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„Aber es ist, unter Umständen sehr — sehr schwer zu tragen.
Sie verschlang die Hände im Schoß.
„Es mag sein", sagte sie still — halb für sich.
Verwundert horchte der Assessor aus. War das seine Cousine Rest Bergmann?
Wie seltsam die Worte geklungen hatten!
„Im klebrigen", sagte er rasch, „red' ich hier vielleicht dummes Zeug. Ich, bin darin eigentlich nicht Freds Vertrauter und ahne das meiste nur. Schließlich kommt's noch heraus, daß die Sache gar nicht so schlimm ist, und ich werde ausgelacht."
Er erhob sich, warf den Rest der Zigarette in den Aschenbecher und wollte adieu sagen.
„Noch eins, Kurt. Kennst Tu denn die — diese unglückliche Liebe von Fred?"
Er schüttelte den Kops.
„Interessiert sie Tich so, Cousinchen?"
„Gewiß. Ich werde mich sehr freuen, wenn ich sie als Freds Braut oder Frau kennen lerne."
Sie hatte sich dabei umgewandt und auf den Knopf der elektrischen Leitung gedrückt. Und als Kurt ihr die Hand gab, nickte sie ihm freundlich zu: „Laß Tich bald einmal Wiedersehen! Nahe genug wohnst Tu ja."
„Mit Wonne, Rest!"
Mit sich selbst sehr zufrieden, trat Kurt Unruh den Heimweg an.
Ob ihn Rest wirklich liebt? dachte er im stillen. Er kam au keinem Resultat. Er glaubte es eher nicht, als doch. Sie hatte interessiert zugehört, aber es war ganz natürlich herausgekommen, als sie nach der Braut gefragt.
„Nein", sprach er zu sich selbst, „da bildet sich der gute Fred doch zu viel ein."
Während er schneller ausschritt, verweilten seine Gedanken noch immer bei der eben erlebten Szene. Und ihm im Ohr lag stets der warme und weiche Klang, mit dem Rest die drei Worte: „Es mag sein", gesprochen.
Ob Fred doch recht hatte, ob in ihr, jedem verborgen, das Gefühl für Höheres, die große Sehnsucht, die tiefe Empfindung lag — kurz, alles das, was sein Vetter als >,himmelblauen Idealismus" bezeichnete?
Es berührte ihn seltsam, als er daran dachte. Tann Paßte Rest ja tatsächlich zu ihm!
Hm!
Resi und seine Frau !
Er lachte leise. Nein, da stand eine im Wege, die noch viel, viel mehr zu ihm stimmt, die seiner Seele Sprache noch reiner sprach.
Er zog mechanisch die Uhr und sah auf das Zifferblatt.
Und dabei sagte er lächelnd: „Viola!"
5. Kapitel.
Genau zwei Tage später, wie er es vorhergesagt, ging Fred Richter „rekognoszieren". Er ioollte selbst sehen, wie Kurt Unruh seine Aufgabe gelöst.
Resi Bergmann saß mit einer Handarbeit in der Laube — in derselben Laube, wo ihm der Gedauke, daß sie ihn liebe, zuerst aufgegangen. Oft genug ließ sie den Stickrahmen sinken und blickte empor in das Spiel der Blätter und den sonnigen Himmel.
Sie reichte ihm die Hand und rückte ein wenig, um ihm Platz zu machen. Aber das Gespräch wollte nicht recht in Gang kommen. Man redete ziemlich gleichgiltig über gemeinsame Bekannte, schließlich sogar über das Wetter, und es fiel nicht ein Wort, das Fred einen Anhaltspunkt gegeben hätte.
Er wurde ganz unruhig darüber und einsilbig. Er wußte nicht, wie er es anfangen sollte, Klarheit zu bekommen. Und ihm war ferner, als ob auch sie, die Resi, etwas im Hinterhalt hätte.
Tas hatte glücklich so eine gute Viertelstunde gedauert. Ta wurde es ihm doch zu dumm. Er war für das forsche Trausgehen sein Leben lang gewesen — wenn er nun einfach auch heute direkt auf das Ziel losmarschierte?
„Resi", sgte er entschlossen, „es ist eigentlich nett, daß ich Tich hier allein treffe. Mir geht was im Kopf herum, was ich gerne mit Tir bespräche."
Sie hielt einen Augenblick in der Arbeit inne.
„Wenn Tu meinst, daß ich Dir Laten und helfen kann,
Fred", erwiderte sie und zog den Faden langsam durchs Gewebe.
„Jedenfalls muß ich 'mal reden. Nimm an, es erleichtert mich oder ich habe sonst Gründe."
Er riß ein Blatt vom wilden Wein und zerrieb eS zwischen den Fingern.
„Was würdest Tu sagen, wenn ich Dir erklärte, daß ich ganz merkwürdig verliebt bin?"
Sie lächelte. „Tas ist Dir öfter passiert, Fred."
„Ja allerdings, aber wenn es diesmal — nun bitterer Ernst wäre?"
Sie beugte sich tiefer auf die Stickerei.
„Tu bist achtundzwanzig Jahre, hast Deine Examina hinter Dir und über kurz oder lang Dein Auskommen als Arzt."
„Wie meinst Tu das?"
„Ich meine, daß man in diesem Falle an die Heirat denkt."
Fred Richter atmete tief aus. Kurt mußte seine Sache gut besorgt haben — Resi sprach ruhig und vernünftig.
„Tazu rätst Du mir?"
Sie zuckte die Achseln.
„Im allgemeinen: ja. Me die Sache im besonderen liegt, weiß ich nicht. Sonst würd' ich vielleicht abraten."
„Oho, und weshalb?"
„Weil Tu noch lange fragst — Du bist doch sonst immer sehr entschieden. Daraus entnehm' ich, daß die Geschichte einen Haken hat."
„Sieh 'mal, wie schlau! Und wenn Tu richtig geschlossen hättest?"
„Tann kommt es auf den Haken an."
„Hm, setzen wir den Fall, die betreffende junge Dame hat kein Geld."
„Geld macht nicht glücklich."
Er lachte. „So reden alle, die es besitzen."
„Nun", sagte sie, „wenn die Tarne Dich wirklich liebt, Fred, wird sie auch ehrlich Tein Geschick leiten und um so weniger Ansprüche erheben, als sie Tir selbst nichts mit». gebracht hat. Wenn sie so ist, wie ich sie für Dich wünsche, ein gutes, liebes Geschöpf, dann heirate unbesorgt. Gar zu schlecht kann es Euch nicht ergehen, denn ich glaube, daß Tu bald eine tüchtige Praxis bekommst. Du bist ein guter Arzt."
„Woher willst Tu denn das wissen, Resi?"
„Ja", sagte sie süß, „die Leute glauben an Dich, weil Tu so — entschieden bist, so bestimmt. Und deshalb magst Du weniger wissen als andere und Du wirst doch ein besserer fein/'
Er schwieg und sah sie an. Ein leichter Zug spielte! mit einer Strähne ihres dunkelblonden Haares.
„Resi!"
„Ja?"
^Wenn nun — das Mädchen, das ich heiraten will —- nehmen wir 'mal an — vielleicht nicht ganz die Bildung hat wie ihr, etwa wie Tu und Fräulein von Wersen?"
„Wer lieb hat, lernt."
„Kann sein. Aber weiter: vielleicht paßt sie auch sonst nicht in unseren Kreis, in gewissen gesellschaftlichen oder sittlichen Anschauungen, meine ich. Und vielleicht verkehrt ihr nicht mit ihr."
Jäh und erschrocken sank die Hand, die den Stickrahmen hielt, nieder. Mit großen Augen sah Resi Bergmann ihren Wetter an.
„O", erwiderte sie, „das ist — böse, dann tust Tu mir — sehr, sehr leid, Fred."
Es klang wie ein Schmerz aus dem, was sie sagte.
„Mit anderen Worten: dann rätst Tu mir, auf Reisen zu gehen oder schleunigst eine andere Jungfrau des Landes I) einten i? en
„Nein", antwortete sie fast schroff. „Da rat' ich gar nichts, das mußt Tu allein mit Dir ausmachen. Wenn Du glaubst, stark genug zu sein, um viele schwere Kämpfe durchzumachen, und wenn Deine Liebe so groß und haltbar ist, daß fte über alles hinwegsieht, dann hast Tu recht, wenn Tu auch dann heiratest."
„Aber Tu würdest nicht wünschen, mit der Dame zu verkehren?"
Sie dachte einen Moment nach.
„Vielleicht nicht, so lange sie ihren jetzigen NameU trägt. Im Augenblicke, wo sie Deine Frau ist, ändert sich.


