Nr. 8.
1903.
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(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzuug aus dem Englischen von Alwina Vischer.
(Fortsetzung.)
„Sie glauben nicht, was für einen herrlichen Mick man von der Brücke aus hat!"
„Ich höre so viel von der Brücke sprechen, hat sie irgend etwas Bemerkenswertes?"
„Das nicht, sie überspannt nur das Flüßchen, das den Veranesee mit der Bucht verbindet. Es ist ein reizendes Plätzchen, und nicht, wie Sie vielleicht denken, einsam und abseits, sondern an der großen Landstraße gelegen, wo der regste Fremdenverkehr herrscht."
Die Brücke war in der Tat ein höchst malerischer Punkt. Geschäftig plätschernd eilte das krystallklare, seichte Flüßchen, von dem imposanten Veranesee kommend, unter den Brückenpfeilern dem unendlichen Ozean zu. Das eine Ufer wurde von prächtigen Bäumen beschattet, unter denen eine Menge kleinerer und größerer Boote angelegt lagen, während das entgegengesetzte User flach und sandig war. Ms sich Maureen über die Brücke beugte, bemerkte sie itoei mit Wasserschöpfen beschäftigte Mädchen und einen kleinen Jungen, der geduldig mit einer umgebogenen Stecknadel fischte. Auf der Brücke selbst befanden sich zu dieser Stunde nur etwa ein halbes Dutzend Menschen, die sich mit aufgestützten Ellbogen über das Geländer neigten. Dicht neben Mrs. Duckitt stand ein großer, alter Mann mit einem braunen Schnurrbart, dessen Brust mit drei Medaillen geschmückt war.
„Das ist der Invalide Pat", sagte sie. „Mit dem muß ich Sie bekannt machen, er ist ein Original. Nuri, Pat, wie geht's?"
„Vortrefflich, gnädige Frau", antwortete er, militärisch grüßend.
„Dies ist Sir Grevilles Schwägerin, die Ballhbay gerne kennen lernen möchte."
„Sein Sie herzlich willkommerr, mein liebes Fräulein! Einen gesünderen Ort konnten Sie gar nicht finden. Wer verzeihen Sie, ist das nicht etwas Indisches?" fragte er, auf die gemalte, in Filigran gefaßte Brosche zeigend- die sie trug.
„Doch, eine Schulfreundin schickte sie mir aus Delhi."
„Ans Delhi!" ries er, und seine Augen leuchteten, »das kenn ich."
„So?"
„Natürlich, ich war während des großen Militär-Aufstands dort."
„Wirklich? Da haben Sie ja drei Medaillen, darf ich fragen, bei welcher Veranlassung Sie diese Auszeich- »mngen erhielten?"
„Gewiß, aber das muß er Ihnen ein andermal erzählen", fiel ihr Mrs. Duckitt ins Wort, indem sie Maureen hastig beim Arm nahm. „Wir müssen jetzt um- kehren, Pat." Dann fuhr sie, zu ihrer Begleiterin ge- wandt, fort: „Es soll nämlich heute abend musiziert werden, das dürfen wir nicht versäumen."
„Ich würde lieber hier draußen bleiben, und die See- und Berglust genießen, von der Mondscheinbeleuchtung gar nicht zu reden."
„Wir haben Zeit in Hülle und Fülle zu all dem. Mer hat der alte Pat Sie erst einmal in Beschlag genommen, so werden Sie ihn vor einer Stunde nicht wieder los, und Mrs. Borlase hat eine himmlische Stimme — erinnern Sie sich der großen Dame im hellgrünen Kleid, die auf der Veranda saß?"
„Ja, fischt sie auch?"
„O nein, mein liebes Kind. Wir Fremde werden nämlich hier in dreierlei Klassen eingeteilt: erstens die wirklichen, echten Angler, die Tag für Tag gewissenhaft auf den Fischfang gehen, wie z. B ich, Sir Greville und die drei Brüder aus Leeds; zweitens in die Gelegenheitsfischer, die sich den Anschein geben, als fischten sie, sich aber mehr mst Picknicks an den See- und Flußufern oder Spaziergängen in der Umgegend abgeben, und endlich die Kurgäste, die nur baden, Ausflüge machen, Tennis und Golf spielen und tanzen, wenn ihnen die Gelegenheit dazu geboten wird. Ich bin neugierig, in welche Rubrik Cie und Ihre Schwester eingereiht werden."
„Meine Schwester kommt wahrscheinlich in die Klasse der Kurgäste", erwiderte Maureen lächelnd, „während man mich doch vielleicht unter die Gelegenheitsfischer zählen wird, obwohl ich mir bis jetzt nicht viel aus dem Fischen mache, und vor allem daraus brenne, diese wildromantische Gegend recht gründlich kennen zu lernen."
„Wer weiß, vielleicht wird doch eine ernstliche Fischerin aus Ihnen."
„Das glaube ich kaum. Die selbst aber betreiben wohl die Sache sehr eifrig?"
„Ja, mein Mann war ein leidenschaftlicher Angler und steckte mich mit seiner Liebhaberei an. Meistens gingen wir nach Schweden oder Norwegen, aber für eine allcin- stchcnde Frau ist das zu weit, und so begnüge ich mich eben mit Irland. Ihr Schwager und ich verstehen uns vortrefflich, er ist wirklich ein sehr netter und liebenswürdiger Mann."
„Ach, wie mich das freut! Ucbrigens können die meisten Menschen Greville sehr gut leiden."
„Wir haben eben auch ganz dieselben Ansichten über die Äugelfliegen, machen uns beide nichts aus schlechtem Wetter und haben ungefähr gleich viel Geduld. Und da ich weiß, daß er es gerne sehen würde, wenn Sie auch tischen lernten, so werde ich Ihnen, wenn eS Ihnen recht ist, einige Winke geben."
Maureen nahm dieses freundliche Anerbieten mtt


