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Dank an, und Miß Duckitt erging sich sofort in einer ausführlichen Rede über die Kunst des Fischens, der Miß D'Arcy mit etwas erheuchelter Aufmerksamkeit zuhörte. Auf dem Rückweg schloß sich Sir Greville den beiden Damen an, und als sich das Trio dem Hotel näherte, klangen ihnen die begleitenden Töne eines Klaviers und eine schöne, voll Altstimme entgegen.
„Sehen Sie, dort drüben auf der Mauer sitzt der Kutscher Terence mit seinem Weißen Hunde!" rief Mrs. Duckitt. „Das ist ein englischer junger Mann, dabei so still und bescheiden, gar nicht wie sonst Leute seines Standes. Da er sich von den hiesigen Eingeborenen fern» hält, steht er zwar im Rufe, etwas stolz und unnahbar zu sein, einem geborenen Pferdekenner aber wird in Irland bekanntlich alles vergeben."
„Ja, er scheint mir ein famoser Bursch zu sein", stimmte ihr Greville bei. „Seine körperliche Kraft und Ausdauer, sein Mut und seine Energie sind gerade die Eigenschaften, womit man sich in erster Linie Hochachtung und Bewunderung des Volkes erringt."
„Mir ist es schon häufig ausgefallen", fuhr Mrs. Duckitt fort, „daß er jedesmal hier in der Nähe auftaucht, wenn aus den offenen Hotelsenstern Musik ertönt."
Freundlich nickte sie ihm bei Vorübergehen zu, und auch Maureen neigte grüßend den Kopf, wofür der Empfänger, den Strohhut abnehmend, mit ernster Miene dankte.
Siebentes Kapitel.
Eifersucht.
sxi5 Wetter war herrlich. In vollen Zügen genoß Sir Greville seinen Lieblingssport, und selbst seine Gattin hatte sich entschlossen, ihn einmal mit Maureen auf einer Fahrt nach dem Veranesee zu begleiten. Sie machte dabei aber so schmerzliche Erfahrungen mit ihrer Toilette und ihren zierlichen Schuhen in dem nassen Boot und auf den felsigen Wegen, daß sie für die Zukunft auf immer darauf verzichtete. Und doch i .m sich kaum etwas Schöneres denken, als den grc-w -> «-innenfee mit seinen zerklüfteten, ruinengeschmückten Inseln und der klaren Wasserfläche, in der sich die purpur- und violettschimmernden Berge spiegelten. Sumpfiges Moorland, aus dem bunt blühende Binsenkräuter in üppiger Fülle emporsproßten, und schroffe Felsen mit Heidekraut, Stechginster und wilden Fuchsien bewachsen, umschlossen die Ufer, während in der Ferne, auf den sanft abfallenden Hügeln, schmucke Rinder- und Schacherden weideten. Mer selbst dieses entzückende Landschaftsbild mit seinen weltabgeschiedenen, poetischen Zauber konnte Lady Fanshawe nicht für die Un- beguemlichkeiten einer Fahrt im feuchten, schwankenden Boot und für das Klettern auf unwegsamen.Pfaden entschädigen. Maureen freilich schwelgte in der herrlichen Natur, wenn sie sich auch für den Fischereisport noch nicht zu begeistern vermochte. So begab sich Sir Greville jeden Morgen, nur von den beiden Schiffern Joe und Judge begleitet, mit seinen Fischereigeräten hinaus auf den See voer Fluß, während seine Gattin und Schwägerin, jede auf ihre Weise, die rasch dahineilenden Stunden verbrachten. Es dauerte nicht lange, so gehörte Lady Fanshawe zu einer der bekanntesten und gefeiertsten Erscheinungen unter den sogenannten Kurgästen. Voll Eifer schloß sie sich allen geselligen Vergnügungen, wie Picknicks- Tennis-, Golf- und andern Spielen an, befreundete sich sehr bald mit einer Mrs. Larkins, einer hübschen, jungen Frau, der das Fischen ebenfalls verhaßt war, schmückte ihren Privatsalon mit seidenen Kissen, Photographien, Dra- perien, mit Zweigen von wilden Fuchsien und Gebirgseschen und einer Menge anderer Blumen, mietete sich ein Klavier und machte ihr Boudoir zu einer Art Versammlungsort der auserlesensten Gäste des Hotels, ja, des ganzen Orts. Es galt als eine Vergünstigung, zu Fanshawes heiteren Teegesellschaften oder Spielabenden eingeladen zu werden, bei denen man sich herrlich unter» hielt und sich meist erst spät nach Mitternacht trennte. Rach und nach war die schöne, lebenslustige Frau von einem förmlichen Hofstaat umgeben. Ein irländischer Beamter und zwei Offiziere von Kork hatten sogar tatsächlich nur deshalb das Fischen aufgegeben, um sich der Schar von Verehrern „der Fischkönigin" anzuschließen, ein Titel, den man der schönen Frau beigelegt hatte, weil sie jeden Wend nach dem Essen, in einem hohen Lehnstuhl thronend, an die Herren und Damen, die in der Vorhalle ihre
Fischeretergebnisse auf Heidekraut hübsch ausgebreitet hatten, entweder Tadel ober Lob und Preise — in Form von Blumen — auszuteilen pflegte.
„Sie und Fischkönigin!" — wiederholte die sonst so fteundliche, neidlose Mrs. Duckitt, „eine Frau, die weder eine Forelle von einem Stockfisch, noch einen Salm von einem Haifisch unterscheiden kann! Wenn man Sie zur Königin der Fische ernennt, warum dann nicht mich, zur Königin der Schönheit?"
Es war kein Wunder, daß Mrs. Duckitt und Lady Fanshawe durchaus nicht miteinander harmonierten, denn zwei verschiedenere Menschen als sie, konnte man nicht leicht finden. Wie würden die Leute gelacht haben, wenn jemand hätte behaupten wollen, daß die reizende Nita von glühender, wenn auch heimlicher Eifersucht auf die wetterharte kleine Witwe, für die Sir Greville ganz nn- verholen eine so große Vorliebe an den Tag legte, erfüllt fei! Sir Greville hatte niemals unter die Anbeter der Frauenwelt gehört, und Nita konnte deshalb ganz besonders stolz auf ihren Sieg über ihn sein. Sie hatte es immer als etwas ganz Selbstverständliches angesehen, daß er ihre gesellschaftlichen Triumphe mit Nachsicht aufnahm, dem Troß ihrer Bewunderer Beifall zollte und ihr gelegentlich selbsst Weihrauch streute. Und nun mußte sie es plötzlich erleben, daß er die Gesellschaft einer andern der ihrigen vorzog! Zorn und Schrecken erfüllten ihr Herz. Bei Tisch saßen er und die Witwe einander gegenüber, und nachher trafen die Beiden meistens auf der Veranda zusammen, um sich über Angelfliegen und dergleichen zu unterhalten, oder aber mit einander die Straße hinunter nach dem Laden zu schlendern, wo Fischgeräte zu kaufen waren. Kein Mensch hatte natürlich eine Ahnung, daß jeder Schritt und jede Bewegung der Beiden von der gefeierten Schönheit mit eifersüchtiger Angst beobachtet wurden, obgleich es manchem der Gäste vielleicht auffallen! mochte, daß Mrs. Duckitt niemals bei Lady Fanshawes reizenden kleinen Gesellschaften eintraf. Maureen aber kümmerte sich um all das nicht, sondern durchstreifte voll Entzücken die Umgegend von Ballybay. Dabei besuchte sie manche abgelegene Orte, einsame, mit Wasserrosen fast ganz bedeckte Bergseen, seltsame, aus der Dänenzeit stammende alte Ueberreste von Festungswerken, wo jetzt Schafe hausen, und verödete Dörfer, deren halb zerfallene Häusermauern von üppigen Ranken der wilden Fuchsia beinahe, erdrückt wurden, während Johannisbeersträucher und alte, moosbewaschene Apfelbäume die Stellen anzeigten, wo früher Gärten gewesen waren. Auch die einstigen Bebauer und Besitzer dieser Gärten waren tot, oder hatten sich in schlimmen Zeiten übers Meer geflüchtet.
„Weißt Du schon die neueste tragische Begebenheit?" fragte Maureen, eilig in den hübsch ausgestatteten Salon ihrer Schwester eintretend.
„Was ist geschehen? Hat der alte Foulcher Mrs. Duckitt einen Heiratsantrag gemacht?"
„Nein, das nicht", antwortete Maureen lachend, „aber Du erinnerst Dich doch, daß der junge Noris endlich gestern nach vielen Mißerfolgen seinen ersten Salm mit nach Hause brachte, und Du ihm als Preis eine Blume gabst?" „Natürlich; er konnte ja vor Erregung kaum sprechen, telegraphierte die großartige Neuigkeit an alle seine Verwandten und wollte den Fisch feinem „Erbonkel" schicken."
,La, und nun denke Dir, als er ihn einpacken lassen wollte, stellte sich heraus, daß wir alle ihn durch ein entsetzliches Versehen heute zum Frühstück gegessen hatten. Vorzüglich war er, das muß man sagen! Der arme Junge, er war nahe am Weinen."
„Er hätte ihn eben in Staniol wickeln und in sein eigenes Zimmer tragen sollen", spottete Lady Fanshawe. „Doch höre mal, Moll, wo kommst Du nun eigentlich wieder her? Ich versichere Dir, Deine Haut ist nächstens ebenso braun, wie die jener Person. (Unter „jener Person" verstand nämlich Lady Fanshawe stets Mrs. Duckitt.) „Warum kannst Du nicht ruhig hier bleiben und Tennis spielen, anstatt Dich Tag für Tag wie eine Wilde in den Wäldern und Schluchten herumzutreiben?"
„Tennis kann ich in London zur Genüge spielen, wilde Schluchten und Seen aber giebts dort nicht. Ich, genieße eben mein Dasein auf meine Art, Du auf die Deinige. Mir macht es Spaß, die Bauernmädchen beim Tanze zu beobachten oder auf Entdeckungsreisen in den Bergen auszu- gehen. Dabei habe ich allerlei kleine, heitere Erlebnisse


