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Stille ringsum, und über dem blutgetränkten Feld der | leuchtende Mond und der flimmernde Sternenhimmel. I Der Ernst des Tages verfehlt bet den zur Ruhe dahm- gestreckten Kriegern nicht seine Wirkung. Plötzlich wird diese Stille unterbrochen durch den Gesang eines alten bärtigen Kriegers: „Nun danket alle Gott!" Seine Gefühle teilen die Naheliegenden, und bald braust ein vieltausendstimmiger Chor unter Begleitung der Regiments- nmsik zum Himmel empor.
Folgen wir den Ereignissen des Tages!
Nach der Schlacht bet Roßbach am 5. November war Friedrich II. sofort mit seinem kleinen Speere nach Schlesien geeilt; denn dort standen die Dinge bedenklich. Schweidnitz und Breslau waren mittlerweile gefallen; ganz Schlesien schien verloren. Am 2. Dezember konnte Zielen von der geschlagenen schlesischen Armee noch 18600 Mann zuführen. Mit diesen 32 600 Mann, die nun die preußische Armee zahlte, wollte König Friedrich einen entscheidenden Schlag ausführen. Ei» kühnes Unternehmen gegenüber der dreifachen Uebermacht der Oesterreicher unter dem Herzog Karl von Lothringen und dem Feldmarschall Daun! Ter Tag von Roßbach hatte das Selbstbewnßtsein des Königs gestärkt. Er war fest entschlossen, die Feinde anzugreifen, „und wenn sie ans den Kirchtürmen von Breslau oder auf dem Zobteuberg ständen".
Bei Leut heu, unweit Breslau, stieß er auf den Feind, der mit Geringschätzung auf das kleine Heer der .Preußen, „die Berliner Wachtparade", herabsah. Am 4. Dezember, an einem Sonntag, näherten sich die beiderseitigen Heere. Friedrich berief seine Offiziere und hielt an sie eine begeisterte Rede, in der er die Gefahr des Vaterlandes schilderte und an den Geist seiner Truppen und ihrer Führer appellierte. „Ich muß diesen Schritt ivage», oder es ist alles verloren", fügte er hinzu, „wir müssen den Feind schlagen oder uns alle vor seinen Batterien begraben lassen. Wer von euch verzagt ist, der trete heraus, ehe er andere verzagt macht! Er trete heraus; er soll ohne Umstände und Vorwurf gleich seinen Abschied haben. . . . Nun. leben Sie wohl, meine Herren, in kurzem haben wir den Feind geschlagen oder wir sehen uns nie wieder." Am Abend beritt der König das Lager, wo ihm überall die opferfreudigste Stimmung begegnete.
Am Morgen des 5. Dezember ging Friedrich dem Feinde entgegen, der sich anschickte, sich in Schlachtordnung aufzustellen. Unter dem Gesänge frommer Lieder rückten die Preußen heran. „Gib, daß ich tu' mit Fleiß, was mir zu tun gebühret —, Wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet —, Gib, daß ich's tue bald — Zu der Zeit, da ich's soll —, Und ivenn ich's tu', so gib, — daß es gerate wohl!" Ein alter Oberst wollte seinen Truppen Schweigen gebieten. Der König hatte es bemerkt und sagte: „Laß Er das, mit solchen Leuten wird mir Gott gewiß den Sieg verleihen!"
Bor Beginn der Schlacht rief er einen Offizier mit 50 Husaren heran und sagte: „Ich werde mich heilte bei der Schlacht mehr anssetzen müssen, wie sonst. Er mit seinen 50 Mann soll mir zur Deckung dienen. Er verlaßt Nlich nicht und gibt Acht, daß ich nicht der Kanaille in die Hände falle. Bleib' ich, so bedeckt Er den Körper gleich mit Seinem Mantel und läßt einen Wageir holen. Er legt den Körper in den Wagen nnd sagt Keinem ein Wort. Die Schlacht geht fort, und der Feind —, der wird geschlagen!"
Heute zeigte Friedrich die ganze Größe seines Feld- herrngenies. Taktik irnd Geist mußten die numerische Minderheit ersetzen. Die preußischen Kolonnen rückten heran wie zur Truppenschau. Alles klappte; jede Bewegung wurde mit seltener Präzision ausgeführt. Die preußische Reiterei eröffnete die Schlacht. Friedrich ivllßte den Feind zu täuschen, indem er einen versteckten Angriff auf seinen rechten Flügel führte, während er den Hauptangriff aus den linken feindlichen Flügel richtete. Er hatte die schiefe Schlachtordnung gewählt, mit der einst der Thebaner
Epaminondas in der Schlacht bei Lenktra die Spartaner besiegte. „Aufmarschierend schob er einen Trupp nach dem anderen in Keilform nach rechts dicht aufeinander." „Die guten Leute paschen ab," meinte Daun, „lassen wir sie ziehen." Plötzlich ließ der König den anscheinend wirren Truppenknäuel sich entfalten, und nun erfolgte gegen 1 Nhr eilt furchtbarer Anprall gegen bett feindlichen linken Flügel. Tie vordersten Reihen des Feindes gerieten ins Schwanken. Zielen fällt mit der Reiterei ein und wirft ein feindliches Regiment auf das andere. Der König selbst führt den Angriff auf das Dorf Leuthcn. Zu spät erkannte der Feind die Absicht des Gegners. Seine vom rechten Flügel herangezogenen Reserven können die nötige Unterstützung nicht gewähren. Es war 4i/2 lUjr; es dunkelte bereits; da war die Schlacht entschieden. Das ganze österreichische Heer befindet sich in Auflösung und schickt sich zum Rückzug nach Lissa an.
Napoleon I. hat die Schlacht bei Leuthen als „das Meisterstück des großen Friedrich" bezeichnet. Der Feind verlor 10 000 Tote und Verwundete, 21000 Gefangene, 116 Kanonen nnd 59 Fahnen. Auch die Preußen hatten einen Verlust von 5000 Mann zu beklagen. Aber trotz des Verlustes hatte der Geist der Truppen nicht gelitten. Ein bayerischer General stieß auf einen schwer verwundeten Preußen, dem beide Beine abgeschossen waren, und der noch kaltblütig ans seiner Tonpfeife rauchte Verwundert seb *>•*• Bayer den Preußen an, bn
Fritze!"
Ein alter General begüü • i .. .
wonnenen Siege. „Das", ei Höherer getan." „In," erto Majestät vortreffliche Dispos mit Seinen Dispositionen - zum Andern."
Begeisternd nahm das ;
sreude teil nnd sang:
„Es lebe durch des Höchsten Gnade Der König, der uns schützen kann, So schlägt er mit der Wachtparade Noch einmal achtzigtansend Mann."
An seinen Geheimschreiber Eichel berichtete der Königr „Alles geht wundervoll gut; ich gehe morgen nach Breslau, welches ich wieder in wenigen Tagen zu erobern hoffet Und in der Tat, bereits am 21. Dezember war er wieder im Besitz von Schweidnitz und Breslau, lieber seine Erfolge int Dezember schreibt Friedrich an seinen Bruder« den Prinzen Heinrich: „Endlich ist die größte Schwierigkeit überwunden. Gott sei Dank, daß ich mir diesen schrecklichen Dorn ans dem Fuße gezogen habe. In meinem! Leben habe ich niemals so viel Hindernisse auf meinem Wege zu überwinden gehabt. Gegenwärtig haben wir unfere Revanche: die Reputation der Truppen ist vollkommen hergestellt." Und wenn auch der König selbst in dieser Zeit körperlich litt, so tröstete er sich doch: „Wenn ntfr unser« Sachen gut gehen, so lverde ich dem Himmel danken« wenn ich auch allein leide."
So hatte das Jahr 1757 glücklich für den schwer bedrohten König geendet. Ein Jahr reich an Wechselfällen mannigfacher Art! 760000 Krieger auf deutschem Boden in Waffen. Alle Großmächte im Bündnis gegen den einzigen Manu! Das Jahr 1757 ist bezeichnend für den ganzen Krieg: „Kühner Anlauf, überwältigendes Unglück, Gefahr der Existenz, aber Rettung durch Entschluß, Disziplin und Waffen."
'Heute nach 150 Jahren wird auf dem Schlachtfeld« von Leuthen die Hülle des Denkmals fallen, das den gegenwärtigen und künftigen Geschlechtern ein beredtes Zeugnis gelten" soll von einem der glorreichsten Siege, von welchem die Weltgeschichte erzählt, von einem Siege des überlegenem Scharfsinnes und der begeisterten Hingabe. —e—.


