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wollen. jRutt, bas Lied hat mich nicht getäuscht. Was sich da um das hochaufragende Münster an Straßen und Plätzen zu einem Stadtbild gruppiert, .darf sich wohl sehen lassen, wenn auch vieles von den angenehm in die Augen fallenden noch jungen Datums ist und mit dem alten Straßburg, das das Lied preist nichts zu tun hat. Man merkt auf Schritt und Tritt, daß Mutter Germania ihr wiedergewonnencs Kind mit vieler Liebe pflegt. In manchen Stücken wenigstens. Unter den Straßburger Bürgern, auch solchen, die sich ausgesöhnt haben mit dem Regierungswechsel, der ihnen ja auch ausgezeichnet bekommen ist, gibt es eine ganze Menge, die sich in anderen Stücken zu hart angefaßt fühlen, zumal im Vereinswesen und bei neuem Grunderwerb. Aber das sind Gebiete, die dem slüchtigen Beobachter zu fern liegen, als daß er sich Hierüber ein Urteil erlauben .dürfte. .Wie das alte deutsche Kleinod am Rhein in den letzten hundert Jahren verwelscht worden ist, sah ich aus einer just hundertjährigen Zeitungsnummer der heutigen „Gazette", die damals in gutem schlichten deutsch erschien, was man also zweifellos doch Hem gallischen Idiom in jener Zeit noch .vorgezogen. Freilich ist das komische Gemisch von Deutsch und Französisch, das in gewissen Kreisen heute mit ausfälligem Eigensinn gepflegt wird, nichts weniger als beängstigend. Wer dieses Salatfranzösisch. spricht, lernt ganz sicher auch noch wieder Deutsch Aber es gibt doch auch Leute, die ein unverfälschtes Pariser Idiom reden und Berlin noch immer als im Auslande liegend betrachten. Tas sind die Unversöhnlichen, die ihre Zirkel, ihre Weinstuben, ihr Cafs für sich haben und jeden Eindringling feindselig beäugeln. Ach die sind es nicht wert, daß oben auf ihrem Münsterturm der größte deutsche Dichter seinen Namen eingezeichnet hat und der deutsche Gutenberg aus ihren Mauern seine 25 Bleisoldaten als Eroberer in die ganze Welt marschieren ließ. Ueber die Herrlichkeit des Straßburger Münsters reden, hieße Eulen nach Athen tragen. Es ist eine der schönsten und zugleich eine der ältesten Kirchen Deutschlands. Letzteres bezieht sich allerdings nur noch auf die Grundmauern, die nämlich römischen Ursprungs sind. Der Ausblick von der Platte läßt ein schönes Stück Elsässer und Badener Land sehen und weckt mächtige Erinnerungen an jene großen Tage der Wiedergewinnung, da Deutschland gezwungen war, sein eigen Kind zu molestieren. Am 4. September 1870 trafen deutsche Granatschüsse die Krone und das Kreuz des Straßburger Münsters! Aber das finb vergangene Zeiten, die wir vergessen wollen. Mit einem Bündel Ansichtskarten, die danrals noch nicht erfunden waren, führt uns denn auch der wohlbeleibte Tomschweizer, der vor der berühmten Münsteruhr Wache hält, in die Wirklichkeit zurück. Er sieht so wichtig aus, als dürfe der Hahn dort oben nur auf sein Kommando krähen und kein Apostel ohne seine Erlaubnis den mittäglichen Umgang vornehmen. Tie Postkarten mit der drehbaren Scheibe, die die zwölf Jünger sichtbar werden läßt, gehen denn auch ab wie warme Semmel. Bis zur bestimmten Minute, 12,29 mittags hat sich ein ganz ansehnliches Häuflein Neugierige eingesunden, die alle den Hahn krähen hören wollen: Engländer mit gelangweilten und langweiligen Knochengesichtern, Soldaten, die hier meist aus dem Osten des Reichs stanlinen, Kindermädchen mit dem jungen Nachwuchs Alsatia's, der hoffentlich wieder ganz deutsch reden und fühlen lernt auch allerlei Landvolk in elsässischen Trachten. Und nun ist der große Moment gekommen: der Hahn droben lupft die Flügel ein paarmal und dann tut er uns den Gefallen und — kräht. Die Scheibe mit den Aposteln gerät ins Drehen, und Heber der Zwölf macht seine Verbeugung, wie er sich der Figur des Heilands nähert. Manchmal soll auch. der Löwe droben brüllen! . . . Kinderspielzeug, das nicht des Erwähnens wert wäre, .wenn diese Uhr nicht in ihrer Konstruktion für astronomische Zwecke eine wirUiche Meisterleistung wäre, die ihrem Schöpfer Schwilguö die größte Ehre macht! Noch ein anderes Kunstwerk von hohem Werte birgt sich in einer Straßburger- Kirche. ,Tas ist das wunderbare Grabmal des Marschalls von Sachsen, in St. Thomas, in Marnwr ausgeführt von Jean Baptiste Pcgalle. Es zeigt den Sohn der schönen Aurora Königs- inarc, die man noch heute im Schlosse zu Quedlinburg als Mumie bewundern, kann, .wie er furchtlos die Stufen hinunter schreitet, um sich in den vom Tode geöffneten Sarg zu legen. Tie allegorische Gestalt, die ihn zurückhalten will, die Perfouifikation des Todes, der trauernde Löwe usw. sind von einer wundervollen Wirkung, „bie sich der hervorragend fchönen Komposition stimm- ungsvoll eingliedern. Ta aber nirgendwo ein krähender Hahn angebracht ilt, so sand ich mich mit der Küstersfrau vor diesem Scymuchtück Straßburgs allein. ,Bon den hervorragenden Gebäuden der Stadt fällt noch besonders der Kaiserpalast auf, rn schöner Florentiner .Renaissance gehalten, für feine Umgebung aber leider etwas zu tief liegend. Mit der Univerfitäts-Biblio- ther und dem Landesausfchußgebäude bildet der Palast einen
, chousten städteplütze, die ich gesehen. Tas Theater ist tzleichfalls ctn Neubau, aber seltsamerweise ganz wie der 1870 zerstörte Weeder aufgebaut, eine Pietät, über die die Bühuen- leiter schon manchen Seufzer auSgestoßen haben mögen. Um auch die Kneipengeographie etwas kennen zn lernen, ließ ich Mlchvon einem waschechten Straßburger zu etlichen Quellen
führen, wo man einen guten Schoppen trinkt. Es war kein Prachtbau mit Spiegeln und Marrnortifchchen, in den er mich bugfierte, sondern ein niedriges, wackliges Lädchen, worin eine Keine Treppe zu einem noch niedrigeren Hinterraum führte. Tort gab es Elsässer Landwein von vorzüglicher Güte. Und wenn es mir nicht die eigene Zunge gesagt hätte, jvürden's mir die Nasen der seßhaften Kundschaft schon verraten haben. Aus diesem „Hühnerloch", .wie der Volksmund das Lokal nennt, wanderten wir dann noch über etliche andere Stationen hinaus die Orangerie, den „Tiergarten" der Straßburger, der ein ganz köstliches Plätzchen ist, und das eine vor dem Berliner vorans hat, daß er nämlich nicht fo mit Marmor gepflastert wiro! U, gs.
vermischte».
* Fliegenplagemiid Mücke nstiche. Polierte Möbel, Lampenglocken, bronzene Kronen uitb Kunstgegenstände usw., nichts rst ,gefeit gegen die Fliegen. Von der Politur läßt sich der „rsliegenschmutz" mittelst kleiner, in Benzin, Petroleum oder Terpentin getauchter Watte- ober Leinwandbäuschchen abreiben (die Stelle reibe man hinterher mit einem weichen Lappen blank). Glas- und Porzellansachen lassen sick abseifen; für bronzene Gegenstände empfiehlt man d:e Reinigung mit einer durchgeschnittenen Zwiebel,. wahrend man Marmoriachen, Büsten und Statuetten mit einer Mr, chung von Wasser und Salmiakgeist zu gleichen Teilen behan- del.t. Mückenstiche, die angenehme Abwechslung gegen die olregenplage, behandelt mein neuerdings mit Bow-Vaseline. Man soll vor allem die Stichstellen nicht reiben, kratzen oder massieren, da dadurch .der den Reiz verursachende Mückenspeichel weiter in das
e der Haut getrieben wird. .Ein anderes, gutes, erprobtes ist eine Einreibung mit gewöhnlicher, sodahaltiger Seife, die man zu dem Zweck wie Kreide schabt, und damit die gestochene Stelle leicht überdeckt. .Tiefer Seifenüberzug mildert, wie auch das Betupfen der Stichstellen mit Salmiakgeist, das Jucken. Ten Geruch von Erdöl (Petroleum, Steinöl, Naphtha) scheuen die Mücken; man kann sie durch eine leichte Berührung der Haut mit einem mit Erdöl benetzten Lappen von dieser fern halten, wenn man nicht selbst, wie die Mücken, diesen Tust verabscheut. Allerdings bedeutet das, den Teufel durch Beelzebub austreiben.
Literarisches.
— DasTheater, eine Sammlung ausgetvählter Mono- graphren zur Geschichte, Kunst und Kultur des Bühnen- wesens aller Zeiten und Völker, ist nach sorgsamer Vorbereitung durch die Verlagsanstalt Schuster u. Loeffler, Berlin und Leipzig mit ihren ersten ftchs Bänden soeben ans Licht ge- ttoten. Tr. Carl Hagemann hat für die Bearbeitung der ein-
Themen eine Reihe allererster Autoren und zwar ausschließlich Theaterforscher, Theaterkritiker, Dramaturgen, Re- gtneure unb Schauspieler heranzuziehen gewußt. Tie Sammlung vorläufig auf 50 Bände angelegt. Schon gleich die ersten sechs Bande zeigen es deutlich, daß die ganze Bibliothek durchaus positiven Charafter haben ivirb. Tie vornehme Ausstattung, der stimmungsvolle Buchschmuck von E. M. Lilien, die Lichtdrucke und die vielen anderen Abbildungen, Faksimiles usw. vervollständigen den künstlerischen Wert der Bücher. Der erste Band ist etne Darstellung .von Friedrich Ludwig Schröders Leben und Wirken, von Professor Berthold Litzmann. Jin zweiten Bande behandelt Professor Wolfgang Golther, .der Rostocker Wagner- forscher, .Bayreuth. Ter dritte Band ist Josef Kainz gewidmet und von Ferdinand Gregori verfaßt. Ter vierte Band ist eine Albert Niemann-Monographie von Prof Sternfeld. Im fünften Bande gibt Tr. Rudolph Lothar einen charakteristischen Querschnitt durch die Entwicklungs-Geschichte des Wiener Burgtheaters und der sechste Band dieser ersten Serie ist Adalbert Matkowsky von Philipp Stein gewidmet.
Geheimschrift.
(Nachdruck verboten.)
A I! + Futtermittel.
+ △ + Vogel.
? ! — Unerwünschter Zustand.
( ! ? Fluß in Spanien.
§ || || Gewässer.
— ) O Zeitbestimmung.
) ; — Singstunme.
O ) + Bezirk.
II : ) Altbiblischer Name.
Die Aniaiigsbuchstaben der neun Wörter bezeichnen int Zusammenhang gelesen etwas Zeitgemäßes.
Aiistösung in nächster Nummer.
Auflösung des Abteilrätsels in vor. Nr.:
Band, Egel, Beil, Emil, Zange, Reis.
Bande, Gelb, Eile, Milz, Anger, Eis.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R.Lanae. Gießen.


