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gutes Frauchen, erbarmen Sie sich, wie soll man werden, wenn der Herr Doktor die ganze schöne

O gesund Würme

hiuauslüßt?"

.Zunächst ist die Hauptsache Luft und Wasser, zum

zugriff.Aber in puncto Bett muß ich einen Irrtum berichtigen, Frau Franze- Betten gibt es bei Kemeneits nicht- Nur Stroh und Lumpen."

Fränzes Erwartungen schraubten sich bei seiner Dar­stellung auf der Weiterfahrt immer tiefer- Aber fo kläg­liche Zustände, wie sie hernach zu sehen bekam, hatte sie doch nicht für inöglich gehalten.

Die Luft in dem elenden Raume war so schlecht, daß sie fast eine Uebelkeit ankam.

Hier, Frau Kollega, rasch ein paar Züge", sagte Zu- pitza, indem er ihr sein Zigarrenetui hinhielt- Es war das tiefe weibliche Mitempfinden, das sich schließlich über alles hinwegsetzte. Erstaunlich war's, wie sie den langsamen, schwerfälligen Fischer in Trab zu bringen wußte.

Zuerst mußte er den anstoßenden Stall, der zwei Ziegen, ein Schwein und eine Anzahl Hühner beherbergte, reinigen und aufscheuern, damit man während der durch­greifenden Säuberung des Wohnraumes die Kranken dort vorläufig unterbringen konnte.

Als die Aushilfe aus dem Krug von Sangallen ein­traf, fand sie die Herrin von Sakuthen mit nufgeschürztem Kleide und zurückgestreiften Aermeln in voller Tätigkeit am Herd-

Die Fischersfrau wagte nichts zu sagen, aber inan sah es ihren ängstlich flehenden Augen an, daß sie noch immer glaubte, es handle sich um einen feindlichen Ueberfall.

Während Fränze flott wirtschaftete, die Sangalleriu anwies, nnd da und dort auch den Doktor anstellte, suchte sie die Hausfrau über ihre friedfertigen Absichten aufzu­klären.

Frost um durch persönliches Vorstellen auf dem Land- ratsamt oder im Kreiskrankenhaus hier eine Hilfe durch­zusetzen, dort eine Härte abzuwenden.

In diesen arbeitsreichen Winterwochen lernte Zupitza den großen Reichtum ihres Gemüts erst recht kennen-

Sie sahen einander fast täglich- Ermöglichte es seine Tour, so holte er sie im Schlitten ab, oder er traf mit ihr in dem oder jenem Fischerhause zusammen nnd brachte sie dann heim- Jede freie Stunde widmete er seiner Freundin- Am Stammtisch erschien er daher immer seltener.

Die Anspielungen über seinedicke F-reundschaft" mit den Sakuthanern blieben natürlich nicht aus- Herr von Gamering meinte einmal:Es ist doch eine fatale Situation für das arme Luder, den Dieter- Stellen Sie sich einmal vor, meine Herren, Sie sitzen daheim, können beim besten Willen nicht aus der Bude 'raus, und Ihr verdammt appetitliches Frauchen karriolt da immerzu mit 'nem fremden -jungen Herrn in der Weltgeschichte herum- Das ist doch hanebüchen. Finden Sie nicht auch?"

Der Amtsrichter verteidigte zwar seinen Freund aber doch ausfallend lauwarm-

Man besprach den Fall immer wieder, man debattierte, stellte Normen für die Moral im allgemeinen und im besonderen auf, man kam ins Klatschen-

Mit Lotz selbst zu sprechen, das erschien den meisten bedenklich. Als Kranker verdiente er doch Rücksicht, eine Aufregung konnte ihm schaden- Bei Frau Fränze wollte sich aber keiner den Mund verbrennen- Der Rittmeister schon gar nicht- -Es könnte am -Ende wie Eifersucht aus­sehen, meinte er-

So blieb alles beim alten- Nur, daß das lüstern­listige Schmunzeln am Stammtisch immer deutlicher ward, wenn jemand dasdreieckige Verhältnis auf Sakuthen" aufs Tapet brachte-

Jnzwischen erlebten die drei Menschen, mit denen man, sich imLöwen" so eingehend beschäftigte, eine große Zeit, die reich an erschütternden, aber auch erhebenden Momenten war.

Für Zupitza war es etwas ganz Wunderbares. Seit seiner frühen Jugend war er ein Einsamer gewesen. Wie sehr ihm die Mitteilung gefehlt hatte, das empfand er erst jetzt- Der rege Gedankenaustausch mit Frau Fränze, diesem besonderen, großen Menschen, machte ihn von Tag zu Tag freier, zuversichtlicher, selbstbewußter und heiterer; der innige Freundschaftsverkehr mit ihr weckte geradezu etwas Sonniges in ihm-

Aber Fränzes Mitarbeiterschaft fand eines Tages eine jähe Störung. Eine Depesche meldete aus Insterburg, daß Klein-Sascha hohes Fieber hatte, und der Arzt fürchtete, es' würde sich eine Infektionskrankheit daraus entwickeln-

Scharlach grassierte diesen Winter in der ganzen Gegend und es trat recht schwer auf- Also fuhr Fränze mit dem nächst erreichbaren Zug zu dem kleinen Patienten-

Nehmen Sie sich meines armen Dieter an", schrieb sie in dem Billet, das sie für den noch auf seiner Tour befindlichen Freund zurückließ-Wenn es nichts Gefähr­liches ist, so bin ich übermorgen wieder in Sakuthen-"

Aber es war eine schwere Täuschung- (Fortsetzung folgt.)

Mkder aus dem Lande der ausgehenden Sonne.

Von Dr. L u d iv i g Rieß.

Nachdruck verboten.

VII. (Schluß der Serie.)

Ein Tag in einer japanischen Häuslichkeit.

Früh aufstehen ist die Regel in jedem japanischen Haushalt im Sommer und Winter. Nur die kleinen Kinder überläßt man dem ihnen fo nötigen Schlaf noch etwas länger, wenn das donner­artige Geräusch des Beiseiteschiebens der Holztüren, die rings uM die Veranda auf allen Seiten des Hauses Nachtluft und Regen ab­gewehrt haben, sie nicht von selbst munter macht. Der jüngste Schößling, der zwischen Vater und Mutter die Nacht verschlafen hat, wird von der Mutter, ohne sich stören zu lassen, auf den Arm genommen und in einer Ecke auf einem für ihn hingebreiteten kleinen Lager seiner Schlafsucht überlassen; ein kleines mit Gaze überspanntes Bambusgestell hält ihm die Fliegen und den Morgen­wind ab, sodaß sich niemand um ihn zu kümmern braucht, bis er sich selbst durch Schreien bemerkbar macht. Für alle übrigen Familienmitglieder und für die Mägde in einem abseits gelegenen engen Gemach besorgt die Großmutter das Wecken, sobald die kleine amerikanische Weckuhr neben zhr das Zeichen gibt oder sie selbst

Schockschwerebrett!" polterte Zupitza-

Erbarmen Sie sich! Wasser!" stöhnte die Fischers- frau. Entsetzt beobachtete sie die seltsamen Vorbereitungen, Die der Arzt in Gemeinschaft mit den fremden Frauen traf- Zupitza hatte einen Zuber mit warmem Wafser gefüllt- Es sollten zunächst die beiden Kleinsten gebadet wcrden-

Ach, liebstes, bestes Frauchen", flehte Frau Kemeneit, wo wird man denn Wasser an die Kinderchen bringen, wo sie so krank sind! Achott, achott!"

Auch die kleinen Patienten selbst stimmten ein Wehe­geschrei an- Kemeneit blickte finster und feindselig drein.

Aber womit abtrocknen?" fragte Fränze plötzlich, nach­dem sie überall herumgesucht und festgestellt hatte, daß die Familie nur ein einziges Handtuch in fragwürdiger Verfassung besaß-Und Leibwäsche und Bettzeug ist auch nicht da! Liebster Freund", wendete sie sich an Zn- pitza,tun Sie mir die Liebe an und fahren Sie schleunigst zu Dieter zurück- Sagen Sie ihm, wie alles hier steht- Malchen weiß, wo die ausrangierte Wäsche liegt- Aus dem Boden stehen auch ein paar eiserne Bettstellen, die wir nicht brauchen - . ."

Zupitza sah vergnügt, wie sie so voller Geschäftigkeit und Sorge für die struppige Gesellschaft war, von deren armseliger Existenz sie vor ein paar Stunden noch gar nichts gewußt hatte-

Ratürlich tu' ich alles, was Sie befehlen, Frau Frünze- Mer nur unter einer Bedingung-"

Ja?" fragte sie, etwas verwirrt von seinem eigen» tümlichen Ausdruck.

Daß ich zu Ihnen Prachtkerl sagen darf!"

Es waren ein paar aufregende Stnnden, Zupitza war mit den Ergebnissen dieser Ausfahrt aber vollauf zu­frieden-

*

Mit diesem Tage begann ein ganz neues Leben für Frau Fränze-

Zupitza schien endlich den rechten Weg gefunden zu haben, aus dem sie wieder in Verbindung mit der Außen­welten bringen war-

Mit einer wahren Passion opferte sie fortan Tem­peramentsmensch der sie war ihre ganze Freiheit dem guten Merk- Nach Tisch, wenn Dieter ruhte und das Bureau geschlossen war, kam sie gut für ein, zwei Stunden ab- Und es blieb nicht bei dem einen s^all, in dem sie mit jhrer werktätigen Hilfe als praktische Hausfrau dem Doktor beisprang- Sie scheute auch die weite, ermüdende Fahrt nach Utzditten nicht trotz Schneegestöber und starrem