L!

i

(Nachdruck verboten.)

Im Makak der Wzah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

2.

Den ganzen Tag reifte ich auf langsame, gemächliche Art weiter. Ich hatte den Wagen ganz für mich allein und betrachtete, am Fenster sitzend, mit aufmerksamem Auge die indischen Landschaftsbilder: die mit Lehmmauern um­gebenen Dörfer, die seltsamen Vögel, die breiten, halb aus­getrockneten Flüsse, und die hübschen, kleinen Eisenbahn­stationen, auf denen sich eine bunte Menge drängte.

Voll banger Zweifel dachte ich an Malter. Ich sah so einfach und ländlich aus. Ob ihn mein Anblick wohl sehr enttäuschte? Er hatte sich weit mehr zu seinem Vorteil verändert als ich Wohl war ich groß und schlank, mein Haar hübsch, und meine Gesichtsfarbe anerkanntermaßen weiß und rosig. Mrs. Blasson hatte mich sogar gefragt, ob sie echt sei, und als ich eine solche Frage empört zu- rückivies, hatte sie gesagt:Wenn Sie nicht sofort ins Gebirge gehen, wird Ihre glänzende Farbe keine sechs Monate standhalten." Ich erhob mich und betrachtete prüfend mein Gesicht im Spiegel des Eisenbahnwagens. Blaß war es allerdings, und meine Augen sahen unnatür­lich groß und verängstigt aus.

Ich befand mich aber auch tatsächlich in Angst, ach, in unaussprechlicher Angst! In weniger als einer halben Stunde sollten Walter und ich einander gegenüberstehen; ich hatte genau den Fahrplan studiert. Als dann die letzte Station vor Bareda hinter mir lag, fühlte ich, wie ich vor Bangigkeit förmlich zitterte. Ich hatte mein Haar mit größter Sorgfalt aufgesteckt, einen hübschen Hut aus dem Koffer herausgeholt und den Staub von meinem Kleide gebürstet. Aber als der Zug über Schienenstränge und Straßenübergänge rasselte und allmählich langsamer fuhr, schlug mein Herz zum Zerspringen. So erregt, so namen­los unglücklich und verlassen fühlte ich mich daß ich am liebsten unter den Sitz gekrochen wäre.

Tann fuhr man unter heftigem Stoßen und Rütteln in eine große Station ein, und ich setzte mich mein Hand­gepäck sorgfältig zusammengelegt neben mir, wieder auf meinen Platz. Ich warf einen flüchtigen Blick hinaus, ent­deckte aber niemand, der auch nur entfernt Walter ähnlich sah. Was bedeutete das? Ob er wohl ernstlich krank war?

Fast erstarrt vor Schmerz und Aufregung wartete ich, wie es mir vorkam, eine Ewigkeit. Endlich öffnete sich leise die Tür, und ein in prächtige, scharlachrote und blaue Gewänder gehüllter Indier schaute herein und fragte mit einer tiefen Verbeugung:

Miß Sahib, für Hassall Mem Sahib?"

Bejahend nickte ich. Er winkte mir, mich zu erheben, und als ich seiner Aufforderung folgte, reichte er mir einen Brief herein. Also auch jetzt wieder nur ein schriftlicher Empfang! Hastig riß ich das Schreiben auf, während der Indier mein Handgepäck an sich nahm. Auf einem winzigen Briefbögchen stand geschrieben:

Liebe Miß Ferrars!

Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, daß ich nicht an die Bahn komme. Ich habe für diesen Nachmittag eine Zusammenkunft verabredet, die id): nicht aufschieben kann. Ter Diener wird alles für Sie besorgen; er ist meine rechte Hand.

Ihre ergebene E. Hassall.

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich und mein Besitztum der Obhut von Mrs. Hassallsrechter Hand" anzuvertrauen. In wunderbar kurzer Zeit hatte er mein Gepäck beisammen, und nun rasselten wir in einem indischen von zwei Pvnics gezogenen Fuhrwerk, das er Gharri nannte, davon, dem Endziel meiner Reise entgegen.

Wir sichren durch einen großen, von breiten, weißen Straßen durchquerten Park wenigstens schien es mir, ein Park zu sein aus dem hier und da ein mit Stroh ge­decktes Haus hinter einer Veranda hervorschaute. Nichts ließ eine Stadt oder auch nur einen Marktflecken vermuten, und doch war dies hier die große Garnisonstadt Busabad. Es deuchte mir eine Ewigkeit, bis wir endlich in ein Giüer- tor einbogen, eine Rampe hinausfuhren und vor dem Portal eines langen, niedrigen Hauses, welches das charakteristische Bild eines indischen Wohnhauses bot, hielten. Die Veranda war mit Matten belegt und mit Stühlen, Windschirmen sowie einer Menge Palmen behaglich ausgestattet und durch hübsche, bunte Lampen erleuchtet.

Diensteifrig kam ein bärtiger Diener die Stufen heruntergeeilt und verbeugte sich tief vor mir, während eine kleine, magere, aber kräftig anssehende Jndierin mit selt­samen Ohren- und Nasenringen mich in gebrochenem Eng* lisch begrüßte, meine Reisetasche in die Hand nahm ünd mich in den Bungalow geleitete. Zuerst kamen wir auf einen Vorplatz, dann in ein hohes, luftiges Speisezimmer, wo der Tische bereits überreich mit Blumen und Silber­zeug gedeckt stand, und schließlich in eine Schlafstube, die ebenfalls mit den schönsten Matten ausgelegt war, aber außer einigen Möbeln aus Rohrgeslechi nur noch ein kleines, mit einem Mosquitonetz umgebenes Bett enthielt.

Mem Sahib zum Klub gegangen, Miß Sahib", sagte meine Zofe erklärend und gleichfalls entschuldigend, indem sie meine Tasche niedersetzte:Aber bald, sehr bald zurück­kommen."

Tann ging sie hinaus und erteilte in gellendem Hindo- stanisch einen Befehl, woraus sofort mein ganzes Gepäck hereingebracht wurde. Währenddessen legte ich meinen Hut ab und händigte der Zofe meinen Schlüssel ein. Mir war jämmerliche trostlos zu Mute <in diesem großen, fremden Hause unter dieser Schar schweigender Dienerschaft. Allein