1904.

Dr. 72.

Samstag den 14. Mai.

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(Nachdruck verboten.)

Im Fakak der Zlajah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Ibrahim ließ mit keine Zeit zum Nachdeuken.Wenn ich aber mein Versprechen erfüllt habe, >vas bürgt mir dafür, daß Sie auch das Ihrige halten?"

Ich gab Ihnen mein Ehrenwort."

Bah, das Ehrenwort einer Frau! Nein, ich will ein Unterpfand haben. Geben Sie mir seinen Ring. Ja, ja, Sie wurden beobachtet, als Sie den Ring von ihm erhielten. Diesen Ring muß ich haben, sonst ist alles vorbei . . . das heißt sein Leben!"

Ich fühle es, ich bin in Ihrer Macht. Gotte helfe mir!"

Ich glaubte, ich würde wahnfinnig werden, als ich Maxwells Ring von meinem Finger zog, und doch mußte ich auch dieses Aeußerste über mich ergehen lassen, und ich ertrug es. Galt es nicht sein Leben?

Und nun das Gegengift!" sagte ich ungeduldig, endlich von dem etwas zu hören, was all mein Sinnen be­schäftigte.

Werde ich sogleich bereiten. Ich kenne das Samen­korn, das Unschützbare kleine Körnchen, das Mr. Thorold rettet, und verstehe ein Trünkchen davon zu bereiten, das ihn aus den Armen des Todes reißen wird."

Ein Geräusch ließ mich umsehen. Ich erblickte Muna- sawmy, der aus der Dachöffnung hervorschaute und mir lebhafte Zeichen machte, um anzudeuten, daß es höchste Zeit zum Fortgehen sei. Aufgeregt nickte ich ihm zu. Und plötzlich wandte ich mich an Ibrahim mit der Frage:

Haben Sie eine Ahnung, was für eine Art Gift es ist?"

Ja, es wird Atropin sein. Man braucht nur eine Schüssel mit einem Blatt dieser Pflanze zu bestreichen und die Speisen darauf einzurichten, so ist die Wirkung schon da. Damit werden weit sichere Ergebnisse erzielt, als mit vielen anderen ungeschickt zusammengesetzten Mixturen." Er sprach mit der Geringschätzung eines Sachverständigen.Das Gegengift verfehlt aber seine Wirkung niemals, wenn es bei Zeiten angewendet wird."

Ein unwillkürlicher Schauder schüttelte mich. Ich stand aus, und Ibrahim fest ins Auge fassend, sagte ich:

Was würden Sie sagen, wenn ich nun plötzlich von diesem Dache aus die Polizei zu Hilfe rufen, die Stadt in Aufruhr versetzen und das Verbrechen über ganz Indien ausschreien wollte?"

Was ich dazu feigen würden", entgegnete er kaltblütig. >,Jch sage, daß, noch ehe Sie die Polizei herbeirufen oder die Stadt in Aufruhr versetzen könnten, Sie erdrosselt in irgend einen Brunnen geworfen würden."

Er lächelte höhnisch.Sie sehen, so ganz zivilisiert sind ivir in Indien immer noch nicht."

Ohne ein weiteres Wort wandte ich mich zum Gehen.

Aber es war ja nur eine Hypothese", fuhr er fort, dicht an meiner Seite bleibend. ,Heute in einem Monat werden wir verheiratet sein, und Thorold soll auch zur Hochzeit eingeladen werden. Doch nun muß ich mich rasch ans Werk machen, und auch Sie, meine schöne, tapfere Pamela, haben keine Zeit mehr zu verlieren."

Ehe ich ihn daran hindern konnte, hatte er meine Hand erfaßt, die er trotz meines heftigen Sträubens mit leidenschaftlichen Küssen bedeckte. Hierauf führte er mich zur Treppe, der Schleier fiel über mein Gesicht, und fünf Minuten später saßen Munafawmy und ich wieder in der Jutka und fuhren rasch hinweg.

Als wir in die Hauptstraße gelangten, befahl ich dem Kutscher indes nicht, wie Munafawmy hoffte, möglichst schnell nach dem Palaste der Radjah zu fahren, sondern trotz des heftigen Abratens meines Begleiters mußte jener die Richtung nach der Residenz einschlagen, indem ich ihn zugleich zu höchster Eile anspornte.

Dann hielt der Wagen vor dem Gebäude der englischen Residenz, worin mein Verlobter jetzt krank lag. O tote gern wäre ich zu ihm geeilt, um ihn zu sehen! Aber ohne Zögern fragte ich den Wachtposten nach Doktor Flemming. Der Arzt war jetzt die Hauptperson, und ich hatte auch keine Zeit zu verlieren, schon des armen Hindu wegen, dem die Zähne klapperten vor Furcht, seine Entfernung könnte entdeckt werden.

Aber ich? Konnte ich nicht in der Stadt bleiben? Mußte ich mit Munafawmy in den Palast zurückkehren? Ja, sagte ich mir. Jetzt, wo Mr. Thorold krank lag und zur Untätigkeit verurteilt war, durfte ich meinen Posten nicht verlassen, ehe ihm der ganze Sachverhalt bekannt war. Wer weiß, ob es nicht seine Pläne durchkreuzen würde!

Doktor Flemming erkannte ich kaum wieder, einen solch mutlosen und abgematteten Eindruck machte er. Mein An­blick überraschte ihn aufs äußerste.

Miß Ferrars?! Sie?! Was ist geschehen?"

In fliegender Eile und nur das Notwendigste berichtens erzählte ich ihm, wuf welche Weise die Rani Sundaram Mr. Thorold langsam vergiften lassen wolle.

Also durch den Koch?! Auch ich dachte immer au Gift^ aber vergeblich habe ich mich Tag und Nacht abgemüh^ der Krankheit auf die Spur zu kommen . . . Atropin! Nun ist unser Freund gerettet! Ich kenne die Gegenmaßregeln, die ergriffen werden müssen. . . Aber der Kerl hat zum letztenmal gekocht! Ich lasse ihn verhafetn, und der eng­lische Richter wird ihm schon sagen, was auf Giftmischerei steht! O, Miß Ferrars, verzeihen Sie, wenn ich Sie ver­lasse, aber Mr. Thorold soll keine Sekunde länger als nötig der Wirkung des Giftes unterliegen!"

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Max war gerettet! O dem Herrn sei es gedankt, der mich dem Hindumädchen