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M, .bis zum Frankfurter Bahnhof, diesem wunderbar aus Mor- genfrühe des Eisenbaues heraus entstandenen besten Werke unserer Tage, mit einer Art von Heimweh sich wünschen werden. Ich habe infolge meines an allerlei Wanderungen reichen Lebens viel vom steinernen Bau gesehen, deutsche Dome und französische Kirchen und Schlösser, Sankt Peter in Rom und die Hagia Sophia in Konstantinopel, auch die unvergeßlichen Ruinen von Balbeck und die Burg.von Athen. Alles das steht ehrfurchtgebietend vor meinem Geiste, .aber das Gefühl innerer mitschafsender Freude entsteht doch erst bei Werken, .die unserer Zeit angehören, bei der Müngstener Brücke oder der Rheinbrücke von Düsseldorf, beim Eiffelturm. Aller Steiubau ist 31t gewisser Weise fertig. Man hat in der Petersiirche das doppelte Gefühl: das ist wunderbar groß! und: das ist das Aeußerste, .was erreicht werden konnte! Und diesen zweiten Sah sagt man vor keinem Eisenbau. Hier leben noch unaussprechliche Möglichkeiten. Alle alten Raumbegriffe verschieben sich. Mle Gefühle für Träger und Belast- ungsverhältnisse werden anders. Große Gewölbe fast auf Punkte zu legen, ist so neu, Hatz ost der Architekt noch falsche Pfeiler für nötig hält, als schäme er sich selbst seiner jungen Kraft. .Noch gibt man dem Eisenbau aus einer Art von Schüchternheit steinerne Vorhallen. .Gerade aber dieses leise und doch so frohe Herauskommen aus dem Wald der Vergangenheit gehört mit Aum Zauber der neuen Kunst.
Nicht jeder Eisenbau an sich ist schön. Keineswegs! Es entstehen auch hier täglich Halbheiten .und Geschmacklosigkeiten: Mannesmannröhren mit korinthischen Kapitälen und dergleichen. Man muß aber aus dem Merlei den Zug nach neuen Formen zu erkennen wissen. .Und niemand wird auf diesem Gebiete ohne inneren Gewinn suchen. Nicht alles, was Kunst heißt, stärkt den Menschen, diese Kunst .aber hat etwas absolut CharaktervoUes. Es gibt Stücke am Unterbau der Berliner Hochbahn, die in ihrer freien Wuchtigkeit besser wirken, als Salomonis Sprüche. Der Mensch besinnt sich auf das Wesenhafte, aus den Aufbau der Dinge selber, er lernt die Arbeit der Materie nachempfinden, und hebt sich selbst an einem Material, dem diese Arbeit Lust ist. Tas alles wirkt auch aus Menschen, die darüber nie verstands- mäßige Auskunst geben könnten. Es lehrt uns Linien erfassen, hie mir dann in uns selbst wiederholen. So wird auf eine schwer Au beschreibende Weise das Wen zum Erzieher seines Zeitalters Und hilft mit, den Stil der Neuzeit zu schaffen, den wir suchen.
Die Kinderausstellung in St. Louis.
In her anthropologischen Abteilung der Weltausstellung in St. Louis bietet die an Zahl und Mannigfaltigkeit der „ausgestellten" Subjekte gleich merkwürdige Kinderausstellung für den lvissenschaftlichen Beobachter wie für den neugierigen Besucher einen lehrreichen und reizvollen Anblick dar. Jede Art von kindlicher Kreatur kann hier gesehen werdest, von dem gebrechlichen, schwachen Geschöpf, dessen zartes Lebensstämmlein künstlich ' entfacht werden must, bis zu dem Eskimobabh, das auch nicht einen Tag .unter den Lebenden geduldet würde, wenn es nach der Geburt irgend ein Zeichen von Schwäche zeigen sollte und dem unfehlbar in diesem .Falle statt künstlicher Sommertemperatur und künstlicher Nahrung ein rauhes, unwirtliches Grab in der -kalten Wüste von Alaska beschert würde.
Die Jndianerbabies, deren Ausstellung sich.an die Muster- schnle für Indianer anschließt, sind wohl das Wunderlichste, was der Beobachter des Kindcrlebens zu sehen bekommen kann. In ihrer stoischen Ruhe, die fast Nie durch Weinen oder irgend einen anderen Laut unterbrochen wird, weichen sie durchgehends von allem ab, was sonst in der weißen oder farbigen Welt unter den Begriff „Kind" einbezogen werden kann. Man findet erst mit einiger Mühe heraus, daß es ein lebendes Wesen ist, das die Jndianer-Sqnaw (Frau) da auf ihrem Rücken trägt und hat es nicht leicht, zu begreifen, wie sich diese musterhaft „artigen" Kinder die spärlichen Laute ihrer Muttersprache an- eignen. Traurig und gelassen blicken ihre steinen Angen gerade vor sich hin, und es ist recht schwer, durch irgend etwas ihre innerlich gespannte Aufmerksamkeit nach außen abzulenken. Es ist, als' würde eine wichtige und ernste Angelegenheit sie innerlich beschäftigen, und als fänden sie es nicht der Mühe wert, davon abzugehen;, fast möchte man glauben, daß die Urerinnerung ihres Stammes an zahllose erlittene Leiden und Qualen schon den Kleinsten unter den Kleinen scheue Vorsicht zur Lebensregel gemacht hat.
Eines der merkwürdigsten und am meisten beobachteten Kinder in der Ausstellung .ist Ainu, das steine japanische Mädchen, dem in Anbetracht seiner anthropologischen Bedeutung eine geräumige Strohhütte eingeräumt wurde. ,Ainu ist ein Sproß eines der wenigen japanischen Stämme, die sich niemals mit fremdem Blute vermengt haben. Ainu ist frühzeitig mit einem steinen tätowierten Schnurrbart auf der Oberlippe versehen worden, der seinen Stmnmesgenosfen für das Ideal weiblicher Schönheit unumgänglich erscheint. .Im Gegensatz zu den nackten Jndiancr- kindern tragt Ainu ein aus feinen Baumfasern und Schleifen zusammengesttzteK und so vostständiges Kostüm, daß es nahezu unbegreiflich erscheint, wie sie dabei zum vollen Gebrauch ihrer Gliedmaßen gelangen soll. Wer so will. es die unbarmherzige
Mode, die in Japan schon früher ihre unumschränkte Herrschaft beginnt, als anderswo.
Da sind die patagonischen Kinder ganz andere Kerle. Sie sind fast ganz unbesteidet, haben kein Bett und werden niemals von der Mutter herumgetragen. Und kaum vermag der steine Patagonien die Beine zu rühren, so wird er gleich im Reiten unterrichtet, da in Patagonien nur die Aermsten unter den Armen sich damit abgeben, zu Fuß zu gehen.
Tie freien amerikanischen Bürger von Alaska, vulgo Eskimos, haben sich auch dazu herbeigelassen, mit ihren Kindern ausgestellt zu werden. Sie tun es freilich ebenso ungern wie die Indianer und fürchten fast ebenso wie diese den bösen Blick des weißen Mannes. .Männlein und Weiblein tragen dasselbe primitive Kostüm, bestehend aus dicken Stiefeln und einem dünnen blauen Kalikohemd; der steine Eskimo behilft sich ohne jedes Kostüm und wird einfach an den Rücken der Mutter angebunden, welche mit dieser Bürde alle wirtschaftlichen Tätigkeiten vollbringt, ja sogar an den ausgelassenen Tänzen tenmmmt, in denen sich die Eskimos vor den erstaunten und verachtungsvollen Blicken der Japaner ergehen. .
Unter den Eingeborenen von Alaska haben die Ideen und Bräuche des Ehristentums in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht. .Eine große Umwälzung wird bewirkt fern, wenn die Eskimos sich dazu bekehren werden, ihre Toten zu begaben, denn nach uraltem jahrhundertelangem Brauch dürfen wlbst dw nächsten Freunde iind Verwandten weder Bet einer Geburt noch bei einem Todeskampf zugegen sein. Der sterbende Eskimo,wird in die Tundra (Wüste) hinausgetragen, auf eme dichte Mooslage ausgebreitet und mit einem Zaun von Treibholz umgeben.
So muß er allein dem letzten Augenblick eutgegengehen, und so ehren die Eskimos in ihrer Weise die „schwere Stunde" und den Tod, das Geheimnis des Lebens und des sterbens.
Miß Mary Hart, die der Maska-Ausstellung Vorstes er- Mlte uns von dem Begräbnis, das etn „for.fchrittliches Eskimopaar seinem Kinde veranstaltete. Das kleine Wesen wuroe in eine einfache Büchse gesteckt, und mit den zartesten und weichsten Pelzstosfen umlagert. In das zarte rechte Händchen steckte ihm aber die vorsorgliche Mutter eine abgelegte elektrsiche Glühlampe, ans daß die geheimnisvolle und erhabene Lichtquelle ihm den Weg durch 'das unheimliche Ta! des Todes erleuchte. — — —
St. Louis, Ende August. E. S.
Die Poesie des Automobils.
Wenn Menschen oder Tinge am Spott sterben könnten, müßte das Automobil längst tot sein, denn die Verulkung dieses Vehikels überbietet alles bisher dagewescne. Tie Witzblatter leisten sich ganze Äutomobiliiummern, eine Ehrung, die wohl noch keiner Maschine zuteil geworden ist. Die Poesie des Automobils aber wollte keiner sehen, bis jetzt ein Dichter, dem alles zur Poesie wird, auch das Automobil mit Tichteraugeu gesehen hat: Manrice 'Maeterlinck. In seinem von uns bereits erwälmten Werk: „Der doppelte Garten" (Engen Diede- richs, Jena) gibt der Abschnitt „Im Automobil" wieder em Beispiel, wie der Dichter Stoffliches, scheinbar Totes, zu beseelen vermag. Mit seinen Äugen gesehen, ward bie Maschine zum lebendigen Geistwesen, .zum Ungetüm voll geheimnisvoller Wunderkräfte, deren Bewegung und Beherrschung ihren Bändiger über niciischliche Begrenztheit hinaushebt. Wir teilen hier den Schluß des Abschnittes mit: „Der Raum und seine unsicyt- bare Schwester, die Zeit, .sind im ganzen genommen, die beiden großen Feinde des Menschen. Wenn wir sie besiegten, mären wir den Göttern gleich Tie Zeit scheint unbesieglich: sie hat weder Körper noch Gestalt, noch ein Orgnn, durch das wir ihrer habhaft werden könnten. Sie vergeht, sie hinterläßt fast immer schmerzliche Spuren, gleichsam den verderblichen schatten esires unvermeidlichen Wesens, das man nie erblickt. Es ist zudem wahrscheinlich, daß sie an sich gar. nicht vorhanden ist, sondern nur für uns, und daß es nns nie gelingen wird, dieses notwendige Phantom unserer organivb fehlerhafteii Einbildunaskraft zu unterjochen. Ihr prächtiger Bruder hingegen, der Raum, der sich ins grüne Kleid der Ebenen, in den gelben Schleier der Wusteti und den blauen Mantel der Ozeane hüllt und das alles mit dem Azur des Himmels und dem Gold der Sterne bedeckt, — er hat schon manche Niederlage erlitten, aber noch nie bis auf diesen Tag hat der Mensch sozusagen Mann gegen Mann, Brust gegen Brust, und Äug' in Auge mit ihm gerungen. Er sandte bisher gegen feine Riisengestalt nur Ungetüme ins Feld, die, wenn sie siegten, erst selbst besiegt werden mußten. Aus dem Meere wird er, von großen Dampfern stäglickj überwunden, .doch das Meer ist so ungeheuer daß die' äußerste Geschwindigkeit, die unsere schwachen Lungen ertragen könnten, dock nur eine Art unbeweglichen Sieges wäre. Auf der Eisenbahn hingegen zieht der unterworfeiie Raum an uns vorüber; er ist gleichsam der Gefangene, der von einem fremden Fürsten im Triumph daher geschleppt wird, und wir selbst sind die zagen Gefangenen.dessen, der ihn entthronte. 916er hier in diesem kleinen Feuerwageii, der so lenksam, .so leicht und wuudebar unermüdlich ist, .zwischen den entfalteten Schwingen dieses Flammenvogels der flach über Die Erde hinstreicht, um uns die Blumen zu zeigen, der die Kornfelder liebkost und die


