Mittwoch den 21. Oktoöer.

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(Nachdruck verboten.)

M Uschttmiihiit« m kl Bretazie.

-Von B. W. Howard.

(Fortsetzung.)

Am Abend ging es in Plouvenec lauter und lebhafter zu wie gewöhnlich; alles war überfüllt durch die Besucher des Neviner Gnadenfestes, von denen es viele vorzogen, erst am nächsten Morgen nach ihren Dörfern und Bauern­höfen heimzukehren und die Nacht noch lustig in Plouvenec zu verbringen. Auf dem Dorfplatz drängte sich eine wogende, lärmende Menge im seltsamen Gegensatz zu der dunklen, unbeweglichen Masse der Festung mit ihren ragenden Zinnen auf der kleinen Insel. Bon der See her strich eine scharfe Brise und kühlte die heißen Stirnen und klopfenden Schläfen, die sich der frischen Nächtluft aussetzten. Most und Grog floß in Strömen, und die kleine, gelbe Flamme hinter der Glastür der Schenke zog unzählige Opfer in ihren unheil­vollen Bannkreis.

Ter Polizeichef hatte heute zwei Schutzleute mehr als gewöhnlich auf Posten gestellt, und sein eigenes, mildes Antlitz ließ sich allerwärts sehen. Diese Form beobachtete er mit der größten Gewissenhaftigkeit. Daß es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, seine bretagnischen Lands­leute nach einem Gnadenfest wirklich im Zaum zu halten, sah er ckls gut er Bretagner vollkommen ein. Er war nicht wenig erstaunt, als kurz uach neun Uhr Guenn Rodellec auf ihn zukam und ihn ohne weiteres hastig mit sich aus der Seh- und Hörweite der Menge in den Schatten zog.

Ich warte schon eine ganze Stunde, Monsieur", sagte sie atemlos,ich muß Sie sprechen, und darf mich dabei nicht sehen lassen."

Nun, was gibt es denn, Guenn?"

Ich weiß, daß etwas im Werk ist; Sie müssen es verhindern, dürfen aber weder nach den Tätern forschen, noch sie festnehmen."

Tas ist ja aber gesetzwidrig!"

Einerlei so und nicht anders müssen Sie handeln", erwiderte sie kurz,Sie dürfen nicht mehr und nicht weniger tun."

Aber, so erkläre mir nur, wovon die Rede ist!"

Ich werde Ihnen nichts erklären, bis ich Ihr Ver­sprechen habe." Sie stemmte die Hände auf die Hüsten und saü ihn trotzig an.

Er zögerte noch.Ist es wirklich etwas Schlimmes?" Ja, etwas sehr Gottloses."

Vielleicht komme ich auch ohne Dich dahinter." Unmöglich! Ich kenne mich besser im Dorfe aus tote Sie."

Und warum kannst Du mir's nicht gleich sagend

Sie zuckte die Achseln, dann faßte sie dringender feines Arm.Vertrauen Sie mir, Monsieur, ich weiß, was M rede. Geben Sie mir Ihr Wort, und ich sage Ihnen alles."

Aber ich würde mich ja zum Mitschuldigen des Ver­brechens machen!" meinte der junge Mann unschlüssig.

Ach was! Die Leute sind genau so schlecht, ob sie dies Tat vollbringen oder nicht. Wenn sie die Absicht haben, eine Schänduchkeit zu begehen, so ist das gerade so gut, als hätten sie's schon getan. Jene Männer werden Sie nrcht bessern, aber Sie können doch das Unheil von andern abwenden. Wollen Sie oder wollen Sie nicht? Wenn Sie nicht etnroirrigen, wende ich mich an jemand anders."

Er begann zu ahnen, wer wohl einer der Uebeltäter sein mochte.Könntest Du die ganze Sache nicht selbst, verhindern?" fragte er vorsichtig.

Doch ja ich könnte es schon" erwiderte sie düster; aber das nächste Mal, wenn wieder ein Unheil im Werke wäre, möchte es schlimm ablausen."

Sie tat ihm sehr leid. Ihre Stimme klang so traurig und gedrückt; und den Tag über, beim Feste hatte sie so schön und glücklich ausgesehen, hatte so entzückend getanzt. Es ist fteilich gegen alle Ordnung, aber da Du, Guenn Rodellec, mich darum bittest, will ich es tun. Ich vertraue Dir und gebe Dir mein Versprechen."

Sie drückte ihm warm die Hand.Gut, so hören Sier Heute nacht werden zwei Männer versuchen, Marots Speicher in Brand zu stecken. Sie werden dort eine Lunte anzünden, dann zum Ufer laufen, wo ein Boot auf sie wartet, werden um die Landspitze herumfahren, wieder landen und sich ganz harmlos und unbefangen zu ihren Kameraden gesellen. Bevor das Feuer ausbricht, liegen sie längst im Bette. Tie Lunte brennt gerade eine Stunde. Sie hätten also nichts zu tun, als sie auszulöschen. Damit wäre die ganze Sache abgetan."

Jawohl, und um wieviel Uhr soll dies alles vor sich gehen?"

Die zwei Männer werden kurz vor Mitternacht zum Speicher kommen."

Ich werde selbst am Platze sein und sie beobachten."

Bewahre", rief das Mädchen hastig,das werden Sie nicht tun. Sie haben cs ja versprochen. Sie müssen Ihnen Zeit lassen, sich zu eutferneu, damit Sie niemand sehen und erkennen. Erst wenn die Männer weg sind, dürfen Sie kommen. Die Sache hat keine Gefahr, nun Sie darum wissen. Sie haben Zeit die Hülle und Fülle!"

Er schüttelte zweifelnd den Kopf.

Aber sehen Sie denn nicht ein, daß ich nicht anders handeln kann? Ich kann ja nicht, nein, nein, ich kann nicht!" ries sie verzweifelt, alle Vorsicht außer acht lassend.

Nur ruhig, Guenn, nur ruhig! Ich will ja Deinem Wunsche nachkommen. Weiß niemand außer Dir und den Männern darum?"

Nur noch mein Bruder."

Es wäre freilich ein gefährlicher Platz für ein Feuer -4