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das. Als solche würbe sie meiner allerherzlichsten Teil­nahme und Freundschaft gewiß sein."

Es entstand ein kurzes Schweigen. Tann schüttelte sich Fred Richter und lachte.

Was wir für ein sonderbares Gewebe da zusammen­pinnen! Das war ja eine seltsame Unterhaltung. Aber ch freue mich von Herzen drüber, Resi. Tu bist viel netter, I taktischer und intelligenter, als ich dachte. Wahrhaftig! Bist ein braves und vernünftiges Mädel!"

Ein kurzes Lächeln ging über ihr Gesicht.

Tanke!" sagte sie.Hast Du mich für so dumm ge­halten?"

Tas gerade nicht. Aber für an für anders! Kurz und gut: ich freu' mich über die letzte Viertelstunde. Auch noch aus anderen Gründen."

Nanu?"

Ja. Ich dachte, Tu würdest meine Mitteilungen weniger ruhig und vernünftig aufnehmen."

In demselben Augenblick biß sich Fred Richter auf die Lippen. Es war unüberlegt herausgekommen.

Resi Bergmann war rot geworden.

Wie meinst Tu denn das?" fragte sie seltsam.Was geht denn mich das an?"

Und während er sich, so gut es gehen wollte, heraus­redete, zog sie, bas Haupt sehr tief geneigt, Faden für Faden. Tie eine Bemerkung ließ sie alles ahnen.

Weshalb fürchtete er, daß sie die Nachrrcht nicht so gut ertragen würde?"

Weil er glaubte, sie liebe ihn. Weil er glaubte, er täte ihr weh damit.

Ihr ganzer Stolz bäumte sich auf. Tas sollte er nicht glauben! Tas durfte nicht sein!

(Fortsetzung folgt.)

Paris

(Bois de Boulogne, Ausstellungsviertel, Quartier latin, Ile de la Cit6).

Zweiter französischer Vortrag von Lektor Gvetschy.

Am letzten Freitag setzte Lektor Goetschy, wiederum durch wohlgelungene Lichtbilder unterstützt, in seinem zweiten Vortrag die Schilderung der wichtigsten Sehens­würdigkeiten und des Lebens in Paris fort. Er führte seine zahlreiche Zuhörerschaft zunächst nach dem Bois de Boulogne mit seinen herrlichen, von zahlreichen Booten §Een Seen, bewaldeten Inseln, grünen Rasenflächen, künstlichen Wasserfallen, weiten Rennplätzen, breiten, von stolzen Equipagen durchtrabten Fahrstraßen, lauschigen Fußpfaden und geputzten Menschen. Es ist ein sehr aus­gedehnter Park, in dem der Pariser der vornehmeren und vornehmsten Stadtteile, einmalaus dem Druck von Giebeln und Dächern, aus der Straßen quetschender Enge, der Kirchen ehrwürdiger Nacht" entflohen, nach kurzer Fahrtoder muheloser Wanderung in freier grüner Natur und in harmlosen Freuden Erholung und Erfrischung findet, dem belebten Treiben, das sich dort neben dem glänzenden, von zierlichem Kiosk überragten Wasser­spiegel abspielt, fesselt uns besonders ein vornehmes bildet den Mittelpunkt einer jener Hochzeits-

^sellschaften, die, alter Sitte getreu, nach den Freuden de» Mahles hierhergekommen sind, um zu sehen und gesehen zu werden. Wir kehren zur Stadt zurück, um dem Trocadsro einen Besuch abzustatten, dessen zierliche hohe Mmarets schon von weitem unser Interesse erregen. SwEt?* maurischen Stils, der mit seinem kuppel- ß^bnten Mittelbau, seinen halbkreisförmigen Seiten- Pavillons und seinen schlanken Türmen an6 r, nr*xIajit auf dem steilen Seineufer erhebt,

Museen und einen reichgeschmückten, ^^-^onzerte bestimmten Festsaal, in dem mehr als 6000 U ^uden. ist nebst den es umgebenden

Ä^R°n^Eerbecken, Tierstatuen und Wasserfällen der letzte Rest der Weltausstellung von 1878, während der st^enuber auf dem linken Seineufer im Champ de Mars sich erhebende Eiffelturm an die Aus- stellung des Wahres 1889 erinnert. Diesen 300 Meter ' Hohen Turm, das höchste Bauwerk der Welt, schildert der Vortragende eingehend, um sich dann den schönen Bauten der letzten Weltausstellung, dem Palais des Beaux-Arts, dem deutschen Haus, dem Pont Alexandre III. zuzuwenden.

Erfüllt von schönsten Eindrücken, reich an Grimrerungen und stolz im Gedanken an die großen Erfolge, die gerade unsere Kuirst und unsere Industrie vor drei Jahren aus diesem Boden errungen, verlassen wir das weite, von der Seine durchströmte Ausstellungsgebiet, um dein Redner zunächst nach dem Hotel des Invalides und Dome des Invalides zu folgen. Dieser stolze Bau mit seiner im Sonnenlicht weithin glänzenden vergoldeten Kuppel weckt Erinnerungen ganz anderer Art: er versetzt uns zurück in die Zeit des stolzenSonnenkönigs" und des großen SoldatenkaiserA dessen Gebeine hier ruhen.

Nach Osten wandernd, folgen wir unserein Führer nach dem Quartier latin. Wir durchschreiten die rue de Vaugirard, eine der Hauptverkehrsadern des linken Ufers, und ergötzen uns an dem bunten Gewimmel von Menschen, Wagen, Karren, Käufern und Verkäufern, be­sonders aber an ben singenden, krähenden, kreischenden, pfeifenden oder kröhlenden Rufen, durch welche die Straßenhändler männlichen und weiblichen Geschlechts ihre Waren anpreisen und die Herr Goetschy in geschickter Weise nachahmt. Voilä le plaisir, mes dames, voilä le plaisir, regalez-vous, mes dames! oder Raccommodeur defaiences et de porcelaine! oder Des artichauts! des artichauts! oder A la douce cerise, ä la douce! oder V du cresson, du bon cresson dfontaine pour la saute du corps! oder Mes beaux petits radis roses, un sou la botte! oder Pois verts! La salade! Bonnes pommes de terre, achetez! it. a. trefftu mit getreuer dialektischer Färbung und in ihrem charakteristischen melodischen Tonfall so täuschend an unser Ohr, daß wir einige Augenblicke wirklich im Straßen­gewimmel der Weltstadt zu weilen scheinen.

Bon den Sehenswürdigkeiten des Quartier latin, dieses Stadteils der gelehrten Anstalten, der Studenten, der Schüler, fesseln uns besonderes das Palais du Luxem­bourg, der schmucklose, aber in seiner Einfachheit und stilgerechten Einheitlichkeit doch imposante Palast der Marie von Medici, in dem heute der Senat seine Sitzungen abhält, dann der Jardin du Luxembourg mit seinen schattigen Terrassen, seinen Statuen berühmter französischer Frauen, seiner Fontaine de Mödicis, ferner das Pan­theon, dieser den großen Männern der französiscben Na­tion gewidmete Ruhmestempel mit den Gräbern Mira- beaus, Voltaires,. Rousseaus, Viktor Hugos und und den berühmten, das Leben der heil. Geuovefa und der Jung­frau von Orleans darstellenden Wand- und Deckengemäl­den großer Meister, ivie Puvis de Chavannes und Gros, endlich die Eglise de la Sarbonne mit dem wunder­vollen Grabdenkmal Richelieus.

Nach einer kurzen und treffenden Schilderung des Lebens und Treibens der Pariser Studenten in Vergangen­heit und Gegenivart führte dann der Redner seine Zu­hörer nach dem Mittelpunkt und ältesten Teile von Paris, der Cito. Es ist die untere, größere und belebtere der zwei von der Seine gebildeten Inseln, die Ile de la Eits. Hier stand zu Caesars Zeit die gallische Lutetia, Parisiorum; hier schlugen die Fraukeukönige ihren Wohn­sitz auf; hier wählte auch die Kirche ihren Mittelpunkt. Heute ist die Eits zwar nicht mehr der Mittelpunkt von Paris, aber noch stehen hier die beiden schönsten kirch­lichen Baudenkmäler der Stadt: die Notre-Dame-Kirche und die Sainte-Chapelle, und auf der Stätte des alten Königspalastes erhebt sia) das Palais de Justice. Die Notre-Dame-Kirche strebt zwar nicht so leicht zum Him­mel empor wie das Straßburger Münster und der Kölner Dom,diese steinernen Andachtsstrahlen mittelalterlichen Gottvertrauens"; doch hat sie vor diesen Baudenkmälern den großen Vorzug, sich freier, unbeengter, beherrschender aus ihrer Umgebung zu erheben; hier stört nicht die be­drückende Nähe unscheinbarer und hausbackener Wohn­häuser wie in Straßburg, nicht das Pfeifen der Lokomo­tive und das Rennen und Hasten prosaischen Bahnhof­treibens wie in Köln; der Gegenwart des Alltagstreibens entrückt, werden wir nicht gestört im erhebenden An­schauen dieses durch Baukunst und Vergangenheit gleich ehrwürdigen Gotteshauses. Den gewaltigsten Eiudrua macht die Kirche besonders, wenn man sich ihr im Dampf­boot, von der Pont d'Austerlitz kommend, nähert: sie ragt dann besonders frei, fast unmittelbar aus dem Seine­spiegel auftauchend, majestätisch zum Himmel empor, um­rahmt von den Armen des Flusses und in gemessenem