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He nichts mehr anging feine Schneeflocken fielen darauf; schließlich verschwand sie hinter dem Dor.

Auf dem Hofe blieb der Händler mit den alten Sachen zurück. Er schlug den großen Kragen seines langen Mantels auf, schob den eben gekauften Schirm unter den Arm, wickelte die von der Kälte geröteten Hände in die Weste ein und rief:

Alte Sachen, kaufe alte Sachen!"

Ach rief ihn.

Haben Ew. Wohlgeboren etwas zu verkaufen?" fragte er, als er eintrat.

Nein, ich möchte Ihnen etwas abkaufen."

Wahrscheinlich wollen Ew. Wohlgeboren den Schirm haben", entgegnete der Jude.

Er warf die Weste auf den Boden, schüttelte den Schnee vom Kragen und begann mit großem Eifer den Schirm zu öffnen.

Ein feines Stück!" sagte er.Bei solchem Schnee ist nur solch ein Schirm zu gebrauchen. Ich weiß, daß Ew. Wohlgeboren einen Schirm ganz von Seide haben können, sogar zwei. Mer das ist gut für den Sommer!"

Was wollen Sie für die Weste?" fragte ich

Was für eine Weste?" entgegnete er erstaunt, wahr­scheinlich an seine eigene denkend.

Aber bald besann er sich und hob rasch die am Boden liegende auf.

Für diese Weste? Fragen Ew. Wohlgeboren nach dieser Weste?"

Dann schien ein Verdacht in ihm aufzusteigen, und er fragte:

Was will der Herr mit solch einer Weste?"

Wieviel verlangen Sie dafür?"

Seine gelben Augäpfel erglänzten, die Spitze der langen Nase wurde noch röter.

Der geehrte Herr werden einen Rubel geben!" ent­gegnete er, indem er die Ware so vor mir ausbreitete, daß alle ihre Vorzüge zu sehen waren.

//Ich gebe einen halben Rubel."

Einen halben Rubel? Für solch einen Anzug? Das ist unmöglich!" sprach der Händler.

Keinen Groschen mehr."

Bleiben Sie gesund und "scherzen Sie, so viel Sie wollen!" sagte er, mich vertraulich auf die Schulter klopfend. Sie wissen ja selbst, mein Herr, was solch eine Sache wert ist. Das ist doch kein Anzug für ein kleines Kind, sondern für eine erwachsene Person."

Na, wenn Sie die Weste nicht für einen halben Rubel geben können, dann entfernen Sie sich, Ich gebe nicht mehr."

Werden Sie nur nicht böse!" unterbrach er mich und wurde weicher.Bei meinem Gewissen, für einen halben Rubel kann ich sie nicht hergeben aber ich verlasse mich auf Ihren Verstand. Mag der Herr selbst sagen, was die Weste wert ist, und ich werde darauf eingehen!"

.Die Weste ist 25 Kopeken wert, und ich gebe Ihnen einen halben Rubel."

Einen halben Rubel? Meinetwegen!" seufzte er und packte mir die Weste in die Hände.Ich verliere, aber auch gut, wenn ich heute bei diesem Wetter nicht mehr auszurufen brauche."

Als ich das Geld hervorholen tvollte, schien der Händler sich an etwas erinnert zu haben, riß mir die Weste noch einmal aus der Hand, und begann schnell in den Taschen derselben nachzusuchen.

Was suchen Sie da?"

Vielleicht habe ich etwas in der Tasche gelassen, ich weiß es nicht genau!" entgegnete er mit dem natürlichsten Ton. Dann gab er mir den erstandenen Gegenstand wieder und fügte hinzu:Legen Sie wenigstens fünf Kopeken zu!"

Leben Sie wohl!" sagte ich und öffnete die Tür.

Nach einigen Minuten rief er wieder auf dem Hofe: Kaufe alte Sachen!" und als ich ans Fenster trat, grüßte er mich, und lächelte freundschaftlich.---

Es begann so stark zu schneien, daß es fast dunkel wurde. Ich legte die Weste auf den Tisch und begann zu träumen, bald von der Frau, die zum Tore hinausgegangen war, bald von der Wohnung, die neben der meinigen leer dastand, und von dem Eigentümer der Weste, über dessen Grab eine immer dichtere Schneejchicht heranwuchs.

Es sind noch keine drei Monate her, als ich hörte, wie fie sich an einem heiteren Septembertage unterhielten. Im

Mai summten sie sogar em Lied er lachte, als er em Witzblatt las. Und heute--

Anfang April waren sie in unser Haus gezogen. Sie standen ziemlich früh auf, tranken Tee aus einem blechernen Samowar und gingen zusammen in die Stadt. Sie um Stunden zu geben, er ins Bureau. Er war ein kleiner Beamter, der zu seinen Vorgesetzten mit solcher Bewunder­ung emporblickte, wie ein Reisender auf das Tatragebirge. Dafür mußte er viel arbeiten den ganzen Tag. Ich sah ihn sogar um Mitternacht bei der Lampe über den Tisch gebeugt. Seine Frau saß gewöhnlich neben ihm und nähte. Manchmal sah sie ihn an, unterbrach die Arbeit und sagte:

Es wird für heute gung sein, leg' Dich schlafen." Und wann wirst Du schlafen gehen?"

Ich will nur noch ein paar Stiche nähen."

Na, dann werde ich noch ein paar Zeilen schreiben."

Soviel ich mich erinnere, war die Frau viel schlanker als der Mann, der für einen so kleinen Beamten von ganz kräftigem Wüchse war. Jeden Sonntag mittag gingen sie untergefaßt spazieren und kamen spät abends wieder. Mittag aßen sie in der Stadt. '

Einmal begegnete ich ihnen an dem Dor, das den bota­nischen Garten von dem Park trennt.

Sie hatten siih zwei Becher des vortrefflichen Quell­wassers und zwei, große Pfefferkuchen spendiert; dabei hatten ihre Gesichter den ruhigen Ausdruck der Spießbürger, die gewohnt sind, warmen Schinken und Meerrettig zu essen und Tee dazu zu trinken.

Im Juli erkältete sich der Ehemann, aber es war nicht schlimm. Seltsamerweise bekam er in derselben Zeit einen so starken Blutsturz, daß er ohne Bewußtsein blieb. Es war in der Nacht passiert. Nachdem die Frau ihn in die Betten eingehüllt hatte, ließ sie die Portierfrau ins Zimmer kommen und lief selber, einen Arzt zu holen. Bei fünf Merzten war sie vergeblich, schließlich griff sie zufällig einen auf der Straße auf.

Als der Ärzt sie bei dem flackernden Laternenlicht be­trachtete, hielt er es vor allem nötig, sie zu beruhigen. Da sie von Zeit zu Zeit taumelte jedenfalls vor Müdig­keit und da keine Droschke zu sehen war, so reichte er ihr die Hand und erklärte ihr, daß ein Blutsturz noch nichts beweise.

Es kann eine Kehlen-, Magen- oder Nasenblutung sein; Lungenblutungen kämen seltener vor. Uebrigens, toemt ein Mensch immer gesund gewesen und niemals hustete

O nur manchmal", flüsterte die Frau und blieb stehen, um Atem zu schöpfen.

Das hat nichts zu sagen. Es kann ein leichter Luft- röhrenkatarrh sein."

So es ist ein Katarrh!" wiederholte die Frau nun­mehr laut.

Hatte er niemals eine Lungenentzündung?"

Doch!" entgegnete sie und blieb wieder stehen. Ihre Füße begannen zu zittern

Der Arzt weckte den Kranken vorsichtig, untersuchte ihn und sagte auch, es habe nichts zu bedeuten.

Ich meinte gleich, es sei nichts!" sagte der Kranke.

Es ist nichts", erwiderte die Frau und drückte seine schweißbedeckten Hände.Ich weiß doch, daß es Magen- und Nasenblutungen gibt. Nicht wahr, Herr Doktor, er muh Bewegung haben?"

Ja, ja! Bewegung ist überhaupt gut, aber Ihr Gatte muß einige Tage im Bett bleiben. Kann er aufs Land fahren?"

Das geht nicht", flüsterte die Frau traurig.

Das tut nichts. Dann bleibt er in der Stadt. Ich werde ihn besuchen; vorläufig kann er liegen und aus­ruhen. Sollte der Blutsturz sich jedoch wiederholen" fügte der Arzt hinzu

Was dann, Herr Doktor?" fragte die Frau und lvurde bleich wie Wachs.

Gar nichts. Ihr Mann wird ausruhen, es wird heilen."

Die Worte des Arztes hatten die Frau so beruhigt, daß sie nach der Angst, die sie seit einigen Stunden aus­gestanden hatte, beinahe heiter wurde.

Es ist doch nicht so schlimm!" sagte sie, halb lachend, halb weinend. Sie kniete am Bett des Kranken nieder und begann seine Hand zu küssen.

Was ist da schlimmes!" wiederholte der Gatte leis« und lächelte.