Samskg den 24. Januar.

1903. Nr. 13.

MW

(Nachdruck verboten.)

Eine verhängnisvolle Fahrt.

Roman von B. M. Croker.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer.

(Fortsetzung.)

Gott sei Tank, sie sind fort!" rief Maur een, schwer aufatmend, aber voll Triumph,und zurückkommen werden sie wohl nicht so schnell. Tas war unser einziges Rettungs- mittel. ^Sahen Sie, wie sie davonliefen, besonders der

, »Ach, meine liebe Maureen", stammelte Mrs. Tuckitt, Sre such, weiß Gott, das mutigste Mädchen, das mir jemals begegnet ist! Nun aber so rasch als möglich fort von hier! ^etzt kann man nicht mehr sagen, daß wir unsere fünf PN'nd leicht verdient hätten. Ich zittere an Leib und Seele. Geben Sie mir die Hand, liebes Kind, und helfen Sie mir über den Felsen. Mir ist, als fei ich um fünfzig ^ahre gealtert. Wer sehen Sie doch, einer ist stehen ge­blieben."

Ich will ihm schon wieder Füße machen", rief Maureen, sprang auf einen Felsblock und bewegte lebhaft die Arme hin und her.

Was für zwei elende Schurken!" fuhr Mrs. Tuckitt fort.Welch ein Wenteuer! Ter Zwerg würde uns sicher­lich umgebracht haben, wenn er gewußt hätte, daß wir seine Pläne behorchten. Ich glaube, es ist überhaupt besser, wir behalten dieses Erlebnis für uns; nur dem Kutscher

ff en wir die Sache mitteilen."

Selbstverständlich", stimmte ihr Maureen bei,und zwar so bald als möglich. Aber wie? Wollen Sie ihm schreiben?"

»Stt einem Briefe läßt sich die Sache schwer aus-, emandersetzen. Ich will ihn lieber zu mir kommen lassen."

Es war halb zwölf Uhr, als die beiden Tarnen das Hotel betraten, wo sie eine große Gesellschaft ihrer harrend vorfanden. Tie sonst so heitere, mitteilsame Mrs. Tuckitt sah blaß und verstört aus, Miß T'Arcy aber händigte Mr. Foulcher sofort sein Opernglas ein und sagte:Wie Sie sehen, sind wir glücklich zurückgekehrt. Sie schulden uns fünf Pfund."

/»Und erblickten Sie wirklich keinen (Seift ?"

Nein, im Gegenteil, wir wurden allem Anschein nach sogar selbst für. Geister gehalten, und brachten den Ort dadurch in neuen Verruf. Ta wir aber jetzt fehr müde und schläfrig sind, so wollen wir gleich zu Bett gehen. Gute

Arm in Arm stiegen die beiden Tamen die Treppe 6M ihrem Zimmer hinaus.

fr-Tt, rHS-i r-

,Laben Sie dem Kutscher schon geschrieben?" fragte Maureen am nächsten Morgen, als sie Mrs. Tuckitt, zum Fischen ausgerüstet, in der Vorhalle antraf.

Nein, ich vergaß es vollständig; ich war so müde und abgespannt, daß ich mich heute morgen verschlief und nun entsetzlich spät daran bin. Sehen Sie nur, wie die Schiffer, die dort auf mich warten, schon vorwurfsvolle Gesichter machen?"

Aber meinen Sie nicht, Sie sollten Terence vor Ihrem Wegfahren wenigstens noch ein paar Worte schreiben? Kommen Sie rasch ins Lesezimmer, für die Beförderung des Briefes will ich dann schon sorgen."

Nach eiliger Beratung mit Maureen schrieb Mrs. Tuckitt folgende Zeilen nieder:Mrs. Tuckitt bittet Mr. Terence, heute abend vor dem Essen zu ihr zu kommen, da sie ihn in einer wichtigen Angelegenheit zu sprechen wünscht. Sollte Mrs. Tuckitt verhindert sein, so wird Miß D'Arch ihre Stelle vertreten."

Tas hätten Sie lieber nicht schreiben sollen."

Es ist nur für alle Fälle, vielleicht haben wir einen besonders guten Tag heute, und da kann ich unmöglich versprechen, vor Sonnenuntergang wieder hier zu sein."

Selbst nicht, wenn es sich darum handelt, einen Menschen vor Todesgefahr zu warnen?"

Nicht, wenn ich weiß, daß Sie die Sache ebenso gut ausfuhren können. Wenn irgend möglich, werde ich übrigens bis dahin zurück fein. Nun aber muß ich wirklich gehen, es ist schändlich, wie ich mich verspätet habe!" Damit händigte sie Maureen das Briefchen ein und eilte aus dem Zimmer.

Maureen betrachtete den Umschlag, auf dem gekritzelt stand:An Mr. Terence, bei Frau Macgill". Sogleich abzugeben. Eilig lief sie in die Vorhalle hinaus, wo sie Lizzie antraf, der sie den Auftrag gab, das Schreiben sofort an seine Adresse zu befördern. Hierauf begab sie sich mit ihrer Schreibmappe und ihren Büchern in die Veranda, wo außer einigen Durchreisenden nur Mr. Foulcher anwesend war, der sofort feine Zeitung weglegte und ein Gespräch mit ihr ankuüpfte. Schon nach kurzer Zeit wurde er indes durch Lizzie unterbrochen, die atemlos herein- gestürzt kam und sagte:Ich trug Ihren Brief zu Frau Macgill, Terence war aber schon mit der Frühpost fort- gefahren. Sobald er zurückkommt, wird man ihm den Brief einhändigen, weil Sie doch sagten, er solle sogleich ab­geliefert werden."

Mit dem Ausdruck höchster Neberraschung hörte Mr. Foulcher diese Rede mit an, dann verschwand er langsam hinter seiner Zeitung, weniger mit der Absicht, sich in deren Inhalt zu vertiefen, als um sich dieses kostbare Bruchstück einer Skandalgeschichte in seinem Kopf zurechtzulegen. So, so, die kalte, stolze, unnahbare Miß T'Arcy schickt also heimliche Briefchen an den hübschen Kutscher. Schöne Ent­deckung!