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helfen, ließ! Wie reich belohnte sich jetzt die kleine Selbst­überwindung, womit ich, in jener Lürmnacht dem einlaß- slehenden Mitmenschen die Tür geöffnet hatte! Was hätte mir sonst bevorgestanden! Welches Unheil hätte mich betroffen dadurch, daß Max dem Mordversuch zum Opfer fiel! O ich wußte, Doktor Flemming würde ihn retten! Die Zuversicht schaute ihm aus den Augen . . . Nun mochte Ibrahim kommen! Seine Hilfe war nicht mehr nötig, und ich brauchte nicht mehr vor der Abmachung zu zittern, deren bloße Erinnerung mich mit Mel und Schauder erfüllte. Kott sei Loh und Preis!

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Es ist alles in Ordnung, Missy", sagte Munasawmy, der sein Möglichstes getan hatte, sich in dem engen Karren in einer gewissen ehrerbietigen Entfernung von mir zu halten.Mr werden leicht hiueinkoinmen; alle sind noch ganz verrückt von lauter Hochzeitstrubel."

Mr waren durch ein Seitenpförtchen in den Palast eingetreten und kamen ohne Anstand an den schläfrigen Schildwachen vorbei, denen Munaswmy, mich unsanft vor sich herstoßend, zurief:'Es ist meine Schwester, die auch etwas von der Tamascha sehen will!"

Im Inneren des Palastes trafen wir mit verschiedenen, dichtverschleierten Gestalten zusammen, die lautlos durch i)ie Gänge huschten. Sicherlich war ich nicht das einzige weibliche Wesen, das an diesem Abend in der Stadt ge­wesen war. Sogar Begur entdeckte ich, zum Glück noch so rechtzeitig, haß ich mich in den Schatten eines Pfeilers flüchten konnte, bis sie vorüber war; meine Punkah-Külie sand ich noch immer sanft schlummernd. Munasaivmy hatte ihr wohl kein Schlaftränkchcn beigebracht.

Er war mir bis vor meiner Zimmertür gefolgt. Nun flüsterte er mir zu:Habe meine Sache gut gemacht! Großes Wagnis für Munasawmy. Wie ist es mit dem Lohn?"

Dies war das zweitemal in dieser Nacht, daß ein Mann euren Lohn von mir forderte. Dieser hier aber hatte sich den seinen reichlich verdient.

iIch werde mein Wort halten, Munaswmy. Gehen Sie jetzt.

. Kaum hatte ich mein Zimmer betreten, so riß ich 'das indische Gewand ab, wusch Hände und Arme und warf mich, das Gesicht der Wand zukehrend, aufs Bett. Aufs äußerste erschöpft von der überstandenen Anstrengung und Auf­regung versank ich bald in tiefen Schlaf.

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Am nächsten Morgen machte ich mich wie gewöhnlich an die Arbeit, wartete dabei aber in fieberhafter Spann­ung niit unausgesetzt lauschenden Ohren und zitternden Nerven auf Nachricht auf irgend ein Zeichen, eine Mit­teilung.

,, Allein fünf endlose Tage verstrichen, ohne mir die lesteste Künde von draußen zu bringen. Endlich an einem späten Nachmittag kam Begur in mein Zimmer geschlichen und legte eine Visitenkarte Maxwell Thorolds vor mich hin.

Er ist im kleinen Salon, neben dem Audienzsaal, und wünscht die Miß Sahib sogleich zu sprechen."

Ich stand unverzüglich auf und folgte ihr. Wenn ich e§ gewagt hätte, wäre ich ihr am liebsten vorausgeeilt; mit solcher Macht drängte es mich zu meinem Besucher.

2ch fand Max in einem kleinen gelben, nach euro­päischem Geschmack eingerichteten Salon. Bei meinem An­tritt erhob er sich mit sichtlicher Anstrengung, denn er war augenscheinlich noch entsetzlich schwach. Dabei sah er geisteryast blaß aus und war zum Skelett abgemagert. Aus seiner, Augen aber blitzte kühne, wilde Entschlossenheit.

Ach, geht es Dir Lesser?" Ich hielt ihm beide Hände entgegen.Wer Du hättest noch nicht ausgehen sollen."

Ich mußte kommen, und wenn es mein Leben gekostet hätte. Ich wäre gestorben, wenn man mich daran gehindert hätte. Ich wollte mir Aufklärung holen . . . hierüber", sagte er mit stockendem Atem.

Hierauf setzte er sich und hielt mir mit seiner zitternden Hand den Ring entgegen, den er mir geschenkt und den ich weggegeben hatte. In sprachloser Verzweiflung starrte ich den Ring und dann wieder Max an, während sein Blick starr aus mir ruhte.

Ibrahim rühmte sich, er habe ihn von Dir erhalten", fuhr er mit leiser, matter Stimme fort.Aber natürlich hat er ihn gestohlen!"

Nein", antwortete ich unwillkürlich zitternd,ich gab

ihm den Ring wirklich," Es drängte mich, ihm alles zu sagen, aber die Zunge war mir wie angeklebt.

Und du. . . du" er sah aus, als müsse er er­stickenEs war alles keine Lüge?"

Nein", flüsterte ich.

, ,O mein Gott, bin ich denn noch bei Verstand?" 'Er ries es und versuchte dabei vergebens von seinem Stuhle aufzustehen.Nein, nein, ich muß verrückt fein . . . Dir verdanke ich ja mein Leben, aber der Schurke behauptet. Du hättest ihm versprochen, ihn zu heiraten, worauf ich, ihn natürlich zur Tür hinauswerfen ließ."

Ach, es ist ja alles wahr!" Ich rang die Hände. Höre mich nur an!"

Allein Max vermochte nichts mehr zu hören. Noch während ich sprach, sah ich ihn wanken, dann neigte er sich plötzlich nach vorn, fiel mit dem Kopf zwischen die aus­gestreckten Arme auf den Tisch und rührte sich nicht mehr.

Hatte ich ihm nur darum das Leben gerettet, um es ihm im nächsten Augenblick wieder zu nehmen?" Mrs. Evans' Tod siel mir plötzlich ein, und es war mir dabei, als dringe ein Schwert durch meine Seele. Brachte ich meinen Freunden Unglück? Ich legte meine Hand aus die seinige, sie war schlaff und kraftlos. Nun rannte ich in den Audienzsaal hinaus und schrie wie verzweifelt um Hilfe.

Leute liefen auf mein Rufen zusammen. Auch Doktor Flemming kam aus. dem Wagen, wo er gewartet hatte, herbeigelaufen. Seine sonst so lustigen Augen blickten mich, alles, nur nicht freundlich an, und während er sich dann bemühte, Max zum Bewußtsein zurückzubringen, wandte er sich plötzlich um und sagte zu mir barsch:

Wir bedürfen Ihrer Hilfe nicht, Miß Ferrars. Sobald Mr. Thorold wieder zu sich kommt, bringe ich ihn nach Hause. Dieser Besuch hier kommt einem Selbstmord gleich. Ueberhaupt ist es besser, er sieht Sie vorerst nicht wieder."

Das war der grausamste Schlag, der mich bis jetzt getroffen, hatte. Es ist besser, er sieht mich vorerst nicht wieder! Und eine Stimme in meinem Innern wiederholte diesen Ausspruch zustimmend.

Verzweifelt, außer mir, halb besinnungslos lief ich, ohne eine Aufforderung zum Eintritt abzuwarten, zu meiner lieben, gütigen Beschützerin, der Rani, und sagte atemlos:

Eure Hoheit. Ich flehe Sie an, erlauben Sie mir, den Palast auf einen Monat zu verlassen. Ich befinde mich in einer großen Sorge und Bedrängnis und möchte ins Gebirge zu einer Freundin gehen. O Rani, wenn Sie mich 'schätzen, wenn Sie finden, daß ich Ihren Kindern von Nutzen war, so helfen Sie mir im Namen Ihrer Götter und meines Gottes!" schloß ich, in Tränen, ausbrechend.

Die Rani Sundaram hat sich in ihre Privatgemächer eingeschlossen", antwortete sie gütig. ^Sie ist krank, mit anderen Worten entsetzlich böse und zornig, und ich, ach, ich habe, wie Sie ja wissen, gar keine Macht. Ich will es aber trotzdem versuchen."

Sie sind die Mutter des Rajah, die Mutter meiner Schüler. Helfen Sie mir, daß ich noch heute abend den Palast verlassen kann", flehte ich.In drei Wochen werde ich wieder hier sein."

Ich mußte ja zurückkehren, solange ich nicht von meinem Versprechen befreit war, wenn ich aber jetzt im Palast verbleiben sollte, so würde ich sicherlich den Verstand ver­lieren. Von Mrs. Dalrymple hatte ich' einen ungemein herzlichen Brief erhalten, worin sie mir zu meiner Ver­lobung mit dem besten aller Männer Glück wünschte und mich bat, so bald als möglich zu ihr zu kommen. Sie gab eine reizende Beschreibung ihres von Jasmin umrankten Landhauses, ihres Gartens, wo Veilchen, Nelken, Rosen und Orangebäume blühten, und rühmte die wundervolle Aus­sicht und herrliche Gebirgsluft in wahrhaft verlockenden Ausdrücken. Wenn ich mir den Ort vorstellte, wo sie weilte, so schien es mir, als 06 dort der Himmel, um mich her aber die Hölle selbst sei.

Meine Tränen, meine eindringlichen Bitten und meine Beredsamkeit trugen gute Früchte. Die kleine Rani faßte den kühnen Entschluß, mir Urlaub zu geben, ohne irgend jemand außer ihrem Bruder etwas davon mitzuteilen. 'Es wurde beschlossen, daß ich mich im Morgengrauen nach der Station Bowenpillay auf den Weg machen sollte. Ich packte nur einen kleinen Koffer, beglückte Munasawmy mit einem Geldgeschenk, das für ihn Reichtum bedeutete, und fuhr dichtverschleiert und von Shumsha-Lal in höchst eigener