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18911900 hin. Die Sterblichkeit des männlichen Ge­schlechts, die bis zum 14. Lebensajhr allmählich abnimmt, dann bis zum 21. Lebensjahr steigt, bleibt von da an bis zum 27. Lebensjahr ziemlich genau auf derselben Höhe, um zuletzt bis in die höchsten Altersjahre wieder anzu­steigen. Das weibliche Geschlecht zeigt nichts von diesem Stillstände der Sterbenswahrscheinlichkeit in den zwanziger -Jahren. Gleich der deutschen Sterbetafel zeigt sich auch die französische des männlichen Geschlechts im Anfänge der zwanziger Jahre. Die englische Tafel dagegen läßt keine Spur davon erkennen. Aus diesen Tatsachen kann man mit Recht folgern, daß es wohl möglich sei, daß die Militärische Zucht und die außerordentlich günstigen hygie­nischen Verhältnisse, denen die männliche Bevölkerung wäh­rend der Dienstzeit unterworfen ist, bei den beiden Völkern, hei denen die allgemeine Wehrpflicht besteht, diesen günstigen Einfluß aus die Sterblichkeit ansübe.

* Lustiges aus Baden. Bei der Auswahl von Geschworenen für die bevorstehende Sitzungsperiode hat das Karlsruher Landgericht wenig Glück gehabt. Unter den Geschworenen, deren Namen soeben amtlich bekannt werden, befindet sich nicht nur ein stadtbekannter Kaufmann, der schon vor wenigen Monaten unter Teilnahme der gesam­ten Bevölkerung zu Grabe geleitet wordeu ist, sondern auch ein Pforzheimer Bankier, der schon seit Wochen wegen be­trächtlicher Unterschlagungen zu Karlsruhe im Gefänguis sitzt und seiner Verurteilung vor dem Schwurgericht eut- gegensieht. Es ist aber doch nicht gut möglich, daß einer gleichzeitig Geschworener und Angeklagter ist und über sich selbst richtet. Noch schwerer hält es aber für den Kaufmann, jaus dem Jenseits zurückzukehren, um am Karlsruher Schwurgericht mit tätig zu feilt.

* Kellner mit Minister ein kommen. Die Di­rektion derAllgemeinen Deutschen Kellnerschule" erläßt, wie wir der A. Fleischerztg. entnehmen, eine Aufforderung zum Besuch ihrer Anstalt, in der es unter anderem heißt: Junge Leute jeden Standes werden Kellner und gelangen in Kürze zu Wohlstand und Reichtum. Stellungen im Gastwirtsgewerbe mit dem Einkommen eines Ministers sind heute keine Seltenheit mehr." In Berlin gibt es Kaffee­häuser, bereit Oberkellner für seine Stellung jährlich dem Geschäftsinhaber 60 00065 000 Mark bezahlen. Vor eini­gen Tagen aber hat ein Newyorker Oberkellner eilt Grund­stück gekauft, für das er 600000 Mark in barem Gelbe nieber­legte,' bas er nur aus Trinkgeldern verbient hat.

* Die Leiben einer Schiffsb esatzung. Am Dienstag in ber vorigen Woche traf, wie wir beit Hamb. Nachr. entnehmen, in Wolgast mit einer Labung Rohholz der russische DreimastschonerLembit" ein, dessen Besatzung während der Fahrt von Amerika nach Deutschland mit allerlei Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte. Als das Schiff im Hafen von Laguna in Südamerika seine Ladung einnahm, erkrankte die ganze Besatzung am gelben Fieber. In kurzer Reihenfolge starben ber Kapitän, ber zweite Steuermann und ein Matrose, während die übrige Besatzung (im ganzen zehn Mann) die Krankheit überstand. Nach zweimonatigem Auf­enthalt konnte endlich das Schiff mit ber übrig gebliebenen Besatzung von sieben Mann Laguna verlassen; bie Führung hatte ber erste Steuermann übernommen. Doch nun be­gann für die knappe Besatzung des Schiffes, bie beit Dienst ber Verstorbenen mit machen mußte, eine arge Leidens- zeit Unwetter folgte auf Unwetter. Unter den Nach­wehen ber eben überstandenen schweren Krankheit wurde eines Tages plötzlich ber Koch bei einem ausbrechenben Sturm irrsinnig °und machte ber angestrengt arbeitenden Besatzung viel zu schaffen. Schließlich sprang er in einem unbewachten Augenblick über Bord und ertrank. Bei dem herrschenden Sturme war eine Rettung ausgeschlossen. Die nur noch aus sechs Manu bestehende Besatzung hat dann auf ber weiteren, mit Stürmen reich gesegneten Fahrt be­wiesen, baß sie alle tüchtige Seeleute sind, unb es ist zu bewnnbern, baß sie das Schiff ohne erhebliche Beschäbiguug glücklich zum Bestimmungshafen brachte. Während eines orkanartigen Sturmes wurde bas Schiff mit seiner schweren Deckslabung auf bie Seite gebrückt und lag üt biesem Zu­stande sechs Stunden, erst mit Abflauen des Windes richtete sich ber schon verloren gegebene Schoner wieder auf. Bei

biesem Sturm ging auch ein Teil bet Decksladung über Bord, währenb bei einem nächsten Unwetter bas Stag- segel des Schoners verloren ging. Zn bewundern ist immer­hin die Bravour der sechs Seeleute, die das schwere Schiff bei all den Stürmen ohne weiteren Segelverlust und son­stigen Schaden glücklich nach Wolgast brachten. Namentlich zeichnete sich der vertretende Kapitän als besonnener und tüchtiger Seemann aus. Das Schiff hat Riga zum Heimats- Hafen.

* Die Gefahren der Eisenbahn. In England wurden durch bie Eisenbahn in beit letzten brei Monaten 252 Personen getötet und 2218 mehr ober minber erheblich verletzt. Außerdem wurden noch 9 Pferde, l Esel, 7 Ochsen und Kühe, 41 Schafe, 2 Hunde und 3 Schweine durch Ueber- fahreu getötet.

* Ein Sch ildbür ger stückchen. In einem nord- schottischen Dorfe sollte ein Gemeindeweg nivelliert wer­den und ber Geometer steckte mit Mühe und Not den Weg burch Stöcke ab. Dann begab er sich zum Gemeindevorsteher unb bat ihn, auf bie Pflöcke achtgeben zu lassen, damit sie nicht gestohlen würden. Als ber Geometer wiederkam,- waren bie Pflöcke fort. Der Gemeinbevorsteher hatte fie,: bannt sie nicht gestohlen würden, im Gemeindehause anf- bewahren lassen.

* Der Stier im Friseurladen. Ein Stier in Nottingham stürmte in einen Friseurladen durch die Fenster­scheibe ein und erst, als alle Spiegel, die ihm einen Rivalen bei seinerTätigkeit" vorzutäuschen schienen,beseitigt" waren, gelang es, ben Uebeltäter festzunehmen.

Vock ber im Berlage Ullstein u. Co. erscheinenden Welt­geschichte liegen nenerdings die Lieferungen 1927 vor. Sie be- handeln bas Zeitalter ber Gegenreformation, und zwar hat Pro­fessor von' Zwiedineck-Südenhvrst bie Gegenreformation in Deutich- lanb, Professor Philippson biejenige in Süb- unb West-Europa geschrieben. Die hier behandelte Epoche gehört zu Den benk- würbigsteN ber Weltgeschichte: die Flutwelle ber Reformation hatte bas Papsttum in seiner schwächsten Stunde getroffen, 'Stimm! für Damm hatte sie zerrissen unb drohte in wenigen Jahrzehnten auch bie letzten Bollwerke hinwegzuspülen; doch es kam anderv.- Die germanische Welt verbrauchte in reißender Schnelligkeit ihre idealen Kräfte unb bie romanische schickte sich zu mächtigem Gegenstöße an. Mit weitestem! hlftorifchen, ,-blnr unb völliger Unparteilichkeit schilbert Professor von Zwiedineck- Sübenhorst die Offensive des Katholizismus, die mit dem^ ge­waltigen Ringen des dreißigiahrigen .Krieges endete. Dem Kampf in Deutschland zur Seite geht der tu Westeuropa. Tas Re,ul- tat war hier wie dort das Erlahmen des religiösen Fanatism s und der Sieg rein politischer Kombinationen. So hat sich mu den Stürmen der Gegenreformation die religiöse Toleranz so gut wie bas politische Staatensystem entwickelt, das «och heute Europa^ Geschicke bedingt. Die Darstellung dieser geschichtlichen Vorgänge wird in den vorliegenden Lieferungen wie tnr ganzen Werke durch die Illustrationen aufs glücklichste unterstützt. Die große , ahl voik bunten Tafeln und Urkunden, von Kunstwerken und^Flug- blätteru, die der augenblicklichen Stunmung oder t^n ^ages- kümpfen entsprangen und nur dem Bedürfnis des ^luge.iblicts bteirnt sollten, läßt ein Bild dieser wildbewegten kampfdurchtosten,' leibcnschaftendurchwühlten und glaubcilsetfrigen Zett wie in einenr Spiegel vor unserem Auge neu erstehen und die unübertreffliche Bottendung moderner Reproduktionstechnik im hellsten Lichte er scheinen. ____________

Rätsel.

Bekannt war ich als ein Gefäß Schon längst im Altertume, Und ein berühmter Philosoph Verhalf auch mir zum Ruhme. An zweite Stelle mußt du nun Ein andres Zeichen führen, Und fleiß'ge Männer siehst du dann Die starken Arme rühren.

Ein neues Zeichen wieder laß' A>r zweite Stelle rüden. So schaust du in die Weihnachtszeit Mit Wonne und Entzücken.

9(. Ammann.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: O O d Ode Oder.

Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch' und Sleindruckereh R. Lange, Gießen.