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sich ausgenommen. . . Sie Haven doch von Max gehört?"
„Nein, wer ist das?"
„Aber ich bitte Sie, er ist ja der Stolz unserer Familie. Sie haben nichts von Maxwell Thorold gehört? Ein unheimlich gescheiter Mensch, sage ich Ihnen, der noch einmal zu den höchsten Ehvenstellen aufsteigen wird. Dabei ein kleiner Adonis und hartgesottener Junggeselle."
„Wirklich?" antwortete ich! gleichgiltig.
„Er ist auch! sonst etu lieber Mensch und Watty gegenüber immer so freigebig. So hat er zum Beispiel Leinwand, Gläser, Lampen und Porzellan in Ihre junge Haushaltung gestiftet. Ich selbst wählte alles aus."
Diese triumphierende Ankündigung erregte in hohem' Grade meinen Zorn, und sofort erfaßte mich ein heftiges Vorurteil gegen diesen gepriesenen jungen Mann, der uns mit Lampen und Porzellan versorgt hatte.
„Maxwell wäre eine glänzende Partie für jedes Mädchen", rühmte Mrs. Hassall weiter. „Es ist nur schade, daß er selbst das nicht einsehen will."
„Ten jungen Mädchpn wird es wohl ebenso gehen." Ich war ärgerlich über die Lobpreisungen dieses Mr. Thorold und die schwache Anerkennung meines Mr. Thorold.
Tie Antwort war aber nur ein schallendes, höhnisches Gelächter.
„Mrs. Hassall, würden Sie es sehr übel nehmen, wenn ich heute abend nicht zu Tische tarne? Sie haben ja Gesellschaft genug und gehen nachher auf den Ball. Ich wäre Ihnen, so dankbar, wenn Sie mir eine Kleinigkeit hierher auf dieses Zimmer bringen ließen."
„Nicht zum Essen kommen? Wie, dieses reizende Kleid sollten Sie zu Ehren meines leeren Gastzimmers angezogen haben? Und dabei brennen alle darauf, Ihre Bekanntschaft zu machen! Es konimen nur zwei Damen und vier Herren, und daß eine Braut stets den Ehrenplatz einnimmt, das wissen Sie ja doch!"
Ich fühlte, wie ein kalter Schauer mir über den Rücken lief. Sechs fremde Personen, die alle darauf brannten, meine Bekanntsch!aft zu machen!
„Mrs. Hassall dürfen Sie mich aber nicht nennen, sondern Tizzie, eine Abkürzung von Elisabeth; ich werde ja in wenigen Tagen Ihre Kousine sein. Doch nun will ich gehen und rasch, ein Teekleid Überwerfen; das Staatsgewand werde ich erst nach Tisch anlegen. Um eines aber bitte ich! Sie: tun Sie mir um alles in der Welt nicht den Schabernack an, sich auszukleiden und zu Bett zu gehen."
Dabei drohte sie mir scherzend mit der geballten Faust, und im nächsten Augenblick sah ich das hübsche Rosakleid hinter dem Vorhang verschwinden.
(Fortsetzung folgt.)
Zer Kaiser, die Kunst und die Schriftstellerin
In einem Artikel über die Künstdebatten des Reichstags führt F. Avenarius im „Kun st wart" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) u. a. folgendes aus:
„Ich will", soll Bülow gesagt haben, „mit dem Kaiser über alles reden, nur nicht von der Sezession". Hohe Offiziere sollen gelegentlich ihr Bedauern ausgesprochen haben, sich nicht in neuer Art einrichten zu dürfen; der Kaiser könne sie einmal besuchen, und er betrachte das als eine Opposition gegen sich. Ta Wilhelm II. die Säle der Sezession nicht betritt, oder, wenn si-ch's nicht vermeiden läßt, schnell ohne Aufenthalt durchschreitet, so kennt er von ihr aus eigener Anschauung nicht viel. Wie ist seine unbedingte Abneigung gegen sie zu erklären? Vergegenwärtigen wir uns die Reden und Handlungen des Fürsten, die ihn mit bildender Kunst in Berührung zeigen, von Anfang an, so finden wir außerordentlich stark bei ihm die alte Auffassung von der WichtigkeitdesStoffes, von der Kun st als Dienerin, sei es des kirchlichen, sei es des vaterländischen und besonders des dy- n a st i s ch e n Interesses. Wenn er das Genie Menzel feierte, so feierte er doch auch das Talentchen Werner, und schwerlich wagt sich die Annahme zu weit, daß er Werner den Hohenzollernmaler mehr als Menzel ehren würde, wenn Menzel nicht Hohenzollern, sondern dem Kaiser unsympathische Persönlichkeiten verherrlicht hätte. Zu diesem Elemente des kaiserlichen Klmstgeschmacks kommt als zweites, so
viel wir sehen, die Freude am Festlichen, Prunkvollen, Rhetorischen, in irgend einem Sinne Dekorativen, wobei Wilhelm II. die Grenzen nach dem bloß Theatralischen hin anderswo sieht, als wir. So bildete sich ein Kreis von Männern, um teils durch ihre Arbeit, teils durch ihre Informationen den Kaiser zu unterstützen, von denen, da Menzel schon seines Alters wegen kaum in Frage kommt, kein einziger unter den Kunstverständigen der Nation das gleiche Ansehen wie beim Kaiser genießt: Werner, Begas, Cüerlein, Raschdorff, Kuackfuß usw. Was sie malten, modellierten und baute::, führte bei gewaltigen Aufwendungen künstlerisch von Mißerfolgen zu Mißerfolgen; ich spreche nur die Worte aus: NationaLenkmal, Gedächtniskirche, Siegesallee, Tom, Wagnerdenkmal, Gruppen am Brandenburger Tor, um an eine Rei^nfolge von künstlerischen Leerheiten zu erinnern. Nicht unwichtige „Kleinigkeiten", wie unsere schlechten Münzen und unbegreiflich! schlechten Briefmarken sorgen dafür, die Berliner Hofkunst im ganzen Reich und über seine Grenzen hinaus der Verwunderung preiszugeben. Aber nicht nur die Leistungen „seiner" Künstler begegneten immer allgemeiner ablehnender Kritik, auch der Widerspruch gegen die Urteile des Kaisers in Sachen der Kunst wuchs im Volke, je mehr er in der Nähe des Thrones zu verstummen schien. Wr haben wiederholt von dem Einfluß gesprochen, den das Umschmeicheln, als handle sich's um ein Universalgenie, auch auf den bevorzugtesten Geist ja ausüben muß, dieser Mangel an mündlicher Gegenrede, dieser Ueberfluß an servilem Zustimmen, welche auch den edelsten Gedankcnstahl am Schärfen Klinge gegen Klinge verhindern. Kommt hoch herausgehobene Stellung und ungewöhnliche Begabung hinzu, so ist das erhöhte Sicherheitsgefühl erklärlich, mit dem man auch zu folgenschweren Urteilen in Sachen der Kunst die Berechtigung im eigenen Geschmacke findet. Fühlte keiner im Verkehrkreife des Kaisers die Pflicht, hierüber aus Ergebenheit für seinen Herrn zu sprechen? Ter starke Verstand des Monarchen, der andere Probleme der Zeit so schnell begriff, hätte auf eine klare Darstellung hin doch sicher die Tatsache anerkannt, daß unser Fühlen und Schauen nicht minder verschiedene Formen annehmen muß, als unser Glauben und Tenken, und daß deshalb Kunst dieselbe Freiheit verlangen muß, wie die Religion in all ihren Konfessionen und wie das Forschen der Mfsenfchaft. Eine solche Tarlegung zu geben, waren seine Vertrauensmänner berufen und, da sich's hier um ganz allgemeine, von der Richtung des einzelnen ganz unabhängige Wahrheiten handelt, auch befähigt. Es scheint nichts dergleichen geschehen zu sein. Selbst vor tatsächlichen Irrtümern wie dem von der „Rinnsteinkunst" hat niemand den Kaiser geschützt. Sollte sich einst Herausstellen, daß Wilhelm II. zu einer langen Kette aus falschen Annahmen und Mißverständnissen geprägter Worte und Taten durch Ratgeber angeregt sei, die ihn zum eigenen Vorteil im Irrtum ließen? Der Mensch glaubt so gern, was er glauben möchte, daß wir diese Anklage auch gegen die Werner und Genossen denn doch nicht erheben möchten."
Soweit Avenarius über den Kaiser u nd die Kun st.
Mit begreiflichen: Interesse horcht man auch gespannt auf, wenn sich der Kaiser über die Schriftstellerinnen äußert und über die Frauen im allgennnnen. Auf einem kleinen Umwege gelangte diese Musterung zu uns.
Helene V a ca r e s c o, die Lieblingshofdame Carmen Sylvas, hat sich auch durch ihre Sammlung rumänischer Volkslieder einen Namen erworben. Sie ist überdies eine gewandte Journalistin. Im neuesten „Strand-Magazine" veröffentlicht sie eine interessante Erinnerung an ihren Aufenthalt in Schwß Sigmaringen, wo sie Gelegenheit hatte, den deutschen Kaiser in nächster Nähe zu sehen. Zuerst erblickte sie ihn flüchtig bei dem Empfang auf dem Bahnhofe, aber schon in dieser ersten Begegnung, die schnell vorüberging, macht „das bleiche, kalte Gesicht, die gebietenden Augen und der strenge Mund" den tiefsten Eindruck. Auch später, bet der großen Parade, nimmt sie mit Erstaunen wahr, daß kein Lächeln auf seinem Gesicht den Hochrufen der Menge antwortet. Am meisten aber steht sie unter dem Einfluß der imponierenden Persönlichkeit, als abends in den Staatsgemächerr: des Schlosses Cercle abgehalten wird. In atemloser Erwartung steht sie mit den anderen da. Endlich ertönen die scharfen drei Schläge, die das Nahen des kaiserlichen Paares verkünden


