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noch einmal. Was das war, wußte ich natürlich, denn ich habe das Zifferblatt meiner Uhr auch mit Leuchtfarbe bemalen lassen; das ersetzt in gewissem Maße eine Laterne, wenn man keine andere anwenden kann. Aber diese Leute gebrauchten ihre Uhren nicht als Laternen. Sie standen unter dem Fenster der alten Dame und paßten die Zeit ab. Tie ganze Geschichte war mit dem Helfershelfer int Hanse abgekartet. Der beste Diebsfänger ist ein Dieb; und so war es auch hier, denn ich durchschaute sofort den ganzen Plan und hatte recht, >vie sich herausstellte."
„Und Du tatest nichts?" rief ich aus.
„Im Gegenteil — ich ging hinunter und geradewegs in Lady Melroses Zimmer . . . ."
„Was?"
„Ohne mich einen Augenblick zu besiunen. Um ihre Juwelen zu retten. Nötigenfalls wollte ich ihr so laut ins Höhrrohr schreien, daß das ganze Haus erwacht wäre, aber die alte Dame ist zu taub und ißt zu gern etwas gutes, als daß sie so leicht zu erwecken wäre."
„Nun — weiter?"
„Sie rührte sich nicht."
„Und doch hast Du zugelassen, daß die Gewerbsmäßigen, wie Du sie nennst, Juwelen, Kästchen und alles stahlen?"
„Alles, außer diesem hier", antwortete Raffles, indem er mir seine geschlossene Hand auf den Schoß legte. '„Ich hätte es Dir schon früher gezeigt, aber wirklich, alter Kerl, das Gesicht, das Du den ganzen Tag schnittest, war ein vermögen für unsere Firma wert."
Bei diesen Worten öffnete er seine Faust, um sie sofort wieder über dem Häuflern von Diamanten und Perlen zu schließen, das ich zuletzt am Halse der Lady Melrose gesehen hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Einsegnungszeit und Mode.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Schnittmuster-Abteilung der „Deutschen Moden-Zcitung", Leipzig, Markgrafcnstr. 4.
Preis der reichillustriertcn Konfirinandinnen-Nummcr 25 Pfg.
Scheint es auch auf den ersten Blick, als habe eine kirchliche Handlung tote die der Einsegnung nichts mit der Mode zu tun, so zeigt sichs doch bei näherer Betrachtung, daß bei der Einsegnung, die den Schritt aus der Kindheit in die Jugend, ja sehr oft den Schritt aus dem Elternhause in das Leben bedeutet, auch- die Aeußerlichkeiten nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.
Je früher man aber die Aeußerlichkeiten beherrscht, um so weniger vermögen sie es, uns in ernsten Augenblicken abzulenken von dem Hohen, Wichtigsten des Lebens. Daher wagen wir es auch, die weihevolle Zeit der Einsegnung in Verbindung zu bringen mit Kleider- und Modefragen.
Wo ein Kind des Hauses eingesegnet werden soll, giebt es für die Mutter Arbeit in Hülle und Fülle: glückliche Arbeit, denn voll wird ihr Herz sein von Freude und Dank- barkeit, daß sie jetzt nahe daran ist, eines ihrer Kinder in den Krers der Erwachsenen einzuführen.
Die chr obliegende Arbeit bedarf längerer Zeit der Vorbereitung, erstreckt sie sich doch meistenteils nicht nur auf gründliche Instandsetzung und Erneuerung der Kletdüng des einzusegnenden Kindes, sondern beanspruchen doch auch dre Geschwister ein festlich Gewand zu dein Feiertage, und will sie selbst nicht minder durch würdiges Aussehen das Fest ehren. Denn an diesem Tage sind die Augen der
Freutrde und Verwandten auf die Ihren gerichtet; da kommen alle, ihrerseits mit guten Anzügen, neuen Frühlings-Besuchstoiletten angetan, um Glück zu wünschen, und auch sie beweisen durch ihre äußere Erscheinung, daß sie den Eltern des Einsegnungskindes Ehre erweisen wollen.
Es hat sich der Brauch herausgebildet, daß die Mädchen evangelischen Bekenntnisses in schwarzen Kleidern, man macht solche natürlich in Nebereinstimmung der herrschenden Mode, zur Einsegnung gehen; ein Weißes Streifchen am Halse, das Taschentuch, in einigen Ortschaften ein Blumenstrauß geben einige lichte Punkte in das ernste Bild, denen sich oft noch der diskrete Glanz eines Goldkreuzchens oder einer feinen Brosche — die Gabe lieber Verwandten — gesellt. Das Haar bleibt unbedeckt, wer Zöpfe trägt, bindet ein schwarzes Band hinein. Das Kleid hat einen die (Stbe berührenden Rock, es ist meist das erste lange Kleid. Ist die Witterung-kühl, die Kirche nicht geheizt, so trägt die Konfirmandin eine schwarze Jacke, die man moderch aber nicht auffällig wählt und so, daß das junge Mädchen später notf)' Nutzen davon hat.
Die jungen Mädchen katholischen Glaubens tragen sich meist in Weiß. Die zur Einsegnung schreitenden jungen Leute haben einfache schwarze oder doch dunkele Jackenanzüge, saubere Wäsche und einen schwarzen Filzhut, der früher übliche Cylinder, in diesem Falle eine wahre Angströhre, ist glücklich überwunden.
Was nun die Wahl der Stoffe anbelangt, so nimmt man für die schwarzen Konfirmandenanzüge glatte oder in sich gemusterte Stoffe, neuerdings werden aber auch solche mit Musterchen in dem glänzenden Charakter der Mohairstoffe und diese selbst gern verarbeitet. Und wir stimmen diesen weniger stumpf und traurig aussehenden Stoffen auch gern bei, in Berücksichtigung darauf, daß ein schwarzes Kleid lange getragen werden und nicht immer nur ernsten Zwecken dienen soll. An glatten Stoffen sind Kreppcheviot, Cheviot, Kaschmir und Kammgarn die gängigsten.
Unter den g e m u st e r t e n S t o f f e n werden besonders empfohlen Suleika, ein glattes Gewebe mit glänzenden krausen Streifen durchzogen, Seraphine, Heroica und Thekla mit erhaben aufliegenden Blumen- und Ranken- musteru überstreut, Dido mit zierlichem regelmäßigem Muster, Valdivia mit Ripsgrund und stabähnlichen kleinen Mustern besät, und Mercedes mit kleinen Blatt- mustern.
Wer ein Sammetkleid arbeiten will, dem sei Kronensammet bestens empfohlen. Nimmt man Sammet zu Besatzzwecken, so tut man gut, Seidensammct zu verwenden. Als Garnitur wird gern Seide genommen, und zwar sind Taffet, Merveilleux und Armure die am meisten bevorzugten.
An weißen Stoffen für Kommunikantiuncn werden vorwiegend glatte, wie Kaschmir, Serge, feinsädiger Cheviot, Covercoat, Krepp und Wollbatist verarbeitet, greift man zu gemusterten Sachen, so wählt man Stoffe mit kleinen, unscheinbaren Müsterchen in Wolle, solche mit Seiden- essekten läßt man für ein Einsegnungskleid unberücksichtigt.
Tie Eltern der Einzusegnenden, welche nebst den größeren Geschwistern mit zur Kirche gehen, kleiden sich gleichfalls schwarz, die Kinderchen festlich aber doch ruhig, wie der Ernst des Tages es gebietet; meist nehmen die erwachsenen Familienmitglieder am heiligen Abendmahl teil.


