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fitljrung bet iiüat Ijaitcn, nottoeniMgcriueife bet Tütet. Mag man nun aber an Mord glauben ober an Selbst nord, es ist unter «Hen Umständen von größter Wichtigkeit, die Waffe zu finden. Sehen Sie jetzt, warum ich nicht zulassen wollte, das; jemand bosä Zimmer verließ? Wenn die Waffe nicht gefunden wird, so würde man von jedem, der vor der Polizeilichen Untersuchung bas Zimmer verließ, glauben, er habe die Waffe mit sich ge- iwmmen und sie draußen von sich getan, weil er einzig und allein die Möglichkeit hierzu gehabt hatte. Einer muß das Mord- iustrument beseitigt haben, und kein anderer konnte es tun, — so würde man geschlossen haben. Da aber jetzt keiner von uns aus dem Zimmer gekommen ist, so muß eine gründliche Untersuchung der Räumlichkeit und unserer Personen die Polizei davon überzeugen, daß wir wenigstens für das Verschwinden dieser Todes- Waffe nicht verantwortlich fiub."
Maitland machte eine Pause und blickte Brown an, als erwartete er von ihm eine Steigerung, doch dieser preßte seine kräftigen Kiefer nur noch fester zusammen und rührte sich nicht. Wenn aber Blicke wie Taten „lauter sprechen als Worte", so war dieses düstere Antlitz mit seinen beiden feurigen Punkten äußerst beredt.
„Ich rate," fuhr Maitland, durch Browns Schweigen unbeirrt, fort: „daß jeder einzelne von uns darauf besteht, untersucht zu werden. Man kann von der Station eine Frau holen, bie Sie untersucht," sagte er leise zu Florence und fügte hinzu: „Ich hoffe bestimmt, Sie verzeihen mir, wenn ich dieses Verfahren Vorschläge, aber es liegen dringende Gründe dafür vor, die ich Ihnen später auseinandersetzen kann. Wollen wir das Geheimnis enthüllen, so wird uns dies nur gelingen, wenn wir jetzt mit der äußersten Gründlichkeit vorgehen."
„Ich müßte ganz verkennen, eine wie große Geschicklichkeit Sie bereits bewiesen haben," versetzte Florence, „wollte ich nicht lebet Weisung Folge leisten. Tas ist ja alles, was ich Ihnen als Dank für das freundliche mir von Ihnen bewiesene Interesse bieten kann."
Die Rückkehr des Polizisten Barker, mit dem noch drei weitere Beanrte emtrafen, gab der Unterhaltung eine andere Richtung. Maitland trat vor und begrüßte den einen der Ankömmlinge, ben er als ©errn Osborn vorstellte, und dieser stellte seinerseits als Kollegen im Polizeiberuf einen Herrn Allen und den Tctektiv- Spezialistei Godin vor. Osborn machte mir beit Eindruck eines nur mäßig begabten Mannes, der ganz von der Ueberzeugung durchdrungen schien, er sei ein Ausbund von Schlauheit. Er rebete in lautem und nach meinem Dafürhalten etwas prahlerischem Tone, dabei aber in so offener und herzlicher Weise, daß ich ihn trotz allem gern haben mußte.
Ganz im ^Gegenteil trat Godin fast bis zur Selbstverleugnung zurück. Statt viele Worte zu machen, hielt er sich lieber im Hintergründe, wo et sich ungestörter über seine Wahrnehmungen Notizen machen konnte. Aenßerst höflich, war er dabei doch w offen, daß er mir wie ein Mann von GlaS vorkam, der jeden Gedanken ungehemmt durchstrahlen läßt. Ich wunderte Mich, löte ein Mann, der außer stände zu sein schien, seine eigenen Regungen zu verbergen, die Fähigkeit des Detektivs besitzen sollte, auf den dunklen und versteckten Pfaden des Verbrechens zu wandeln. Seme Stimme hatte einen leisen, samtenen, einschmeicheln- ben Klang, der auf das Ohr einen unwiderstehlichen Reiz aus- ubte. Machte Osborn eine gedankenlose Bemerkung, die Flo- renee verletzen mußte, so zog Über Godins schöne Zöge ein schmerz- licher Ausdruck, toie man ihn nur bei feinorganisierten sym- piithllchen Naturen, findet — meist gehören sie dem weiblichen Gefchlechte an , die den Pulsschlag eines gequälten Herzens anf- sangen, tote benachbarte Saiten beim Anschlag eines Tones mit- klmgen.
Godin machte auf mich mehr den Eindruck eines Priesters, als ben eines Detektivs. Sein glattrasiertes Gesicht, seine prächtig atlsgemeißelten Züge, die jene eigentümlich blasse Farbe zeigten, so eiche an Durchsichtigkeit mit dem Marmor wetteifert, die großen hellbraunen Augen und der feingeschnirtene freundliche Mund — bteS alles im Verein mit tadellosen Manieren und einem Auf* treten, das vom Bewußtsein verhaltener Kraft getragen schien, wirkte ans mich so fesselnd, daß ich meine Augen nicht von ihm abwenden konnte Ich erinnere mich, daß ich unwillkürlich zu mir ~ JQ8tc: .7^5 t,ur eut gefährlicher Nebenbuhler um die Liebe emer Frau wurde das sein!"
... ,.^crr Een war in seiner Art und Erscheinung noch alltäglicheri ab Herr Osborn. Vielleicht war er ganz tüchtig in semem Beruf, und ich Me ihn zu wenig kennen gelernt, um itm gerecht werden zu können, aber in meiner Erinnerung lebt tr nur als ein langes, dürres, rothaariges, nach Tabak riechendes Ziidtviditum.
Wahrend Osborn wie eine gutartige Hummel überall herum- summle, als wäre die ganze Welt ein blühendes Kleefeld, und Allen, jo viel nur bekannt, überhaupt nichts tat, verhielt sich
>*n,jntbJ^neibig trotz seiner Höflichkeit und einer ' ihn fast beständig unauffällig in dem von ttet erwählten Winkel verharren ließ, wo er schweigend mit schneller Hand feine Notizen machte. Nichts schien ihm zu cnt- lneI)r ^ran, sich selbst als andere aufzuklaren. Schließlich fing er, als er eben ein Maß nahm, meinen Blick auf und sagte leise zu mir, um nicht von Florence gehört zu werden: „Entschuldigen Sie, hat nicht einer von Ihnen um die Zeit von Herrn Darrows Tod etwas Auffälliges wahr- genommen^j irgend ein Geräusch, einen Schatten, einen Luftzug, eene -remperaturverändernng, einen raschelnden oder zischen- "eu „ h kurz irgend etwas, das Ihnen ungewöhnlich vorkam?"
„Nichts dergleichen," erwiderte ich „Alles schien völlig normal und alltäglich."
„Hm, sonderbar," bemerkte er und wandte seine Aufmerksamkeit etwas anderem zu.
Ich war Überzeugt, Herr Godin hatte eine bestimmte Theorie uud meine Erklärung diente sticht dazu, sie zu stützen, aber er kühlte sich zu keiner Aufklärung veranlaßt, und da er auch an der Untersuchung seiner Kollegen nicht teilnahm, so blieb meine Neugier unbefriedigt. So viel war klar, daß Godin nach anderer .viethode arbeitete als Osborn und Allen. Mit geringen Abweichungen stellten diese genau die Ueberlegungen an, die Mait- lanb vvrausgesagt hatte, während Godin höflich, aber unbeirrt seinen eigenen stillen Weg weiterging.
Auf den Vorschlag meines Freundes war von der Station zur Untersuchung Florences eine Frau geholt worden, die soeben ankam. Wir alle bestanden nun darauf, daß eine möglichst gründ- Iici>e PersonaldurchsuckMiig jedes einzelnen von uns vorgenommen wurde, damit sich die Beamten davon überzeugten, daß keiner von uns die vermißte Waffe bei sich trage. Und in der Tat fand sich bei niemanden die geringste Spur davon.
, Hierauf entfernten sich die Polizisten, sowie Herr Godin, indem sie Florence erklärten, daß sich bis zum nächsten Morgen nieh:s weiter tun lasse, und Osborn fügte, offenbar um sie zu trösten, hinzu: „Es wird Ihnen wohl tun, Fräulein, zu er* teuren, daß cs kaum zweifelhaft ist, daß sich Ihr Vater selbst das Leven genommen hat." Die Wirkung dieser Worte entsprach freilich durchaus nicht der Absicht, Florences Gesicht zog sich zusammen; sie fing, offenbar an zu glauben, man wolle ihr mit Geioalt eine falsche Ansicht aufbr.ingen.
Herne und Brown brachen gleichfalls auf. Dagegen ent* uahm ich aus einem Blick, den Maitland mir zuwarf, seinen Wunsch, ich solle, wenn die anberit fort wären, noch eine Weile mit ihm dableiben, und ich handelte demgemäß.
(Fortsetzung folgt.)
MslMH haben die Damen nie Zeit.
Bon Franziska Mann.
(Nachdruck verboten.)
„Aber, nicht wahr, in Ihrem Haushalt tun Sie doch gar nichts?" Diese Frage ist mir sehr oft und gerade von Frcruen vorgelegt worden im Anschluß an einen Eindruck, den ich durch meine künstlerische Tätigkeit hervorzurufen vermochte. Ich hätte mich saft schämen müssen, eine gute Haus- srau zu sein. Ueberhaupt, daß ich fast immer Zeit habe, fing an mich zu belasten.
Es ist gewiß nicht richtig von „den Männern," von chwauen," „d en Damen" im allgemeinen zu sprechen. Individualisieren ist stets von größter Bedeutung. Trotz- dem -- ich weiß keine andere Form für diese I-rage: „Wes- Halo haben die Damen nie Zeit?" — Sollte man da nicht zu dem Resultat kommen: die lvenigsten erfassen die Kostbarkeit einer Minute? Ich ivill nicht ausführlich vom f^tei Aufstehen sprechen, nach oft in unlohnender Gesell,cha ft durchwachten Nächten; nicht von den Gewohn- te^sbesuchen, deren Zwecke selten Bereicherung ein* schließen; nicht von den Toilettenangelegenheiten, die kost- bare Zeit verschlingen. Wenn erst der „guten" Hausfrau stärkere geistige und körperliche Beweglichkeit anerzogen ist, dann werden wir staunen, wieviel größer ihre Leistungs- fahigkeit geworden ist. Geistige Befreiung schädigt keinesfalls den Wirtschaftsbetrieb der Frau. Das Gegenteil ish der Fall. Ein Heim wird sonniger, ruhiger, je einsichtsvoller die Hausfrau ist. Eine „Dame", die nie Zeit hat, ist ein schlechter Disponent. Man könnte fast an einen Schutz vor der guten Hausfrau denken.' Mancher Gatte wurde sich anschließen und manche regsame Frau. Die


