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Der Redakteur machte ein ungläubiges Gesicht.

Ich werde mich wohl hüten, eine solche Behauptung in meinem Blatte auszustellen. Datz nach dieser Richtung hin kein Verdacht bestehen kann, ist doch längst erwiesen."

Nur gemach! Halter: Sie mich für einen Mann, der leichtfertig in den Tag hineinschwatzt? Man hielt MißGar- netts Neffen für unverdächtig, weit er für einen reichen Mann galt und weil es hieß, daß er beim Tode seiner Tante über­dies gar keine nennenswerte Erbschaft zu erhoffen habe. Finden Sie nicht, Mr. Comstock, daß die Sache ein wesentlich anderes Aussehen gewinnt, wenn sich die eine wie die andere Voraus­setzung als hinfällig herausstellt?"

Und das wollen Sie ermittelt haben?"

Jawohl. Morton Rayward ist ein finanziell nahe­zu ruinierter Mann. Er hat sein ganzes Privatvermögen in ein schwindelhaftes Minenunternehmen gesteckt und es ist tausend gegen eins zu wetten, daß er auch den Kredit, den er als Teil­haber der Firma Henderson u. Co. genießt, für seine privaten Interessen bereits bis an die äußerste Grenze des Möglichen an­gespannt hat. Wenn die Geschichte da unten in Leadville in die Luft fliegt, ist er fertig. Und nach meinen Jnfornlationen kann das ebensogut morgen wie in vier Wochen oder einem halben Jahre geschehen."

Sie haben das sicherer Quelle, Mr. Carter?"

Aus der allersichersten. Mr. Rayward hat zwar seine Privatgeschäfte mit großer Heimlichkeit betrieben, aber der Makler Doyle, mein Freund von der Börse, ist ein Mann, der das Gras wachsen hört. Und der konnte mir sogar die Summen nennen, die der leichtsinnige junge Mann an das hoffnungslose Unter­nehmen gewendet hat."

Das ist allerdings ein Umstand von einiger Wichtigkeit. Und die Erbschaft? Man sagte doch, Miß Garnett werde ihr ganzes Vermögen wohltätigen Stiftungen hinterlassen."

Das ist ursprünglich auch ihre Absicht gewesen. Ich hab' Mich's zwei Tage Zeit und mindestens zehn Dollar für geistige Getränke kosten lassen, um das Vertrauen des ehrenwerten Herrn Amos Fane, seines Zeichens erster Schreiber bei dem Advokaten Loftus, dem Sachwalter des Fräulein Garnett, zu gewinnen. Und als ihm der Champagner-Cobbler endlich die Zunge ge­löst hatte, hat dieser vortreffliche junge Mann mir verraten, daß Miß Garnett kurz vor ihrer ersten schweren Erkrankung ihr früheres Testament aufgehoben und ein neues errichtet hatte, in welchem zwar noch viele Legate für gemeinnützige Einrich­tungen ausgesetzt, ihrem Neffen aber runde vier Millionen Dollars vermacht waren. Das wäre mehr als genug, ihn aus all seinen Verlegenheiten zu befreien. Und es macht ihn durchaus nicht weniger verdächtig, daß er sich den Anschein gibt, nichts von dieser testamentarischen Verfügung zu wissen, sondern geflissent­lich überall verbreitet, er werde bei dem Tode seiner Tante ganz leer ausgehen."

Sie sind wahrhaftig ein Teufelskerl, Carter! Und Sie glauben, daß man es Wäger: kann, diese Dinge zu veröffent­lichen?"

Noch nicht! Wenn wir erst einmal zum Schlage aus­holen, muß es en: Schlag werde::, der bei: Schuldigen rettungs­los vernichtet. Mr. Amos Fane hat mir versprochen, eine Ab­schrift des Testaments zu beschaffen. Und bis sie in meinen Händen ist, hoffe ich noch einiges weiteres Material besorgt zu haben. Auf ein paar Tage mehr oder weniger kann es jetzt nicht ankommei:. Der wackere Dr. Chilton wird schon dafür sorgen, daß Miß Garnett nicht etwa inzwischen einem neuen Anschläge ihres liebevollen Nesfen zum Opfer fällt."

Ein famoser Bursche, dieser junge Doktor, von dessen Ruhm jetzt ganz Newhork voll ist. Wenn Ihre Vermutungen zn- treffm, dürfte Mr. Morton Rayward ihm nicht sonderlich ge­wogen sein."

Nun, er kann sich leicht darüber trösten. Erstens hat ihm seine letzte Wunderkur an Miß Garnett eine Riesenpraxis eingebracht, und zweitens wird er bei dem dermaleinstigen Tode des alten Fräuleins noch einen weiteren goldenen Lohn seiner Geschicklichkeit ernten. Mein neuer Freund Amos Fane hat mir verraten, idjaß ihm das nette kleine Legat von hunderttausend Dollars zugedacht ist."

Mr. Comstock lachte.

Hoffentlich war die freigebige Miß klug genug, ihm nichts davon zu sagen. Denn es wäre einigermaßen begreiflich, wenn die Aussicht aus solche Erbschast seinen Eifer, das Leben der Patientin zu verlängern ein wenig erkalten ließe. Aber Sie haben recht, Carter, wir wollen unser Pulver nicht vor­zeitig verschießen, zuu:al wenn Sie sicher sind, daß uns kein Konkurrenzblatt zuvorkommt. Sparen Sie picht mit den: Gelbe

und setzen Sie alles daran, daß die Beweiskette lückenlos ist, wenn wir mit unserer Veröffentlichung herausrücken."

Seine kleine Verstimmung über Miß Margaret Barrymore's Brief war ganz und gar verflogen, und er gewann es sogar über sich, ihr mit einigen liebenswürdigen Zeilen zu antworten, die sie zu der erfreulichen Wendung in ihren Verhältnissen be­glückwünschten.

Drittes Kapitel.

Die tiefe Verehrung, die schon der erste Eindruck von Miß Garnetts Persönlichkeit Margaret eingeflößt hatte, wurde mit jedem Tage, den sie in der Gesellschaft des alten Fräuleins verlebte, inniger und herzlicher. Und gewiß würde sie sich unter dem Dache des stillen Hauses sehr glücklich gefühlt haben, wenn nicht Miß Garnetts Befürchtungen hinsichtlich der durch die Untersuchung zu erwartenden Unruhe und Widerwärtigkeiten I vollauf in Erfüllung gegangen wären.

Während der ersten Woche von Margarets Anwesenheit war in der Tat kein Tag vergangen, an den: nicht der eine oder der andere Polizeibeamte erschienen wäre, um eine Unmenge von Fragen an die alte Dame oder an ihre Hausgenossen zu richten, und es war wohl begreiflich, daß sich aller Beteiligten bald eine hochgradige Mrvosität bemächtigt hatte. Jeder Einzelne hatte das Gefühl, daß eine drohende Wolle über seinem Haupte schwebe. Denn solange sich hinsichtlich der Person des Schuldigen noch nicht der geringste greifbare Anhalt ergeben hatte, mußte jeder, der zur Zeit des Vergistungsversuchs in Miß Garnetts Um­gebung geweilt hatte, Äarauf gefaßt sein, daß der Verdacht sich gegen ihn wenden könnte, und mißtrauisch ging einer dem andern aus dem Wege. .

Dazu kam, daß die Newyorker Zeitungen s:ch noch immer sehr angelegentlich mit der piysteriüsen Vergiftungsaffäre be­schäftigten und sich nach'Art der amerikanischen Blätter in den abenteuerlichsten Kombinationen ergingen, ohne viel Rücksicht auf die Empfindungen und Wünsche der Beteiligten. Einzig der IMorning Telegraph" verhielt sich ganz schweigsam. Eine volle Woche hindurch hatte er den Fall Garnett mit keiner Silbe er­wähnt, und Margaret war voll aufrichtiger Dankbarkeit für ine Liebenswürdigkeit Mr. Comstocks, da sie nicht zweifelte, daß es ihre Bitte gewesen sei, die solche Wirkung gehabt.

Sie nahm es mit de:: übernommenen Pflichten sehr ernste und sie war glücklich, zu sehen, daß ihr Miß Garnett eine stetig wachsende Zuneigung entgegenbrachte. Die eigentliche Pflegerin war schon am zweiten Tage nach Margarets Eintritt entlassen worden und die junge Gesellschafterin ließ sich's nicht nehmen, I alle die kleinen persönlichen Dienstleistungen, deren eine Rekon­valeszentin bedarf, selbst zu verrichten. Da sie fast nie von der Seite des alten Fräulein wich und da Morton ebenfalls jede freie Stunde bei seiner Tante zubrachte, sahen sich die beides jungen Leute sehr häufig. Aber wenn Margaret anfangs mit einer zwischen Furcht und Hosfnung schwankenden Empfindung erwartet hatte, daß Morton versuchen würde, der so jäh unter­brochenen Idylle von Springsield eine Fortsetzung zu geben,' so mußte sie bald inne werden, daß er eine solche Absicht nicht hegte. Wohl glaubte sie manchmal wahrzunehmen, daß seine Augen mit einem halb zärtlichen und halb wehmütigen Aus­druck auf ihr ruhten, aber den alten kameradschaftlichen Ton schlug er auch dann nicht an, wenn sie einmal zufällig für kurze Zeit allein miteinander waren und es war vielmehr gerade bann eine beinahe auffällige Zurückhaltung unb Gemessenheit | in seinem Benehmen.

Damals hielt er mich für eine rerche junge Dame , dachte Margaret mit schmerzlicher Bitterkeit,die arme Gesellschafterin aber hat für ihn natürlich alles Interesse verloren."

Es war keine vermessene Hoffnung, die sie mit solcher Er- I kenntnis zu Grabe trug, denn nicht einen Augenblick hatte sie im Grnst an die Möglichkeit gedacht, datz der Neffe der Millionärin I sie zum Weibe begehren könnte, aber fie meinte, um ein weniges I freundlicher und herziger hätte er sie doch! behandeln können unb manche verstohlene Träne netzte in der Stille der erster; I Nächte die Kissen ihres Lagers.

(Fortsetzung folgt.)

Erkältmrge«.")

Vor: Professor G e r b er.

Die häufigsten akuten Entzündungen der Stimmorgane sind die durch die sogenannten Erkältungskrankheiten bedu-.gten.

Der Begriff der Erkältung hat im Saufe der Zett mannigfache ~~~*) Wir^ittnehmen die nachstehenden Ausführungen dein in der Sammlung Aus Natur und Geisteswelt erschienen Bandch«i lwe* die menschliche Stimme und ihre Hygttne vvn Professor Gerber,