— 468
allen wilden Zerstreuungen sich Zeit nahm, diese Interessen zu befriedigen und dein Drange nach allgemeiner Bildung nachzugeben. ____________
Schutz unserer Singvögel.
Original-Artikel der „Gieß. Familienblätter" (Nachdruck verboten.)
Ein nachahmenswertes Beispiel gibt Verwaltungsbehörden das Kreisamt Alsfeld in einer neueren Verfügung, betreffend den Vogelschutz. „Es erscheint um so dringender erforderlich, Maßnahmen zum Schutz der Singvögel zu ergreifen, als ein Rückgang in der Zahl dieser fcstgestellt werden kann" heißt es zum Schlüsse des Erlasses an die Großh. Bürgermeistereien und Schulvorstände. Wie sieht es mit dieser Abnahme aus? Sie ist im letzten Jahrzehnt, besonders auch nach dem letzten schneereichen Winter, deutlich bemerkbar. Gar mancher glaubt, wenn er draußen noch einige Stare zwitschern und eine Drossel schlagen hört, es sei noch eine genügende Zahl von Singvögeln verhandelt; wen» er aber hinaus aufs freie Feld geht, so wird er weniger oft eine Lerche emporsteigen sehen, nur selten die flinken Meisen mehr beobachten können und im Walde wird er erst recht den Mangel der Singdrosseln fühlen, die sonst ihn belebten, ja er wird oft weite Strecken wandern müssen, ohne daß er Vvgel- stimmen zu hören bekommt. Geht es mit der Verminderung in demselben Maße weiter fort, so wird es dahin kommen, daß unsere herrlichen Sänger, unsere nutzbringenden Jnsektenvertilger nur, noch im Käfig und in ausgestopften Exemplaren in den Museen anzutreffen sind. Es muß alles aufgeboten werden, der .Abnahme Einhalt zu gebieten.
Was kann dazu geschehen?'Daß man das Abbrennen der dre Raine der Wiesen einfassenden Sträucher verbietet, ist anerkennenswert, wber lange nicht ausreichend. Wie beraubt man doch in gleicher Weise die Flußufer der Erlen und Weidenbüsche, die den Singvögeln nicht nur Nistgelegenheit, sondern auch Schutz vor den Raubvögeln bieten. Wie haut man da die alten Obst- väume sowie die Pappeln um, den kleinen Vögeln ihre Wohnstätte zu entziehen. Deren Wohnungsnot nimmt jährlich zu und schadet den Höhlenbrütern, als da sind Blau-, Kohl- und Sumpfmeisen, Rotschwänze und Fliegenschnäppern Jeder Landwirt, jeder Hans- und Gartenbesitzer sollte wenigstens das Auf- yängen von Nistkästen nicht vergessen, wie er sie sich lercht aus hohlen, tannenen Prügeln beschaffen kann. Er wird dann jedes, Jahr Körbe voll Früchte mehr ernten, denn es heißt: wenig Vögel — viel Insekten; viel Insekten — wenig Obst. Eine Meise verzehrt täglich etwa 800 Insekten und -larven, em Paar mit 4 Jungen in einem Monate über V» Million.
Zum zweiten gilt es die Haupt Verfolger der Singvögel, als da sind: Elster, Sperber, Habicht, Häher, Eichhörnchen und Katze nicht weiter ungestört ihr Wesen treiben lassen. Die Verfolgung der ersteren können wir beruhigt dem Jäger überlassen, der sie wegen des Jagdschadens schon aufs Korn nimmt. Betrachten wir den abscheulichsten Nestzerstörer, den schön gefiederten Häher, und hören wir keinen geringeren als Brehm's „Bon Busch zu Busch schweifend ergattert er die Nester, säuft die Eier aus, verschlingt die nackten Jungen und zerfleischt die ausgeslogenen Gelbschnäbel. Wo dieser Strauchmörder überhand nimmt, ist an ein Aufkommen der Brut nicht zu denken!" Wer hätte den Krächzer mit seinem häßlichen Geschrei noch nicht gesehen und gehört, nimmt er doch mit jedem Jahr in und an unseren Waldungen rapid zu, wie auch das der Forstkultur schädliche Eichhorn. Sobald dieses Gelegenheit gefunden hat, auf Eier oder Junge im Vogelneste zu stoßen nnd diese einmal geschmeckt hat, wird es der eifrigste Plünderer der Nester. Gegen beide, Häher und Eichhorn, müssen wir die Hilfe des Jägers aurufen. Als ein Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs vor einigen Jahren nur 5 Pfg. Schußgeld für einen Häherkopf zahlte, wurden in kurzem 40 Stück abgeliefert: wenn der Schuß aber 3 Pfg. dem Jäger kostet, da ist es, da mancher Schuß auch fehl geht, nicht der Mühe wert. Ein Pächter der großen ,rm Laubach liegenden Waldungen zahlt jetzt 20 Pfg. pro Kopf, dieses Beispiel verdiehnt Nachahmung. — Noch schlimmer treibt es die Katze. Der bekannte A. Müller (Alsfeld) sagt über sie: „Hier erreicht sie durch Klettern die auf den Bäumen stehenden Nester, dort weiß sie durch einen Sprung Nest und Inhalt hinabzureißen, dort fängt sie auf der Lauer liegend die Ernährer an den Oesfnungen weg, daß die Insassen jämmerlich verhungern müssen." Ein Besitzer eines großen Parks konnte in biefem keine Singvögel aufbringen. Da ließ er in 3 Jahren 142 Katzen darin wegschießen. Bald darauf .hatte er den Garten voller Sänger. Sobald sich im Garten des Verfassers die jungen Rotschwänzchen zum Attsftiegen regten, lag die Nach- barkatze auf der Lauer. Wenn Spülwasser oder Futter in der Nähe von Holzstößen und Winkeln geschüttet wurde, was man ganz besonders im Winter vermeide, fielen die herbeieilenden Vögel der Katze zum Opfer. Da nun aber das Schießen einer be- fatt^en Erlaubnis bedarf und die Katze gesetzlich erst bei 300 Meter Entfernung der Verfolgung preisgegeben ist, so ist
eme sichere Katzenfalle erforderlich. Draußen in Feld und Wald sollte lebe Katze unnachsichtlich verfolgt werden. Ein guter Hund und ent sicherer Wurf leisten dabei die besten Dienste
Zum Schlüsse wenden wir uns noch zu unfern lieben Nachbarn, den Italienern. Nach vielfachen Interpellationen ist im vorigen Reichstage es endlich zu einem mittel- und süd- europatschen Vogelschutzgesetz gekommen, aber — Italien, gerade das Land, nt dem der Massenmord der Vögel planmäßig betrieben ivird, hat sich von ihm ausgeschlossen. Die Bauern nt der Lombardei fangen während der Nacht, da sie die Ruheplätze der Wandervögel kennen, mit großen Netzen tausende von Tierchen. Rühmten sich unlängst 5 Bauern, sie hätten in zwei Wochen nt ihren Fangnetzen 3600 Dutzend = 43 200 Stück erbeutet und zu Markt gebracht. Auf der Insel Capri werden 20 Meter hohe, 100 Meter breite Netze aufgestellt, die Zugvögel durch Klappern aufgescheucht und hineingetrieben. Nur unseren südlichen Nachbarn haben wir es zu verdanken, daß im Frühjahre die Zahl der rückkehrendeu Singvögel immer geringer wird. Den Beitritt Italiens zur Bogelschutzkonvention zu veranlassen, ist bisher leider niemandem gelungen.
Bis dahin müssen, um das Unheil einzudämmen, alle maßgebende Faktoren zusammenwirken: Die Laud es b eh ör d en durch Erlaß von Schutzmaßregeln, da das öffentliche Interesse in Betracht, kommt, geben die Verwaltungsgesetze die Handhabe, die Gemeinden durch strenge Aufsicht der Ausführung dieser, der Forstmann und Grundbesitzer durch Erlegung der Hauptverfolger derselben. In den Rathäusern und in den Schulen sollten Warnungstafeln, Mittel und Wege für den Vogelschutz enthaltend, aufgehängt werden; Die landwirtschaftlichen und Tierschutz vereine könnten kleine Prämien an die sich auszeichnenden Grundstücksbesitzer verleihen. Nur dann würde der altbekannte Satz: „Die Vögel schützen heißt der Landwirtschaft nützen", seine Bestätigung finden.
Adolf Bergheimer..
VermesrHSes.
* Schul-Ex,amen anno 1793. Mctn schreibt uns: Bei den Schulakten der Gemeinde Kl. in Oberhessen findet sich ein Prüfungsprotokolk aus dem Jahre 1793, das tvir seiner eigen-- artigen Abfassung wegen hier mitteilen wollen: „Prüfungs- Protokoll, SamAags, 1'5. Juni, nachmittags um 2 Uhr wurde von Jhro Magnificenz Herrn Stlperint. Dr. Bechthold dieSchul- visitption allhierv abgehalten. 1. Es stmrde gelesen: 2. Petr. 1. Kap. 2. UÄer die einige Gottheit gefragt. 3. Das erste Hsanptstück hergesagt. 4. Tie Schreibbücher produziert. 5. Das Rechnen probiert und das Einmaleins vor-und rückwärts gemacht. 6. Aus der biblischen Geschichte wurde die Geburt Mose bis zum Auszug dep Mltder Jspael durch Frage und Antwort mit den größten Kindern vorgenommen. 7. Gesungen wurde: Eins ist Not."
* Hausinschri ften. In den Ortschaften des Salz- bödetales, so schreibt man uns, findet man noch häufig an den überwiegend vorhandenen Fachwerkbauten sogenannte Haus- inschristen. Am Wohnhaus der Rauchmühle bei Reimershaufen steht das Verschen:
„Tie Müller, die sein wacker,
Die Mühle ist ihr Acker, Tie Welle ist ihr Pflug. Damit verdienen sie Korn und Weizen genug." An einem anderen Haus fanden sich folgende Sinnsprüche: Viel betrachten, wenig sagen; Not nicht jedem klagen.
Viel anhören, nicht anworten, behutsam sein an allen Orten.
Im Glück und Unglück sich wohl schicken, ist eins der größten Meisterstücken.
Alles Tun auf Gott gebaut, keinen Menschen recht getraut.: Redlich aber und gerecht, niedrig doch nicht eben schlecht.
Nicht zu groß und nicht zu klein, höflich, doch nicht zu gemeint Nicht zu blöd, doch auch nicht schrei; still nnd doch beredt dabei.
Magisches Dreieck.
■—------------In die Felder nebenstehender Figur sind
I die Buchstaben aaaeeennnrrss ss derart einzutragen, daß die einander __:__entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:
—-- 1. Stadt in der Rheinprovinz.
2. Nebenfluß der Mosel.
— 8. Nebenfluß der Weichsel.
4. Eilt Fürwort.
5. Einen Btlchstabelt. Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Im Waffeitlärm schweigeit die Gesetze.
Redaktion: V. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch- nnd Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


