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ohne Schwierigkeit hinein finden, wenn Dein Glück nnn zufällig doch in der Gestalt eines Sängers daherkäme. Und eins möchte ich Dir tutet) noch sagen, das Ideal eines Niädchenherzens, — das existiert nur in der jungen, warmen Phantasie. Tas Leben sieht ganz anders aus, und die Männer haben in der Regel ihre großen, dicken Fehler, — ebenso gut wie wir Frauen, die sogenannte Krone der Schöpfung. Aber darum gibt es doch tüchtige, liebe, prächtige Exemplare beiderlei Geschlechts, und wenn zwei solche Zusammenkommen, dann freut sich der Himmel. Auch die alte Mutter des weiblichen Exemplars würde sich freuen, Edith."
„Ach. Mtitter, sprechen wir heute nicht von Freude."
„So lange man die Sonne noch sieht, hat irrn immer noch Grund, sich zu freuen, das vergiß nicht. *6er nun sag' ich basta, — das ist so ziemlich das einzige italienische Mort, das ich kenne, dafür aber auch ein sehr verwendbares. Wir bleiben also mindestens noch acht Tage hier; vor einem Gefühl davonzulaufen, das nach einer Woche vielleicht wieder ebenso heftig nach dem geflohenen Orte znrücktreibt, dabei spiele ich nicht mit. Macht es Dich glücklich, so können wir uns das Essen auf dem Zimmer servieren lassen oder in dem alten, oberen Speisesaal, aber damit sind meine Konzessionen erschöpft, und ich sage noch einmal bündig und feierlich: basta!"
Wie die Generalin es angeordnet hatte, so geschah's. Unter einem annehmbaren Vorwand ließ sie wirklich für sich und Edith inr oberen Saal servieren, was ihr im Grunde kein kleines Opfer war. Verständnisvolles Essen betrachtete sie als eine wichtige Handlung im menschlichen Leben und konnte sehr Höfe werden über Leute mit „unerzogener Zunge", die alle schönen Gottesgaben, dem lieben Vieh gleich, wie Heu hinunterschluckten. Auch aß sie gern in Gesellschaft und würzte die Mahlzeit mit klugen Worten. Aber trotzdem trug sie jetzt den Gefühlen Ediths Rechnung, in der stillen Hoffnung freilich, daß . ihrer Tochter die einsamen Mahlzeiten in dem großen, kahlen, meist leeren Raume bald ebenso langweilig werden würden, wie ihr selbst.
So waren fünf Tage vergangen, als ein unerwartetes Ereignis sie mit der übrigen'Gesellschaft wieder in engere Berührung brachte. Vielen davon waren sie im Garten und auf den Spaziergängen auch in dieser Zwischenzeit begegnet und hatten so erfahren, daß ein revolutionärer Geist in der friedlichen Pension sich regte, daß ein Sturm im Glase Wasser sich vorbereitete. Ter „Uebermensch", der von seiner Reise noch anmaßender zurückgekommen war, hatte jetzt endlich! die Geduld auch der Geduldigsten erschöpft. Lange hatte das Gewitter sich vorbereitet, — nun kam es zum Ausbruch.
Edith saß mit der Generalin bereits an ihrem weiß- gedeckten Tisch, den sie mit einem frischgepflückten Strauß von Primeln, Immergrün und Veilchen geziert hatte, — niemals vielleicht war sie reicher an kleinen Aufmerksamkeiten für ihre Mutter gewesen als in dieser Zeit, —> da erhob sich plötzlich ein verworrener Lärm von lebhaft durcheinander klingenden Stimmen. Er kam näher, wälzte sich zu ihnen her, und nnn wurde auch schon die Tür nach dem Garten hin aufgerissen: herein strömte die ganze Gesellschaft mit Ausnahme weniger Personen, allen voran, in großer Aufregung, mit heißem, rotem Gesicht der Oekonomie- rat Zimmermann.
„Es is 'n Undiert, un es bleibt 'n Undiert!" rief er in großem Zorn. „Un wenn ich mich nich scheute, das Scheusal auzurühren, denn schmisse ich es mit eigenen Händen in den See."
In ähnlicher Stimmung waren die übrigen Herren, kampfbereit, aber doch ohne die Initiative zum Kampf. Man hatte vormittags der Wirtin erklärt, daß man nicht mehr gesonnen sei, mit dem „Sopra" zusammen an einer Tafel zu speisen, und daß ihm dies in bestimmtester Form ju notifizieren sei. Das war geschehen, hatte jedoch nur das Resultat gehabt, daß er mit der einzigen, zu ihm haltenden Dame zusammen schon eine Viertelstunde vor der Essenszeit auf fernem gewohnten Platz erschienen war und jeden Eintretenden mit höhnischem Lächeln empfangen hatte. Schleu- nrge Umkehr der also Zurückgescheuchten war die Folge, und so hatte sich das ganze Häuflein in höchster Aufregung angesammelt, um zum Schluß gemeinsam die seeessio in
montem, will sagen, den Aufstieg über die Treppe zum oberen Saal anzutreten.
Hier wurde nun eilig eine neue table d'hote aus zusammengeschobenen Tischen improvisiert, und bald saß die Gesellschaft beim gewohnten Mahl. Rauchmann war als letzter von allen hereingekommen, hatte sich am Gespräch nicht beteiligt, sondern sich schweigend auf einen Stuhl am Fenster gesetzt und auf bte Seefläche hinausgeschaut, bis zum Essen gebeten wurde. Nun hatte er sich weit weg von Edith und ihrer Mutter, am anderen Ende des Tisches niedergelassen und setzte sein Schweigen auch jetzt noch fort. Um so lebhafter war die Unterhaltung der übrigen; alle sprachen zugleich, und die Herren richteten unzählige Aufforderungen an den ünten Tafelnden, der sie nicht hören konnte, vor ihnen zu erscheinen. Man erzählte, daß er die Aenßerung getan habe, kein einziger wage sich an ihn heran, und diese Worte wirkten wie Oel auf Feuer. Tie Augen blitzten, die Fäuste ballten sich, und Lina, die Kellnerin, mußte häufiger als sonst die Viertelliterflaschen mit Wein füllen; selbst die Generalin, die sich alles genau erzählen ließ, goß ein paar Gläser mehr als sonst von ihrem gewohnten Böwlchen — Chianti und Asti — zusammen.
(Fortsetzung folgt.)
Meihnachts-Litteratur.
— Wilhelm Rabbe, Der Lar. Eine Oster-, Pfingst-, Weihnachts- und Neujahrsgeschichte. 3. Aufl. Preis 3 Mark. Verlag von Otto Janke in Berlin. Seit Raabes 70. Geburtstag müssen sich doch viele, die seinen Erzählungen bis dahin fern gestanden haben, darauf besonnen haben, daß deutsche Dichter nicht nur gefeiert, sondern daß ihre Schriften auch gelesen werden wollen. Es kann nämlich die Beobachtung gemacht werden, daß die Neuauflagen Raabescher Schriften schneller aufeinanderfolgen als früher. So erscheint denn auch die köstliche Erzählung „Ter Lar" jetzt zum dritten Mal; die Geschichte, in der der ausgestopfte Affe, der Hausgott des alten schnurrigen Kreistierarztes, gewissermaßen eine Art Vorsehung spielt. Das Erscheinen der neuen Ausgabe wird hoffentlich manche daran erinnern, daß ein Band von Wilhelm Raabe sich viel besser auf dem Weihnachtstische ausnimmt, als irgend ein wahllos aus der Flut der literarischen Neuigkeiten herausgegriffenes Buch; und daß man unter Raabes Werken keinen Fehlgriff tut.
Kesundyeitspflege.
— Im Verlage von Theodor Krische, Universitütsbuch- handlung in Erlangen, beginnt soeben zu erscheinen: „W er d e Ge su n d!", Zeitschrift für Volksgesundheitspflege und Krankheitsverhütung, herausg. von Tr. med. Gg. Liebe in Waldhof Elgershausen. Es soll dies eine volkstümliche Zeitschrift werden, die gediegenen Inhalt mit gefälliger Ausstattung zu vereinigen sich bemüht. (Preis vierteljährlich 75 Pfg.)
Wortspiel.
Nachdruck verboten.
Es sind neun Wörter zu suchet: von der Bedeutung unter a. Aus jedem dieser Wörter ist durch Voranstellung eines passeitden Buchstabens ein aitderes Hauptwort zu bilden, dessen Bedeutung unter b angegeben ist. Tie vorangejetsten Buchstaben, also die Aniangsbuchstaben der Wörter unter b bezeichnen im Zusammenhang gelesen eine für die Landbevölkerung wichtige Zeit.
a.
1. Fisch
2. nordische Götter
3. Stand
4. Begriff
5. Erdschicht
6. Nebenfluß der Donau
7. Bauwerk
8. nordische Göttitr
9. Teil des Körpers
b.
sinnbildlicher Schmuck Schmuck der Fluren kleines Instrument Spiel der Phantasie biblischer Prophet Metall
biblische Landschaft Land in Asien Kartenbezeichnung
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.: Drache.
Liedaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversitStS-Buch- und Eteindruckerei. R. Lange, Gießen


