Nr. 10.

1903.

Montag dm 19. Januar

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(Nachdruck verboten.)

Eine verhängnisvolle Fohrt.

Roman von B. M. Croker.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer.

(Fortsetzung.)

Mer meine liebe Nita, es ist doch Wohl nicht möglich, baß Du eifersüchtig bist?"

Ich und eifersüchtig?" rief Nita mit einer Miene be­leidigter Würde.

Nein, nein, es war natürlich nur ein Scherz. Greville hätte viel eher Grund, auf die Schar Deiner Verehrer eifersüchtig zu sein."

Er weiß eben, daß er mir vollständig vertrauen kann; würde er aber einmal ernstlich eifersüchtig- dann wehe mir!"

Und ihm traust Du nicht? Wie edelmütig!"

Ich traue überhaupt keinem Mann das lernte ich schon mit dem Alphabet. Ach, dieser abscheuliche Tag!" rief sie, ein neben ihr liegendes Buch in heftigem Zorn durchs Zimmer schleudernd.

Das arme Buch!" sagte Maureen,was hat es ver­schuldet? Warum arbeitest Du nicht an der Weste, die Du Greville schenken willst? So wird sie vor eurer sil­bernen Hochzeit nicht fertige Oder schreibe Briefe, das ist ein Tag wie gemacht für indische Korrespondenz. Ich gehe jetzt hinauf, um Florence Durrant zu schreiben."

Lady Fanshawe starrte einige Zeit schweigend ins Feuer.Ich hasse solch ausführliche Briefe. Wahrscheinlich werde ich irgend etwas Verzweifeltes unternehmen, oder mich aufhängen."

Ach nein, das Ertrinken soll viel angenehmer sein", sagte Maureen lachend.Dazu brauchst Du auch heute nur auf den Tennisplatz zu gehen. Aber tu Dir lieber kein Leid an, Nitachen", rief sie, ihrer Schwester von der Türe aus eine Kußhand zuwerfend.

Kaum waren ihre Schritte verhallt, so eilte Lady Fanshawe auf ihren Schreibtisch zu, und kritzelte nach längerer Ueberlegung einige Zeilen auf ein Bricfbögchen, steckte es in einen Umschlag, adressierte es mit fliegender Feder, und sagte, es siegelnd, mit halblauter Stimme vor, sich hin:Was dem einen recht ist, ist dem andern billig." Dann stand sie auf, öffnete die Türe und sah in den Gang hinaus, wo Hauptmann Willis gerade auftauchte.

Kann ich Ihnen mit irgend etwas behiflich sein?" fragte er äußerst zuvorkommend.

Ach ja. Ist die alte Postkutsche schon fort?"

Nein, sie steht noch im Hof. Soll ich Ihnen noch etwas hinüberbefördern?"

Sehr freundlich", antwortete sie, ihm den Brief ein- ^ändigend.Sie solle» mit einem Fünfuhrtee dafür be-

Und ich tue es ohne Belohnung, allein um das Ver­gnügen, Ihnen einen Dienst erweisen zu können", rief ein kleiner, ältlicher Herr mit scharfen blauen Augen.

Nein, ich danke, bemühen Sie sich nicht, Mr. Foulcher", | erwiderte sie mit ihrem süßesten Lächeln.Hauptmann Willis bot sich zuerst an. (Dieser alte Foulcher ist eine bekannte Klatschbase", flüsterte ihr die Stimme der Klugheit zu.)

Der von Lady Fanshawe erwählte Bote spannte sofort seinen Regenschirm auf und eilte zum Postgebäude hin­über. Ehe er den Brief einsteckte, konnte er jedoch nicht umhin, einen raschen Blick auf die Adresse zu werfen, die folgendermaßen lautete:

Bertrand Lovelace-Lovelle, Esqre., David-droge Castle, Anglesea, N. Wales.

Ein langer, vielsagender Pfiff ertönte aus seinem Munde, und das Schreiben fiel in den Kasten.

Zehntes Kapitel.

Ein schüchterner Wink.

Auch in Ballybay wurde der Sonntag als Ruhetag hochgchalten wenigstens was Fischen und größere.Land­partien zu Wasser anbelangt. Fast unkenntlich in ihrem Sonntagsstaat lungerten die Schiffer nach der Messe am Strande umher oder saßen plaudernd auf den Schutzwällen. Aber auch ihre Arbeitgeber hatten sich verwandelt, allen voran Mrs. Tuckitt, die in einer schwarz und weißen, aus Paris stammenden Toilette und mit einem kostbaren Capote-t Hute in der Kirche erschien, und damit sogar Lgdy Fanshawe in den Schatten stellte. Am Nachmittag pflegten die Fremden gewöhnlich einen größeren Spaziergang zu Fuß zu machen, und da Nita, ein heftiges Kopftveh vorschützend, zu Hause blieb, machte sich Sir Greville allein mit seiner Schwägerin und dem unvermeidlichen Taffy auf den Weg.

Es ist zu schade, daß wir Mrs. Tuckitt nicht habhaft werden konnten", bemerkte er, als sie, kräftig ausschreitend, die Straße hinuntergingen.Sie liebt solche Spaziergänge sehr: aber vielleicht ist sie schon mit Foulcher voraus-, gegangen. Wenn wir uns etwas beeilen, können wir sie möglicherweise noch einholen." Maureen antwortete nicht. War es ihre Pflicht, Greville einen Wink zu geben? Durfte sie sich in die Angelegenheiten der Ehegatten mischen? Bekanntlich ein höchst gefährliches Unternehmen. Aber freilich, Nita hatte sich in einen solch unvernünftigen Zorn hineingeredet, und der arme Greville ahnte entfernt nicht, welch ernste Deutung sie seiner Freundschaft mit Mrs. Duckitt beimaß. Ja, sie wollte es wagen.

.vielleicht ist es besser so", stieß sie mutig hervor. Greville war von Natur heftig. Maureen konnte also nicht wissen, wie er ihren schüchternen Wink aufnehmen würde, und so schlug ihr Herz doch ungewöhnlich rasch, als sie hinzufügte:Tu weißt ja. Deine Frau mag sie nicht sehr