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beim Maines telegenen Fabriken enorme Quantitäten Holz verschwenden. Die weihen Fichtendänme lieferten das vräcyiigfte Bauholz, aber der Abfall ging fast ganz verloren. Es häuften sich große Stapel die,es Abfaliyolzes tu den verschiedeneil Fabriken an, daß sie schließlich eine große Last wurden. Es war schwer, dieses Holz au Ort und Stelle zit verbrennen, ohne die Fabrik der größten Feuersgefahr auszusetzen. Es durch Wagen oder Karren an einen anderen Punkt zu befördern, Wäre ebenso umständlich als kostspielig gewesen. Irgend ein geschäftskundiger Yankee hatte damit begonnen, irgendwelche kleine Artikel aus dem Abfallholz zu fertigen, und heute gießt es überall in den Wäldern Maines Fabriken, welche gewisse kleine Holzarttkel in großen Massen als Spezialitäten produzieren.
Eine der ersten Fabriken beschäftigte sich mit der Fabrikation hölzerner Zahnstocher. Es wurde eine kleine Maschine erfunden, welche aus weichem Fichtenholz Hunderte von Zahnstochern auf einen Schlag schnitzte. So bedeutend wurde diese Fabrikation, daß der jährliche Ertrag der Wälder Maines an Zahnstochern jetzt mehr als 500 Millionen ausmacht. Die kleinsten Stückchen Holz können in oen eigenartigen Maschinen für diesen Zweck verarbeitet werden, und das Rohmaterial ist tatsächlich foftenfret zu haben, da viele der großen holzindustriellen Betriebe schon jetzt zufrieden damit sind, daß die großen Massen von Holz ohne Unkosten aus ihrem Bereich entfernt werden. Andere Fabriken fertigen als Spezialartikel die langen, hölzernen Fleischspieße, welche die Schlächter zum Auf- hängen von Fleisch und Würsten verwenden, bezw. die kleinen Knebel, welche zum Schließen der Würste dienen. Es werden in Maine wöchentlich allein eine halbe Million solcher Spieße fabriziert. Eine einzige, größere Fabrik fertigt während des Sommers nicht weniger als 5 Millionen Spieße und 50 Millionen Zahnstocher, abgesehen von einer Reihe anderer kleiner Holzartikel.
Natürlich bildet in diesen Wäldern auch die Garnrolle einen Hauptfabrikationsartuel. ES giebt hier fast 20 solcher Fabriken, die jährlich etwa 250 Millionen Rollen fabrizieren. Man macht sich kaum einen Begriff von dieser Menge. Die Rollenfabriken verwenden nur weiße Birke, und sie verbrauchen immense Quantitäten dieses Holzes, obwohl sie nur Abfälle oder junge Bäumchen verwenden, bereit Be- seitigung erforderlich ist. Für die jährliche Produktion an Rollen sind mehr als 15 Millionen Fuß weißen Birkenholzes erforderlich. Außerdem werden ungeheure Quau- titäteit dieses zur Rolleufabrikation geeigneten Birkenholzes nach englischen und schottischen Fabriken versandt.
Ä,ie Fabrikation von Garnrollen und Tonnenreifen hat in ,vU Kälbern Maines noch eine desonoere Ausgabe zu uju.^n. Man sagt allgemein, daß die,e Jndugrie ine Wälder Maines davor bewahre, von weißen Birkenschvß- lingen überwuchert zu werden. Früher nährten sich Vielleicht Millionen von Wild, namentlich Kaninchen, von den Schößlingen der grauen und weißen Birken; aber die zunehmende Vertilgung des Wildes zerstörte das von der Natur. geschaffene Gleichgewicht. Es giebt kein üppiger gedeihendes Gewächs als die Birke, und wenn man das Wachstum des Baumes in diesen Wäldern nicht ein- schränkt, so verbreitet er sich so außerordentlich, daß alle anderen Bäume verdrängt werden. Nun aber entdeckten die Tonnenreifen- und Garnrollenfabrikanten, daß es gar kein besseres Material für ihre Zwecke gäbe, und der unerschöpfliche Vorrat führte nun zur Entwicklung dieser gewaltigen Industrie, welche gleichzeitig die Birken auf bestimmte Flächenräume einschrlinkte. Die Tonnenreifen werden allerdings nicht nur aus jungen Birkett, sondern auch aus braunen Eschen fabriziert. Die jährliche Produktion beträgt etwa 35 Millionen Stück, und die Nachfrage steigt noch beständig. Die Reifen werden von Leuten gefertigt, welche die Wälder durchstreifen, die jungen Bäume schneiden und zurichten. Der für diese Reifen gezahlte Preis beträgt durchschnittlich 4 Mark pro Tausend Reifen von geringem Durchmesser und 5 Mark für das Tausend der größten Reifen. Ein tüchtiger Arbeiter kamt täglich 2000 Bäume schneiden und fortschasfen. Wenn diese gespalten, gehobelt und zu der richtigen Länge geschnitten sind, so geben sie etwa 4000 Reifen. Ein Mann muß also ziemlich
flott arbeiten, um bei biefer Arbeit täglich 12 vis 20 Mark zu verdienen. Für einen deutschen Arbeiter wäre ja das allerdings schon ein sehr schöner Verdienst. Manche der alten Arbeiter verdienen hier diesen Betrag während der stillen Zeit des Jahres, d. h. wenn keine Fremden zu führen und zu beherbergen find. Im Sommer ist es sehr still im Reiseugeschäfr, und wenig Leute versuchen, Birken- und Eschen-Schößlinge zu sammeln, wenn sie täglich mehrere Dollars entlad) dadurch verdienen können, dag sie den Touristen als Führer durch den Wald dienen. Die Leute haben also jedenfalls ihr sehr gutes Auskommen.
Etwa 2000 Leute find mit dem Sammeln junger Birken und Eschen in den Wäldern Maines beschäftigt, und die Gesamteinnahme aus dieser Quelle wird auf 40 000 bis 50 000 Dollars geschätzt. (Nach George E. Walsh tu Seien- tifie Ameriecm.) Ein Gewinn ist an den kleinen Artikeln natürlich nur dadurch zu erzielen, daß sie in außerordentlich großen Mengen produziert werden. An einem Päckchen Zahnstocher, welches mit einem Pfennig bezahlt wtro, kann natürlich nur ein lächerlich geringer Reingewinn erzielt werden. Aber wenn man berücksichtigt, da,; alljährlich Millionen dieser Päckchen erzeugt und verkauft werden, so bringen sie doch etwas ein. Es ist z.B.ntcyt selten, daß ein Fabrikant den Auftrag erhält, 5 Millionen Damensteine zu liefern; bei einer so massenhaften Fabrikation läßt sich schon ein sehr schöner Gewinn erzielen, wenn das Rohmaterial billig ist.
Artikel für die Spielzeugindustrie werden namentlich aus Abfällen gefertigt, sodaß ihre außerordentliche Bil.^g- keit erklärlich ist, und die amerikanischen S-Pielzeugarricet aus Maine sind in der Tat von einer so außerordentlicyeii Billigkeit, daß sie in dieser Hinsicht den berilhmteu deutschen Spielzeugen auf dem Weltmarkt die empfmdlichste Konkurrenz zu bereiten beginnen. Der ganze Witz besteht in der wirklichen vorteilhaften Ausnutzung jedes kleinsten Stückchen Holzes, denn die bei der Fabrikation von Sptel- zeugkästeu wieder entstehenden Abfälle bilden immer noch ein geeignetes Material für Zahnstocher usw. Es steht letzt fest, daß Millionen hölzerner Spielsachen, welche zu Weihnachten auf den Markt gelangen, in keinem anderen Teil der Welt so billig hergestellt werden tonnen, tote in Maine, und jedes Jahr toerden neue Maschinen zur Fabrikation von Spielzeugen erfunden, durch welche Hie Herstellung noch immer wohlfeiler wird. Sogar der billigen deutschen Handmalerei auf den Waren wissen die Amerikaner ent- gegeuzuarbeiten, denn sie haben sogar Maschinen erfunden, die Spielfachen zu bemalen. Sie sprechen es selbst aus, daß sie darauf Einarbeiten, das „Made in Germanh von allen Spielsachen zu entfernen, damit die Worte „front the Maine woods" an feine Stelle treten. Die deutschen Spielwarenfabrikanten haben jedenfalls alle Veranlassung, mit dieser mächtigen Konkurrenz zu rechnen und selbst die trefflichsten Maschinen zur Verarbeitung von Abfallholz einzuführen. -v •
Bilderrätsel.
^Nachbildung verboten.-
lAuflösnng in nächster Nummer.)
Auflösung der Charade in vor, Nr.r Fallschirm.
Redaktion: Curt Plato. - Romtionsdruck und V«lag der -Brühl's-b-n Universitäts-Bulb- und Eteindruckerei (Pi-ts-b Erben) in Gießen.


