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Roman von M. v. Eschstruth.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Ellinor setzte folgendes Telegramm auf: „Kommandeur ersten Preis, mit einer Pferdelänge Möve und Tiger geschlagen. .Herzliche Grüße. Harro v. Ur tut _ Rittmeister ö. Greditz und Frau." Sie reichte das Geschriebene ihrem Mann, er nickte. Auch Harro mußte lesen. Unb voll Tank für so viel Liebenswürdigkeit, neigte er sich über die Hand, die ihm den Zettel gereicht. Dann ging man auseinander, um sich ein wenig zu erholen und Toilette zu machen. Gegen zehn Uhr fand sich die an Namen, Stellung und Besitz auserlesene Gesellschaft wieder in einem der kleinen Salons des Hotels ein. Heute, als Sieger, fand Harro seinen Platz neben der Gastgeberin., Die, Speisen, waren ein gut Teil üppiger als gestern, die Weine auserlesen.
Harro hatte sich die letzten Wochen trainiert, auch heute kaum gegessen. Er sah ordentlich spitz aus, wie Ellinor behauptete, man mußte für ihn sorgen. Neckend gab sie acht, daß er von allem nahm. Dabei hieß es Bescheid tun, die Stimmung war animiert, die Toaste flogen nur so hin und her, und er war des Tages Held! Gleich einem Feuer- strom brauste der Wein, der Sekt durch seine Adern und drückte wohlig, ermattend zugleich und erregend auf sein Hirn. Er sah in das bunte Licht — er hörte die Stimme seiner Kameraden gehoben und sonor mit dem ihnen eigentümlichen etwas schnarrenden Jargon. Er sah auf die reichen Uniformen, die eleganten Frauen, auf Ellinor — empfand ein wenig betäubt all den Glanz der Feier, deren Mittelpunkt sie beide schienen — und seine Augen begannen zu glühen; auf den allerdings etwas schmäler und blasser gewordenen Wangen brannte ein warmer Fleck „Hier sind Sie am Platze", flüsterte ihm Ellinor zu, die, wie er, durch ihr Auftreten hier auch zu einem Preise gekommen war, und nun endlich ihre weltgewandte Kühle beiseite zu lassen und ein Weib zu werden schien, das die Leidenschaft packt. Und wie Flammen schlug es über diesem zusammen. Jetzt erst meinte er zu wissen, was leben bedeutet.
Die Stimmung war animierter geworden. „Ein kleines J'euchen". wagte einer der Herren vorzuschlagen, „nur mit ganz Keinem Satz." Die Herren gingen also nebenan in den Salon, es waren meist Junggesellen. Die Verheirateten sollten hübsch vernünftig und solide sein, nameullich in Gegenwart ihrer Frauen. Zuletzt waren nur noch einige Herren anwesend, die Mehrzahl der Gäste hatte sich empfohlen. Ellinor trat Mit Harro, der mit ihr zu den Damen gehalten, an das Spiel heran: „Nun, versuchen auch Sie Ihr Glück, Herr von Uran." „Nein, danke, ich spiele nicht." Er trat zurück Ellinor lächelte. „Dann spielen Sie für Mich oder ich spiele für Sie, bitte —" Mit der bestrickenden
Neigung des Kopfes streckte sie ihm die Hand entgegen; „Bitte, borgen Sie mir —" Harbo konnte nicht anders, er legte ein Zwanzigmarkstück in die schlanke Hand. „Brav WH girrte Ellinor leise und setzte das Goldstück auf den Trefft buben. „Wir spielen nicht so hoch, gnädigste Frau", warf Graf Brockendorf ein. „So machen Sie eine Ausnahme —" Und seiner Wirtin gehorchte der Offizier. Die Karten wurden! abgehoben. „Wenn ich gewinne, gehört es Ihnen." Ellinor legte die Hand auf Harros Arm und sah ihm ins Gesicht. Da war schon der Treffbube he raus gekommen. Nun war Ellinor im Zuge. Und es ist seltsam, aber leider ist es so, der Zufall begünstigt nur zu ost die, welche er lieber nicht begünstigen sollte. Ellinor ließ das Geld stehen. Auch die anderen erhöhten ihren Satz. Gleich einem Fieber griff es um sich, größere Summen wurden gewagt. In kurzer Zeit hatte Ellinors Karte einen Gewinn von zweitausend Mart eingebracht.
„Genug", erklärte jetzt der Rittmeister, der überhaupt widerwillig die Beteiligung seiner Frau an dem Spiel wahrgenommen hatte. Und da sich die zwecke Stunde des neuen Tages zu Ende neigte, so fand man allgemein, daß es Zeit zum Aufbrauch sei. „Erlaube, daß ich noch einmal bei Dir eintrete", sagte Greditz zu seiner Frau, da sie eine Treppe höher vor ihrem Schlafzimmer angekommen waren. Er folgte ihr auf dem Fuße. „Was soll's?" trat ihm! Ellinor sehr erstaunt und wehrend entgegen. Ein spöttisches Lächeln flog um des Rittmeisters Mund, als wollte er sagen: Du irrst. — „Daß Tu diesmal Feuer gefangen zu haben scheinst", erklärte er kühl und sachlich dann. „Meinet, wegen" — er zuckte die Schultern — mit einer nur zu beredten Wetoegung — „meinetwegen." „Nur nimm Dich in acht", fuhr er ernster fort. „Es gibt Dinge, die ein Mann nicht vertragen darf, und ein Kavalier nicht ungestraft hingehen lassen kann. Und es wäre mir leid, wenn ich den netten Jungen — über den Haufen schießen müßte." ,Lch verstehe nicht, was Du willst", fuhr Ellinor heftig auf, heftiger, als es bei. einem guten Gewissen nötig gewesen wäre. „Ah bah, den Kommentar wirst Du Dir schon leisten können. Der Rittmeister blieb kühl, spöttisch, aber siegessicher: „Außerdem, wenn Du eine Dame sein willst, nimm die Maske von gestern wieder vor. Auch stand Dir die weiße Einfachheit besser, als der gelbe Trödel heute. Vor. nehme Leute bedürfen keiner Prätension. Sie wirken durch sich selbst, sind was sie sind? Und ehe seine Frau noch etwas erwidern konnte, hatte der Rittmeister das Zimmer verlassen.
Ellinor blickte dem Gatten nach, streckte die Arme aus, krampfte die Hände, als ob sie jemand zerreißen möchte. Dann sank sie in einen Sessel, schlug die Hande vor das. Gesicht und stöhnte. Bald gaben die Hände ihre Züge wieder frei, leiser hob und senkte sich die bewegte Bruftz, Die Züge aber blieben finster, höhnisch und entschlossen^ Zuletzt spielte ein Lächeln um die Lippen, wie rückhaltlos« Leidenschaft^ Jr? Wenige Minuten später betrat Harro letal


