es ist die Uniform des 53. Linienregiments, zweites Bataillon, Schützenkompagnie.
Kennen Sie ihn?
Ganz und gar nicht.
Wissen Sie bestimmt, daß er nicht zu Ihrem Regiment gehört?
Das kann ich nicht behaupten; es sind Rekruten da, die ich niemals gesehen habe. Aber ich kann versichern, daß er niemals dem zweiten Bataillon angehört hat, bei welchem ich stehe, und erst recht nicht der Schützenkompagnie, deren Feldwebel ich bin.
Lecog, der sich bis dahin abseits gehalten hatte, trat vor und sagte:
Es wäre vielleicht gut, sich das Nummerzeichcn anznschen, das die Sachen des Mannes tragen müssen.
Die Idee ist gut, sagte der Feldwebel zustimmend.
Hier ist zunächst sein Käppi; es ist mit der Nummer 3129 gezeichnet.
Die anderen Kleidungsstücke wurden ebenfalls untersucht, und es stellte sich heraus, daß jedes mit einer anderen Nummer gestempelt war.
(Fortsetzung folgt.)'
Sven hedim Entdeckungen in Tibet.
Sven Hedin setzt im Septemberheft von Harpers Monthly Magazine den Bericht über seine Entdeckungen in Tibet fort. An die Erforschung des „heiligest Sees"' Manasarowar schloß sich ein mehrwöchentlicher Aufenthalt, dann aber, nachdem noch eine Reihe von Lamaklöstern ausgesucht lvar, bricht Sven Hedin auf zur Erforschung


