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Ihm gegenüber lag einer ohne Hände und Füße, ein Löffel war ihm an den rechten Armstumpf gebunden. Zwei hatten gerade eine Kautschukflasche von der Zeltstange herunter- genommen und gossen daraus in eine Blechtasse.
Gerade vor ihnen lag auf Händen und Knien ein dunkler Mann mit einem langen, verfitzten Bart nnd mit Augen, die in eigentümlichen Glanze funkelten. Er war mit einem schmutzigen, zerrissenen Schlafrock bekleidet und trug einen kleinen roten Fez auf dem Kopfe. Als er Col- well sah, erhob er sich ein wenig und setzte sich eine Brille auf.
Ter Leutnant ergriff seine Hand und fragte ihn, ob er Greeley sei.
„Ja", antwortete er mit schwacher Stimme, abgebrochen und schleppend, „ja — sieben von uns übrig — hier find wir — sterbend — wie Männer. Getan, was zu tun — ich ausgeschickt war — gebt mir das beste Zeugnis."
Tann fiel er erschöpft zurück.
Es war eine rührende Szene, als Colwell den Unglücklichen ein paar Stückchen Speise und abwechselnd ein wenig Pemmikan auf einer Messerspitze gab. Sie konnten nicht stehen, sondern lagen auf den Knien, streckten die Hände empor und baten um mehr; aber man war so vernünftig, ihnen dies abzuschlagen.
Als Greeley merkte, daß er keinen Penrmikan mehr erhielt, griff er nach einer Büchse lnit Absud von Seehundshaut; dies, sagte er, dürfe er verzehren, da es ihm selbst gehöre. Man nahm ihm die Büchse fort; aber als Eolwell damit beschäftigt war, die umgefallene Zeltstange wieder aufznrichten, hatten sie die halbgeleerte Pemmikanbüchse ergriffen und kratzten sie leer.
Ihr Haus hatten sie im Mai, als der Schnee aufzutauen begann und das Wasser durch das Dach drang, verlassen müssen und ihre Zuflucht zum Zelte genommen. Fünfzig Schritte vom Zelte waren zehn Tote begraben. Einer, der vor einigen Tagen gestorben war, lag unbegraben am Fuße des Landrückens. Bier waren am Strande niedergelegt und von den Wellen ins Meer gespült worden. Der erschossene Soldat lag auf einer Schneewehe in der Nähe des Zeltes.
Als man die Leichen zur Konservierung während der Heimreise mit Alkohol präparieren wollte, fand man, daß von sechsen das Fleisch teilweise abgeschnitten war!
Tie Schrecken und Leiden der letzten drei Wochen brauchen nicht geschildert zu werden, sagt Schley; wenn ihre Geschichte je erzählt werden wird, mag es Von den Ueberlebenden selbst geschehen.
Vermischtes.
* Alkoholismus und Geisteskrankheiten. Auf dein in diesen Tagen in Bremen stattgehabten internationalen Kongreß gegen den Alkoholismus ist naturgemäß auch des Zusammenhangs der Trunksucht mit den Geisteskrankheiten gedacht worden. Auch bei der jüngsten Besprechung der Alkoholfrage im preußischen Abgeordnetenhause berührte beim Etatstitel „Medizinalwesen" der Kultusminister Studt die Zunahme des Prozentsatzes der durch übermäßigen Genuß des Alkohols geisteskrank gewordenen Personen; er erklärte, daß das Bild, welches in dieser Hinsicht die Zukunft der Deutschen Nation biete, nicht düster genug geschildert werden könne. Zahlen gab der Minister für diese Zunahme nicht an, und es ist daher von Interesse, aus der Statistik einer großen Irrenanstalt nachzuweisen, daß die Annahme, daß Sie' alkoholischen Geisteskrankheiten zunehmen, tatsächlich zutrifft. So läßt sich aus den Mitteilungen der Irrenanstalt Frankfurt a. M. entnehmen, daß daselbst der Anteil der auf alkoholischer Grundlage Geistesgestörten im Verhältnis zur Gesamt-Aufnahme in den letzten zehn Jahren nnt ungefähr das dreifache gestiegen ist. Im Jahre 1892 betrug bei den Männern der Gesamtprozentsatz IO1/2 Prozent, im Jahre 1896 18,3 Prozent, im Jahre 1899 28 Prozent. Selbst, wenn man annimmt, daß ein Teil dieser gesteigerten Aufnahme von Alkoholikern äußerlichen Umständen zuzuschreiben ist, wie der erleichterten Aufnahme, der häufigen Ueberweisung feitens anderer Krankenhäuser, so ergiebt sich doch aus diesen Zahlen, daß die Trunksucht unter der Bevölkerung in erheblichem Maße zugenommen hat. Die meisten der aufgenommenen Trinker standen int Alter von 40—50
Jahren, also in einem Mer, kn welchem der Höhepunkt >er Schaffenskraft gemeiniglich noch nicht überschritten zu ein pflegt. Unter den Fällen von Alkoholvergiftung fan-i den sich namentlich Bierfahrer, Wirte, die ihr Beruf in nähere Berührung mit dem Alkohol bringt, doch auch Handwerker, Taglöhner, Maurer, Hausierer, überhaupt Arbeite« aller Art. Die Direktion der Anstalt machte die bemerkenswerte Wahrnehmung, daß die Erkrankten auch! bet längerer Behandlung gern den Alkohol völlig entbehrten und keinen Drang darnach zeigten, sodaß der Mißbrauch wohl auf die zunehmeuden Trinksitten des öffentlichen Lebens zurückgeführt werden darf, die schwer krankhaften' Folgen allerdings auch vielfach auf ungenügende Ernährung infolge schlechten Verdienstes.
Literarisches.
— MartinGreifs Name erwirbt sich in den Kreisen der vornehm gebildeten Welt unaufhörlich neue Freunde. Allenthalben zählt er innige Verehrer seiner Muse, wie er es verdient. In seinen Dichtungen finden sich nicht nur verstreut wahre Perlen echten deutschen dichterischen Schaffens, es schließen sich vielmehr ganze Reihen solcher aneinander, die ein keusch und klar empfindendes Herz tief freudig erregen, wie es besonders in seinen Natur- und Stimmungsbildern der Fall ist, welche in unzähligen Gemütern verwandte Töne, die bislang noch unbewußt, nur geahnt schlummerten, erwecken. Als Krone der Greifschett Werke bringt die C. F. Amelangsche Verlagsbuchhandlung in Leipzig „Neue Lieder und Mären", die für die gebildete Welt eine nicht genug hochzuschätzende Darbietung sind.
El.... e K.
— Tie Frage, wo und wann das höchst organisierte Lebewesen in Gegensatz zu seinen körperlich fast gleich gestalteten, aber heute geistig weit unter ihm stehenden tierischen Verwandten getreten ist, beginnt Prof. Klaatsch in den jetzt zur Ausgabe gelangten Lieferungen 29 und 30 von „Weltall und Menschhei t" Geschichte der Er- forschung der Natur und der Verwertung der Naturkräfte, im Dienste der Völker (Deutsches Berlagshaus Bong u. Co., Berlin, 100 Lieferungen ä 60 Pfg.) zu erörtern. Ter ausgezeichnete Anthropolog hat damit ein Gebiet betreten, das die schwierigste Materie innerhalb der vorgeschichtlichen Forschung bezw. der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechtes darstellt. Er bietet in dem neuen Abschnitt eine Fülle wertvoller Anregungen für Gelehrte und Laien und tritt in der namentlich von Häckel verteidigten Frage der unmittelbaren Abstammung des Menschen vom Affen mit bis an' Schroffheit grenzenden Fret- mut als scharfer Gegner der Lehre des Jenenser Gelehrten aus. Klaatsch bekämpft, nicht zuletzt unter Anführung von anatomischen Gründen, die Hypothese, daß das Menschengeschlecht etwa eilte höhere Entwicklungsstufe der noch setzt in wenigen Gattungen lebenden sogen. Menschenaffen, tote Orang oder Schimpanse sei, und tritt dafür nut großer Wärme für die Theorie ein — um unanfechtbare Beweise kann es sich bei derartigen Fragen begreiflicherweise nicht handeln —, daß zwischen Affe und Mensch lediglich eilte nahe anatomische Verwandtschaft bestehe, die auf eine gemeinsame Vorfahrenform zurückzuführen sei. Mr hatten demnach int Affen nicht unseren Urahnen, sondern etwa eine Art degenerierter Vettern zu erblicken, d. h. auf einer tierischen Vorstufe stehen gebliebene oder wieder dahm zu- rückgesnnkene menschenähnlich organisierte Msen.
Buchstabenrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Wer aus N gekommen, Hat uns Heil gebracht, Hat dem Tod genommen Seine Schreckensnacht.
Wer ins L gekommen, Leidet ird'sche Pein, Hofft zu Nutz und Frommen Bald erlöst zu sein.
(Auslösung in nächster Nummer.)
Austösung des Gleichklangs in vor. Nr.r
Versehen. __
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Terlaa der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Eteindruckerei tVietsch Erben) in Gießen.


