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Uttb dennoch wundert es mich. Saß Sie nicht außer Landes gingen; einem Manne stehen doch so viele Berufsarten offen. Wenn ich ein Mann wäre, ich glaube dann ginge ich nach Afrika."
„Auch ich hätte dies allem anderen vorgezogen, allein ich habe Jemand, für den ich sorgen muß."
„Warum bringen Sie die Betreffende dann nicht hierher; fie müssen sich doch sehr einsam fühlen?"
„Wie rasch sie errieten, daß es eine Frau ist! Tiefe aber veranlassen, hierherzukommen, wäre einfach ein Ting der Unmöglichkeit. Sie hier bei Mau Macgill einmieten, welch ein Gedanke!" fügte er laut lachend hinzu. „Mir ist, als sähe ich sie vor mir und höre ihre entsetzten Ausrufe, denn rhr sind.Verhältnisse wie die, in denen ich jetzt lebe, vollständig fremd. Sie war ihr Lebtag an elegante Wagen und Dienerschaft, an die schönsten Toiletten und an die maßloseste Verschwendung gewöhnt."
Ernsthaft, mit geröteten Wangen und funkelnden Augen sah Miß T'Arcy ihn an. „Ich verstehe", bemerkte sie kühl, „es ist eine Persönlichkeit, für deren Ansprüche das bescheidene Ballybay nicht geeignet wäre."
„3 a, da haben Sie recht", stimmte er ihr eifrig bei. ,/Sie hat übrigens keine Ahnung, daß ich hier bin, und wenn jie es erriete, so käme sie sicherlich wie der Sturmwind hergesaust. Aber der Himmel bewahre mich vor den entsetzlichen Austritten, die dann stattfinden würden."
„Miß T'Arcy!" rief eine sanfte Stimme dicht hinter ihr. Und als sie sich umivandte, bemerkte sie Mr. Foulcher, der in seinen Salonschuhen geräuschlos näher gekommen war. „Mrs. Tuckitt sucht Sie überall. Es tut mir leid, wenn ich Sie — störe — allein" Ein Blick flog von ihr zu dem Kutscher hinüber, und ein boshaftes Lächeln verzog das Gesicht des alten neugierigen Mannes.
„Ich danke, Mr. Foulcher", antwortete sie ziemlich von oben herab. „Ich war ohnedies im Begriff, ins Hotel zurückzukehren. Mr. Terence und ich sirrd nun wohl fertig mit dem, was wir uns zu sagen hatten." Mit einem kalten Blick aus ihren großen, tiefblauen Augen und einer leichten Verbeugung, wie sie nur einem ihr gesellschaftlich Gleichstehenden zukam, begab sie sich ins Hotel zurück und ließ die beiden Herren stehen.
Allein lange dauerte dies Zusammensein nicht, denn mit einem höflichen ,Mrten abend, Mr. Foulcher", wandte ich der Kutscher gleich darauf dem Gitterzaun zu, schwang ich darüber hinweg und überließ dem kleinen Foulcher >as Feld.
Tiefer hatte das Dete-a-Tete des jungen Paares mit größtem Interesse von einem Gangsenster aus beobachtet: Zuerst waren die beiden steif und förmlich gewesen, dann wurden sie lebhafter, ja zutraulich und lachten sogar. Plötzlich aber nahm die junge Dame eine zurückhaltende, äußerst würdevolle Miene an; irgend etwas mußte sie also verletzt und ihren Stolz geweckt haben. „Ich gäbe was drum, wenn ich wüßte, was die beiden zusammen gesprochen haben", murmelte er, sich nachdenklich das Kinn streichelnd. „Eine solche Frechheit ist mir übrigens doch noch nicht vorgekommen — ein Stelldichein angesichts all der hinteren Hotelfenster! Wenn das Mädchen Geld hat, so wird er sie natürlich entführen — so wahr ich Simon heiße."
Mit dieser Prophezeiung auf den Lippen verschwand Mr. Foulcher langsam wieder im Hause.
(Fortsetzung folgt.)
Kameen.
Bon W. St en gl.
(Nachdruck verboten.)
Unter Kameen verstehen wir heute kleine Basreliefs, die in einen wegen seiner Seltenheit, Schönheit oder Härte wertvollen Stein eingeschnitten sind.
Die frühesten Beispiele dieser Kunst finden wir, wie Cyril Davenport in einem von der Society of Mts in London gehaltenen Vortrage ausführte, aller Wahrscheinlichkeit nach in altäghptischen Scarabaeen, die eine Kombination von KamW und Jntaglio darstellen, insofern, als in ihren Grund noch Figuren eingraviert sind. Frühe Beispiele existieren ferner in Gestalt kleiner Skulpturen, auf dem Rücken von Siegelsteinen griechischen und etruskischen Ursprungs. Seltener finden sie sich auch bei Mykenischen Arbeiten. Glaskameen wurden in Rom schon lange vor der
christlichen Zeit hergestellt, und man findet kleine, vergoldete Rosetten und Medaillons aus Ton sogar aus noch viel früherer Zeit.
Die alten ägyptischen Scarabaeen sind gewöhnlich aus einem nicht allzu harten Material, Speckstein, Serpentin oder Syenit, die sich mit Feuerstein oder Obsidian oder gar mit harten Meißeln bearbeiten lassen, verfertigt; indes sind auch Exemplare aus Amethyst, Karneol, Obsidian und Jaspis nicht allzu selten. Die Mehrzahl scheint aus geformtem Glase oder Porzellan, gewöhnlich mit grüner oder blauer Glasur, hergestellt zu sein.
Um das dritte Jahrhundert v. Ehr. erkannte man den gestreiften Onyx als ein höchst geeignetes Material für Kameenarbeiten, und derselbe erfreute sich daher bald bei den geschicktesten Künstlern ganz besonderer Beliebtheit. In dem Maße wie der Gebrauch von Siegelringen abnahm, wuchs in dieser Zeit die Wertschätzung der Kamee als Schmuckgegenstand.
Der Onyx, eine Spielart des Chalcedons, findet sich gewöhnlich in unregelmäßigen Hohlräumen von porphyrischen Gesteinen, wo er sich in deutlich wahrnehmbaren Schichten, von außen nach innen fortschreitend, abgelagert hat. Diese Lagen haben abwechselnd krystallinischen und amorphen Charakter; die krystallinischen erscheinen im reflektierten Lichte weiß, während die amorphen grau und durchscheinend sind und merkwürdigerweise die Fähigkeit besitzen, Flüssigkeiten aufzunehmen. Infolgedessen haben diese Lagen sehr ost von Natur eine gewisse Färbung angenommen, indem sie von farbstoffführenden Wässern durchtränkt wurden. War das Wasser eisenhaltig, so ist die entstandene Färbung gelb bis rot und der Stein wird dann Sardonyx genannt. Wechseln nur weiße und graue Streifen miteinander ab, so heißt er Chalcedonyx.
Wesentlich der Geneigtheit des Onyx für Kameenarbeiten ist es zu verdanken, daß diese Kunst einen solchen Aufschwung genommen hat und heute nicht nur den Archäo- logen und Kunstforscher interessiert, sondern auch in der Gegenwart eine große industrielle Bedeutung gewonnen hat.
Namentlich steht dieselbe in Oberstem und Umgegend im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld in hoher Blüte. Ursprünglich gründete sich dieselbe hier auf reichliche Achatvorkommnisse in der Umgebung; nachdem jedoch die Ausbeute hier nachgelassen hat, werden auch große Mengen der wertvollen Steine aus Indien, Brasilien und Aegypten ein g eführt und hier fertig verarbeitet.
Namentlich im Färben der Steine hat man jetzt eine solche Vollkommenheit erzielt, daß man im stände ist, jeden beliebigen Farbenton mit größter Genauigkeit herzustellen und so künstlich die vielfachen natürlichen Formen getreu zu kopieren. So erzielt man Rot durch Eisenpernitrat, Schwarz durch Oel, Honig oder Zucker; Blau durch Eisen- cyanverbindungen (Preußisch Blau), Grün durch Nickelnitrat. Durch Schwefelsäure läßt sich oft die natürliche Farbe wesentlich verschönern, wenn der Stein selbst schon Metalloxyde in sich enthält. Ms Bleichmittel findet dagegen Salpetersäure Anwendung. Auch durch bloße Erhitzung erziejt man bei manchen Steinen eine bessere Färbung durch Nachdunkeln derselben. Eine Beeinflussung der weißen, krystallinischen Lagen ist nur in sehr geringem Maße möglich; dieselbe beschränkt sich im wesentlichen auf eine leichte oberflächliche Rötung durch Mufstreichen einer Eisenlösung
Ms Werkzeug zur Bearbeitung der harten Steine diente zuerst ein einfacher, scharfer Diamantsplitter, mit dem das ganze Relief herausgearbeitet wurde. Später verwandte man die Diamantspitze nur zum Vorritzen der Zeichnung auf die polierte Oberfläche des Steins, während das eigentliche Ausarbeiten des Reliefs dann leichter und schneller mittelst eines Handbohrers oder eines wirksameren, der modernen Juwelier-Schleifbank analogen Instruments ausgeführt wurde. Die härteren Steine machen die Benutzung von Oel und Diamantpulver zum Schleifen notwendig; die weichen Eisenspitzen der Schleifinstrumente werden dann mit einer dicken Schicht mikroskopisch feiner Diamantsplitter- chen bedeckt und bilden dadurch bei schneller Rotation ein sehr wirksames Schleif- und Gravierinstrument. Auch der Schmirgel, eine kristallisierte Tonerde und eine Wart des Korunds, findet bei der Verarbeitung der Steine zu Gemmen, Kameen rc. ausgedehnte Anwendung und wird z. B. schon von Plinius als bestes Steinschleifmittel erwähnt. Zum Polieren gewöhnlicher Steine sind pulverisierter Tripel,


