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Sascha war Bei mir, bis er hinaufging. Und zuerst auch Tirfell. Aber den schickte ich dann weg." Er lächelte müde.Sei ihm schon nicht böse, Schatz. Die Herren hatten ihm zu trinken gegeben er kann doch! nicht viel ver­tragen da hatten sie dann ihren Spaß mit ihm."

(Fortsetzung folgt.)

Knril Staat als Bühnendichter.

(Zu seinem 25 jährigen Jubiläum als Intendant.)

Der verdienstvolle Leiter der Frankfurter Bühne, der sich auch, besonders in den Gründerjahren des Theatervereins, um die Gießener Kunstverhältnisse erfolgreich bemüht hat, begeht, so schreibt man uns aus unserem Leserkreise, in diesen Tagen sein Jubiläum. Er gilt als einer der feinsinnigsten Bühnenlenker: er wird auch als Lyriker nicht unterschätzt und jede, auch nach den strengsten Gesichtspunkten gesichtete Anthologie bringt Proben seines Könnens. Ob er, auf dessen Ehrenscheitel si chnun- mehr Huldigungen aller Art häufen, so ganz restlos zufrieden; wer weiß? Uns summen im Ohr seine Verse:

Mir ist, als wär' mein Hoffen aus. Mir ist, als ob der Tod sich setze gu mir, in eine stille Ecke,

Sie Spinnen an der Zimmerdecke, Zu weben mich in seine Netze. . .

Ob Emil Claar, dem mitten im Tagesgetriebe und als unermüdlichem, rastlosem und verantwortlichem Feldherrn über ein so hervorragendes Kunstinstitut gewiß wenig Zeit zur inneren Einkehr und Sammlung blieb, nicht besser fit venia verbo frfinder als Ausnutzer des Patentes geworden wäre, d. h., an- att als verständnisvoller Nachdichter und Regisseur zu wirken, ausschließlich seine Kräfte s e l b st der dramatischen Produktion gewidmet hätte?

Die Berechtigung dieser Frage beweisen nicht seine mehr oder minder Gelegenheitsstücke, auch nichtS ch e l l e y" und Die Schwestern"; sie scheint aber zu beweisen ein Stück, das nach seiner Uraufführung in Frankfurt und Vov- stellnngen in Aiainz und Hannover lautlos in den Orkus hinabsank: Das bei Heinrich Minden in Dresden späterhin als Buch erschienene fünfaktige DramaKönigs- leid". Claar hat vor Jahren wir entsinnen uns momentan nicht, bei welcher Gelegenheit in einer Rede geäußert, das Theater müsse immer im Mittelpunkt der Diskussion stehen, sollte man auch einmal genötigt sein, auf den Bock des Thespis­karrens als Kutscher denFuhrmann Henschel" zu setzen; er hat vielleicht damit sagen wollen, wie er, dessen Seelen- sasern ganz mit der alten Schule und den Traditionen der Klassiker verwachsen sind, sich nur als Theatermann der Modernen Stimmung unterordnen müsse.Königsleid" hat auch mit der Moderne nicht das geringste zu tun; es mutet eher an wie ein Erbe der klassischen und romanischen Ström­ung, und doch nichts Epigonenhaftes! Cs erklingt ein eigener, feiner Unterton, eine rein persönliche Note. Ter ethische Gehalt rst von einer einfach-schlichten und schier ergreifenden Selbst­verständlichkeit: Der junge König irgend eines orientalischen Reiches will Mensch unter Menschen sein. Er beruft die Müh­seligen und Beladenen vor seinen Thron, um Allen zu helfen, und will selbst zu dem Volke gehen, indem er seine Geliebte, ein reines Geschöpf aus dem niedersten Kreise, zur Königin erhebt. Der junge Schwärmer leidet Schiffbruch. Sein herrsch­süchtiger Vetter hetzt das Volk, dem er helfen will, gegen ihn auf. Er wird entthront und muß den Giftbecher trinken, den ihm unwissentlich seine junge, holdselige Braut kredenzt. Rettende Hilfe eines früher verbannten Bruders kommt zu spät. Ein König muß immer König sein. Ein König darf nicht Mensch sein wollen. Das ist das Königsleid.

Das Werk ist aus eigener, schöpferischer Kraft hervorgespru­delt ohne jede Nebenabsicht des dramatischen Wirkens. Gegen Stücke von Schauspielern und Theaterleitern besteht trotz Shake­speare, Moliere, Raimund, Anzengruber und Ibsen ein unaus­rottbares Vorurteil. Iber während Heinrich Laube, der größte und begabteste Tyrann im Reiche der Theatralik, sein selbstschöpferisches Wirken ganz in den Dienst der Aeußerlichkeiten stellte, hat sein Schüler und Mitarbeiter Emil Claar in vor­liegendem Drama nur Poet sein wollen, nur Poet und nichts als Poet mit allen seinen Freuden, Leiden, Ueberschwänglich- keiten und Weitschweifigkeiten. Allerdings enthalten die fast zu flüssigen und eleganten Verse neben ihren Silberminen auch Adern tauben Gesteines wie bei einem, der mit zu großer Leichtigkeit die Sprache zu meistern versteht. Der König ist in seinem Innenleben und seiner Wesensart trefflich gezeichnet. Kein komplizierter Kopf, aber in seinem Tun und Lassen von einer folgerichtigen Gradheit. Unwillkürlich denkt man an den Dichter selbst, wenn der König sich von derdumpfen, namen­losen Schwere, von unnachgiebiger demant'ner Härte" frei machen und nur seinem heißen, heimlichen Herzensdrange Gefolgschaft leisten möchte:

Ein eh'rner, kalter Ring ist der Verstand, Der hie und da ein Volk in Schranken hält, Und unversehens dir in Stücke bricht.

Doch unzerreißbar sind lebend'ge Bande, Die Herrscherliebe um ein Volk geflochten.

An einer anderen Stelle:

In öde Wüsten möcht' ich niedersenden Den Blick der Liebe, gleichwie Balsamtau, Daß in die fernsten Steppen meines Staates Er Hilfe trage und Barmherzigkeit.

Er läßt die Elendesten und Erbärmlichsten seines Voltes vor seinem Throne erscheinen und streckt die Hände über sie aus:

Hier stehet Euer Schützet, Euer Vater, Und reißt empor Euch an sein blutend Herz, Die Rettung, die Ihr fordert, soll Euch werden, So weit als Menschenkräfte helfen können.

Und während die Meute des herrschsüchtigen Vetters heim­tückisch den Ahnungslosen umlauert, begrüßt er mit den schönsten Tönen seines liebeheischenden und liebegebenden Herzens sein Volk und gibt schließlich im Ueberschwang der Gefühle sein höchstes uich teuerstes Geheimnis preis: Er liebt ein Kind aus. dem Volke. Und die soll Königin werden:

Wie ich im Schmerze mich dem Volk vereine. Will auch in Freude ich mich ihm vermählen, Und zur Gefährtin hab' ich mir erkoren Ein Kind des Volk's!

Der Vetter steht wie erstarrt, sinstere Pläne brütend. Seine Schwester, die heimlich des schönen Jünglings und seiner Krone begehrt, bebt vor Ehrgeiz, Rachedurst und Sinnenglut. Das Volk aber bricht durch das Gitter, umringt den König, küßt seine Hände:

Der König lebe! Unser guter König!

König:

Mein Volk! Mein gutes, heißgeliebtes Volk!

Im zweiten Akte tritt der Lyriker Claar in all seine Rechte. Der König kommt in einem Palmenhaine mit seiner Geliebten und deren Eltern, armen Gärtnersleuten, zusammen. Er wirft, nachdem er vorher das Einverständnis seiner edelgesinnten Mutter errungen, den geheimnisvollen Schleier von sich, und das er­schauernde Gärtnerstöchterlein erkennt in dem geliebten Fremd­ling den König. Reizend ist diese Szene mit ihrem Bangen und Erwarten, mit ihrem Ahnen und Gestehen, mit ihrem Bitten und Verzeihen, mit ihrem Erschrecken und Gewähren. Ihre Liebe vergißt schließlich die Tücken des Schicksals und gibt sich ganz in ihrer freien Größe und keuschen Selbstverständlich­keit.

Im dritten Akt sieht sich der Jungverlobte mitten in einem Gespinnst von Jntriguen, Ränken und offener Widersetzlich­keit. Ihm selbst ist das Alles so unverständlich, Alles, was den tückischen Vetter, den hochedlen, weisen Staatsrat, die finsteren Priester fo in Harnisch bringen kann:

Soll nicht der König, den Ihr selbst gesalbt, Dem Ihr die Krone, das Symbol der Macht, Gedrückt habt jubelnd, auf geweihte Locken, So viel Gewalt besitzen, für sich selbst Sein Glück zu nehmen, wo sein Herz es fand, Da er das Glück von Allen stets erstrebt?

Und seltsam! Claar ist trotz der Liebe zu seinem Helden objektiv und gerecht geblieben. Er legt dem Vetter, dem Staats­rat, den Priestern und all den klugen und erfahrenen Männern Worte in den Mund, daß wir bei aller Sympathie insgeheim fühlen: Der kalte, nüchterne Verstand hat Recht. Du bist der König. Du mußt es tragen, dein Königsleid. Du mußt auf alles das verzichten, was den gewöhnlichen Sterblichen so unsäglich glücklich machen kann. Ja, wärst du ein einfacher Lehrer, dann könntest dn auch ohne deinen schönen Idealismus und selbst ohne deiner Locken Fülle deine Johanna oder Gita getrost heimführen als blonde Kantorsfrau. Aber so ent­weder, du läßt deine Herzensadern verbluten und bleibst König oder--

Noch einmal im vierten Akt empfindet der junge König all das Süße und Schöne seiner Menschlichkeit und Liebe. In einer anmutig geschilderten Mondscheinszene "tet Gita w, Geliebten (zum Mond emporsprechend):

Gefährte der schlaflosen Nächte, Verrat' mir, auf welchem Pfad Er wandelt, und ob er mir naht! O daß ihn Dein Zauber mir brächte, ' O daß ihn ein flutendes Meer

Von Strahlen umgarnte mit silbernen Netzen, Ihn fesselte, führte hierher, Die sehnende Seele zu letzen!.

Mitunter findet Claar einen Anschlag und Töne, die an Grillparzer erinnern, insbesonders anDes Meeres und der Liebe Wellen". Die Idylle dauert nicht lange. Die Ereignisse drängen. Auftuhr und Verrat nahen und toben. Der König hat noch wenige, treue Führer, muß aber fliehen. Seine Braut wird weggeschleppt, er selbst verwundet. Da be­zwingt er sein heiß schlagendes Herz; all die seligen Jugend­träume werden eingedämmt. Er schart das letzte Häuflein um sich:

: So stürzen wir

Mit unsrer ganzen, wildempörten Macht,