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so ziehen sie daher und suchen hier einen Abglanz der Unsterblichkeit, ehe sie in das Tal des Todes eingehen. Stiert Hedin sieht auf dem Wege zwei junge Lamas aus Khan; sie'gehen nicht wie gewöhnliche Pilger, mit ihrem Leibe selbst scheinen sie die Strecke zu messen, die sie vor dem Ziele ihrer sehnsüchtigen Inbrunst trennen. Lang aus- gestreckt liegen sie auf der Erde, über dem Kopf falten sie die Hände und beten, machen dann ein Zeichen in die Erde, stehen auf, schreiten bis zu diesem Zeichen, iverfen sich nieder und beten wieder. Aus diese Weise währt die Umkreisung des Berges gegen zwanzig Tage, und diese beiden Lama wollten, zweimal die Reise zurücklegen. Der eine wollte nach Ableistung seiner Pilgerpflicht heimkehren; der zweite aber, ein junger Mensch von kaum zwanzig Jahren, wird den Rest seines Lebens in einer dunklen Grotte an den Ufern des oberen Tsangpo verbringen. Denn bei den Gläubigen gilt diese Selbstaufopferung, dieses Leben in Dunkelheit, Abgeschlossenheit und Einsamkeit als verdienstvollster Weg zur Seligkeit. Im feierlichen Zuge werden diese freiwilligen Dulder nach der Höhle geführt, bis auf eine kleine schmale Oeffnung wird die Höhle dann verschlossen, und tiUtägftdjj kommt ein rotgekleideter Mönch, um durch dey
schmalen Spalt dem Einsiedler eine Schüssel mit Speise^ zu reichen. Der Mann, der da drinnen hockt, wird nie mehr das Sonnenlicht sehen, er ist für die Menschheit gestorben. „Wir standen draußen und ich fragte einen Lamapriester, ob er uns sprechen hören könne. Er antwortete: „O nein, er kann weoer hören noch sehen; er ist Tag und Nacht in tiefste Meditation versunken." Nur daran, daß am nächsten Tage die in den Spalt geschobene Speise verschwunden ist, weiß man, daß er noch lebt. An dem Tage aber, wo die Schüssel unberührt sein wird, wird man wissen: er ist gestorben. 'Diese Selbstaufopferung aber ist keineswegs eine Ausnahmeerscheinung; sehr oft findet man Stätten, wo weltabgewandte Einsiedler in ewiger Nacht und ewigem Schweigen ihren heiligen Betrachtungen nachhängen und den Tod erwarten. Jrt Singet z. B. hat ein Lama in dieser Weise 69 Jahre gelebt. Er mußte, wie alle Lamas, in sitzender Stellung sterben und damit der Todeskampf ihm hierin! nichts anhabe, nimmt er schon bei her Einmauerung ein kleines Holzgestell mit in die Höhle, das ihn in der Stunde des Todeskampfes stützen soll. . . . Als einen der Herrlichstert Genüsse schildert Sven Hedin die Kirchenmusik der Tibetaner. Die menschliche Stimme steht hier im Mittelpunkte; hell und klar ertönen die jungen frischen Stimmen, abep durch schwere dunkle weiche Draperien sind sie aller Schärfe, ja man möchte fast sagen, aller Wirklichkeit entkleidet; inj weiten Wogen hallen dann die Klänge durch die gewölbten Galerien der großen Tempelbauten und einen sich zu ergreifenden Chorgesängen, zu wundersamen Hymnen von Frieden, Liebe und Sehnsucht. Dazwischen aber tönt gedämpft der melancholische Klang der Baßpfeifen oder das rhythmische Klingen von Cymbeln, bisweilen erheben die! Flöten ihre Stimmen zu lauten hellen schrillen Melodien und von bett Wänden des Tempelhofes und den Dächern hallt dröhnend der dumpfe Schlag der Trommeln wieder. Dann aber wieder überwindet die Menschenstimme das! Chaos, in weiten ergreifenden Akkorden steigt der Chorgesang auf, „er trägt empor und fort von bett. Selben dieser Erde. . . ____________
Vevmrsehtes.
* Die Verteilung der Körpergröße in Europa. Ter französische Anthropologe I. Deniker hat eine ettropäische Rasseiikarte herausgegeben, die, wie wir einer Besprechung des Globus entnehmen, die Verteilung der Körpergröße der verschiedenen europäischen Völker, einschließlich des Kaukasus, übersichtlich zeigt. Die Kleinen (es handelt sich wesentlich um Rekrttten) rechnet Deniker von 1520 bis 1649 mm, unter denen die ganz Kleinen bis 1599 mm reichen. Von 1650 bis 1672 mm rechnet er die Mittelgroßen und darüber hinaus bis zu 1782 mm die Großen. Ueberschauen wir nun nach diesem Schema die Verteilung der Körpergröße der Bevölkerung Europas, so springt sofort itts Auge, daß wir die Großen nametttlich un Norden und Nordwesten zu suchen haben. Großbritannien, Irland (ausgenommen zwei Heilte Gebiete int Westen), Skandinavien (ohne die von Lappen bewohnten Gegenden), Holland, Norddeutschland (soiveit dafür das Material vorliegt), Finnland, die baltischen Provinzen Rußlands haben eine große Bevölkerung, die Deniker als nordische Rasse bezeichnet. Ein zweiter Kern von Großen findet sich im Südosten unseres Erdteils; er umfaßt Dalmatien, Bosnien, Serbien, einen Teil von Mazedonien und zieht sich in die Mpeu- länder hinein bis Salzburg, Tirol und Südbayern. Das ist Denikers adriatische Rasse. Außerdem ist noch der Kaukasus, von großen Völkern bewohnt. Die mittlere Körpergröße herrscht int nordöstlichen Frankreich, der romanischen Schweiz, Belgien, Südholland, wird aber in Elsaß-Loth- ringen, Nordhollaud und wahrscheinlich in Westdeutschland von Großen flankiert. Auch Mitteldeutschland gehört tit das Gebiet der Mittelgroßen. Der scharfe Gegensatz, der sich zwischen Großen und Kleinen aufweist, tritt nirgends stärker in die Augen, als wenn man die drei südeuropatschert Halbinseln betrachtet. Während da die Balkanhalbinsel durch Große und ganz Große hervorragt, finden wir in Italien/ namentlich im Süden, und auch in Spanien die Kleine«! und ganz kleinen vertreten. Dabei läßt sich aber auch trt den Mittelmeerländern eine Zone mittelgroßer Menschen erkennen, meistens bruchstücksweise unter den Kleinen, und diese bezeichnet Deniker als atlanto-mediterrane Rasse. D«S Hauptverbreitung der Kleinen liegt aber tm Osten Europas, in Rußland, Polen, .Ungarn. Von deutschen Ladern zahlt
niederrauschte in die Täler, und ich dachte att die mannigfachen Veränderungen, die er erfahren muß, ehe in einem immerwährenden Crescendo fein Gesang aus klingt in die rauschende Musik des Ozeans, zwischen den Klippen von Karachi, wo die großen Schiffe liegen und ihre Waren aus- itttb einladen. . . . Ich stand da und bewunderte Alexander von Mazedonien, der, als er vor 22 Jahrhunderten den Indus überschritt, eine ferne Vorstellung hatte von der Quelle dieses Flusses, und ich genoß das Bewußtsein, der erste Europäer zu sein, der seinen Fuß an die Quelle des Jndiis setzte." Von hier aus wird die Reise in nordöstlicher Richtung bis etwa zum 32. Breitegrad durch völlig un- bekanutes Gebiet fortgesetzt. Dann wendet sich die kleine Karawane nach Westsüdwest und erreicht schließlich am 26. September Gartok, wo Sven Hedin wieder zu dein zurückgelassenen Haupttrupp seiner Expedition stößt. Ein außerordentlich reichhaltiges kartographisches. Material ist gewonnen, allein die Notizen des Forschers füllen 4900 Seiten, wichtige astronomische Punkte sind festgestellt, eine reichhaltige Sammlung interessanten geologischen Materials ist gewonnen und Hunderte von Photographien und Zeichnungen bilden eilte ergänzende Veranschaulichung der gewonnenen wissenschaftlichen Resultate. Sven Hedin selbst spricht davon, daß das Schicksal ihn bei diesem Zug durch Tibet besonders begünstigt habe; „obgleich diese Reise nicht zwei Jahre währte, sind ihre geographischen Resultate doch reichhaltiger und wichtiger als die während seiner letzten Reise (1899^1902) gewonnenen, und sie übertreffen auch .das Ergebnis aller früheren Expeditionen durch Tibet. Als einen der größten Eindrücke von dieser wechselvollen Fahrt durch das Land der Lamas schildert der Forscher einen Marsch um den heiligen Kallas, den heiligen Berg, den die Tibetaner auch den Kang Rinipoche nennen. Nach dem Glauben der Hindus lebt hier auf dem Gipfel des Berges Siwa in seinem Paradiese und nur hin und wieder steigen die Götter zu den Ufern des Manasarowar-Sees hernieder, um in der Gestalt weißer Schwäne über die silbernen Fluten dahinzugleiten. Durch alle Täler, über alle Pässe der Nach- barschaft ziehen alljährlich Tausende von ehrfürchtigen schweigsamen Pilgern, in tiefes weltabgewandtes Sinnen versunken, zu dieser heiligen Stätte. Männer, Frauen mit ihren Kindern, das Greisenalter neben der Jugend, der büßende Verbrecher neben dem meditierenden Geistlichen,
der Quellen des Indus. Nach langwierigen' umständlichen Verhandlungen mit den Behörden von Barkha, tritt er mit nur fünf Mann und sechs Pferden die Reise an. Es ist ein abenteuerlicher und hindernisreicher Ritt, der mitten durch ein völlig unerforschtes Land führt; aber auch diesmal überwindet die Zähigkeit des Reisenden alle Schwierig- keiten, und endlich kommt auch der Abend, an dem die Reisenden am „Singi-kabop" — am „Munde, an dem die Indus hervorkommt", — von den Pferden steigen. Den Tibetanern gilt der Ort als heilig, hohe Steinmonumente sind aufgetürmt und auf einer felsigen Plattform erhebt sich ein kunstvoll ausgehauenes Götterbild. „Man kann sich vorstellen, mit welchen dankbaren und frohen Gefühlen ich hier stand und die Quellen des Indus vor mir sah, wie sie hier aus dem Berge hervorsprangen. Ich stand da und blickte auf den bescheidenen kleinen Bach, wie er da her-


