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Ich nütze nichts, gar nichts! Nicht einmal, daß ich Nur nicht nachdenken!

Ich habe Anwandlungen von Sentimentalität tch! Neulich bei der Fronleichnamsprozession sank ich in Frascati auf dem Marktplatz mit allem Volk vor dem Allerheiligsten auf die Knie und betete inbrünstig. Ich merkte nicht ein­mal, daß ich. in einer wundervollen neuen Toilette inmitten eines Schwarmes von Ciocciaren auf den Knien lag. Und als die Luft vom Geläute der Kirchenglocken ertönte, als die Böllerschüsse krachten, als in einer Weihrauchwolke die glanz­volle Schar der Priester daherwallte, als die Menge auf die Kniee stürzte da hätte ich mich am liebsten mit dem Ge­sicht in den Staub niedergeworfen.

Was bedeuten diese Zeichen? . . . Nichts anderes, als daß seit Wochen Scirocco ist; oder

Hilf mir doch !

Ist es das Bewußtsein meines Elends, die Erkenntnis meiner Erbärmlichkeit; oder ist es die Sehnsucht, besser zu werden und glücklich zu sein?

Ich bin ja doch ein Geschöpf Gottes!

(Fortsetzung folgt.)

Japaner und Japanerinnen.*)

IN den Mitteilungen der Deutschen Ostasiatischen Ge­sellschaft hat Prof. Dr. E. Bätz in To kio, einer der besten Kenner japanischen Volkstums, das rührig aufstrebende Volk des Mikado im wesentlichen folgendermaßen geschildert:

Das heutige Volk der Japaner stammt zum kleinen Teil von den Aino ab, den alten Bewohnern Japans, deren nächste Verwandten die Gilans in Sachalien und die Kamt­schadalen sind, dann von einem echt mongolischen Stamme, der von Korea aus einwanderte und sich hauptsächlich im südwestlichen Teil niederließ, und endlich von einem feineren mongoloiden, deutlich malaienähnlichen Stamm, der sich zuerst auf Kiuschu niederließ und von da die Hauptinsel allmählich eroberte. Dieser Stamm ist heute noch am reinsten in Satsuma vertreten und hat den Japanern ihr Herrscher­haus geliefert, überwiegt auch! im Volke an Zahl.

Die Hauptfarbe der Japaner ist hellgelb, nähert sich in Abstufungen dem Weiß der Europäer, zeigt aber auch alle Uebergänge zum tiefen Gelb und hellen Braun; bei nackt gehenden Leuten wird die Farbe dunkel tote Bronze. Rote Wangen sind selten. Die gelbe Farbe beruht auf körnigem braunem Farbstoff in den liefern Stellen der Oberhaut, sie ist nur graduell von dem Brann des Indiers und dem Schwarz des Negers verschieden. Die geringe Behaarung der Japaner spricht für geringe Beimischung von Ainoblut. Das Kopfhaar steht senkrecht tote eine Bürste itt die Höhe und ist bei durchscheinender Sonne nicht schwarz, sondern bräunlich Locken sind sehr selten und gelten als häßlich Der dürftige Bart erscheint spät und fast nur am Kinn und auf der Oberlippe. Beim Japaner ergraut das Kopfhaar später als in Europa, der Bart jedoch ist mit 60 Jahren oft völlig weiß. Blondes Haar ist selten und gilt ebenso wie gelocktes als häßlichSchwarzes Haar hat der Mensch, helles das Vieh und der Affe", sagt ein Sprichwort. Der Augapfel ist von dem des ^Europäers nicht verschieden. Das Charakte­ristische liegt in der eigentümlichen Beschaffenheit der Falte am oberen Augenlied und in dem Fehlen oder in der Flach­heit der Einsenkung zwischen Lid und Stirnrand. Lacht der Japaner, so verschwindet das Auge völlig hinter den Lidern, und nur eine dunkle Linie, die Spitzen der Wimpern, zeigt an, wo die Lidspalte liegt.

Die Japaner sind alle klein, neben einem Europäer stehend erscheinen sie durchschnittlich um einen Kopf kleiner. Die Männer find größer als die Frauen. Das Wachstum hört in Japan früher auf als in Europa, bei Knaben im 16., bei Mädchen schon im 14. Jahre. Der Japaner liebt die mageren Frauen; er hält sie für schön, wenn Gestalt, Gesicht und Nase lang und schmal sind. Die Arme hat er gern schlank, Hände, Brustkorb, Leib und Beine liebt er lang und schmal; breite Hüften gelten als unfein. Die Japanerin geht nie aufrecht, ihr Oberkörper neigt sich nach vorn, die Knie sind etwas gebogen. Der Gang ist sehr Unschön, besonders wenn sie die Geta oder Holzsandalen mit den zwei senkrechten, quer gestellten Brettchen tragen.

*) Entnommen dem Buche von Dr. Jvs. Lauterer, Japan, Las Land der ausgehenden Sonne.

Tie Etikette verlangt, daß die wohlerzogene Frau mit kleinen, schlürfenden Schritten geht, wobei fie die Fußspitze«! nach innen dreht und die Kniee voneinander entfernt. Von Grazie der Japanerinnen, sagt Prof. Bätz, von der die Bücher der Reisenden reden, konnte ich, ausgenommen bei ganz jungen Mädchen, nie etwas bemerken.

Die Frisur, Atama genannt, verlangt ein Anspannen der Haare, das oft Kopfschmerz uttd Schwellung int Nacken herbei führt. Die Schöpschen auf dem Kopfe kleiner Mädchen werden bei großer Toilette mit allerlei bunten Bändern geziert, und es werden zwei lange Haarnadeln, an deren Ende in federnden Drähten künstliche Blumen oder In­sekten schwanken, etwas Mef hineingesteckt. Bei erwachsenen Mädchen tritt an Stelle dieses Schmuckes die lange Haar­nadel aus gelbem Schildkrot mit großer, roter Korallen­kugel am freien Ende, anß werden in den Chignon rote ,ober blauberippte Seiden- oder Baumwollbänder hincin- gebunden. Die Japanerinnen gehen alle barhaupt. Man färbt Gesicht und Hals mit Bleiweiß oder Samenmehl der Mirabilis japala, nur hinten im Nacken bleibt ein dreieckiges Grübchen frei; die Lippen werden von altersher mit Beni rot gefärbt, mehr zinnoberrot als fleischfarbig. So ge­schminkt sehen die Mädchen weniger lebenden Geschöpfen als niedlichen Puppen ähnlich Nach der Hochzeit färbt man die Zähne schwarz; den Männern ist dieser Brauch seit 1872 verboten. Alte Weiber tun es noch jetzt und schwärzen auch ihre künstliche Gebisse, sodaß das Gold hinter dem dunllen Gehege hervorfunkelt, Heber japanische Frauen­schönheit urteilt Pierre Loti in seiner Madame Chrysau- tente: Ihr Damen seid ganz niedlich dank eurer Drollig­keit und den zierlichen Händchen und Füßchen, aber int ganzen genommen seid ihr doch garstig und so lächerlich klein! Und euer Gesicht erinnert an Nippfiguren oder an Affen.

Die Arbeiter liefen in Japan früher nackt umher, d. h. sie tätowierten sich ein Kleid auf die Haut; beides ist jetzt zwar verboten, es geschieht aber doch noch; ein tätowierter Mensch sieht in der Tat nicht nackt aus.

Der Japaner hat scharfe Sinne und geschickte Hände. Muuzinger, die beste Autorität für japanisches Geistesleben, schreibt ihnen ein gutes Gedächtnis, aber kein Talent zu; japanische Kinder lernen schneller als europäische. Der Ja­paner hat nicht viel Mienenspiel und feilte äußerlichen Zeichen der Leidenschaft. Sein Charakter ist nicht offen, er verbirgt sich hinter unverrückter Miene. Man haßt die Fremden trotz der zur Schau getragenen Freundlichkeit und Höflichkeit. Ehrlich sind die Japaner, sie stehlen selten, aber pumpen den Fremden gern an. Den Äeldgeiz verachten sie, aber Ehrgeiz geht ihnen über alles. Von altersher litten sie wegen ihrer Abgeschlossenheit an Größenwähn. Im ganzen ist der Japaner hartherzig; er steigt nie ans, wenn der Rikschamann (Karrenführer) schwer den Berg I) in auf keucht. Eines der hervorragendsten Merknnlle des Volts­charakters ist die schrankenlose Vaterlandsliebe, kein Mittel gilt dem Japaner als unerlaubt, wenn es dem Vaterland dient; auch der Fanatismus bemächtigt sich leicht der Ge­müter in Japan. Die erste Tugend des Japaners ist die Höflichkeit, fie geht über die Sittlichkeit. AVer regelreaste Verbeugungen zu machen weiß und in feinen Reden höflich ist, der wird als guter Mensch geschätzt.

Die Denkweise der Japaner äußert sich in hervor­ragender Weife in ihren Sprichwörtern, deren ,te viele eigene haben neben zahlreichen, die aus dem Chtnefi,chen entlehnt sind. Aus einer von Knobloch angestellten Samm­lung möge hier eine Auswahl folgen: Offene Lippen, kalte Zähne. Ein häßliches Weib scheut den Spiegel. Das Leben ist ein Licht vor dem Wind. Auch der Affe fällt vom Baum. lieber sich selbst wissen die Wahrsager nichts. Siebenmal fallen, achtmal aufstehen. Ein Feuerbraud ist leicht zu entzünden. Abwesende entfernen sich täglich mehr. Den Eroisch am Wege fressen die Pferde. Armut überholt nicht den Fleiß. Selbst ein Nebel wird in drei Jahren Bedürfnis. Dem rennenden Pferd die Peitsche. Statt zehnmal zu lesen, schreib einmal ab. Der Arzt heilt den Kranken, der nicht stirbt. Die Rechnung stimmt, aber das Geld reicht nicht- Wenn man ein Kind hat, versteht man die Güte der Eltern. Nichtwissen macht felig. Arme haben keine Zeit. ,

Tas Alter zählt man in Japan von dem Neniahrstag an, der der Geburt vorangeht. Die Mädchen feiern ihren Geburtstag alle am 3. März, die Knaben am 5. Mai. Die