Montag den 2. November
M8
i [jüti
fBwäs^
ß8!£9B WBWLL ■ MK^W
H
W
i
bev Wecker getreulich los, aber der rasselnd: Lärm deS sinnreiche«« Mechanismus genügte nicht, um dm schweren Schlaf der beide,« Polizeibcamtcu zu unterbrechen. Sie hätten wahrscheinlich noch lange toeitergeschlafen, wenn nicht, gegen halb acht, zwei krästigv Faustschläge die Zimmertür erschüttert hätten.
Mit einem Satz ,var Lecoq aus dem Bett, ganz überrascht, dasz der Helle Tag ins Zimmer schien, und wütend, daß seine Vorsichtsmaßregeln vergeblich gcivesen '.raren.
Herein! rief er dem zeitigen Besucher zu.
Sofort öffnete die Tur sich ein Stückchen, und in der Spalts erschien das Gesicht des Vater Papillon.
Ach, mein braver Kutscher! rief Leeoq. Es gibt also "was
Neues? ' , .
Entschuldigen Sie Nur, Herr, es ist int Gegenteil intinet dieselbe Sache, die mich hierherbringt, wissen Sie, die dreißig Franken von den beiden Frauenzimmern. Ich kann nicht wieder ruhig schläfert, ehe ich nicht das Geld mit Droschlenfahren bei Ihnen abverdient habe. Gestern machte die Fahrt fünf Franken, also bin ich Ihnen «roch fünfundzwanzig schuldig.
Aber das ist ja die reine Verrücktheit, mein guter Mann!
Möglich! Dann ist es jedenfalls meine eigene Verrücktheit. Ich habe bei mir geschworen, wenn Sie mich nicht nehmen wollen, elf Stunden lang vor Ihrer Tür zu halten; die Stunde zu zwei Frankem fünfundzwanzig Centimes gerechnet, werden wir daun quitt sein. Entscheiden Sie sich! .
Dabei sah er Lccoq ganz bittend an. feine Weigerung hatte ihm augenscheinlich wirtlich weh getan.
Meinetwegen, sagte Lccoq. Ich nehme Sie für den Bor- mittag. Nur mus; ich Ihnen Voraussagen, daß wir euie richtige Reise vor uns haben.
Cocotte hat gute Beine.
Mein Kollege und ich haben in Ihrem Quartier zu tun. Wir müssen unbedingt die Schwiegermutter der Witwe Cyuptn ausfindig machen, und ich hoffe «au- bestimmt, daß wir beim Kommissar des Reviers ihre Adresse erhalten werden.
DH, wir gehen, wohin Sie wollen; ich stehe ganz zu ^hvei«
Diensten. .. f
Einige Augenblicke später suhven sie ab. m ,
VaRllon saß stolz auf seinem Bock und ließ die Peitsche knallen, und die DrosWe sauste dahin, als hätten die Fahrgaste; fünf Franken Trinkgeld versprochen. Der alte Abstrich ivar trauttg. Lccoq hatte ihm zwar verziehen und sogar geschworen, daß er nichts sagen würde, aber er selber konnte sich nicht verzeihen. Er war untröstlich darüber, daß ein alter Polizetbcaniter wie. er sich Wie ein naiver Provinziale hatte übertölpeln lassen. —
Wenigstens war die lauge Fahrt nicht ztvecklos Der Sekretär des 13. Polizeireviers konnte Lccoq mitteilen, daß die Ehefrau des Polhte Chupin mit ihrem Kinde ganz in der Mhe wohnte, in der sttuellc de la Buttc-aux-Cailles. Die Hausnummer iviiß.e er nicht, aber er gab einige Einzelheiten über die Frau an.
Mutter Chupins Schwiegertochter ivar Auvergnatin, und sie wir sthw« dafür bestraft, daß sie, statt cims
Pariser geheiratet hatte. Mit zwölf Jahren nach Paris gck'inmc.i, iw sic als Abbcitcrin in eine große Fabrik von Mvntrauge ein
Herr Lecoq.
Kriminal-Roman von E. Gabor«an.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Zu des alten Absinths großer Ueberraschung schien Lccoq ülwr diese Geschichte noch weniger unzufrieden, als nachdenklich zu sein.
Was halten Sie von diesem Bürgersmann, Papa? fragte er.
Ich deirke, er war mir nachgegangen, während ich die anderen beobachtete, und er kam eigens zu dem Zweck, mich betrunken zu machen, in das Cafe.
Können Sie ihn mir beschreiben?
Er ist eilt großer Biedermann, ziemlich dick,,mit einem breiten roten Gesicht und einer sehr platten Nase, so recht gutmütig aussehend.
Er ist es! rief Lecoq.
Er? Mer? ,
Der Komplize, der Mann, dessen Fußspuren wir entdeckt hatten, der falsche Trunkenbold, ein leibhaftiger Teufel, der uns poch alle hineinlegen wird, wenn wir nicht die Augen aufbe- halten! Vergessen Sie ihn ja nicht, Papa, und wenn Sie ihm jemals begegnen sollten...
Aber des alten Absinths Beichte war noch nicht zu Ende, und wie es beim Beichten üblich ist, hatte er die schwerste Sünde bis zuletzt aufgehoben. . ...
Das ist leider noch nicht alles! begann er wieder. Ich will Ihnen nichts verschweigen: ES kommt mir so vor, als ob der Verräter mit mir von dem Mord in der „Pfefferbüchse" gesprochen hat. Und da habe ich ihm alles erzählt, was wir schon entdeckt haben und ivas wir zu liiachcn gedenken.
Lccoq machte ein so fürchterliches Gesicht, daß der Alte ganz- entsetzt zurückwich. , ...
Unglücklicher! rief er. Unseren Kriegsplan dem Fernde aus- liefern!
Aber er gewanu schnell seine Ruhe wieder. Erstens war gegen das Geschehene doch nichts mehr zu machen; zweitens aber hatte der Vorfall sogar seine gute Seite: er benahm alle Zweifel, die seit der -Entdeckung im Marienburger Gasthof etwa noch in Lecoqs Geist vorhanden ivaren.
Jetzt ist nicht die Zeit, darüber Betrachtungen anzustellen, sagte Lccoq zum Alten; mir tun vor Müdigkeit "lle Knochen wetz. Nehmen Sie sich meine Bttttratze aus meinem Bett, Alter, und dann wollen wir schlafen.
25. Kapitel.
Lecoq ivar ein vorsichtiger junger Mann. Ehe er zu kett ging hatte er seine Weckuhr auf sechs gestellt.
Auf diese Weise, sagte er mm alten Absinth, als er. das Licht ausblies, werden wir die Zett nicht verschlafen.
' Aber er rechnete ohne seine furchtbare Müdigkeit und ohne die Alkoholdünste, die noch das Gehirn fernes alten Kollegen umnebelten. Als es auf Saini Enstachc sechs Uhr schlug, schnurrte


