Nr. 135.
1903.
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werfen, ochne sich sonderlich anzustrengen, gehörte sie entschieden zu den wenigen Glücklichen, die das Schicksal ihrer Lebenssphäre richtig angepaßt hat.
Noch nieinals hat sie jemand zornig gesehen, ihre ganz« Persönlichkeit war viel zu achtunggebietend, als daß inan hätte wagen dürfen, ihren Unwillen zu erregen. Ruhe und Kraft drückten sich in jeder ihrer Bewegungen aus. Madam« war eine Macht, der sich zu widersetzen Wahnsinn gewesen wäre. Es gab auch einen Hausherrn, einen starken, vollblütigen Mang, den man jedoch nur wenig sah und von dem man nicht recht wußte, was für eine Rolle er in Madames Haushalt spielte. Auch sieben Kinder waren vorhanden, schienen, aber die Aufmerksamkeit ihrer Mama nicht eben sonderlich in Anspruch zu nehmen, auf eine oder die andere Art ward für ihre leiblichen Bedürfnisse gesorgt, im übrigen kannte Madame die Angst und die schwächen gewöhnlicher Erdenmütter nur vom Hörensagen.
Madame und Hamor fanden augenscheinlich Wohlgefallen an einander. Sie sah in ihm den hübschen, liebens!» würdigen Burschen, der ihr nur wenig Mühe machen und voraussichtlich seine Rechnungen pünktlich bezahlen werde. Ihm erschien sie als eine tüchtige wirtschaftliche Frau, di« für seine persönlichen Bedürfnisse sorgen und ihn nie mit Weinen und Klagen belästigen würde, wie ländliche Wirtinnen zu tun pflegen, denen die Arbeit über den Kops wächst. Solche Ansprüche an sein Mitgefühl wären Hamor ganz besonders widerwärtig, ob weil er M viel oder zu wenig von letzterem besaß, darüber hatte er noch nie nachgedacht.
Auf sein Befragen erfuhr er aus Madames klaren verständigen Antworten, daß seine Freunde in der Nahe des! Torfes bei, der Arbeit seien, so machte er sich denn, durch einen Imbiß gestärkt, auf den Weg, um sie aufzusuchen.
Bor ihm lag ein offener Platz, auf dem außer ein paar Eichen, die dicht beim Wirtshaus standen, keinerlei Vegetation zu erblicken war. Tie kahle Sand,fläche, die den hochtönenden Namen la Place Nationale führte, schien der Gemeindeanger von Plouvenec zu sein, auf dem die Märkte, die Gavotten, Kampfspiele und andere Volksbelustigungen abgehalten wurden, die Menagerien und Wachsfigurenkabinette sich sehen ließen. Jenseits dieses Platzes sah man einen glänzenden Wasserstreifen, aus welchem sich das alte Festungswerk erhob mit seinen zackigen Granitmanern. Türmen und breiten Wallen, lieber den Zinnen ragten Baum- wipsel hervor uuv em Kirchturm inmitten fteiler Dächer.
Die alte, enge und winklige Stadt Plouvenec, auf einer Insel gelegen, die von einem breiten Meeresarm umspült wurde, war mit dem jüngeren Dorfe gleichen Namens nur durch eine Zugbrücke verbunden. Die Festung selbst war ein wunderlicher, unschöner Bau, der mancherlei hätte berichten können. Fünf Jahrhunderte lang hatte sie in der Geschichte der Bretagne, während der' zahlreichen Krieg«, die das Land verheerten, eine wichtige Rolle gespielt; Du.
(Nachdruck verboten.)
N WkmWn im her Brckgiie.
Von B. W. Howard.
1. Kapitel.
Spät an einem Herbstnachmitlag hielt die kleine rot und gelbe Postkutsche vor bent Hotel des Voyageurs in dem bretagnischen Dorfe Plouvenec. Von der nächsten Eisenbahnstation bis in diese entlegene Gegend, wo noch inmitten reicher, landschaftlicher Schönheit, Aberglauben und Unwissenheit herrschen, dehnten sich endlose weiße Wege zwischen sechs Fuß hohen granitenen Dämmen. Diese, fosses genannt, sind mit Erdreich bedeckt, mit Moos und üppigem schlingkraut bewachsen und von knorrigen Eichenstämmen gekrönt, die mit ihren gekappten Aestcn ganz wesentlich zunr dortigen Landschaftsbild gehören.
Während der vierstündigen Fahrt hatte der schwerfällige Kasten seine Insassen erbarmungslos durchgeschüttelt. Mr. Everett Hamor, der zwischen Schachteln,'Reisetascheir und den Musterkoffern verschiedener Handlungsreisender eingekeilt saß, mit deren Ellbogen er häufig in unliebsame Berührung gekommen war, zweifelte stark an der Möglich- lichkeit, sich jemals wieder aus der fürchterlichen Enge zu befreien. Um so angenehmer war er überrascht, beim Aus- steigen noch alle seine Glieder zusammenzufinden. Behaq- 1,c9..1t.reäte er seme langen Beine und schaute sich wohlgefällig um. '
Tie Dorfältesten saßen an kleinen Tischen vor dem Eafs des Voyageurs und labten sich mit Absinth, Wermut und politischen Gesprächen. In Plouvenec gab es zwei Eafss von Bedeutung. Besonders hervorragende Persönlichkeiten pflegten das eine nur zu verlassen,'ilin quer über den Platz nach dem andern zu wandern. In beiden Cafes gab es alltäglich eine Ebbe- und Flutzeit, je nachdem sich der Hauptstrom der Besucher von dem einen oder dem andern zuwandte. Als Hamor anlangte, war bei den Voyageurs soeben die Flut eingetreten.
_ kommt wieder ein verrückter Pariser Maler", war die stillschweigende Annahme der ehrenwerten Stammgäste von Plouvenec, als der junge Mann, nach kurzer Musterung ferner nächsten Umgebung, mit raschem Schritt auf die unter der Tur stehende Wirtin zuging. Madame war entschieden eine Frau nach seinem Geschmack, das erkannte er sofort und die Zeit bestätigte seinen ersten Eindruck; auch Madame z.?5. "ibwals auf, den jungen Mann mit demselben bei- talligen Lächeln zu betrachten, mit dem sie ihn heute, bei grüßteer en' bte Zimmerfrage betreffenden Gespräch, be-
Madame glich eigentlich einer stolzen Römerin mit bre- tagmscher Kopfbedeckung. Fünf Fuß acht Zoll hoch, von kräftigem Körperbau, eine angenehme Erfcheinung — und
genug, allzu lärmende Kunden zur Tür hinauszu


