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eine lange Stille —: da öffnen sich die Türen, und der deutsche Kaiser tritt ein mit der Königin von Rumänien an seinem Arm.
Seit Tritt ist vorsichtig wegen der langen Schleppe seiner Begleiterin, aber doch ungeduldig dabei. Ihm folgt die Kaiserin, geführt von dem König von Rumänien, und die anderen Fürstlichkeiten. Frl. Vacaresco ist dermaßen verwirrt umd eingeschüchtert, daß sie, die erfahrene Hofdame, linkisch knixt ivie ein Schulmädchen. Mit einigen gütigen Worten stellt die Königin von Rumänien ihren Liebling dem Kaiser vor und erwähnt dabei die große Aufregung, die Fräulein Vacaresco so verwirrt macht. Sofort fragt der Kaiser: „Weshalb denn aufgeregt? Diese junge Dame hat schon so große, bedeutende Männer gesehen, darunter auch Kaiser, wie ich höre, daß ein Steifer mehr oder weniger nicht viel ausmacht. Man hat mir aber gesagt, daß Sie als Kind das seltene Vorrecht genossen haben, ganze Abende mit Victor Hugo in seinem Heim zu verleben. Erzählen Sie mir etwas von ihm." . . .
Am nächsten Tage sand sich die rumänische Hofdame tu der sogenannten Prinzenallee, tvo die fürstlichen Gäste und ihre Begleiter den Morgenspaziergang machten, ein. Da war auch die Kaiserin in leichter, grauer Morgenbluse und der Kaiser int Jagdanzug. Beide sprachen mit jedem, der sie begrüßte. Der Kaiser war in heiterster Laune und scherzte mit Frl. Vacaresco über ihren Lorbeerkranz. (Sie war von der „Academie Francaise" preisgekrönt.) Am Abend beim Tee int Museumsaal, dessen Kunstschätze der Kaiser genau zu kennen schien, wandte er sich wieder zu Frl. Vacaresco, und nach einigen scherzenden Worten überraschte er sie durch sein str enges Ur teilüber schr eiben d c Frauen.
„Höffentlich werden Sie nicht Ihr ganzes Leben lang dichten? Die Krankheit wird vorübergehen wie die Masern. Ich scherze durchaus nicht! Für mich ist die Frau, die schriftstellert, geradezu lächerlich!"
„Man hat mir gesagt", antwortete Frl. Vacaresco, „daß Ew. Majestät schriftstellernde Frauen nicht leiden können, ebensowenig, wie weibliche Einmischung in irgend attdere als häusliche Angelegenheiten."
„O, ich gehe nicht ganz so weit! Aber sogenannte „kluge Frauen" sind ein sür allemal gefährliche Mesen, die einen Maulkorb haben müßten, bevor sie beißen. Glauben Sie wirklich, daß man eine kluge Frau zu sein braucht, um schreiben zu können? Im Gegenteil! Tie Klugheit der Frau besteht darin, sich nicht lächerlich zu machen, unb kluge Frauen achten sehr sorgfältig aitf ihr Aeußeres. Nun frage ich Sie, kann eineFrau,dieschreibt, hübschbleiben? Tie Be- weguugen, die Stellung einer Frau, die mit aller Macht kritzelt, vernichtet jeden ästhetischen Eindruck. Kann eine Frau hübsch bleiben, toeiut sie genötigt ist, ihre Stirn in die strengen Falten zu legen, die sich unwillkürlich bilden, sobald man eine Idee verfolgt oder angestrengt über einen wichtigen Punkt nachgrübelt?"
Ter Kaiser ivartete einen Augenblick; als keine Antwort kam, fuhr er fort:
„Sie sind sehr intelligent, viel intelligenter, als ich bei einer schreibenden Frau für möglich gehalten hätte. Ta stehen Sie nun so kühl, lächelnd und unbewegt, als hätte ich nicht eben erst Ihre höchsten Begriffe von der Frau verletzt — ja, vielleicht Ihre Selbstliebe tief verwundet."
„Ich habe keine Eigenliebe, Majestät", jedoch sehr feste Ueberzeugungen, die nichts erschüttern kann."
„Auf jeden Fall sind Sie sehr gutmütig. Ich will Ihnen einen oder zwei Punkte zugeben. Musik und Malerei können ein Frauenleben sehr glücklich und auch wohltuend für ihre Familie gestalten, und schließlich, ich will auch zugeben, daß eine Frau, die dichtet, nicht ganz unweiblich wird. Frauen sind geschaffen, um zu trösten und die Freude am Leben zu erhöhen und Dichter ebenfalls. Also dürfen Sie Dichterin bleiben, ohne mich zu erzürnen."
„Ich danke, Majestät, für Ihre gnädige Erlaubnis." Ter Kaiser lachte und wendete sich dann zur Kaiserin. Die Unterredung war zu Ende. . . ."
Es mag immerhin erlaubt fein, anzunehmen, daß Frl.
Vacarescu in dem einen oder anderen Punkte den Kaiser nicht so genau verstanden oder die Worte nicht so völlig treu int Gedächtnis behalten hat.
Literarisches.
— M. zur Megede: Narren. — Roman. — Verlag von F. Fontane u. Co. in Berlin. — Preis Mk. 5.—. Tiefer Roman führt den Leser in die Sphäre der Gutsbesitzer und Offiziere Ostpreußens ein, dessen Land und Leute sie so charakteristisch, und lebenswahr zu schildern weiß. Tie „Narren", das sind die unmodernen Menschen, die idealdenkenden, die sich nicht genügen lassen an äußerem Glanz und Schein, die eine Befriedigung, ein Glück außerhalb desselben suchen. An so einen Narren gerät die Heldin der Geschichte. Selbst jung, schön und verwöhnt, hält sie sich für berechtigt, ihre Hand nach jedwedem Glücke auszustrecken. Nur, daß sie es einzig in Aeußerlichkeiten sucht, in dem Komfort, der sie umgibt, in der Bewunderung, die sie erregt. Ms mit dem Tode ihres Vaters der finanzielle Zusammenbruch ihres Hauses erfolgt, heiratet sie den Jreiherrn von Lettau. Ohne ein tieferes Gefühl für den Mann ihrer Wahl zu empfinden, als jenes der Tankbarkeit dafür, daß er sie den gewohnten Luxus nicht entbehren läßt, zieht sie als Herrin in Schloß Heinrichsburg ein. Ihr Mann kennt keinen andern Wunsche, als sie glücklich zu sehen und sieht in ihrer Nichtigkeit und Oberflächlichkeit eine reine Mädchenseele, ein unbeschrre- benes Blatt, das nur darauf wartet, von ihm beschrieben zu werden. Aber die junge Frau sängt an sich zu langweilen, und in ihrer Sucht nach Zerstreuung kokettiert sie mit einem Vetter ihres Mannes. Turch einen unglücklichen Zufall muß der betrogene Gatte mit anhöreu, wie sie seinem Vetter das Geständnis ihrer Liebe macht. ■ Jrts reist zu ihrer Mutter. Während er, der Narr, noch mit sich selber kämpft, um endlich den Entschluß zu fassen, sie heimzuholen und ihr alles zu verzeihen, bekommt er von einem Rechtsanwalt die Scheidungsklage zugestellt. Seine Frau hat sich schnell getröstet — sie denkt einen Fürsten zu heiraten, der 20 Millionen besitzt. Reich an kecken Streiflichtern auf Gesellschaft und Sitten, bietet der Roman ein packendes Interesse. _
— Im Märzheft von Velhagen & Klasiugs Mo - natshefteu beginnt ein neuer großer Roman von Ida Boy-Ed „Der Festungsgarten", der all die Vorzüge der gefeierten Erzählerin aufweist. Das sehr reichhaltige Heft enthält außerdem eine Fülle interessanter Beiträge: Der bekannte Forschungsreisende Eugen Wolf erzählt Intimes vom Fürsten Bismarck und seinem Hause, in das er durch Herrn von Wißmann eingesührt wurde und in dem er ein gern gesehener Gast war. Dr. Georg Wegener berichtet über LH ass aund denDalai-lama auf Grund der neuesten Forschungen, Dr. H. Koenig, Gouvernemeuts- arzt in Kiautschou, schildert den Besuch des Gouverneurs Truppel im Innern von Schautung — beide Beiträge gewinnen durch die neuesten Vorgänge in Asien ent besonderes Interesse. Ungemein sesselnd ist ein reiche illustrierter Artikel von Th. H. Pantenius über den falschen Demetrius, eine der merkwürdigsten Erscheinungen der Weltgeschichte. Originell, besonders auch durch den Bilderschmuck, ist eine Abhandlung von G. Hermann: „1870/71 in der französischen Karikatur". Max Grube, der Oberregisseur des Berliner Schauspielhauses, steuerte eine übermütige Theaterhumoreske „Kollege Schwitz", Marie Scotta eine feine kleine italienische Novelle „Eine Heirat" bet. Erne Bücherschau von Heinrich Hart und eine illustrierte Rundschau über Kunst und Kunstgewerbe bilden den Schluß des Heftes. ____________
Zahlenschrift.
Nachdruck verboten.
4 5 12 — 13 8 5 6 5 — 6 11 14 14 9 8 3 7 13 14 5 12 — 8 18 14 — 4 1 13 — 15 5 12 6 5 2 5 10. (Citat aus Schiller.)
Schlüssel: 1 2 5 10 4 Teil des Tages; 3 7 8 10 1 Land in Asien; 6 5 13 14 8 12 10 astronomische Bezeichnung; 12 11 14 5 9
Kreideart; 15 8 5 12 Zahlwort.
Auflösung in nächster Nummer.
Aiiflösung des Logogriphs in vor. Nr:. Junge, Ltmge, Zunge.
Redaktion^ August Götz. — Rotationsdruck und L'erlag der Briihl'sckcu lluirersttätL-Buch- und Cteindruckerei. N. Lange, Gießen.


