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nötig, mich zu belügen?" fragte ich, denn trotz meines Ab­scheus fühlte ich mich empfindlich verletzt.

Ich wollte es Ihnen eigentlich sagen", antwortete er, und war mehr als einmal drauf und dran, es zu tun. Sie entsinnen sich doch, wie ich wegen eines Verbrechens bei Ihnen auf den Busch klopfte, obgleich Sie wahrscheinlich vergessen haben, was Sie darauf antworteten. Ich glaubte auch nicht, daß es Ihr Ernst war, allein ich gedachte Sie auf die Probe zu stellen. Jetzt sehe ich, daß ich recht hatte, aber ich verdenke Ihnen das nicht. Mich allein trifft die Schuld. Machen Sie sich aus dem Staub, mein lieber Junge, so rasch Sie können, und überlassen Sie die Sache mir. ^Ver­raten werden Sie mich doch Wohl nicht, was Sie auch sonst tun mögen!"

(Fortsetzung folgt.)

Theater auf dem Gleiberg.

(Nachdruck verboten.)

Als vor tausend Jahren der Bergfrit auf dein Glei- verg errichtet wurde, ahnte sein Erbauer schwerlich, wel- chen Zwecken die im Schuß des Turmes entstehenden Ge­bäude später noch alle dienen sollten. Dem Schicksal, Zucht- oder Arbeitshaus zu werden, ist der Nassanerbau ja glücklich entgangen, dafür aber wird er Jahrhunderte lang von feinen fernen Besitzern nur als Zehntscheuer benutzt. Dann versuchte der lernende Teil unserer Hoch­schule, den Gleiberg zur Universität zu erheben, und nistet sich dort ein. Endlich, nachdem sich droben so manches Drama abgespielt hat, und jetzt friedliche Zeiten bei uns eingekehrt sind, wird die Burg zum Schauspielhaus. Kaum hält man es für möglich, und doch ist es Tatsache, denn die Ankiindigung liegt schwarz auf weiß vor mir. Die Erfahrung muß lehren, ob das Unternehmen Erfolg hat, einstweilen dürfen wir dem guten Ruf, der dem Direktor und seiner tüchtigen Truppe vorausgeht, volles Vertrauen entgegenbringen. Es ist Herr F. Carlos, Königl. Preuß. konzessionierter Schauspiel-Direktor vom Theater in Koblenz, der mit seiner zwanzig Personen starken Gesellschaft den kühnen Plan gefaßt hat, auf dem Gleiberg einen Cyelus von Vorstellungen zu eröffnen. Die Idee, die diesem künstlerischen Versuch zu Grunde liegt, ist jedenfalls originell und hat eine gewisse Berechtigung. Herr Direktor Carlos ist sich der Kühnheit seines Unter­nehmens auch selber vollkommen bewußt. Er setzt uns deshalb in einer Art Vorrede zu den gleichzeitig über­sendeten Theaterzetteln seine Absichten auseinander.

Vor allem, meint er, wenn es eine ungewöhnliche Idee ist, auf den Ruinen eines ehemaligen Bergschlosses theatralische Vorstellungen zu geben, so ließe sich erwarten, daß in unserer nach Originalität strebenden Zeit diese romantische Idee viel Eingang finden dürste, wenn auch Gegner schon nicht ausbleiben werden. Also dem der Romantik zuneigenden Zeitgeschmack will Herr Carlos dienen; er will Stimmung erzeugen. Und darin hat er recht, wenn er glaubt, daß die Umgebung ungemein viel Einfluß auf die Stimmung, in die der Hörer versetzt werden soll, ausüben wird. Welchen Eindruck muß z. B. Schillers Wallenstein erwecken, wenn er in einem echten Renaissanceschloß, wie es der Nassauerbau des Gleibergs darstellt, zur Aufführung gelangt und wenn dieses Schloß einen Teil einer im dreißigjährigen Krieg, also in der Zeit Wallensteins zusammengeschossenen Burg bildet? Oder man denke sich Shakespeares Zähmung der Widerspenstigen, besonders die Szenen im Hause Petrucchios; oder Moretos Donna Diana, kann es hierfür eine geeignetere Bühne geben als in eben jenem Renaissancebau?

Doch die Umgebung tuts nicht allein, das künstlerische Können der Darsteller bleibt doch immer die Hauptsache. Aber auch hierüber kann uns dieVorrede" des Herrn Carlos beruhigen. Wie andere Bühnen-Ensembles größerer Städte, so will auch das Koblenzer Theater die nach dem Minter sich einstellende Pause zu Gastspielreisen benutzen. Tie Mitglieder haben daher den Vorzug, gut aufeinander eingespielt zu sein. Außerdem steht der Direktor mit ehemaligen beliebten Mitgliedern größerer Bühnen in Unterhandlungen, um sie für sein Unternehmen zu ge­winnen. Durch diese bevorstehende Vermehrung seines Personals wird er in der Lage fein, auch größere Stücke gut zu besetzen. Für Kostüme und Dekorationen ist eben­

falls wie sich nicht anders erwarten läßt gut ge­sorgt. Menn von feiten des Publikums aus den für Ver­wöhntere immerhin fühlbaren Mangel einer Bühnen-Ein- richtung großen Stils aus dem Gleiberg Rücksicht genom­men wird, glaubt Herr Carlos des Erfolges seines künst­lerischen Versuches sicher zu sein.

Was die Wahl der Stücke angeht, so wird die Direktion selbstredend nicht vor den größten Ausgaben zurückschrecken. Vorläufig, d. h. für die drei ersten Vorstellungen, hat sie leichtere Sachen angesetzt, vermutlich um deu neu zu enga­gierenden Kräften Gelegenheit zu geben, sich mit der vor­handenen Truppe einzuspieleu. Das ist sehr vernünftig gedacht, denn nichts ist störender für den Eindruck eines dramatischen Kunstwerkes, als ein Zusammenspiel, das nicht klappt. Für Gießen gewinnen diese ersten Vorstel­lungen aber auch noch dadurch an Interesse, daß sie, wenn auch von älteren Autoren herrührende, so doch hier noch niemals anfgeführte Stücke bringen. Das erste ist ein sünfaktiges Lustspiel von Wolff: Cäsariv oder die bekehrte Spröde. In ihm birgt sich eine originelle Nachbildung des bekannten Shakespeare'schen Stückes, das ich oben er­wähnte. Die zweite Vorstellung wird KotzebuesInter­mezzo", über das weiter kein Wort zu verlieren ist, aus unverdienter Ruhe erwecken und in der dritten Vorstellung soll ein Versuch mit der großen Oper gemacht werden. Wenzel MüllersTeufelsmühle am Wienerberge" mit dem Text von Hensler wird über die Bretter gehen, ein Werk ganz im romantischen Geist gedichtet und komponiert. Es wird also gewissermaßen die Hauptprobe des ganzen Unternehmens sein.

Noch einige wenige Bemerkungen möchte ich der An- kündigung des Herrn Carlos entnehmen. Herr Carlos steht auf dem Standpunkte, daß der Verkehr seiner Schauspieler mit den: Publikum für beide Teile nicht zuträglich sei, da einerseits die Unbefangenheit der Darsteller, anderer­seits der künstlerische Eindruck, den der Hörer bekommen soll, Einbuße erleide» muß. Der Schauspieler soll zwar dem Menschen Menschen zeigen, aber nicht seine Person, sondern nur die vom Dichter gewollte. Bei persönlichem Verkehr aber werden beide gar leicht im Bewußtsein des Hörers verwischt. Aus diesen Gründen rechtfertigt sich das Verbot der Direktion, das das Betreten der Bühne jedem Unbefugten untersagt. Endlich glaubt Herr Carlos, daß der mit dem Besuch seines Theaters für die Gießener verbundene Spaziergang und der Genuß ländlicher Freuden" nur vorteilhaft auf den Erfolg seines Unternehmens wirken kann, und ich muß zugeben, daß ein Heimweg dnrck die schweigende Natur nach hohem Kunstgenuß dessen Eindruck nur verstärken und vertiefen kann.

Die Vorstellungen sollen nach der Eröffnung jeden Sonntag und Mittwoch nachmittags um 4 -oder 5 Uhr be­ginnen. Alles Wettere wird Herr Carlos durch den Gießener Anzeiger bekannt machen.

Ich bedauere aber, meine geehrten Leserinnen und Leser zu den Vorstellungen unseres kühnen Theaterdirektvrs nicht begleiten zu können, da dieser mitsamt seinen tüch­tigen Künstlern längst im Grabe ruht. Theaterzettel und Vorrede sind datiert vom Juni im Jahre des Heils 182-4

Handelsartikel aus Abfallholz.

Nachdruck verboten.

Der größte Teil der in den Sägemühlen und den Holz verarbeitenden Betrieben erzeugten Abfälle werden zu Heizzwecken verwendet; doch ist diese Art der Verwendung keineswegs immer die vorteilhafteste. Es werden auf diesem Wege ungeheure Mengen guten Holzes verschwendet, welche sich zu vielbegehrten Handelsartikeln verarbeiten lassen; ja, es können sogar großindustrielle Betriebe auf der nutzbringenden Verwendung von tzolzabfällen begründet werden.

Daß dies in der Tat möglich ist, haben uns wieder die Amerikaner gezeigt, obivohl natürlich nicht bestritten werden soll, daß man auch in Deutschland diese Abfälle nützlich zu verwenden versteht. Die Amerikaner haben aber, und dies ist das wesentliche, Spezialmaschinen für diese eigenartige Industrie geschaffen, sodaß sie in höchst vorteilhafter Weise zu arbeiten vermögen.

Findige Köpfe bemerkten, daß die in den großen Wäl-