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gern, auch ist Nita eigentlich etwas böse auf Tich, daß Du so viel mit Mrs. Tuckitt zusammen bist."
„Was für Unsinn schwatzest Tu da, mein liebes Kind!" ,^Wohl möglich. Ich selbst bin ja durchaus nicht eifere suchtrg angelegt. Daß Du und Mrs. Duckitt bereits unzertrennlich auf dem Wasser seid, daran hat man sich nun schon gewöhnt; würdet Ihr aber auch ebenso unzertrennlich auf dem Land werden — —" ein etwas erzwungenes Lachen schloß den Satz.
„Wahrhaftig, Maureen, wenn ich nicht wüßte, was für eine sonderbare kleine Person Tu bist, so könnte ich Dir ernstlich zürnen."
„Verzeih mir, Greville, ich meine es wirklich nur gut." „Das glaube ich schon, aber deshalb brauchst Tu mir ^ochlange keine Moralpredigten zu halten. Mrs. Tuckitt gefallt mir nun zufällig recht gut, denn sie ist eine kluge, lustige, anspruchslose kleine Frau. Wir fischen zusammen; und warum sollen wir das nicht? Wenn Tu vielleicht wünschst, uns -als Gardedame zu begleiten, so sollst Tu uns herzlich willkommen sein."
„Nein, ich danke", entgegnete sie gekränkt.
„Ich weiß ja wohl, daß Mrs. Tuckitt und Nita sich Nicht verstehen", fuhr er fort,, „sie haben eben auch keine gemeinschaftlichen^ Interessen („außer Deine Person", dachte Maureen) und Nita ist von vielen Leuten entzückt, die mir gründlich zuwider sind; aber ich lasse sie trotzdem ruhig gewähren. Ich bin ein freisinnig denkender Mann, uno Nita teilt meine Ansichten. Jedenfalls hat sie mir noch nie Veranlassung -gegeben, das Gegenteil zu glauben. („Weil sie noch keine Gelegenheit dazu hatte", sagte ihre Schwester
stch selbst.) Wie wir uns aber gegenseitig mit diesen verschiedenen Geschmacksrichtungen in Betreff unserer Bekannten zurecht finden, ist doch wahrhaftig allein unsere Sache iu bist viel zu jung, mein liebes Kind, um über derartige Tinge ein Urteil zu haben."
Maureen schwieg. Sie war mit ihren wohlgemeinten Worten abgewresen worden, und im Grunde hatte sie ja auch kein Recht zu einer Einmischung.
Während dieses Gespräches waren sie dem Seeufer gegangen und, an Herden von jungen Schweinen, die streckenweise hinter ihnen herliefen, an wilden Fuchsia- hecken, weiß angestrichenen Hütten und kleinen, dem Moon ab gewonnenen Kartoffelfeldern vorbeigekommen. Nun schlugen sie einen steilen, schmalen Ziegenpsad ein, der ins Innere des Gebirges über lustig sprudelnde Flüßchen führte, die sich von schroffer Höhe herab schäumend in die See kürzten. Hin und wieder flatterten aus dem Heidekraut zu ihren Fußen ein fettes Haselhuhn auf, oder ein schüchternes aus fernem Lager aufgeschrecktes Häschen ergriff eilends
Tie Luft war still und warm, fast schwül. Dichte Nebel- mafsen sammelten sich langsam um die Bergspitzen, und Seit W Zeit huschte eine vereinzelte Wolke wie ein Gespenst von eurer Bergkuppe zur anderen. „Ich glaube, » etrt tüchtiger Regenguß", sagte Sir Greville, „und Tu hast mn dünnes Kleid an, Moll. Es wird wohl das Beste sein, wir kehren so rasch wie möglich um." ,. f?^^^tten sie den Weg am Seeufer wieder erreicht, wv sie Mr. Foulcher bemerkten, der allem Anschein nach ''dcho" seit geraumer Zeit beobachte
X,^ssbrkte er, indem er hastig einen Gegenstand, der ^^ ^^echer sehr ähnlich sah, in die Tasche steckte. ita2 S sTr aoer tatfächlich nicht in Ihrem Sonntags- fcr“ ni> Srr Greville für ein ganz anderes
Paar, waber, lachte er geheimnisvoll.
„Sagen Sie mal, was ist eigentlich aus Mrs Tuckitt geworden?" fragte Sir Greville ' “ ”
„Sie traute den Wolken nicht recht, und da gerade der Gemeindegeistliche vorüberfuhr, nahm sie den ihr in fernem Wagen angebotenen Plad dankbar an." J
„3^ wollte es führe jetzt auch jemand vorüber, der mrch mitnehme, sagte Miß d'Arcy. „Es wird gleich ein Wolkenbruch kommen und meinen Sonntagsstaat durchweichen. Sehen Sie, da fällt schon der erste Tropfen! Eilen wrr, die nächste Hütte zu erreichen." Leichtfüßig lief sie den beiden Herren voran. p a 1 1
. „ Foulcher, mit dein Spottnamen Monsieur Fouche, war etwa sechzig ^ahre alt, ein kleiner, magerer, lebhafter hinein freundlich-verbindlichen Wesen eine unersättliche Neugierde und em unmäßiges Interesse für drg Angelegenheiten feiner lieben Nächsten verbarg. Ta
er von seiner Frau geschieden und auch sonst ohne nähere Verwandte war und em nicht unbedeutendes Vermögen besaß; so konnte er ungehindert in der Welt umherreisen, ^n Ballybay vertrieb er sich die Zeit teils mit Fischen, teils mit Spazierengehen, oder einer gelegentlichen Whist--» Partie; ferne Lieblingsbeschäftigung aber bestand darin, auf der Veranda zu sitzen, die ankommenden und abreisenden Fremden zu beobachten und seine Schlüsse aus deren Ven kehr unter einander zu ziehen.
„Diesmal werden Sie überrumpelt, Pat", rief Maureen etwas außer Atem, als sie nach ihrer eiligen Flucht vordem Wolkenbruch m die Hütte des alten Invaliden herein- stürmte. „Mein Schwager, Mr. Foulcher und ich sind nüm-i
^om Regen überrascht worden und bitten Sie um —bdach." Sie schüttelte, so gut es ging, die Regentropfen von ihrem Federhut ab und sah sich in der Stube um. r Ern ehrwürdig aussehender alter Mann mit durch- furchten Zügen saß beim Feuer, während sich ein junger Bursche aus dem Tisch niedergelassen hatte, und Kutscher Terence eme hölzerne Bank mit seinem Hunde teilte. Beim Eintritt her kleinen Gesrellschaft hatte sich Terence erhoben und grüßend den Hut abgenommen.
„Na, Pat", sagte Sir Greville, den niedrigen, nur durch ein kleines Fenster erleuchteten, aber sauber und nett aus- gestatteten Raum musternd, „bei Ihnen ist es ja riesig behaglich, das muß man sagen."
,»/Jedenfalls ist es besser so, als wenn meine Knochen m irgend einem indischen Kirchhofe vermoderten. Setzen Sie sich, Fräulein, hier ist eine Bank für Euer Gnaden und für Mr. Foulcher. Bleiben Sie nur, Terence."
„Was machen Ihre schönen Pferde?" fragte Sir Greville, sich znm Kutscher wendend.
„Alles in Ordnung, ich danke."
„Sie haben prächtige, vortrefflich gehaltene, aber meistens noch sehr junge Tiere. Machen Ihnen diese nicht sehr viel zu schaffen?"
„O nein, sie sind nur ein wenig übermütig und halsstarrig, aber junge Pferde lassen sich gewöhnlich ganz gern anspannen; es macht ihnen Spaß."
„Tas ist mir neu, daß Pferde auch an etwas Spaß haben können!" erwiderte Sir Greville lachend.
„Und doch ist es so. Es gießt welche, die nichts Höheres kennen, als Rennen, andere wieder, denen die Jagd das meiste Vergnügen macht."
„Aber der Viererzug, den wir am Tage unserer Ankunft hier vorgespannt hatten, scheint mir doch eine besondere Vorliebe fürs Durchgehen zu haben."
„Gewiß nicht, im Gegenteil, es ist eines unserer ruhigsten Gespanne. Tie Pferde waren nur falsch, das heißt nicht an ihrem richtigen Platz angefchirrt. Und dann", fuhr Terence lächelnd fort, „darf man in diesem Fall doch wohl nicht die ganze Verantwortung den Pferden beimessen, der rote Sonnenschirm trug auch ein Teil der Schuld."
,La, ja, er und der übermütige Schecke, das waren die Hauptattentäter." Miß d'Arcy hatte sich während dieser Unterhaltung mit ihrem Hut beschäftigt, und Mr. Foulcher war ganz starr vor Erstaunen, den schweigsamen, zurückhaltenden Kutscher, von dem er bis jetzt nur ein: „Ja, Herr", oder „Nein, Herr", zur Antwort bekommen hatte, plötzlich so gesprächig zu sehen. Terence war nämlich eine Persönlichkeit, die Mr. Fonlchers ganz besonderes Interesse erregte. Er hatte die feste lieber,zengung, daß der Kutscher ein Mann mit einer „Vergangenheit" sei — ein Mann, der bessere Tage gesehen hatte. Welcher Art aber mochte diese Vergangenheit gewesen sein?
(Fortsetzung folgt.)
Sonnen-Hans.
Eine Erzählung aus dem Schwedischen von Stig Stigson (Mfhild Agrell).*)
(Nachdruck verboten.)
Er kam mir entgegen hier am Wege wie strömendes Sonnenlicht. Dicht am Kopfe lag das Haar in hellen Locken, die Augen hatten die Bläue des Sees beim Morgenerwachen, das Lächeln war das des Glücks, und die Rede war Gesang Er trug Maiglöckchen am Hute und an der
*) Mit Genehmigung des Verlegers dem kürzlich erschienenen Band „Aus dem Norden", Erlebnisse, erzählt von Stig Stigson (Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig, Preis Mk. 3.-) entnommen.


