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stand ist das einzige Ereignis, das von außen her die Zirkel des Lübeck-Buddenbrookschen Stilllebens ein wenig stört. Tes Konsuls Schwiegervater nämlich, ein stolzer „ä la mode-Kavalier", stirbt an zurückgetretener Wut über die unerhörte Anmaßung der Kanaille. — Und weiter geht der eintönige Kreislauf von Firma und Familie, in Geburten und Heiraten, Krankheiten und Todesfällen. Auch der Konsul stirbt, und Thomas wird alleiniger Chef. Er leitet das Haus mit klugen Ideen, gewandt und energisch, aber ohne Glück. Tie Last der alltäglichen Sorgen zerrüttet seine Gesundheit. Bruder Christian ist zu nichts zu gebrauchen ; vielleicht, daß ein Künstler an ihm verdorben fit; denn er hat originelle Einfälle, Empfänglichkeit für das Schöne und einen genialen Witz; in seinem Patrizierwinkel aber nimmt er sich nur liederlich und albern aus. Die Damen der Familie vertreiben sich die Zeit mit frommen „Jerusalems-Abenden" oder halten wöchentlich den „Kindertag" ab, auf dem ältliche Kousinen mit spitzer Zunge ihren Klatsch verbreiten. Frau Tony, geschiedene Grünlich, heiratet abermals, und zwar einen braven Münchener Hopfenhändler. Aber es ist wieder nicht die wahre Liebe. Für ihre norddeutsche Feinheit fehlt es dem biderben Gatten am rechten Verständnis. Eine seiner fürchterlichsten Grobheiten raubt ihr den letzten Rest von Achtung. Abermals rettet sie sich nach Hause und widmet sich notgedrungen der ausschließlichen Erziehung ihres Töchterchens. — Die Merkmale des Niederganges werden immer häufiger und unverkennbarer. Im Geschäft mehren sich die Verluste; allmählich schwindet auch das Ansehen der Firma unter den Freunden unld. Konkurrenten. Die Wahl des Chefs zum Senator, ein Gründungs-Jubiläum wirken nur noch äußerlich glänzend; als Mensch ist Thomas Buddenbrook bereits gebrochen. Seine Unternehmungen bleiben nicht ohne Makel, er wird griesgrämig und eifersüchtig auf seine Gattin, weltschmerzliche Grübeleien drängen sich ihm auf, und, was ihn am meisten bedrückt, sein kleiner Sohn Hanno erscheint m jeder Beziehung lebensuntauglich; ganz verinnerlicht und überfeinert, wird dieser Träumer weder die Firma noch die Familie jemals würdig vertreten. — Nach des Senators höchst jammervollem Tode löst alles sich in Trümmer auf. Ter Rest des Vermögens wird zerstückelt, die Firma gelöscht, das väterliche Haus verkauft, und Hanno, der letzte männliche Buddenbrook, aufgerieben von den Aengften und Härten der Schule, fällt dem Typhus zum Opfer.
Es ist klar, daß solch armselige, öde Geschehnisse des Alltags mit ihren vielfachen Wiederholungen nur dann fesseln können, wenn ein Künstler sie darstellt, der über und zugleich tief in ihnen lebt. Eine vornehme, liebevolle, liebenswerte Persönlichkeit mußte das trübselige Ge- wunmel durchdringen, um es reizvoll zu machen. Thomas Mann hatte hie rechten Augen, das rechte Herz, die rechte Sprache dafür. Zunächst beobachtet er mit unermüdlichem Fleiße; je unscheinbarer die Züge, desto bezeichnender werden sie ihm. Tie Linien des lokalen Hintergrundes, die von den sogenannten Heimatkünstlern gern dick und ohne Perspektive aufgetragen werden, die Stimmung der deutschen, der lübeckischen Heimat zeichnet er klar, doch stets diskret; sie verstehen sich für ihn selbst, Mel wichtiger- sind ihm die Seelen der Menschen und ihre Beziehungen zu ewigen Gesetzen, zu den Rätseln von Werden und Vergehen. An die zehn Sterbefälle werden erzählt und vielfach ausführlich geschildert: jeder ist von neuem erschütternd. Tod bedeutet hier überall Erlösung, das Sterben dagegen mit all seinen Aengften und Qualen den Gipfel des Grauenvollen in unserem Leben. Tie Art, wie Thomas Mann den Verlauf von körperlichen Leiden darstellt und deren Rückwirkung auf das Gemüt — in dürren Worten, die gleichwohl vor Entsetzen heimlich sich zu winden scheinen — zeugt für die Intensität seines Empfindens ebenso wie für die Biegsamkeit seines Stils. Tie Menschen charakterisiert er nicht sowohl durch Analyse ihrer Natur oder ihrer Willensimpulse als vielmehr induktiv durch eine Reihe immer markanterer Einzelzüge, etwa kleiner Tagesbedürf- nrsfe, Angewohnheiten, stereotyper Redensarten, derart, daß anch der Blick des Lesers von außen her allmählich immer nach innen dringt. Nur bei der komplizierten Seele des klemen Hanno arbeitet Thomas Mann mit allen verfügbaren Mitteln und erweist sich darin als ein Psychologe ersten Ranges. ... (Aus dem Lit. Echofi
vermischtes»
- Ein Zigarrensammler. Ein richtiger Sammler kennt keine Grenzen. Der „Gaulois" erzählt von einem, der Zigarren und Zigaretten berühmter Personen gesammelt hat; er besitzt über 100, die numeriert und etikettiert sind. Darunter befindet sich eine außergewöhnlich schwere Havana, die einem englischen General gehörte, eine anders von Sir Alfred Laurier, eine dritte von Don Carlos, dem König voil Portugal, die er einem Freunde des Sammlers anbot, eine vierte vom General Mercier aus der Zeit des Treyfuspvozesses in Rennes. Eine andere stammt aus der Schachtel des englischen Finanzmannes Leopold de Roth^ schild, zwei vom Scharfrichter Billington, eine gehörte einem jungen Manne aus vornehmer Familie, der mehrere Personen in Australien getötet hat und schließlich in einem Irrenhaus endete. Tie Nummern 8—14 der Sammlung sind Hamburger Zigarren, die den deutschen Offizieren, die zur Beisetzung der Königin Viktoria nach London gekommen waren, angeboten worden waren. In dieser Samm- lung, meint der „Gaulois" dazu, fehlt noch die Zigarre von Sokrates oder Cäsar. Tas mögen sich die Fabrikanten unechter Tiaren gesagt sein lassen.
Literarisches.
„E w i g a l l e i n i st d e r W e ch s e l." Auf nichts paßt dieser Ausspruch besser als auf die Mode, die "uralte, ewig junge Tyrannin des Menschengeschlechtes. Keine Dame, kleide sie sich auch noch so einfach, kann sich, ohne auf- ^ufallen, den Launen von Frau Mode ganz entziehen, eine jede ist in gewissem Grade ihr unterworfen und untertan, und eine jede beschäftigt sich mit derFrage: „Was ist jetzt Mode?" Diese Frage in einer Weise zu beantworten, die den Ansprüchen der sich einfach anziehenden Hausfrau entspricht und auch den Wünschen der eleganten Weltdame gerecht wird, bezweckt „Dies Blatt gehört de"r Hausfrau!^ Zeitschrift für die Angelegenheiten des Haushaltes, sowie für Mode, Kindergarderobe, Wäsche und Handarbeiten mit den Monatsbeilagen: „Das Blatt der jungen Mädchen", „Das Blatt der Kinder", Schnittmusterbogen, Handarbeitert und Kunstbeilagen. Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin! SW. 13, Neuenburgerstr. 14a. Preis vierteljährlich 1.75 Mark. Einzelheft 15 Pfg. Wenn man das neueste Heft mit seinem reich illustrierten Modenteil durchsieht, must man si.ch sagen, daß diese Aufgabe in glänzender Weise gelöst ist. Neben einfachen Sommerkleidern und Straßenkostümen, für die auf dem beigelegten Schnittmusterbogen die Schnitte zu finden sind- sehen wir da wunderhübsche und elegante Modelle, die neben ihrer ausfallenden Eigenart noch den Vorzug haben, auch in einfachen Stoffarten nachgearbeitet werden zu können, ohne an ihrer Schönheit einzubüßen. Selbstverständlich läßt „Dies Blatt gehört der Hausfiau!" auch die moderne Moderichtung der Reform-' kleidung nicht aus den Augen. Gerade die neueste Nummer bringt einige Reformkleider, die, obzwar sie von Künstlerhand entworfen sind, doch nicht zu den sogenannten Künstlerkleidern gehören, sondern praktische, wirklich zum Tragen im Haus und auf der Straße geeignete Anzüge darstellen. „Dies Blatt gehört der Hausfiau!" ist auch ein Familienblatt, das auch reichhaltige Beiträge über Kindererziehung und Gesundheitspflege, Winke für Haus- und Zimmergarten, sowie für Küche und Keller bringt und in seinem illustrierten Teil den Tagesereignissen seine Aufmerksamkeit schenkt.
a.
Es sind 6 Wörter zu suchen von der Bedeutung unter a. Voll jedem dieser Wörter ist durch Voransetzung eines passenden Buchstabens ein anderes Wort zu bilden, dessen Bedeutung unter b angegeben ist. Die vorangesetzten Buchstaben, also die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b, bezeichnen im Zusammenhang eine Wissenschaft.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Hüte dich, dich selbst zu preisen.
Akrostichon.
(Nachdruck verboten.) b.
1. Altes Maß,
Stadt in Hannover
2. Spielkarte
Empfindung
3. Erdschicht
Prophet
4. Teil des Baums
Teil des Schiffes
5. Altnordische Göttin
Land in Afien
6. Schmackhafter Fisch
Symbolischer Schmuck
Redaktion: August Göb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Vuch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


