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Kühle der Bäche atmet, der den Baumschatten liebt, in die Dörfer eindringt, der die Türen geöffnet und die Tische gedeckt sieht, der die Schnitter zählt, die sich auf den Wiesen bücken, der die lindenumrauschte Kirche umkreist und Schlag zwölf vor der Her­berge rast.t, um dann singend weiter zu ziehen und mit einem Sah zu sehen, was die Menschen treiben, die drei Tagemärsche davon entfernt wohnen, und dieselbe Stunde in einer neuen Welt zu beschleichen, hier wird der Raum wirklich menschlich, er gleicht sich unserem Auge, den Bedürfnissen unserer zugleich raschen und langsamen, ungeheuren und engen, unersättlichen und kleinlichen Seele an; er wird schließlich assimilierbar und bietet uns unaufhörlich an jedem seiner Ziele jede seiner Schön­heiten, ,die er uns früher nur bei der beschwerlichen Ankunft bot. Jetzt dagegen ist es nicht mehr die Ankunft, welche uns die Augen öffnet, .die für unser Leben so kostbare Aufmerksamkeit schürt, und zum Glück des Schauens einlädt; der Weg selbst ist nur mehr ein endloses Ankommen. Tie Freuden des Zieles verfielfältigen sich, denn alles nimmt die herrliche Gestalt des Zieles an. Tie Äugen vergessen endlich ihre Gleichgiltigkeit und Trägheit, und die gute Erinnerung an die Schönheiten der Mutter Erde die bescheidenste der Feen, dte dem Menschenglück Vorstehen, § reibt im Gedenken an die weniger glücklichen Tage, die, jedem enschen beschieden sind, zu den erworbenen Gütern, die uns niemand rauben kann, die unverhofften Schätze, die ihr auf den entfesselten Straßen und in den losgebundenen Stunden- zu­strömen."

Vermachtes.

* Tie Frau als Beherrscherin der Bühne. Braucht man eigentlich noch Männer auf der Bühne? Diese auf den ersten Blick erstaunliche Frage wirst eine Londoner Theater- zeitung auf, und sie kommt zu dem Schluß, daß man die Männer au f der Bühne im Grunde nickt mehr nötig hat. Einst gab es eine Zeit, da das Auftreten der Frau auf der Bühne verpönt war: jetzt macht die Frau sich immer mehr zur Beherrscherin der Bühne. . . Der barocken Idee liegt die ernsthafte Tat­sache zu Grunde, daß die Zahl der Frauen, die Mannerrollen an sich reißen, in schnellem Wachstum begriffen ist. Jene Zeit­schrift führt an, daß Sarah Bernhardt als Hamlet viele Leute begeistert, sie und Maude Adams haben für immer es beit Schau­spiel'rn unmöglich gemacht, die Rolle des Herzogs von Reichstädt inL'Aiglon" zu spielen; ein moderner Klubmann konnte nicht besser als durch Vesta Tilley dargestellt werden. Romeo hat ein halbes Dutzend berühmter Darstellerinnen unter dem schönen Geschlecht gefunden, darunter Sarah Bernhardt und Julia Mar­lowe, und immer mehr Frauen tragen auf der Bühne trium­phierend die Hosen, und diese Entwicklung findet ein günstiges Echo im Publikum. Als die Posse die leichte Oper verdrängte, wurden den Männern die Reihen des Chors verschlossen, und auch für die Hauptrollen werden sie immer weniger nötig. So ist Edna Map ein reizender Knabe in einem Akte des Stückes The Girl front up there", man kann sich keinen mutigeren Kavalier als Julia Marlowe inWhen Knighthood was in Flower?" vorstellen, der Oliver Twist ist auf der Bühne fast immer von Frauen gespielt worden. In dieser Tendenz der Schauspielerinnen, Männerrollen zu übernehmen, ist diegött­liche Sarny' die Führerin. Ehe sie sich das letzte Mal zur Saison nach London begab, sagte sie:Ich werde dort in ,Pelleas und Melisande' auftreten, und zwar ich als Pelleas; Mrs. Patrick Campbell wird die Melisande spielen. Warum ich solche Launen" habe und Männerrollen spiele? Das amüsiert mich eben. Es ist seltsam, bizarr, spaßig und regt mich an. Ich muß ein Vergnügen haben. Es ist eine Zerstreuung, eine Aender- ung und macht von sich reden. Enfin, je l'adore. Warum sollte ich nicht? So bin ich nun einmal." In der Geschichte der Bühne bedeutete diese Entwicklung jedenfalls die größte Revolution! Seit den Anfängen des griechischen Dramas wurden alle Rollen auch die weiblichen, von Männern und Knaben gespielt, und die Nachwirkungen dieses Vorurteils gegen schauspielernde Frauen wurden erst durch die Bühne zu Shakespeares Zeiten beseitigt. Im alten Globe-Theater spielten Knaben Rosalinde, Jessica, Portia und Imogen; aber nach dem Auftreten der reizenden und begabten Bracegirdle wurde dies anders. Und nach wenigen Generationen spielte die bezaubernde Peg Woffington bereits die Rolle des Sir Harry Wildair so, daß das begeisterte Publi­kum der Ueberzeugung war, einen Mann vor sich zu haben. Ein Hoffnungsschimmer bleibt aber noch für die Schauspieler; man kann sich nicht gut vorstellen, daß Frauen den Falstaff, Othello, Spartacus oder Rip Van Winkle spielen, nicht, weil sie das nicht könnten, sondern weil es ihnen keinen Spaß machen dürfte . . . Knaben, Liebhaber, Kavaliere und Pagen werden oft besser von Frauen als von Männern dargestellt. Die Frauen sehen in Knabenkleidung mehr wie Knaben aus, als diese selbst, und Männer können keine Knaben spielen und sehen auch nicht so aus. Wenn eine Schauspielerin von vierzig Jahren ihre schlanke Figur bewahrt hat, so kann sie noch den kleinen Lord Fauntleroy darstellen, aber eine männliche Person über fünf­zehn Jahre würde sich nicht mehr dazu eignen. Und dabei kann der Schauspieler nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Man kann sich ihn doch nicht als Julia oder Portia vorstellen. Die er­

wähnte Fachzeitschrift malt bereits' .düstere Schreckensbilder an die Wand. Was wird aus den vielen Schauspielern werden? Werden die Frauen, wenn sie sie verdrängt haben, sie wenigsten» als Bühnenarbeiter und Kulissenschieber dulden und ihnen bann! und wann erlauben, alsrömisches Volk" vor die Rampe zu treten?

* Ludwig Bamberger über das Rauchen. MA vor etwa fünfzehn Jahren der Redakteur derDeutschen Tabak­zeitung" eine Reihe von geistig hervorragenden Männern in Deutschland aufforberte, ein Urteil über den Tabakgenuß abzu­geben, richtete er diese Anstage auch an Bamberger. Das Schreiben, worin Bamberger diesem Wunsche entsprach, ist ein kleines Kabenettsstück, wohl wert, in weiten Kreisen bekannt zu werden. Das derVoss. Ztg." zur Verfügung gestellte Schreiben lautet:Bersin W., den 3. November 1889. Ge­ehrter Herr! Sie wollen wissen, wie ich zum Tabak stehe. Ich bin zwar weder ein starker noch ein passionierter, aber ein sehr überzeugter und dankbarer Raucher. Von den vielen kleinen Ge­nüssen, mittels deren wir Sterbliche das nicht existterende große! Glück ersetzen, zähle ich den der Zigarre zu den besten und wert­vollsten. Der alte Talleyrand sagte vom Essen: Parlez-moi d'un plaisir, gut je renouvelle trois fois Par jour et bure chaquej fois une heure! Wäre er ein Raucher gewesen, so hätte er diese Lobpreisung für den Tabak aufgespart. Aber er hat nur ge­schnupft und auch das wahrscheinlich nur wegen der mit Dia­manten besetzten Dosen, die bis auf diesen Tag zu den unersetz­lichen Instrumenten der völkerbeglückenden Diplomatie gehören. Nicht jedem ist es gegeben, drei Mahlzeiten von je einer stunde im Tage absolvieren zu können, aber dreimal eine Stunde nach dem Essen rauchen, das ist auch bescheidenen Kräften möglich,, und die Zigarre nach dem Mahl ist dessen besseres Jenseits. Mit letzterem hat das Rauchen auch gemein, daß die Vernunft nichts davon begreift, denn etwas Jrrationelleres als das Rauchen gibt es doch nicht, es sei denn das Schnupfen, welches darum für den Eingeweihten noch höher stehen mag; aber hier kann ich nicht aus eigener Erfahrung mitsprechen, selbst in diesem Punkt. verläßt mich jede diplomatische Anlage. Ich rauche nicht beim Arbeiten, sondern nur bei leichter Lektüre, leichtem Gespräch oder Geträurne. Wahre Genüsse wollen nicht mit an­deren gehäuft sein. Tie Engländer, welche die schlechtesten Fein­schmecker sind, essen alle Gerichte zugleich aus einem und dem­selben Teller; die Franzosen essen auch den Salat allein. Tip Orientalen, welche zu leben wissen, halten es so mit ihrer Pfeife.- Eine Nutzanwendung gegen das neue Musikdrama läge naher, aber wir wollenAm Rauchen" bleiben wie Alphonse Karr vor vor einem halben Jahrhundert in feinenWespen" den Ab­schnitt der leicht dahintreibenden Gedanken überschrieb. .Eine Zigarre erhöht den Wert schöner Stunden und hilft schwere tragen. .Sie ist ein Uebergang aus der sichtbaren Welt in die unsichtbare. Da Sie an so viele Leute die Bitte um ihre Ideen über den Tabak richten, so fragen Sie auch einmal bei einem Medium an, ob die Geister rauchen? Es sollte mich nicht wun­dern. Aber welche Marke! Ihr ergebener L. Bamberger. P. S. Ich halte das Rauchen für gesundheitswidrig, wie jedes Ver­gnügen, und wie das ganze Leben, an dem wir schließlich sterben."

Ein Freund.

Nach Gütern ringt der Mensch auf Erden Bon Jugend an mit aller Kraft sind achtet Kampi nicht und Beschwerden In seines Strebens Leidenschaft.

ter jagt nach Gold in wilder Gier, Ten locket mäckt'ger Stellung Zier, Und ungestüm begehrte Ziele Sind Ehre, Ruhm und Glanz für viele. Wenn alle diese schönen Dinge Umgäben Dich in buntem Schwarm, Ein Freund jedock Dich nie umfinge Mit Lieb' und Treu': Wärst Du nicht arm?

A. .Ammann.

Rätsel.

(Nachdruck verboten.) Auf den Bergen kannst du's finden, Lieblich liegt© in stiller Ruh Einen Namen wird dir's künden, Fügst du ihm ein Zeichen zu. Nimm das mittelsse der Zeichen, Setz ein andres daiür ein, So wird's wie durch Hexenzauber Ein Teil von dir selber fein. Aenderst du das letzte Zeichen, Spricht's von Falt und grauem Haah Doch imReiche des Gesanges Klingt es manchmal wunderbar.

(Auflösung m nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nrt. Glänzendes Elend.

Redaktion: Auaust Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen,