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1903.
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Samstag den 15. August.
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(Nachdruck verboten.)
Schloß Osterno.
Roman von S. M e r r l m a n.
(Fortsetzung.)
Er sprach kein Wort, und nach einer Weile fuhr Wassili mit der Puhe und Klarheit eines Advokaten in seiner Erzählung fort.
„Auf der Steppe wurde eine Leiche gefunden, — die Leiche eines nicht mehr ganz jungen Mannes, der ungefähr wie ein kleiner Handlungsreisender gekleidet war. In seiner Tasche befand sich etwas Geld, aber nichts, was ihn hätte dentifizieren können. Er wurde hier in Twer durch die Polizei begraben, nachdem eine in Twer auf gegebene, anonyme Postkarte sie von der Auffindung des Leichnams verständigt hatte. Die betreffende Person wollte sich auf kein Verhör einlassen. Wer hat den Leichnam gefunden? Wer war der Tote? Frau Etta Beaumont nahm an, daß es ihr Gatte sei, und kraft dieser Annahme wurde sie Fürstin Alexis. Eine schwache Grundlage, auf der sie ihr Glück erbaut hat, nicht wahr?"
„Woher wußten Sie, daß der Leichnam gefunden wurde?" fragte Chauxville, dem der schwache Punkt in der Kette der Argumente Wassilis sofort auffiel.
„Die russischen Zeitungen brachten darüber kurze Berichte, die in ein paar ausländischen Blättern abgedruckt wurden, da die Polizei der Meinung war, daß der Mann ein Ausländer sei."
„Sie glauben also, daß die Dame auf solch eine Annahme hin alles gewagt hat?" fragte Herr von Chaux- ville, nnt Anstrengung seine Erregung unterdrückend.
„Ja, denn ich kenne die Dame."
In Chauxvilles trüben Augen leuchtete für eine» Moment ein ungewohntes Licht auf. Er biß nervös auf das Ende seiner Zigarette und wischte sich zornig den Tabak von den Lippen.
. „Vielleicht hat sie etwas erfahren, was Sie nicht lmssen?"
richtig, — das eben ist es, was mich augen- vlmilch interessiert, das ist es, was ich herausbringen
. ,, Herr von Chauxville blickte kaltblütig auf. Er sah letzt seinen Vorteil.
. "Dus ist wohl die Ursache Ihrer plötzlichen Redseligkeit?" fragte er.
Wassili nickte.
"Sie bringen es nicht allein heraus, darum soll ich Ihnen helfen?" '
Wassili nickte abermals.
„Und der Preis?" fragte Chauxville, indem er sich vorbengte, um scheinbar das Muster des Teppichs zu studieren. Sein Gesicht wurde durch diese Bewegung verborgen. Er rettete Etta und schämte sich über sich selbst.
„Wenn Sie mir Auskunft geben können, dürfen Sie selbst den Preis bestimmen", sagte Wassili kalt.
Ein langes Schweigen entstand. Chauxville wandte sich um, und ergriff ein Glas Liqueur, das auf dem Tische stand. Seine Hanb war nicht ganz sicher; er führte das Glas rasch mt die Lippen, leerte es auf einen Zug, dann stand er auf und sah nach der Uhr.
„Hat die Dame Sie erkannt, als sie bei Ihnen in Paris speiste?" fragte er endlich.
„Ja; aber sie wußte nicht, daß ich sie erkannte." Einen Augenblick hatten beide Steinmetz vergessen. Herr von Chauxville stand in tiefem Sinnen da. „Und was denken Sie über Robert Beaumont?" „Wenn er nach Nischni-Nowgorod und über die Wolg» entkam, so ist et wahrscheinlich in diesem Augenblick in Ostsibirien oder Persien. Er hat noch nicht Zeit gehabt, ganz Asien zu durchqueren."
Herr von Chauxville ging zur Tür, blieb aber, mit der Hand auf der Klinke, wieder stehen.
„Ich fahre morgen früh", sagte er.
Wassili verbeugte sich.
Herr von Chauxville verließ das Zimmer. Sie reichten einander nicht die Hand, — manchmal empfinden auch Diebe Schamgefühl.
25. Kapitel. Im Netz.
,/Jch schlage vor, daß Katharina Sie in ihrem Ponny- wagen ein bißchen spazieren fährt, mein lieber Baron."
Tie Gräfin hatte sich wohl gehütet, diesen Vorschlag zu machen, so lauge sie mit Katharina allein war.
Sie ivar eine jener Mütter, die ihre Töchter beherrschen, indem sie sie in Gesellschaft, wenn die Tochter nicht widersprechen darf, mit ihren Befehlen überraschen.
Herr von Chauxville verbeugte sich.
„Wenn es das gnädige Fräulein nicht langweilt."
Tie Gräfin blickte ihre Tochter mit einem salbungsvollen Lächeln an, als rate sie ihr, sich diese Gelegenheit zu nutze zu machen.
„Wenn Herr von Chauxville nicht erfriert", antwortete Katharina mit ihrer gewohnten Ehrlichkeit.
Er lachte.
„Vor der Kälte der Luft fürchte ich mich nie, gnädigeK Fräulein. Ich sehne mich, Ihr schönes Vaterland kennen zil lernen. Gestern, während der letzten Stunden der Reise, war es schon ganz dunkel, und außerdem war ich schneeblind. Ich sah absolut nichts."
„Sie luerben auch heute nichts als Schnee sehen."
„Ter der Zurückhaltung eines jungen Mädchens gleicht", fügte der Baron hinzu. „Er hält warm, was darunter ist."
„Sie brauchen sich nicht zu fürchten, wenn Katharina Sie kutschiert", lispelte die Gräfin, die diese Bemerkung als ein unbestimmtes Kompliment aufnahm. „Se kutschiert großartig, unb ist nie nervös. Ich habe noch nie jemand 'so gut kutschieren sehen."


