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Wontag de« 6. Juni.

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(Nachdruck verboten.)

Ilrüßtingsstürme.

Roman von Paul Oskar Höcker

(Fortsetzung.)

Erst am dritten Tag danach ließ er sich wieder auf Sakuthcn blicken. Dieter Lotz hatte schon mehrfach beun­ruhigt nach ihm gefragt.

Es herrschte tüchtiges Schneegestöber draußen. Der Pelz, dessen Erbschaft Zupitza aus Collenbergs Nachlaß über­nommen hatte, war vom Kragen an bis über die Brust mit einer dicken Eiskruste bedeckt- Auf der geheizten Diele entledigte er sich unter Tirsells Beistand seiner Ueberkleider- Auch sein Kneifer war dick beschlagen- In seinem kurzen Haar hingen kleine Eiskristalle, seine Gesichtsfarbe war blaurot.

Etwas unsicher begrüßte ihn Franze. Aber Zupitza schien bet bester Laune schien an den hitzigen Disput von neulich gar nicht mehr zu denken-

Sind wir wieder gute Freunde?" fragte sie ihn leise, indem sie ihn bittend ansah.

Es wird mir nichts anderes übrig bleiben", sagte er lachend,denn heute bin ich auf Sie angewiesen-"

Brauchen Sie Pferde? Ist was mit dem Schlitten?"

Nein, es handelt sich nur um einen guten Rat- Aber der ist zuweilen teuer, wie Sie wissen - - . Na, Dieter, Ihr grimmer Tyrann, soll die Sache auch mit anhören."

Er hatte sich das Gesicht und die erklammten Hände tüchtig gerieben, brachte aber noch immer eine Menge Eis­luft mit sich herein.

Doktor, das muß ja eine ruppige Kälte draußen sein", sagte Dieter, leicht zusammenschauernd.

Und ich kampierte heute in meinem Schlitten zu­sammengerollt wie ein Igel, konnte kaum die Füße unter­bringen." Er wies nach der Straße.Da überzeugen Sie sich selbst."

Die Fensterscheiben waren dick zugefroren. Nur durch einen schmalen Rand an der oberen Leiste vermochte Franze Ausschau nach dem Schlitten zu halten-

Mein Himmel, da haben Sie sich ja eine halbe Haus­tür aufgeladen?"

Ja, es war wieder einmal eine Gewaltkur nötig": ä. la Doktor Eisenbart "

Und nun erzählte er: beim Fischer Kemeneit herrschte Scharlach, die ganze Familie bis auf den Hausvater war erkrankt, und sie wohnten in einem einzigen, seit Wochen nicht gelüfteten Raume neben dem Stall- Das starrköpfige Fischervolk war nicht dazu zu bringen gewesen, daß es ein Fenster öffnete; kurz entschlossen, hatte er ihm daher vor­gestern den oberen Teil der Haustür selbst ausgehängt. Als er heute wiederkam und ihn an der alten Stelle fand und die Luft natürlich ebenso stickig wie zuvor, hatte er ihn im Schlitten mitgenommen-

Dieter amüsierte sich köstlich über diesen Streich.

Das hätte Collenberg doch nicht fertig gebracht", meinte er-Nein, in solchen Fällen ließ er lieber fünf gerade sein."

Ja, aber was nun weiter?" fragte Zupitza ärgerlich, lachend-Luft haben sie jetzt zur Not. Aber Kemeneit läßt mich doch unter keinen Umständen mehr ins Haus hinein."

Das kann schon passieren!" gab Lotz zu.Diese kuri- schon Fischer find hartknochige Dickschädel, störrisch wie die alten Ackergäule. Mit denen muß man eben zu reden ver­stehen."

Und wenn ich mir auf Ihren Befehl auch schon 'ne russische Grammatik angeschafft habe ja, zum Geier, Kurisch und Litauisch kann ich doch nicht auch noch büffeln!"

Fränze hatte in wirklicher Bewegung den Bericht übe« die Notlage der Fischerfamilie gehört- Sie empfand ihn nach dem Gespräch, das sie neulich mit Zupitza geführt hatte, wie einen Vorwurf-

Soll ich Ihnen als Dolmetsch dienen, Doktor?" fragte sie impulsiv-

Er sah sie fröhlich an-Das wäre lieb von Ihnen, Frau Fränze. Sie retten Kemeneits vor dem Typhus und helfen einem vielgeplagten Medizinmann aus der nichtswürdigsten Klemme, in der er je gesteckt hat."

Aha, nun kriegt er Angst", scherzte Lotz-Hausfriedens­bruch, Sachbeschädigung, Raub, Entführung es ist eine nette Speisekarte."

Fränze sah nach der Uhr.Haben Sie Zeit, Doktor, gleich noch einmal mit zurückzufahren."

Ich gewiß- Es liegt heute sonst nichts mehr vor. Aber es ist heute ein tolles Wetter-"

Auch Dieter sah sie besorgt an-

Meinetwegen wäre keine Sorge", sagte sie-Bloß, daß ich Dich dann so lange allein lassen müßte, Bär!"

Ja, amüsant wird's hier ja freilich nicht sein", er­widerte er unter einem trüben Lächeln-Aber vielleicht kann Stojentin abkommen. Dann muß eben vor der äußersten Trübsal eine Partie Schach retten."

Eine Viertelstunde später saß Fränze neben dem Doktor im Schlitten. Er packte sie warm in die Kniedecke ein und schlug ihr den Pelzkragen hoch, sodaß nicht viel mehr als ihre lichtblauen Augen und die Nase heraussahen. Eisig pfiff ihnen der Ostwind ins Gesicht- Die Augen tränten bald, die Haut spannte sich, daß es schmerzte-

Jm Krug von Sangallen, der am Wege lag, hielten sie ganz steif gefroren eine kleine Einkehr- Zupitza überredete sie, einen Glühwein mitzutrinken, den die Wirtin vorzüglich! bereitete. Fränze taute dabei mehr und mehr auf, unter­hielt sich lebhaft auf Litauisch mit der Nichte der Mrtin, schließlich ward sie mit dem jungen Ding Handelseins: sie sollte bei Kemeneits so lange die Wirtschaft führen, bis die Hausfrau wieder aus dem Bett heraus konnte.

Zupitza freute sich darüber, daß sie gleich- so praktisch