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Herzen, den Glanz ihrer holden Jugend, das Glück ihrer ersten Liebe.
Die Sonne spielte durch die mächtigen Spitzb'ogenfenster der alten Kirchs, sie spielte um die kugeldurchsöcherteu Fahnen, glorreiche Erinnerungen einer vergangenen Zeit, die' hier im Thor eine geweihte Stätte gesunden hatten, — spielte über die auserlesene Gesellschaft, ließ eine sarntne Schleppe noKfy leuchtender, eine reiche Uniform noch glänzender schimmern, blitzte auf in den Diamanten der Frauen, den Ordenssternen der Männer, schmeichelte mit hellen Ringeln um die Gesichjter des jungen Paaves, und zuletzt, als habe sie auch daran ihre Freude, setzte sie ein paar Inmtc Lichter gerade vor den Bräutigam und die Braut auf die Steinfliesen hin. Es waren die Farben aus den Wappenfeldern der beiden Familien, die sich auf den gemalten Glasfenstern der Kirche schon seit grauer Zeit behaupteten. So erklärte wenigstens setzt ein Herr mit dicker Ordenskette jener dunkelbrünetten Dame, der Gemahlin von Harros Rittmeister, der von auswärts zur Hochzeit gekommen und fremd in den Verhältnissen der kleinen Residenz war, worauf der Rittmeisterin Nasenflügel fibrierten, ein leiser Seufzer ihre Brust hob und sie nunmehr mit etwas ver- finstertem Blick die Braut und zuletzt den eigenen Gatten Musterte. Auch davon merkten die Glücklichen nichts. Sie Merkten überhaupt nich-ts, weder etwas von dem Neid der Leute, noch dem huldigenden Sonneugruß. Dem jungen! Mann rann ein Schauer über den Leib, sobald ihn nur eine Falte aus dem Schleier der Geliebten streifte. Und sie! Er war da, er stand neben ihr, er ward ihr eigen, der allein ihre Wonne und ihre Welt bedeutete!
Endlich schlug die bedeutsame Frage aus des Predigers Mund an des Offiziers Ohr. Sonor und fest, ivie einer Glocke Laut, schallte sein „Ja" weithin durch den Raum. Süß, leise, ein sympathisches Echo, klang ihr Wort, als es zu versichern galt, daß auch sie. Freiirr Jutta Mathilde Hermine Adolfine von Stammen, gewillt sei, ihren Harro zu lieben und zu behalten, bis der Dojd sie Med. Dann sprach der Konsistorialvat feinen Segen und reichte den Neuvermählte, r die Hand. Und sofort, wie man es verabredet, um allen öffentlichen Rührszenen zu Mtgehen, gab Harro von Uran feiner jungen Frau den Arm, schwenkte, und führte sie mit glückssicherem ScKitt dem Ausgange zu. Eine leichte Röte war m Juttas marmorweiße Wangen getreten, lächelnd, an des Geliebten Seite, Mitt sie aus dem Portal, wo der Wagerr mit den messinggeschirrten Rappen wartete. Bachmann öffnete den Schlag. Wieder lächelte Jutta, und ein wenig mehr färbte sich! das reizende Gesicht.
„Hurra, die junge Frau l" schrie in dem Augenblick ein halbwüchsiger Knabe, andere scheren es nach. „Verdammte Schlingel", knurrte der Jäger, auch! Harro wehrte ärgerlich, Jutta lachte wieder und lieblicher noch : Dann löste sie ein paar Myrteureifer von ihrem Kleid und warf sie den Kindern zu, woraus abermals kräftiger und allgemeiner noch ein Hurra ertönte und die Jugend sich um die Myrten balgte. „Jutta, wie kannst Du —" meinte Harro, als er sich neben ihr in den seidenen Kissen des Väterlichfen Wagens UiÄerließ. „Ach!" — Wieder ein liebliches Lachen. — „Ich fand es zu nett, daß sie mich! heben ließen, so wollte ich! ihnen auch einen Spaß machjeu!" „Won heute an gehörst Ku aber mir, und alles, was zu Dir gehört, mir allein —'' ^Wogegen ich keine Einwendungen Mache." Wieder erschien ein Grübchen in jeder Wange, und aus jedeNt Grübchen lächelte ein süßer Schelm, und nun, ohne weitere Rücksicht auf etwaige zerknitterte Falten oder Blüten zu nehmen, schlang Harro den Arm um sein junges Weib', zog sie zurück in den Hintergrund der seidenen Kissen und küßte ihre Lippen lang und heiß.
Unaufhörlich rollten die Wagen, uM sämtlich^ Gäste der Urari-StamNienschen Hochzeit in den „Kaiser von Deutschland" zu befördern. Nachdem dann die Gratulationskur in dem reizenden Rokokosalon vorüber war, ging es zu Disch Die Tafel war wunderbar geschmückt; Chri- santhemen überall. Die Speisen, die Weine waren erlesen; kurz, alles war so, wie sich das von einer Feier in deM „Kaiser von Deutschland^" erwarten ließ, zuMal Fran von StamMen, die glückliche Brautnmtter, der Ansicht huldigte, daß, da eine Heirat immer Geld kostete, es nun auch tzus ein paar hundert Mark Mehr nicht ankoMme, Jutta ihr Leben genießen sollte und man anständig austretenj Misse. Das letztere hatte sie sich zur Richtschnur erwählt,
seitdem sie, durch den frühen Tod' ihres Mannes!, des Majors von Stammen, allein in der Welt stand. Und sie war damit im ganzen auch gut gefahren; hatte, obwohl! Witwe, eine angesehene Stellung in der Gesellschaft be-» hauptet, zwei Söhne ins Korps bekommen, unb Juttch die älteste von drei Töchtern, machfe bereits mit achtzehn Jahren eine brillante Partie! DeM obigen entsprechend war denn anch die allgemeine Stimmung.
Herr von Urau, Kommandierender uüd Exzellenz!, dessen! Vorfahren sämtlich in der Armee gedient, der sein Lebensschicksal ein für alle Mal Mit seinem obersten Kriegsherrn als verknüpft ansah, hielt es auch für angemessen, eist Fest, das, sozusagen, seiner Familie die Zukunft garantierte/ mit einem Hoch aus „Majestät" zu eröffnen. Kann ermannte sich der Konsistorialrat für eine Rede zu Ehren des jungen Paares, Die Familien Urau und Stammen beglückwünsch-ten sich unter GläserMngen zu ihrer Wen- schwägerung. Die Abgesandten seines Regiments ließen den Kameraden und die Neuvermählten leben; der junge Ehe- mann dankte seinem Regiment. Die Brautführer brachten ihren Brautjungfern ein Hoch, Man ttank auf Befolgung des guten Beispiels, das Harro von Urau und dessen junge Frau gegeben; kurz, die Wünsche die Hocbjs und die Reden lösten einander immer schneller, immer heiterer ab, und die Stimmung ward immer gelungener.
(Fortsetzung folgt.)
Iie Kunst im Zeitalter der Maschine.
Ueber dieses aktuelle Thema hat Friedrich Naumann VM einiger Zeit einen gedankenreichen Vortrag gehalten, der im Kunstwart abgedruckt ist. .Natürlich kommt Naumann darin auch aus den Einfluß per Eisenindustrie auf die zeitgenössische Architektur zu sprechen. Nachdem er kurz auf die Maschine als ästhetischen Faktor hingewiesen hat, fährt er fort:
Leichter ist es, von dem Tell der Eisentechmk zu sprechen, der vor aller Augen ist. Und zwar scheint es mir praktisch, mit etwas zu beginnen, was nicht selbst aus Eisen hergestellt wird, was aber zum Eisengetriebe gehört. jBk hohe Fabrikesse, der Fabrikschlot war vor dreißig Jahren geradezu ein Sinnbild für die Verunzierung der Gegend. Und heute? Die Maler greisen eifrig nach den hohen Essen und malen sie in alle ihre Stadtbilder hinein. Die Esse selbst ist aber auch inzwischen eine andere geworden als sie früher war. Einst war sie eine gradlmige Aufeinandeffchichtung von Backsteinen, Stein auf Stein, tot und hohl. Es fehlte die innere Elastizität im Linienbau der Esse. Ohne daß das weitere Publikum viel davon gemerkt hat, sie ist gekommen. '.Was für kleine Abweichungen schaffen hier Schönheiten ! Ich ging neulich durch brandenburgische Landschaft und sah Kiefernwald, Seen und Essen von Ziegeleien. Diese schlanken Türme der Neuzeit, diese Minarets des Abendlandes gewinnen mit jedem Jahrzehnt an Charakter. Schon heute ist alle Art Rhythmus in ihrem Ausstieg, bis hin zu dem jubelnden Stolze der schönsten Esse, die ich gesehen habe, die in Pans auf der Ausstellung neben der großen Maschinenhalle stand. Und die Eße ist nnr eine der neuen Formen. Ost taucht im Bergwerksgebiet mitten aus Kohlenschutt und Kahlheit irgend eine Art von Turm oder Gerüst öder Krahn auf, der uns nicht losläßt. Ein Abend über Dortmund nnd Bochum kann gerade so schön sein wie ein Abend hinter Agaven und Zypressen, wenigstens sür das Ange, nicht immer für die Lunge. Nur ist die Schönheit eine andere, sie enthalt viel gebrochene Steilheit in sich, Piel eckige Unuiittel- barkeit, viel hatte Mystik, wenn es erlaubt ist, vom Bilde der EisenlaMchaft Du derartigen Tönen zu reden.
Am izumittelbarsten wirkt der neue Stil in der Architektur. Unsere neuen Bauten sind die Schisse, Brücken, Gasanstalten, Bahnhöfe, Markthallen, Ausstellungssäle nfw. .Sie sind das Neue, das unsere Zeit hat. Um sie als neu zu empfinden, muß man alte Stämebilder hernehmen. Ueberhaupt lernt man beim Vergleich alter und neuer Bilder den Einfluß des' eisernen Trägers nnd der eisernen Schienen kennen. Der neue Eisenbau ist das größte, was unsere Zett künstlerisch erlebt. Auf jedem anderen Gebiet fnchen wir Aehren auf Feldern alter Ernte, hier aber wird Neuland in Angriff genommen. Hier gibt es keinen alten Zwang, keine Hofkunst, keine Schulweisheit. Hier wikd nicht Kunst neben Konstruktion getrieben, keine angeklebte Dekoration, seine bloße Schnörkelei, hier wird siir den Zweck geschaffen, nnd die Form wird geboren wie ein Kind, an das" seine Eltern kaum dachten. ,Jn allerlei Mühsal dieser Tage ist es etwas Hohes, .daß wir die erste Generation der Eistuarchitektur sind. So Wie wir waren etwa jene Leute daran, die einst den Uebertzang vom romanischen Bau zur gotischen Freiheit erlebten, zur ersten keuschen, zaghaften, unendlich zarten Gotik. Es liegt, in allem unserem Eisenbau so viel Einfaches, und bei aller Weite Rührendes. Man wird in fünfzig Jahren noch viel vollkommener bauen, aber es wird bann Won Leute geben, die die Zeit vom Münchener Balmbos, der kaum ein erstes' Zlhnen des Eisenbaues


